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Ach, wie herzergreifend, wenn im Kino von melodramatischer Musik begleitet die geliebte, schöne Frau sterben muss. Wo ist das Taschentuch für die Tränen der Rührung? Und der Kloß im Hals, wenn die Braut dem Mann an ihrer Seite ein „Ja“ zuhaucht, wenn Orgelmusik aufbraust – so viel Liebe, so viel Glück, wie schön! In solchen Augenblicken verschwimmt die Realität. Sentimentalität gaukelt etwas vor, sie ist wie ein wärmender Umhang, unter dem alles Störende verschwinden kann. - Sentimentalität ist ein trügerisches Gefühl, dem manche vehement misstrauen. Rührselige Gemeinschaftsgefühle seien ihr ein Gräuel, sagt zum Beispiel eine SPD-Genossin, wenn sie beim Absingen der Internationalen die feuchten Augen ringsum sieht, möchte sie am liebsten davon laufen. Und Arthur Schnitzler urteilte noch strenger: Sentimentalität ist das Alibi der Hartherzigen, schrieb er.
Autor/in:
Ute Naumann
Redaktion:
Ingrid König
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