Streitpunkt Palmöl

- Leonardo unterwegs
Streitpunkt Palmöl
Umfrage: Wer ist verantwortlich?
Von Alexandra Hostert
Wir kaufen Lebensmittel und Kosmetikartikel, die Palmöl enthalten. Behörden legen fest, dass Diesel zu einem gewissen Anteil Bio-Kraftstoff enthalten muss. Große Firmen pflanzen tausende von Ölpalmen dort, wo früher Urwald stand. So tragen viele dazu bei, dass immer mehr Anbauflächen für Ölpalmen gebraucht und immer mehr Regenwälder abgeholzt werden.
Doch wer kann und soll das ändern? Die Verbraucher? Die Konzerne? Die Gesetzgeber? Leonardo hat ganz verschiedene Menschen und Institutionen dazu befragt.

- Lian Pin Koh
Dr. Lian Pin Koh, Biologe, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich
"Am Ende muss die Lösung von den Konsumenten kommen. Solange es immer mehr Nachfrage gibt, wird die Entwaldung in den Tropen weiter gehen. Wir können zwar versuchen das Öl nachhaltiger anzubauen, aber auch das wird das Problem nicht lösen. Deshalb glaube ich, die Lösung liegt beim Konsumenten. Wir müssen einfach unser Konsumverhalten ändern - etwas sparsamer sein und besser auswählen, was wir kaufen."

- Corinna Hölzel
Corinna Hölzel, Greenpeace
"Verantwortlich sind viele und da spielt gerne einer dem anderen den Schwarzen Peter zu. Aber da wir hier in Deutschland sind, würde ich einen großen Teil der Verantwortung auch bei der deutschen Regierung sehen. Die hat mit ihrer falschen Energiepolitik dazu beigetragen, dass sich der Boom beim Palmöl immer weiter entwickelt."

- Arie Rompas
Arie Rompas, Naturschutzorganisation „Walhi“, Indonesien
"Da sind drei verschiedene Faktoren wichtig: Die Regierung hier in Indonesien sollte strengere Bestimmungen erlassen. Das Zweite sind die Palmölfirmen, die haben zu wenige Programme für nachhaltiges Wirtschaften und Wiederaufforstung - sie nehmen immer nur aus der Natur und geben nichts zurück. Und der letzte Faktor sind die Konsumenten überall auf der Welt: Wegen ihrer großen Nachfragen wird immer mehr Wald in Plantagen umgewandelt."

- Horst Korn
Dr. Horst Korn, Bundesamt für Naturschutz
"Die Verantwortlichen sind sowohl in Europa als auch in Südost-Asien zu suchen. Mit Palmöl kann man viel Geld verdienen, weshalb in den letzten Jahren die Palmölproduktion auf Kosten des ursprünglichen Regenwaldes massiv ausgeweitet wurde. Illegale Waldrodungen, die wegen der korrupten Behörden geduldet werden, sind dabei nicht ungewöhnlich. Zusätzlich angeheizt wird die globale Nachfrage nach Palmöl durch den Beschluss der Europäischen Union, dass dem Dieselkraftstoff aus fraglichen Klimaschutzgründen so genannter "BioDiesel" beigemischt werden muss. Würde diese Verpflichtung fallen, dann fiele die Nachfrage nach Palmöl drastisch und damit auch die Preise. Die Zerstörung weiterer Waldflächen wäre weniger lukrativ, was den Tropenwäldern und den darin lebenden Tieren, Pflanzen und Menschen zumindest eine Atempause geben würde."

- Thomas Potthast
Dr. Thomas Potthast, Naturschutzethiker, Universität Tübingen
"Die Antwort ist so einfach wie unbefriedigend: Alle tragen eine Verantwortung, man müsste auf vielen Ebenen ansetzen. Auch wir als Konsumenten haben mit unseren Kaufentscheidungen eine moralische Verantwortung. Aber man muss aufpassen, dass man die Konsumenten nicht überfordert. Die beste Medizin dagegen ist eine bessere Deklarierung von Lebensmitteln: Es müsste besser angegeben werden, welche Stoffe enthalten sind und wie die produziert werden. Und wenn das nicht auf jeder Lebensmittelpackung möglich ist, sollte das zumindest im Internet oder an anderer Stelle sichtbar sein."
Nestle, Lebensmittelkonzern
Angesichts der komplexen Lieferkette und Rahmenbedingungen in den Anbauländern und der vielfältigen Verwendungen für Palmöl sind zahlreiche Akteure in der Verantwortung. Dies schließt die Anbaubetriebe und Verarbeiter ebenso ein wie die Verwender von Palmöl. Klare rechtliche Rahmenbedingungen in den Anbauländern müssen die Bestrebungen zum Schutz vor Entwaldung unterstützen. Gleichzeitig gibt es politische Fehlentwicklungen auch in den Nachfrageländern, wie insbesondere die Förderung der Verwendung von Palmöl für die Produktion von „Bio-Diesel“ oder als Brennstoff in Blockheizkraftwerken. Diese vermeintlich umweltfreundliche Energieerzeugung erhöht unmittelbar die Nachfrage nach Palmöl und trägt damit zusätzlich zur Verschärfung der Situation in den Anbauländern bei.
Stand: 17.10.11


