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Musik umgibt uns heute überall. Man muss bloß ein Kaufhaus betreten und wird von allen Seiten beschallt: ob im Fahrstuhl, dem Toilettenraum oder vor besonderen Verkaufsständen. Und dank mp3-Player und smartphones haben wir unsere Lieblingsmusik ständig parat - auf der Straße, im Bus oder auf dem Rad.
Selbst Musik zu machen bleibt trotzdem für viele etwas Besonderes. Deutlich wird das an den oftmals überfüllten Wartelisten an Musikschulen - zumindest für die gängigen Instrumente - und an verschiedenen Talentwettbewerben für Nachwuchskünstler wie „Jugend musiziert“. Und vielleicht gibt es sie doch noch: die Familie, die an Weihnachten gemeinsam singt und spielt.
Hausmusik und Laienmusizieren
Etwa ab dem 17. Jahrhundert breitet sich in Deutschland der Begriff Hausmusik aus. Hausmusik meint etwas Privates, das in den eigenen vier Wänden stattfindet - hauptsächlich im bürgerlichen Haushalt des 18. und 19. Jahrhunderts: man kommt zusammen und musiziert gemeinsam.
Heute wird meist der Begriff des Laienmusizierens gebraucht, der unter anderem das häusliche Musizieren mit einschließt. Laienmusizieren bezieht sich auf einen „nicht-professionellen, aktiven Umgang mit Musik“, d.h. die jeweiligen Musiker verdienen nicht hauptberuflich ihr Geld durch die Musik.
Hausmusik im 18. und 19. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert strebte das Bürgertum langsam auf und verschaffte sich peu á peu Zutritt zu Kulturgütern, die bis dahin nur den Feudalherren zugänglich waren. Hierzu gehörte – im Rahmen der Musikbewegung – vor allem das öffentliche Konzert. Während Musiker wie Haydn, Mozart und auch Beethoven oftmals von betuchten Adligen finanziert wurden, an deren Hof oder Haus sie musizierten, begannen im 18. Jahrhundert einige (Hof-)Musiker auch privat kleine Hauskonzerte anzubieten - gegen einen geringen Eintrittspreis. Das Interesse an der Musik und am Musizieren wurde bei vielen Bürgern gestärkt.
So gehörte ab dem 18. Jahrhundert eine musikalische Ausbildung, vornehmlich im Klavierspiel und Gesang, bei gut bürgerlichen Familien zur selbstverständlichen Erziehung. Besonderen Wert wurde auf diese Ausbildung bei den „höheren“ Töchtern gelegt. Eine Frau sollte die Freunde des Hauses unterhalten können und so gehörte die musikalische Ausbildung nicht nur zum gesellschaftlichen Miteinander, sondern steigerte zusätzlich den Heiratswert der Frau.
Konkurrenz durch neue Medien um 1900
Ende des 19. Jahrhunderts machten die Erfindung des Grammophons, der Schallplatte und des Radios der selbstgemachten Musik starke Konkurrenz. Diese neuen Musikabspieltechniken drangen langsam, aber unaufhörlich in die Gesellschaft vor und ersetzten die Notwendigkeit des eigenen Musizierens, schließlich entstand auch durch das gemeinsame Hören von Musik Geselligkeit und Verbundenheit. Es war nun unter ungleich einfacheren Bedingungen möglich, sich Musik „ins Haus“ zu holen. Auch die Vielfalt wurde größer: jetzt konnte auch Orchester- oder Opernmusik zu Hause abgespielt werden.
Musik machen in Zeiten von und mp3-Playern und smartphones
Heute scheint es oft so, als ob das häusliche Musizieren noch weiter zurück gedrängt worden wäre. Warum auch weiter musizieren, wenn es Platten, CD’s, mp3-Player, portable Computer usw. gibt? Immerhin erfordert das eigenhändige Musizieren doch ein Mindestmaß an Übung und Routine. Und da wo früher das Klavier stand, steht heute in den meisten Haushalten der überdimensional große Flachbild-Fernseher. Aber wird zu Hause wirklich so wenig Musik gemacht?
Eine Statistik, herausgegeben vom Deutschen Musikinformationszentrum, beziffert die Zahl aller Laienmusizierenden auf etwa 7 Millionen. Hierzu zählen sowohl die Mitglieder von Chören, Orchestern, Blasorchestern, Spielmannszügen, kirchliche Ensembles wie auch die Musizierenden an allgemein bildenden Schulen, Musikschulen und diejenigen, die privaten Musikunterricht erhalten. Es gibt also nach wie vor eine Menge von Personen, die privat, alleine, zu Hause oder in Ensembles Musik machen.
Hauskonzerte
Geändert hat sich dennoch eine Menge. Denn die klassische Hausmusik, bei der oftmals ganze Sinfonien so umgeschrieben wurden, dass sie vierhändig am Klavier spielbar waren, gibt es heute kaum noch. Aber es gibt Personen, junge wie alte, die in ihrem privaten Wohnzimmer „Hauskonzerte“ organisieren. Hier kommen sowohl Laien- als auch Profimusiker zusammen. Häufig laden Musikkenner oder –liebhaber professionelle Musiker ein, damit diese auf hohem Niveau bei ihnen Musik machen.
E-Gitarre, E-Bass
Sehr beliebt sind – vor allem bei jüngeren Leuten – Instrumente, die in der Rock- und Popmusik Verwendung finden: E-Gitarre, Schlagzeug, E-Bass. Wenn junge Leute sich treffen und in der Garage Rockmusik spielen ist das auch eine Form von Hausmusik. Vielleicht lassen sich solche Rock- oder auch Heavy-Metal-Ensembles nicht so oft zu Hause antreffen, sondern eher in Garagen, angemieteten Proberäumen, Aulas von Schulen usw., weil für elektronisch verstärkte Musik mehr Raum benötigt wird - für Verstärker, Mikrofone, etc. Wegen der Lautstärke ist selbstgemachte E-Musik auch nicht unbedingt geeignet für Mietwohnungen.
Einmal Musik – immer Musik?
Es ist nach wie vor so: wer früh an das Musizieren herangeführt wird, hat auch später meist noch Interesse an Musik. Erfahren Kinder im Elternhaus, dass aktives Musik-Machen etwas ganz selbstverständliches ist, wollen sie meist selbst ein Instrument lernen. Frühe Förderung durch das Üben für den Musikschulunterricht oder durch die Förderung in den allgemeinbildenden Schulen begünstigen die Freude am Musizieren. Leider ist der private Musikunterricht nicht günstig und die Kosten für die Anschaffung eines Instrumentes kommen meist noch hinzu. Dennoch sollte man sich als Elternteil - oder auch Erwachsener, der ein Instrument lernen möchte – hiervon nicht direkt abschrecken lassen. Es gibt durchaus verschiedene Fördermöglichkeiten von Seiten der Musikschulen, allgemeinbildenden Schulen, etc. Und falls Sie an Ihren musikalischen Fähigkeiten zweifeln: Die grundsätzliche Begabung, ein Instrument zu lernen, ist fast in jedem Menschen angelegt.
Studiogast: Uwe Gäb, Musikpädagogischer Leiter der Musikschule der Bundesstadt Bonn
Recherche: Hannah Sahm
Redaktion:
Katrin Paulsen
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Literaturtipp:
Geschichte der Musik in Deutschland
Das 18. Jahrhundert: Der Bürger erhebt sich
von Peter Schleuning
Rowohlt Verlag
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Kommentare
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Ihre Meinung zu dieser Sendung:
von Rückert, Karlheinz+Georg | 06.02.2012 15:08 Ich finde (fand) die SENDUNG wunderbar... vor allem die vielen persönlichen begeisterten Eindrücke der Anrufer, die einfach selbstverständlich erzählten, Ihre Erfahrungen preis gegeben haben. Es bringt so viel, selbst zu singen: Dieses Instrument ist leichtfüßig und haben Sie immer dabei. Und die Entwicklung, die immer ganz persönlich und "unvergleichlich" ist.