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Mann im Anzug auf einem altertümlichen Fahrrad in der Stadt. (Rechte: WDR)
Sendung vom 14.02.2012, 15:05 bis 16:00 Uhr
Bild: Junge Frau vor Flipchart mit der Aufschrift "Planung, Strategie, Erfolg"; Rechte: dpa

 Zielorientiert zum Erfolg?

Karriereplanung

WDR 5 LebensArt - Hörer im Gespräch

Moderation: Thomas Hackenberg

Warum sind manche Menschen im Berufsleben erfolgreicher als andere, obwohl beide die gleiche Qualifikation besitzen. Was zeichnet die Erfolgreichen aus, was andere nicht haben? Einige Karriereforscher führen das auf die sogenannte Chancen-Intelligenz zurück. Darunter verstehen sie die Fähigkeit eines Menschen, seine persönlichen Chancen zu erkennen und vor allem auch zu nutzen. Außerdem muss man auch der Chance selbst eine Chance geben. Aber wie macht man das?

Der Zufall als Weichensteller

Hier kommt der Zufall ins Spiel. In der Philosophie gibt es viele Definitionen für den Zufall. Die Gebrüder Grimm haben ihn so definiert: „Der Zufall ist das unberechenbare Geschehen, das sich unserer Vernunft und Absicht entzieht." Und genau solche Zufälle sind es, die unser Leben kräftig mitbestimmen, im Privatleben ebenso wie im Job.

Häufig unterschätzt

Das ist eine Tatsache, die oft ausgeblendet wird. Der Zufall erscheint uns bedrohlich. Er macht das Leben unberechenbar. Deshalb bemühen wir uns auf vielerlei Art, in unserer Lebensplanung den Zufall auszuschalten. Aber das ist falsch. Tatsächlich sind viele Erfolgsstories auf Zufälle zurückzuführen. Im Nachhinein wird das mitunter gerne ausgeblendet und von den Betroffenen als Ergebnis besonders kluger Strategien umgedeutet. Kausale Zusammenhänge lassen sich im Rückblick leicht konstruieren. Doch was für die Vergangenheit noch angehen mag, ist für die Gestaltung der Zukunft eher hinderlich. Denn der Zufall birgt zwar Risiken, aber vor allem auch Chancen. Die gilt es zu nutzen.

Dem Zufall auf die Sprünge helfen

Karriereberater plädieren deshalb dafür, den Zufall bei der Lebensplanung bewusst mit einzubinden. Im Grundsatz bedeutet das, neben aller Zielstrebigkeit offen und flexibel zu bleiben. Nur wer sich nach außen öffnet, erhält die Chance auf neue Ideen. Je mehr Kontakte, desto besser. Dabei sollte man sich allerdings nicht nur mit Gleichgesinnten umgeben. Neuorientierung braucht einen Perspektivwechsel. Neue Kontakte mit Menschen aus anderen Berufs- und Lebenswelten eröffnen solche neuen Perspektiven. Auch private Aktivitäten, Hobbys, Weiterbildungen und Kurse erhöhen die Chance auf unerwartete Impulse.

Chancen wahrnehmen

Wer den Zufall für sich nutzen will, muss aber auch in der Lage sein, die Chancen zu erkennen und zuzugreifen. Das setzt allerdings eine Entscheidung voraus. Wer dabei auf 100prozentige Sicherheit setzt, tut sich schwer. Denn die Zukunft ist nicht berechenbar. Jede Entscheidung bedeutet also immer auch ein Risiko. Und sei es nur das Risiko, die vielen anderen Entscheidungsmöglichkeiten nicht gewählt zu haben. Doch davon sollte man sich nicht schrecken lassen.

Bauchgefühl ernstnehmen

Wer den Zufall nutzen will, braucht Mut zur Entscheidung. Dabei sollte man sich nicht nur auf den Kopf verlassen. Eine kluge Analyse ist wichtig, aber ebenso wichtig ist das Bauchgefühl.

Loslassen können

Mut zur Entscheidung bedeutet aber zugleich den Mut loszulassen, alte Pfade zu verlassen, neue Wege zu begehen. Wer den Zufall nutzen will, muss sich also auch trennen können, von alten Gewohnheiten, aber auch von Menschen, die uns nicht gut tun.

Kompetenzen erkennen und fördern

Zu den wichtigsten Voraussetzungen, um Zufälle wahrzunehmen und Chancen zu nutzen, zählt auch ein geschärfter Blick. Dazu sollten wir uns klar machen, welche Kompetenzen wir bereits haben oder auch weiter fördern wollen, welche inneren Antreiber uns steuern und welche Visionen uns beflügeln.

Studiogast:

Dr. Jens Braak, Coach und Autor

Recherche:

Sabine Jacobs

Redaktion:

Katrin Paulsen

Rufen Sie uns an!

Hörerinnen und Hörer können sich live an der Sendung beteiligen über das kostenlose WDR 5 Hörertelefon 0800/5678-555. 

Mehr zum Thema

Literaturtipps:

Jens Braak:
"Zufallstreffer. Vom erfolgreichen Umgang mit dem Unplanbaren"
Orell Füssli-Verlag
2011

Malcom Gladwell:
"Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind - und andere nicht"
Piper-Verlag
Oktober 2010

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Kommentare

Ihre Meinung zu dieser Sendung:

von Dr. Klaus Lumma | 14.02.2012 17:59 Ich danke für diese hervorragende Sendung - habe sie auf der Rückfahrt vom Spielen mit meinem Enkel Tom gehört, bin begeistert und stimme Jens Braak und den Redakteuren von WDR 5 von ganzem Herzen zu.
Den Zufall zu schätzen, das lehrte uns schon der große Schweizer Psychologe C.G. JUNG, wenn er die Bedeutung von Synchronizität für den Menschen in Augenschein nahm. Wenn ich mein Berufsleben unter die Lupe nehme, so ist seine erfolgreiche Seite IMMER von Zufällen geprägt - und dafür bin ich sehr dankbar. Heute haben meine Frau Dagmar und ich übrigens HochzeitsTag.

von Julia Zimmer | 14.02.2012 17:36 Den heutigen Beitrag zum Thema "Zufall" fand ich sehr gelungen. Ich habe auch das Buch von Herrn Dr. Braak gelesen und war überaus begeistert. Er hat in der kurzen Zeit im Radio, das Thema "Planung, Zufall, Chancen" sehr gut rüber bringen können.
Ich fände es schön, wenn diesem spannenden Thema mehr Zeit im Radio gewidmet werden würde, um den Hörern weitere interessante Aspekte aus dem Buch nahe zu bringen.
Man konnte Herrn Dr. Braak sehr gut folgen und hat viel aus diesem Interview und natürlich auch aus seinem Buch fürs Leben mitnehmen können.

von Sophie König | 14.02.2012 17:09 Das Thema Zufall war sehr interessant! Dr. Braak hat sehr gut beschrieben, wie wichtig der Zufall ist - wo man doch oft denkt, man könne ihm entgehen, ihn austricksen... selbst alles planen und nicht von ihm abhängig sein. Und es war total interessant zu hören und Anregungen zu bekommen, dass man den Zufall nutzen kann - und sollte. Vielen Dank!

von Arndt Maas | 14.02.2012 15:53 Ich bin über Journalismus zur Bankenberatung und inzwischen in der Luft- und Raumfahrt gelandet. - Und das ist sehr kurz gefasst. Ich liebe Zufälle und bin auch dankbar für alle Krisen, die damit verbunden waren. Ich hoffe, dass diese Ansicht auch irgendwann die Personaler teilen, die die Auswahl über Mitarbeiter zu treffen haben. Leider suchen die aber IMMER nach Schema F aus.

von Thea Litmeyer-Schepers | 14.02.2012 13:57 Leider kann ich die Sendung heute Nachmittag nicht mitverfolgen. Aber das Thema "Zufall" im Berufsleben hat mich sofort angesprochen, so dass ich gern meine erfahrungen dazu beitragen möchte.
Der "Zufall" ereignet sich, wenn man die Verbform betrachtet - "zufallen", will heißen, es fällt einem etwas zu, womit man sich auseinandersetzen muss oder kann.
So ist es mir in meiner beruflichen Entwicklung auch ergangen. An den Wendepunkten ist mir meistens der "Zufall" in Form von Personen begegnet, die mich entweder begleitet oder etwas Neues (konkret: einen anderen Arbeitsplatz) angeboten haben. Ein bißchen habe ich vielleicht auch zum Zufall beigetragen, indem ich aus Spaß oder Neugier ein Praktikum gemacht habe und mich so anderen Leuten bekannt gemacht habe. Der "Zufall" fühlt sich lebendig an - es kribbelt im Bauch und irgendwie spürt man, hier könnte eine Veränderung kommen. Manchmal denke ich aber auch, der "Zufall" wird einem geschenkt oder geschickt.




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