Donnerstag, 23.02.2012

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Mann im Anzug auf einem altertümlichen Fahrrad in der Stadt. (Rechte: WDR)
Sendung vom 18.01.2012, 15:05 bis 16:00 Uhr
Bild: Verschwommenes Bild von einer Frau mit Einkaufswagen; Rechte: dpa

 Lust oder Frust?

Hamster- oder Spontankäufer?

WDR 5 LebensArt - Hörer im Gespräch

Moderation: Andreas Lange

Einkaufen ist für jeden anders:

  • Täglicher Stress für die, die jeden Mittag ein Essen für die Lieben auf den Tisch bringen müssen. 
  • Pures Vergnügen für die, die sich nach Herzenslust inspirieren lassen und es lieben, für Freunde ein Mahl zu zaubern. 
  • Ein Erlebnis für alle Sinne für die, die gerne ihre Lebensmittel auf dem Bauernmarkt besorgen. 
  • Eine logistische Aufgabe für alle die, die es lieben, auf Vorräte zurückgreifen zu können, immer und zu jeder Zeit. 
  • Ein Rechenexempel für die, die gerne austüfteln, wo sie dies und das billiger bekommen. 
  • Ein ungeplanter Abstecher auf dem Nachhauseweg für alle die, die plötzlich feststellen, dass sie Hunger haben, aber daheim der Kühlschrank leer ist.  

Unterschiedlichen Einkaufstypen

Für die unterschiedlichen Einkaufsgewohnheiten gibt es ebenso viele verschiedene Bezeichnungen. Da gibt es den Vorratshalter, den Hamsterkäufer, den Großeinkäufer, den Discountkäufer, den Spontankäufer, den Angebotskäufer, den Schnäppchenjäger, den Internetkäufer und den Bioladenkäufer. Das weltweite Marktforschungsunternehmen Nielsen unterscheidet in einer Studie seinerseits vier Käufertypen: Den Autopiloten, den Vielfaltsuchenden, den Buzz-Typen und den Schnäppchenjäger. Die Autopiloten greifen schnell zu und gehen weiter, die Vielfaltsucher schauen nach neuen Geschmacksrichtungen, die hochempfindlichen Buzz-Typen sind empfänglich für anregende Werbung und die Schnäppchenjäger halten Ausschau nach Preisnachlässen und Aktionspreisen. 

Auf der Jagd nach Angeboten

 Der Autopilot greift ohne den Preis oder das Etikett zu betrachten nach den Marken, die er immer kauft und kennt. Er hat keine Lust Neues auszuprobieren. Warum sollte man mit neuen Kaffeesorten experimentieren, wenn doch der Kaffee, den man immer trinkt, gut schmeckt? Im Gegensatz dazu springt der Buzz-Typ auf jedes neue Produkt an, ist neugierig und verführbar. Das immer Gleiche einzukaufen ist dem Vielfaltsucher zu langweilig. Er erhofft sich Bestätigung dadurch, dass er Vielfalt und Überraschungen auf den Tisch bringt. Die Schnäppchenjäger sind wahrlich auf der Jagd nach Aktionspreisen. Sie studieren wo etwas am günstigsten zu haben ist und man sieht sie mit den Werbeprospekten in der Hand durch den Supermarkt eilen. 

Mischung aus Qualität und Preis 

 Die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg unterscheidet wiederum vier andere Kauftypen: Den qualitätsorientierten und den preisorientierten Käufer, den Erlebnis- und den hybriden Käufer. Demnach gehört ein Viertel der Bevölkerung zu den Kunden, die Wert auf Qualität legen. Für sie ist Qualität das oberste Gebot und die Produktmarke spielt eine große Rolle. So wählt der Kunde auch aus, wo er einkaufen geht. Ebenfalls ein Viertel der Bevölkerung achtet beim Kauf auf den Preis, nutzt Sonderangebote und verschafft sich in der Regel vor dem Einkauf einen Marktüberblick. Für den Erlebniskäufer (ungefähr jeder fünfte Bundesbürger) steht das Erleben im Mittelpunkt. Der Einkauf soll Spaß machen und anregen. Der hybride Käufer ist eine Mischung. Er wechselt zwischen Qualität und Preisbewusstsein hin und her und macht den größten Anteil der Bevölkerung aus. 

Das Murmeltier täglich im Supermarkt 

Aus einer ganz anderen Sicht betrachtet eine Internetseite drei verschiedene Einkaufstypen und nennt sie Murmeltier, Blitzkäufer und Herzliche. Das Murmeltier steuert täglich ganz gezielt denselben Supermarkt an und kauft genau die Produkte, die für den Tagesbedarf gebraucht werden. Er lässt sich nur schwer von Angeboten verführen und hält sich zielstrebig an seine Liste. Freude kommt dann auf, wenn die immer gleichen Produkte mal reduziert sind. Im Einkaufskorb finden sich Marken- und Billigprodukte nebeneinander. Der Blitzkäufer hat es immer eilig. Er geht spontan einkaufen und lässt sich gerne von der Werbung verführen. Seine Neugier ist groß und er gibt neuen Produkten gerne eine Chance. Geschmack und momentane Laune entscheiden über den Kauf, zum Beispiel eine Tüte Chips kurz vor dem Lieblingsfilm daheim. Der Herzliche denkt immer mit und kauft vor allem gerne ein, wenn Feiern oder Ereignisse vor der Tür stehen. Dieser Käufertyp greift dann zu aufwendig verpackten Süßigkeiten zu Ostern, Weihnachten oder zum Muttertag. Dabei spielt der Preis für ihn keine Rolle. 

Schnell mal an die Tankstelle 

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die „Schnell-mal-an-die-Tankstelle-Kunden“. Sie sind zu bestimmten Zeiten bereit, deutlich höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen. Der Einkauf liegt sozusagen auf dem Weg, kann sich mit dem Tanken verbinden lassen, man braucht keinen Parkplatz zu suchen, also eine bequeme Sache. Da Zeit ein zunehmend wertvolles Gut ist, muss es maximal genutzt werden. Ganz anders erlebt wohl der Genusskäufer seine Zeit, die er damit verbringt, über den Wochenmarkt oder auf dem Biobauernhof zu schlendern. Hier ist Ruhe und Bewusstsein schon fast Programm beim Einkauf. Natürliche Nahrungsmittel verlangen Entspanntheit. Gar nicht mehr aus dem Haus bewegt sich der Internetkäufer. Er wählt und bestellt ganz bequem am heimischen Computer die Lebensmittel seiner Einkaufsliste und genießt den Bringservice inklusive.

Studiogast: 

Alfred Fuhr, Soziologe

Recherche: 

Tamara Bremshey

Redaktion:

Katrin Paulsen

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