Donnerstag, 23.05.2013

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Medizin-Nobelpreis Teil 1

Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima, Rechte: WDR
Sendung vom 08.10.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr

Medizin-Nobelpreis für Zellforscher

Das Nobel-Komitee hat die Träger des Medizin-Nobelpreises 2012 bekannt gegeben. Der Preis geht an einen Briten und an einen Japaner. Die beiden erhalten den Preis für ihre Zellforschung.



Bild: Nobelpreis-Träger John Gurdon und Shinya Yamanaka; Rechte: dpa/picture alliance
Die Klonpioniere John B. Gurdon (links) und Shinya Yamanaka erhalten den Medizin-Nobelpreis 2012

Preis für Forscher aus Großbritannien und Japan

Preisträger in diesem Jahr sind der Japaner Shinya Yamanaka (50) von der Universität Kyoto und der Brite John Gurdon (79), der immer noch an dem nach ihm benannten Gurdon-Institute an der Universität in Cambridge forscht. Die beiden erhalten den weltweit renommiertesten Wissenschaftspreis für ihre Arbeit zur Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den embryonalen Zustand. 

Das teilte das Karolinska-Institut am Montag (08.10.2012) mit. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert. Damit fällt das Preisgeld erstmals rund 20 Prozent geringer aus als in den vergangenen Jahren. Grund ist, dass das Stiftungskapital unter der Wirtschafts- und Finanzkrise gelitten hat.


Pioniere der Klonforschung

Der Brite Gurdon entnahm Fröschen eine Eizelle und entnahm den Zellkern. Anschließend platzierte er dort den Zellkern aus einer spezialisierten, fertig entwickelten Zelle aus einer Kaulquappe. Die Eizelle entwickelte sich daraufhin zu einer normalen Kaulquappe. Diese grundlegende Erkenntnis war später Basis für das Klonen von Säugetieren.


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John Gurdon über seine Forschung (engl.)


Jungbrunnen für alte Zellen

Sein japanischer Kollege Yamanaka fand 2006 heraus, dass sich dieses Verfahren vereinfachen lässt: Er fügte einer Hautzelle vier Gene hinzu, daraufhin verwandelte sich die Zelle in eine pluripotente Zelle. Pluripotent nennt man Zellen, die sich in unterschiedliche Körperzellen entwickeln können. Diese Erkenntnis, dass erwachsene Zellen durch einen molekularen Jungbrunnen gehen können, war vor sechs Jahren eine Sensation.


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Shinya Yamanaka über die auch lustigen Anfänge seiner Forschung (engl.)


Preis war für Experten keine Überraschung

Bild: Porträt des Stammzellforschers Hans Schöler Rechte: dpa/picture alliance
Hatte den richtigen Riecher: Hans Schöler

Dass die Grundlagenforschung von John Gurdon und Shinya Yamanake nobelpreisverdächtig ist, war für Experten im Gebiet wohl keine Überraschung. Der renommierte Stammzellforscher Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster, zeigte 2011 das richtige Gespür. Auf WDR 5 sagte er über die Forschung des Japaners: "Das ist eine der ganz großen wissenschaftlichen Erfolgsgeschichten. Unter Wissenschaftlern wird spekuliert, ob Yamanaka dieses oder nächstes Jahr den Nobelpreis dafür bekommt. Weil er die wissenschaftliche Welt in den Grundfesten erschüttert hat und dafür gesorgt hat, dass man plötzlich Dinge machen kann, die man selbst mit embryonalen Stammzellen nicht machen konnte."


Grundlagen der Zelltherapie

Forscher hoffen, dass sich aus diesen vielseitigen Zellen eines Tages Ersatzgewebe oder Ersatzorgane erschaffen lassen, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden, weil sie vom eigenen Körper stammen. Allerdings ist diese Forschung noch ganz am Anfang. "Es ist noch zu früh zu sagen, wann die Erkenntnisse in der Zelltherapie umgesetzt werden können", sagte Urban Lehmdahl vom Nobelkommittee am Montag. "Dank ihrer Arbeit wissen wir jetzt, dass die Zellentwicklung keine Einbahnstraße ist."

 

Kein Patent für embryonale Stammzellen [Leonardo, 18.10.11]

Im Supermarkt der Zellen [Leonardo, 09.03.11]

Stammzellen gegen Rückenmarksverletzungen [Leonardo, 12.10.10]


Hoffnungen inzwischen gedämpft

Bild: Maßgeschneiderte Nervenzellen; Rechte: dpa
Hoffnungsträger Stammzellen

Bis vor wenigen Jahren galt die Stammzellforschung als eine der Hoffnungsdispziplinen in der Medizin. Doch nach Rückschlägen und Misserfolgen ist die Stimmung inzwischen gedämpfter. Und die Forscher betonen immer wieder, dass es sich bei den bisherigen Ergebnissen um Grundlagenforschung handelt. Das gilt auch für die Arbeit von Gurdon und Yamanaka. Wann sie Patienten zugute kommen könnte, ist noch überhaupt nicht absehbar.



Stand: 08.10.2012



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