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Zwischen Funktionsunterwäsche und Dessous
WDR 5 LebensArt - Hörer im Gespräch
Moderation: Andreas Lange
So nah wie Unterwäsche kommt unserer Haut kein anderes Kleidungsstück und kaum ein anderes kann so reizvoll und verführerisch sein. Heute gibt es eine Fülle von unterschiedlichen Angeboten von der Funktionsunterwäsche, über Dessous bis hin zu feiner Spitzenwäsche. Selbst bei den Männern, bei denen lange Feinripp vorherrschte, hat sich was getan in Sachen Formen und Farben. Aber bis zu dieser Wäsche-Vielfalt von heute war es ein langer Weg.
Erfindungsreiche Griechinnen
Schon Adam und Eva bedeckten ihre Scham mit Feigenblättern, nach dem sie sich ihrer Nacktheit bewusst wurden. Selbst von den Urmenschen ist überliefert, dass sie einen Lendenschurz aus Fell, Leder, Blättern oder Baumrinde trugen, um sich vor Kälte, Sonne oder Verletzung zu schützen. Im alten Ägypten waren es die Priester oder Männer höheren Standes, die zwei Leinen-Schurze übereinander trugen, um sich vom niederen Volk abzuheben. Die reichen Damen dieser Zeit kannten schon reine Oberbekleidung und Unterkleidung. Besonders erfindungsreich waren die Griechinnen. Sie kreierten eine Brustbinde aus Stoff oder Leder, die unter dem Busen geschnürt wurde, um ihn vorteilhaft zur Geltung bringen zu können. Der Push up der Antike!
Der Prototyp des Unterrocks
Auch die Römerinnen fanden Gefallen daran und entwarfen ihrerseits ein Tuch, das zwischen den Beinen nach vorne und hinten hochgezogen wurde. Es bedeckte Gesäß und Genitalbereich. Über den Hüften verknotet, bot es sichereren Halt und erinnert an die Bikinihose unserer Tage. Außerdem trugen die Römerinnen mit der Zeit mehrere Tuniken übereinander und nannten die unterste „Tunica Intima“, der Prototyp des Unterrocks. Das Mittelalter verzichtete erstaunlicherweise ganz auf die Tuch-Unterhose. Hier setzte sich ein großes Langhemd aus Leinenstoff durch. Die Männer trugen es bis zum Gesäß, bei den Frauen reichte es bis auf die Füße. Es hatte die Aufgabe, die Haut vor der kratzigen Oberbekleidung zu schützen.
Die Brust wurde weg geschnürt
Ein gravierender Modewandel ereignete sich um 1500 in der Renaissance. Der spanische Hof bestimmte die Modewelt mit seiner Prüderie und Nüchternheit. Weibliche Rundungen waren tabu, wurden weggeschürt mit steifen Leibchen. Flachbrüstig mussten die Frauen daher kommen. Die Schnürleibchen sind die Vorläufer der Korsetts. Gepflegte Unterwäsche setzte sich Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr durch. Ein neuer Wirtschaftszweig von Weißzeugfertigung, Weißzeughandel und Weißzeugwaschanstalten entstand. Damit einher ging, dass sich auch der Hygienestandard deutlich verbesserte. In den folgenden Jahrzehnten waren es wieder Adelige oder reiche Kaufleute, die sich den Luxus leisteten, Unterhosen aus Seide zu tragen. Um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert musste sich die Damenwelt auf eine ganz neue Richtung einlassen: Ein gewölbter Bauch mit einem betonten, herausgerückten Po war nun angesagt.
Hippiehöschen bunt und flippig
Ende der 1930er Jahre bescherte die Erfindung der Gummifaser der Damenwelt das Korsett. Die Faser versprach durch Dehnbarkeit festen Halt am Körper. Auch Nylon und Perlon wurde in dieser Zeit entwickelt, dienten aber zunächst Kriegszwecken. Aus den neuen Fasern wurden Fallschirme und Schwimmwesten gefertigt. Erst später zierten sie Damenbeine in Form von Strümpfen. Während des Wiederaufbaus in den 1950er Jahren entstanden erste Wäschekollektionen, importiert aus den USA. Besonderheit: Die BH Körbchen waren nicht rund, sondern spitz geformt. Nahtlose Strümpfe wurden möglich, weil Forscher den Stoff Lycra erfanden. Eingezwängt in BHs der ersten Stunde, emanzipierten sich die Frauen. Folge: sie trugen aus Protest keine Büstenhalter mehr. Die Dessous Hersteller passten sich an und brachten leichtere, dünnere, transparentere und elastischere Unterwäsche auf den Markt. In den 1960er Jahren wurden die Höschen immer knapper und in der Hippiezeit bunter und flippiger. "Androgyn" war das Stichwort für die 1980er Jahre. Männer und Frauen näherten sich in Sachen Unterwäsche an.
Die Männerunterhose kauft die Mutter
Die Herrenwelt unten drunter ist gegen die der Damenwelt viel simpler gestrickt. Wenige Modelle wie Boxershorts oder Slips werden in Schwarz, Weiß oder Marineblau getragen. Das wirkt schlicht gegen die Vielfalt der Damenabteilungen mit ihren Strings, Höschen, Slips, Tangas, Strapsen, Miedern und Korsagen. Und bis heute entscheiden und kaufen über 70 Prozent Freundinnen, Mütter und Ehefrauen für die Männer die Unterwäsche. Die Ur-Männerunterhose stammt aus den USA und ist eine Erfindung des deutschen Textilingenieurs Arthur Kneibler. 1934 rettete er mit seinem Entwurf die Wäschefirma Cooper vor der Pleite. In den ersten drei Monaten verkaufte das Unternehmen 30.000 Stück. Der Durchbruch war geschafft mit dem Modell "Jockey". Inspiriert wurde Kneibler bei einem Badeurlaub an der Cote d’Azur. Die frivole Badehosenmode der Dreißiger Jahre hatte ihn davon überzeugt, Ähnliches als Unterhose herzustellen.
Frauen kaufen lieber alleine ein
In einer Umfrage der Frauenzeitschrift "Vogue" zum Thema Unterwäsche sagten 53 Prozenten der Befragten, dass sie den Tragekomfort von Slip und BH wichtiger finden, als begehrenswert und attraktiv für andere zu sein. Dennoch wählen fast 60 Prozent der Frauen für einen "viel versprechenden Abend" das "schwarze Edle". Und nach den Einkaufsvorlieben befragt, antworteten 65 Prozent der Frauen, dass sie ihre Dessous am allerliebsten alleine einkaufen gehen. Und fündig werden die meisten in den gut sortierten Abteilungen der Kaufhäuser oder Ladenketten. Vor allem junge Frauen schwören auf erschwingliche Unterwäsche der bekannten Filialisten.
Knallbunte Miederhosen sind in
Kommende Trends zeigen: Bunt wird es unten drunter. Angesagt bei den Damen sind Pastelltöne wie Flieder, Rosa oder Hellblau. Daneben stehen satte Bonbon Farben wie Gelb, Orange und leuchtendes Blau. Besonders gut wirken diese Knallfarben auf Satin. Natürlich sind die Klassiker Weiß und Schwarz nicht wegzudenken. So ist das Weiß ein Muss in der Brautmode und was wirkt verführerischer, als eine Korsage in Schwarz? Spitze macht die Frau in der kommenden Saison weiblicher und eleganter. Der String verliert an Bedeutung. Junge Frauen greifen eher zum Hipster, der sitzt auf der Hüfte, hat längere Beine und ist oben gerade, während reifere Damen beim Slip bleiben. Kombiniert werden können alle Unterhosen-Formen mit Büstenhaltern, Korsagen und Push ups, die einen kleinen Busen größer wirken lassen. Ganz neu und immer häufiger gefragt, vor allem auch von der Jugend, ist die Körper formende Unterwäsche nach dem Vorbild der 1950er und 1960er Jahre. Diese hüfthohen Miederhosen, deren Bilder in langweiligem Beige noch in den Köpfen der Älteren spuken, kommen heute raffiniert mit Spitze und in kräftigen Farben daher.
Ein Material-Mix aus Spitze und Seide verleiht ein Gefühl von Luxus. Kombinationen mit Gold liegen im Trend. Beim Retro-Style begegnen den Frauen Leoparden- und Zebramuster, aber auch anspruchsvolle Unterwäscheteile in Burlesque-Optik mit dem "Oh la la"-Effekt! Absoluter Aufsteiger ist der so genannte "Nude Look". Die hautfarbene Wäsche erweckt den Eindruck, die Trägerin wäre nackt.
Doppelripp – peinlicher Klassiker
Männer dagegen mögen es nach wie vor eher schlicht, aber hochwertig untendrunter. Neu: Die Bundbänder der Unterhosen sind wieder breiter und maskuliner. Schmale Quer- und Längsstreifen zieren die Hose des Mannes, vornehmlich klassisch dezent in Schwarz, Blau und Weiß. Das Doppelripp-Unterhemd ist in der neuen Saison beliebter denn je. Der fast peinliche Klassiker wird jetzt vor allem gerne von jungen Männern deutlich sichtbar unter einem halb aufgeknöpften Hemd getragen.
Studiogast:
Frederike Coors, Maßschneiderin
Recherche:
Tamara Bremshey
Redaktion:
Angelika Böhrke
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Lesetipps:
"Die Geschichte der Damenunterwäsche: Feminin"
von Muriel Barbier und Shazia Bouche
Parkstone International
Kroemer Verlag
"Die Geschichte der Herrenunterwäsche: Maskukin"
von Shaun Cole
Parkstone International
Kroemer Verlag
"Lingerie"
von Anne Zazzo
Collection Rolf Heyne
"1000 Dessous – Eine Geschichte der Reizwäsche" von Gilles Néret; Taschen Verlag
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Kommentare
Playlist Musik
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09:22
Grant Green"Brazil"
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08:54
Peter Fox"Saint Tropez (Haus am See - Instrumental"
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08:43
Jason Mraz"I'm yours"
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08:14
Emiliana Torrini"Jungle drum"
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07:57
Tierra Negra and Muriel Anderson"Nosotros"











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