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Älter werden wir von Geburt an – in Abschnitten und Lebensphasen. Körperlich und geistig. Wir wachsen heran, werden zu selbständigen sozialen Wesen, übernehmen immer mehr Verantwortung für unser Leben – mit der Entscheidung für eine Berufsausbildung, eine Partnerschaft, Kinder. Wir sammeln Erfahrungen, gute und weniger schöne. Ganz langsam werden Veränderungen spürbar, mit den allermeisten kommt man noch lange gut zurecht.
Studiogast Prof. Karl-Heinz Schmitt, Rektor der Katholischen Fachhochschule NRW
Hörerinnen und Hörer können sich live an der Sendung beteiligen über das kostenlose WDR 5 Aktionstelefon 0800/5678-555.
Autor/in:
Angelika Tanhoff
Redaktion:
Rainer Marquardt
Literaturtipps:
Sylvia Bovenschen:
Älter werden
S. Fischer Verlag
Alfons Auer:
Geglücktes Altern
Herder-Verlag
Karl Heinz Schmitt/Peter Neysters:
Jeder Tag voll Leben
Das Buch fürs Älterwerden
Kösel-Verlag







Ihre Meinung zu dieser Sendung:
von Angelika Arimont | 07.01.2010 14:05 Guten Tag, ich bin 51 Jahre alt und möchte mich folgendermaßen äußern: Zur Zeit ist mein Alter überhaupt kein Problem im Gegenteil, ich möchte gar nicht mehr die Probleme der jungen Leute teilen. Aber: Was ein Punkt ist und den habe ich mit vielen Bekannten und Freunden besprochen, mein inneres und äußeres Bild passen nicht zusammen. Ich fühle mich oft so jung wie mein ältester Sohn (32) weiß aber im Kopf, dass das ja nicht sein kann. Auch mein Spiegelbild vor allem in Umkleidekabinen) passt oft nicht zum inneren Gefühl. Ich finde das ganz spannend. Manchmal erschrecke ich regelrecht, wenn ich die beiden Bilder innen und außen "vergleiche".
Viele Grüße und weiter so mit dem tollen Programm von WDR 5.
Angelika Arimont
von Marille Caspelherr | 07.01.2010 11:06 Leider werde ich Ihre Sendung nicht verfolgen können, weil ich derweil meinem Beruf nachgehe. Das ist sehr schade, denn ich bin vor 4 Monaten 60 Jahre alt geworden.
Ich gehöre der Generation der Alten an, die noch keinen rechten Platz bei uns gefunden hat. Das heißt, man weiß, dass es „Alte mit einem jüngeren Bewusstsein" gibt, aber man kann mit ihnen nicht umgehen. Da hört man so etwas wie: du machst auf 50zig!? Oder: du solltest dich altersgerecht kleiden.
Ich schaue mir die Menschen an. Meine Generation. Die meisten wiederholen das, was schon immer war. Haben ihre Haare in einen dauergewellte Kurzhaarmob verwandelt. Tragen ihre Leibesfülle bedächtig schlürfend ins nächste Café und trinken Filterkaffee zur Buttercremetorte. Okay, ein Klischee, ein Vorurteil.
Aber ich arbeite mit und für junge Leute. Bin interessiert, neugierig, lernlustig. Ich höre gerne Rock, Soul, Jazz und genauso Techno, House. „Chille“ mit Buddhas Bar etc. Eigentlich bin ich heute genauso wie früher. Ich kann salopp jugendlich sprechen, aber auch gekonnt
„bürgerlich“ – je nach Bedarf. Trage Jeans, Chucks, Sweat-Shirts, wattierte Westen und Boots. Beweg mich aber genauso im kleinen Schwarzen, wenn es denn unbedingt sein muss. Ich hasse Kostüme und Männer mit Schlips. Ich bin schlank, aber war das schon immer. Ich bin die, die ich schon immer war. Es hat sich fast nichts geändert.
Aber es muss doch einen Unterschied geben? Schließlich bin ich 60. Nun ich habe eine Lesebrille und will nicht mehr 18 Stunden arbeiten. Ich brauche mehr Schlaf.
Was noch. Ach ja, trinke nicht mehr soviel Alkohol und wenn, natürlich nur noch gute Weine! Und die Schwerkraft hat meinen Körper natürlich auch im Griff. Mein Gesicht ist faltiger, mein Körper auch. Aber dafür bin ich gelassener, wissender. Gehe lächelnder durch die Welt. Schön.
Warum soll ich mich also ändern? Für wen, für was? Ich bin nach der Jahreszahl alt. Ein alter Mensch. Aber muss ich mich deswegen auch so verhalten? Das alt werden kommt dann, wenn wir es selbst zu lassen. Oder wenn irgendwann Körper und Geist nicht mehr mitspielen. Je nach Leben und Genetik, passiert das früher oder später. Wir können es nicht wirklich selbst bestimmen, aber wir können genussvoll leben und das geht – Gott sei Dank – im Alter denn doch viel besser. Denn die Jungen sind flügge geworden, und wir haben den Luxus, noch ein wenig Zeit zu haben. Für uns, unsere Interessen, Vorlieben. Für unser eigenes Leben.
Allerdings sollten wir der nachfolgenden Generation neue Wege zeigen und vorleben. Sollten Vorbild sein und neue Einstellungen und Haltungen vermitteln.
Sollten endlich anfangen neue Modelle zu schaffen und Lösungen anzubieten. Fürs Wohnen und Zusammenleben. Aber auch für die zu erwartende Pflegebedürftigkeit. Und ganz besonders für den Tod.
Der Tod ist in unserer Gesellschaft versteckt worden. Negiert worden, wie ein lästiges Übel. Wir müssen ihn wieder herausholen und ins Leben integrieren. Müssen unsere Angst überwinden und den Tod bejahen. Ihn zu einem wichtigen Teil unseres Lebens machen.
Genussvolles Leben heißt auch die Endlichkeit zu akzeptieren. Schließlich beginnt der Tod schon mit der Geburt.
Wir müssen unseren Kindern zeigen, dass Leben Entwicklung und Wandel bedeutet. Das nichts beständig ist. Beständigkeit wäre Stillstand, aber Stillstand ist kein Gesetz des Lebens. Und wird ganz bestimmt nicht durch eine Jahreszahl symbolisiert. Auch wenn manche uns das einreden wollen.
Zu lang, ich weiß, aber in zwei Sätzen lässt dieses Thema sich nicht packen für eine, die mitten drin steckt.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Herzliche Grüße
Marille Caspelherr
von Matthias Weiß | 07.01.2010 10:49 Sehr geehrte Runde im WDR 5!
Mein Beitrag zu Ihrer Sendung. Alt werden und gesund bleiben ist nur ein Glück, wenn man nicht einsam wird. Alt werden muß schon im frühen Leben vorbereitet und gesteuert werden, denn da ist die Zeit um neben der Familie, die früh sterben kann, Nachbarn und Freunde zufinden die einen bis ins Alter begleiten. Meine Nachbarn geben mir nach dem Tode meiner Frau im Juni 2009 Halt und Trost. Viel Aufmunterung gibt mir auch mein Hund Sunny. Ich werde heute (06.01.2010) 66 Jahre alt.
Alles Gute an die Runde. Matthias Weiß
von Dr. Dunja Voos | 06.01.2010 15:34 Sehr geehrtes LebensArt-Team,
das Älterwerden wird stark von der Kindheit bestimmt. Hat ein Kind ausreichend Liebe und Geborgenheit erfahren, so wird es selbstbewusst und ohne großen Zeitverlust seine Ziele anstreben können. Es wird beziehungsfähig sein und seinen Traum von Familie rechtzeitig erfüllen können. Dann fällt das Altern relativ leicht.
Kinder jedoch, die eine schwere Kindheit hatten und nicht viel Liebe erfuhren, sind lange damit beschäftigt, Verpasstes nachzuholen und die "Fehler der Kindheit" auszumerzen. Sie sind lange auf der Suche nach der
"verpassten Liebe". Manchmal geht dann der Traum von Partnerschaft und eigenen Kindern nicht in Erfüllung. Außerdem hinterlässt eine schwere Kindheit körperliche und seelische Spuren, so dass das Älterwerden früher kommt und häufig eher schmerzt. Sozial schwache Menschen haben z. B. genau darum eine verkürzte Lebenserwartung.
Neurobiologen sagen, die Pubertät dauere bis zum Alter von 25 Jahren. Erst dann sei das Gehirn ausgereift. Bei mir persönlich fing das Altwerden genau an dem Punkt an: Bis 24 Jahre freute ich mich auf die Geburtstage, ab dann fühlte ich mich alt. Man muss sich plötzlich beeilen, damit die Träume noch wahr werden und man hinterher nicht traurig sagen muss: Altwerden ist hauptsächlich eine Ansammlung von Schuld und verpassten Gelegenheiten. Doch wem es gelingt, auch noch später positive Erfahrungen zu machen, der wird sich auch im höheren Alter wieder jünger fühlen. Übrigens: Psychotherapie ist auch im Alter noch sinnvoll.
Eine fröhliche Sendung wünscht
Dunja Voos
von Kurt Diedrich | 06.01.2010 15:27 Sehr geehrte Damen und Herren,
für mich, seit ich die "magische Grenze" von 60 überschritten habe, ein aktuelles Thema, zu dem ich einige Dinge, die mir spontan dazu einfielen, aufgeschrieben habe.
Und hier der Beitrag:
Als ich jung war, musste ich mir ständig anhören: „Warte, bis Du älter bist. Dann darfst Du mitreden“. Jetzt, wo ich älter bin, sagen mir die Medien täglich, dass wir in einer auf die Jugend fixierten Gesellschaft leben und die Alten nichts mehr zu sagen haben. Das ist ungerecht!
Obwohl ich mit 62 noch recht jugendlich wirke, beruflich tätig und relativ gesund bin und mir einbilde, dass mir (zum Glück) das meinem Alter entsprechende, „würdevolle“ Auftreten fehlt, merke ich doch von Jahr zu Jahr mehr, wie sich eine Kluft zwischen mir und meinem meist jüngeren Umfeld ausbreitet.
Ich habe in den Sechziger- und Siebziger Jahren eine wunderschöne, unbeschwerte und recht „wilde“ Jugend mit einem großen Freundeskreis erlebt. Diese Zeit vermisse ich einerseits sehr, erkenne aber gleichzeitig, dass ich heute im Grunde gar nicht mehr so leben möchte (zum Beispiel die Zeit in Studentenkneipen zu vertrödeln). Damit wäre eigentlich alles in Ordnung, wenn da nicht das Gefühl wäre, dass es gerade diese geänderte Einstellung ist, die mich gelegentlich stört. Dieser Widerspruch scheint mir typisch für mein persönliches Alter.
Die im Alter zunehmende Lebenserfahrung kann außerdem ganz schön desillusionieren. Die folgenden Beispiele sollen jedoch keine negative Bewertung, sondern nur eine sachliche Feststellung sein:
Alles hat man irgendwie schon mal gesehen oder erlebt, und der Erwerb materieller Güter macht plötzlich nicht mehr solch eine Freude wie früher. Die Sicht auf die Dinge wird klarer: Besitztümer, die früher als unbedingtes Muss angestrebt wurden, werden im Alter als ausgebuffte Marketing-Masche der Industrie entlarvt und als überflüssig abgelehnt (zum Beispiel der ganze Elektronik-Schnickschnack, auf den Jugendliche so versessen sind). Nicht nur die Begeisterungsfähigkeit - auch der Freundeskreis wird kleiner, da man sich selbst auf Grund seiner gesteigerten Lebenserfahrung besser erkennt und damit auch radikaler gegenüber anderen abgrenzt: Manche Freunde, die man früher lustig und geistreich fand, nerven plötzlich durch (scheinbar?) negative Charaktereigenschaften, die zwar immer schon vorhanden, aber zuvor nie bemerkt wurden. Man zieht sich zurück.
Der Musikgeschmack, wenn der Alternde auch noch ein Anhänger von Rock- und Popmusik ist, bleibt irgendwann stehen, und plötzlich kann man die zeitgenössische Unterhaltungsmusik kaum noch ertragen und flüchtet in die Musik aus Jugendzeit.
Statt wilder, aufregender Parties (die man im Alter wahrscheinlich sowieso nicht mehr durchstehen würde) gipfeln die gesellschaftlichen Höhepunkte der Wochenenden, wenn überhaupt, in Einladungen zum Essen bei (oder von) befreundeten Ehepaaren, was natürlich nicht besagt, dass dies nicht auch sehr schön sein kann.
Witze und Bonmots, die man von früher kennt, kommen nicht mehr an, weil den jüngeren Zuhörern ganz einfach der dazu notwendige Background fehlt. Ein Beispiel: Früher konnte man mit dem Ausruf „ein Klavier, ein Klavier!“ noch einen ganzen Saal zum Lachen bringen – heute erntet man in den meisten Fällen damit nur noch verständnisloses Kopfschütteln.
Die Risikobereitschaft wird geringer, weil man im Alter stärker über die Folgen seines Tuns nachdenkt und mehr Verantwortungsbewusstsein an den Tag legt. Es ist schon ein Jammer: Das Alter macht den Menschen auf
unerträgliche Weise vernünftig.
Das muss jedoch nicht unbedingt belastend sein, wenn es gelingt, die im Alter gewonnene Lebenserfahrung positiv umzusetzen. Das ist sicher möglich, aber wie dies geschehen soll, ist wiederum ein anderes Thema.