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Es ist das Herzstück des Wohnzimmers: das Sofa. Wir sitzen fast täglich darauf, nach Feierabend „fläzen“ wir uns in die kuscheligen Polster. Wir sehen fern, lesen, stricken, quatschen, toben, essen, kuscheln und schlafen auf ihm. Das Sofa ist Rückzugsmöglichkeit, Chill-out-Zone und Familientreffunkt – aber auch ein Vorzeigemöbelstück für den Besuch.
Vom Sitzmöbel zur Liegewiese
In nur relativ kurzer Zeit hat sich bei den Sofas eine starke Veränderung vollzogen. War noch in den achtziger Jahren die klassische Eins-zwei-drei-Kombination angesagt, schauen Sofakäufer heute fast nur noch nach Übereck-Modellen mit breiten und niedrigen Sitzflächen. Zum Sitzen sind die neuen Sofas eigentlich nicht mehr geeignet. Stattdessen „lümmelt“, „fläzt“ oder legt man sich in die gemütlichen Polstermöbel.
Neue deutsche Gemütlichkeit
Auch das Design hat sich mit diesem Trend zum „Lümmelsofa“ verändert. Die Sofas sind gradliniger geworden und die Rückenlehnen treten mehr in den Hintergrund. Gleichzeitig werden die Materialien immer weicher und kuscheliger und die Farben wärmer. Im Möbeldesign spricht man auch von der neuen deutschen Gemütlichkeit.
Cocooning
Der Trend, dem diese Entwicklung zugrunde liegt, heißt Cocooning. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „sich verpuppen“. Wir imitieren dabei instinktiv den Schutz im Mutterleib, wenn uns die Außenwelt bedrohlich vorkommt. Der Mensch sucht also im gemütlichen Zuhause einen warmen, weichen Rückzugsort vor einer kalt und hart erscheinenden Außenwelt. Und das Sofa ist der Ort in der Wohnung, wo man sich besonders gut „in den Kokon spinnen“ kann.
Ergonomisch korrektes Fläzen?
Die neuen Sofas sind zwar gemütlich, aber nicht unbedingt rückenfreundlich oder bequem. Die Halbliegeposition, die wir heute meistens auf dem Sofa einnehmen, ist alles andere als gesund für den Rücken. Wer auch auf dem Sofa rückenfreundlich sitzen möchte, sollte darauf achten, dass die Sitzhöhe stimmt und die Polsterung nicht zu nachgiebig ist. Wer schon einen „Tiefsitzer“ im Wohnzimmer stehen hat, kann sich mit Sitzkeilen oder Kissen Abhilfe schaffen. Außerdem sollte die Rückenlehne ergonomisch geformt sein.
Repräsentation
Auch wenn das Sofa privater geworden ist: Viele Menschen suchen sich Ihre Couch vor allem nach der Optik aus. Sie sagen, es muss in den Raum passen. Schließlich ist das Sofa das raumfüllende Element der Einrichtung. Dass das Sofa seinem Besitzer auch zu mehr Status vor seinen Gästen verhelfen soll, ist aber nicht neu. Je weiter man in die Vergangenheit zurückschaut, desto mehr war das Sofa ein Möbelstück zum Vorzeigen.
Sofagarnituren: 3-2-1
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die große Zeit der Sofagarnitur. Das ist eine aufeinander abgestimmte Kombination aus verschieden großen Polstersitzmöbeln, klassischerweise ein Dreier- und ein Zweiersofa sowie ein Einzelsessel. Um 1980 besaß die Mehrheit der deutschen Haushalte so eine Garnitur.
Besuch an den Tisch!
Ein Grund dafür, dass das Sofa vom eher öffentlichen Salonmöbelstück für den Besuch zum privaten Kuschelmöbel wurde, ist, dass der Besuch heute mehr und mehr „zu Tisch“ gebeten wird. Die Küche oder der Esstisch sind die neuen Besucherzentren in der Wohnung. Nach dem Essen bleibt man auch für Kaffee, Getränke und geselliges Beisammensein am Tisch sitzen.
Designtrends
Ob günstiges Möbelhaus-Modell oder teures Designerstück: Beim Sofadesign ist heute weniger mehr. Die meisten Sofakäufer wählen schlichte Stoffe oder dunkles Leder und gradlinige Formen. Damit gehen sie sicher, sich nicht in ein paar Jahren am Muster oder an den ausgefallenen Formen sattgesehen zu haben. Aufgepeppt wird das Sofa stattdessen mit Kissen und Überwürfen. Ein weiterer Trend sind modulare Sofas. Das bedeutet, dass man die einzelnen Teile ständig neu kombinieren und erweitern kann.
Geschichte des Sofas
Sofaähnliche Bänke und Liegen gab es bereits in der Antike. Aber erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich das klassische Sofa. Um 1750 waren Sofas in jedem vornehmen Haushalt zu finden. Es gab Modelle für die Halle, den Salon, das Boudoir oder die Bibliothek. Mit dem Aufstieg des Bürgertums hielten einfachere Sofas auch Einzug in die „guten Stuben“ der nichtadligen Bevölkerung. Die steigende Nachfrage sorgte auch für eine Industrialisierung der Möbelherstellung.
Öffentliche Sofas
In Geschäften, Hotelfoyers, Flughafenlounges, Firmeneingangsbereichen und anderen öffentlichen Orten, an denen Menschen schon mal warten müssen, entdeckt man mittlerweile recht häufig schicke Sofas. Auch Talkrunden im Fernsehen finden gerne auf Sofas statt. Legendär ist etwa die Wetten-dass-Couch, auf der Thomas Gottschalk nationale und internationale Stars empfangen hat. Auch in Cafés, Bars oder Clubs gibt es hin und wieder Sofas. Hier versuchen die Betreiber, die gemütliche Atmosphäre des Zuhauses auf den öffentlichen Ort zu übertragen und damit den Gästen einen Wohlfühlort zu geben.
Auf der Couch
„Ein Fall für die Couch“ nennt der Volksmund diejenigen, die psychisch instabil sind und eine Therapie benötigen. Tatsächlich war das Sofa lange Zeit ein Möbelstück, das Psychotherapeuten für ihre Behandlung nutzten, damit sich der Patient besser entspannt. Eingeführt hat es bereits Sigmund Freud, der Erfinder der Psychoanalyse. Dass der Patient auf der Couch liegt, an deren Kopfende der Therapeut sitzt und auf den Patienten analysierend herabschaut, ist aber mittlerweile bloß noch Klischee.
Studiogast:
Prof. Heidi Helmhold, Professorin für materielle Kultur
Recherche:
Nina Hundhausen
Redaktion:
Katrin Paulsen
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Literaturtipp:
Constance King:
Illustrierte Geschichte der Möbel. Sofas
Köln, 1996
Nur noch antiquarisch zu haben.
Linktipps:
WDR Servicezeit: Die Sofamacher
Deko-Expertin Nora Böhm zeig in der Servicezeit, wie man Sofas „aufhübschen“ kann:
Verhüllungsaktion
Patchwork und Vintage
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Kommentare
Playlist Musik
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09:22
Grant Green"Brazil"
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08:54
Peter Fox"Saint Tropez (Haus am See - Instrumental"
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08:43
Jason Mraz"I'm yours"
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08:14
Emiliana Torrini"Jungle drum"
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07:57
Tierra Negra and Muriel Anderson"Nosotros"











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