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Der gute Ratgeber – aber nur für andere
WDR 5 LebensArt - Hörer im Gespräch
Moderation: Andreas Lange
Gutgemeinte Sprüche aus dem umfangreichen Alltagswissen für Krisenfälle: "Mit dieser Erkältung gehörst du aber ins Bett!" oder "Hinter dem Typ machst besser einen Haken". Auffällig ist nur, wie viele Menschen gute Ratgeber und Ratgeberinnen sind, sich im Ernstfall aber gar nicht an den eigenen Weisheiten orientieren.
Sie sitzen mit der Wärmflasche im Büro, wenn der Rücken blockiert ist und fahren den pubertierenden Kindern auch zehnmal die vergessenen Turnschuhe zum Training hinterher. WDR 5 LebensArt spricht über engagierte Ratschläge, die nie selber befolgt werden und warum uns das Hören auf uns selbst so schwer fällt, wir anderen aber gerne vorsagen, was sie am Besten zur Problemlösung tun sollen.
Der Ratschlag
Ursprünglich meint das Wort „Rat“ Mittel, die zum Lebensunterhalt notwendig sind (vgl. Hausrat oder Vorrat). Raten hieß also Vorsorge zu treffen. Mittlerweile bedeutet das Wort „Ratschlag“ (ebenso die Wörter Rat oder Empfehlung) einen meistens unverbindlichen Vorschlag, um mit Lebenssituationen besser zu Recht zu kommen. Am häufigsten sind verbale Ratschläge, oft von Freunden, Verwandten, Kollegen. Ein Großteil unserer Konversation beinhaltet heutzutage Ratschläge.
Zeitgeist Ratgeber: Der Trend zum Tipp
„Fahr vorsichtig“, „zieh dich warm an“, „achte auf Dich“. Solche wohlmeinenden Ratschläge sind sicher eher als besorgte Wünsche zu verstehen. Es gab sie vermutlich schon immer.
In den letzten Jahren nehmen aber vermeintlich professionelle Ratgeber zu: Im Fernsehen, Hörfunk, Zeitschriften und in Form von Büchern prasseln Ratschläge auf die Konsumenten nieder
Ratgeber gehören zum Zeitgeist. Warum? Das hängt vermutlich mit der immer komplizierten Lebenswelt zusammen und einer gewissen Orientierungslosigkeit, da traditionelle Verhaltensmuster weniger akzeptiert werden, vermuten Experten. Dadurch ist der Wunsch nach schnellen, vorgefertigten Lösungen groß.
Unterschiedliche Ratschläge: Fakten und Auffassungen
Zwar ist der Wunsch nach schnell und einfach umsetzbaren Handlungsanweisungen groß. Je nachdem, um welches Thema es sich handelt, gibt es aber keine schnelle Lösung. Man kann im groben zwischen faktischen Tipps und Ratschlägen zu Lebensfragen unterscheiden.
Faktische Tipps
Bei faktischen Tipps, wie Steuern, Finanzen, Recht etc., mag es schnelle und richtige Ratschläge geben. Allerdings gibt es auch in diesem Bereich sehr viele Tipps und man muss sieben: Alle Ratschläge lassen sich nicht befolgen und alle Ratgeber sind auch nicht verlässlich. Besonders schwierig wird es bei Ernährungs- und Gesundheitsfragen: Hier gibt es sehr viele verschiedene Auffassungen, und man muss schon sehr genau schauen, welche Quellen verlässlich und ernst zu nehmen sind.
Ratschläge zu Lebensfragen
Lebensfragen sind Themen wie Liebe und Partnerschaft, Krankheit und Tod, Erziehung, berufliche Probleme oder auch persönliche Probleme, wie großes Stressempfinden. Nach Auffassung vieler Experten gibt es dafür keine schnellen Lösungen. Insofern sind mediale, private oder professionelle Ratgeber, die das suggerieren oder sogar versprechen, vermutlich nicht seriös.
Der Rat-Geber
Freunde, Bekannte und Eltern, die Ratschläge erteilen, meinen es sicherlich erst einmal gut und wollen sich um jemand anderen kümmern. Mitunter haben Ratschläge im privaten Bereich jedoch auch andere Funktionen: Eltern können nicht loslassen und wollen die Kontrolle behalten. Freunde und Verwandte möchten sich durch ihr Wissen, das sie (oft ungefragt) weitergeben, profilieren. Mitunter hilft der Rat mehr dem Ratgebendem als dem Empfangenden.
Ein guter Ratschlag
Gute Ratschläge – zumindest in Lebensfragen - sind meistens nicht die schnellen Tipps. Im Gegenteil. Der Dortmunder Philosoph Michael Neuhaus plädiert dazu, gemeinsam im sokratischen Sinne zu beratschlagen: Sokrates hat die Ratsuchenden durch geschickte Fragestellungen dazu gebracht, auf neue Gedanken zu kommen und so auf Alternativen zu kommen, die bislang nicht gesehen wurden.
Studiogast:
Michael Niehaus, Philosoph und Betreiber einer Philosophischen Praxis
Redaktion:
Gabriele Kraiczek
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Kommentare
Playlist Musik
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09:22
Grant Green"Brazil"
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08:54
Peter Fox"Saint Tropez (Haus am See - Instrumental"
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08:43
Jason Mraz"I'm yours"
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08:14
Emiliana Torrini"Jungle drum"
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07:57
Tierra Negra and Muriel Anderson"Nosotros"











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