Thema: Müssen die sein? Die letzten NS- Prozesse
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- John Demjanjuk vor Gericht
Müssen die sein? Die letzten NS-Prozesse
Der eine im Rollstuhl, der andere auf einem Krankenbett, zwei Angeklagte, die auf die 90 zugehen: Zwei Gerichtsverfahren in Aachen und München, die als die vermutlich letzten NS-Prozesse in die Geschichte eingehen werden. Welche Bedeutung hat die Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte heute noch für uns? Warum hat die Gesellschaft so schwer mit der Aufarbeitung getan? Und warum ist es für die Opfer und ihre Angehörigen so wichtig, dass diese Frage gestellt und beantwortet werden?
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Ihre Meinung
von Claus Conze | 06.02.2010 19:22 Ich denke auch das diese Prozesse bis zum letzten Nazi-Übeltäter durch gezogen werden müssen.Es geht auch um die Abschreckung zukünftiger Despoten.Solche Verbrechen dürfen nicht verjähren.Das kostet zwar alles viel Geld,aber das muss uns die Demokratie und die Gerechtigkeit alle mal Wert sein.
von Norbert Renske | 06.02.2010 16:17 Ich würde mir nicht anmaßen gegenüber einem Täter Demjanjuk auf seine letzten Tage, Wochen oder Jahre, so etwas wie Milde/Barmherzigkeit zukommen zu lassen. Vielleicht hilft das einigen, dass eigene Seelenheil zu bewahren, in erster Linie geht es hier aber nicht um die eigenen Befindlichkeiten, sondern um diejenigen welche Opfer waren oder noch sind. Unsere Demokratie bekäme keinen einzigen Kratzer liesse man falsche Barmherzigkeit außen vor. Das Regime konnte sich nicht nur so lange halten, weil es vielen an Unrechtsbewußtsein mangelte, sondern weil auch zu viele zu sehr damit haderten ob es denn rechtens ist der Nazi-Herrschaft, notfalls auch mit Liquidierungs-Maßnahmen, entgegen zu treten. Man hätte ja Schuld auf sich laden können. Nur durch die Vermeidung einer ev. Schuldaufladung konnte die tatsächlich entstandende Schuld so ungeheure Auswüchse annehmen. Hoffentlich haben wir für alle Zeiten gelernt einen zu grell leuchtenden Heiligenschein einfach mal bei Seite zu legen. Grüsse . . .
von Uel | 06.02.2010 15:54 NS-Prozesse - Müssen die sein?
Natürlich müssen die noch sein, denn jeder von der Nazi-Bande, für den die Chance auf Verurteilung noch besteht, muss auch die Würdigung seiner Bosheit vor einem Gericht erfahren. Die haben damals keine Rücksicht auf Gebrechlichkeiten genommen. Wir sind unendlich großzügiger, wir bringen sie medizinisch bestens versorgt in den Gerichtssaal.
Was allerdings nicht geschehen sollte, und was auch leider wieder in ihrer Sendung geschah, ist, dass Leute aus Selbstdarstellungsgründen einen Selbstbezichtigungs –Wettbewerb inszenieren um sich selbst als bessere Menschen zu erhöhen. Denn mindestens eine von ihren Gesprächspartnern bezichtigte sich selbst als "mitschuldig". Das ist blanker Unsinn, denn "mitschuldig" kann man nur als Mittäter oder Dabeigewesener sein, der hätte verhindern können, aber nicht tätig geworden ist. Alle andern sind unschuldig!
Man kann als heutiger Mensch Abscheu, Scham, Wut oder Mitleid im Bezug zu den damaligen Geschehen empfinden, aber schuldig fühlen ist blanker Unsinn. Nur einer ihrer Gesprächspartner hat dem schwach widersprochen, von Ihnen kam leider gar nichts.
Ich halte es für sehr wichtig, bei dem Sich-Schuldig-Fühlenden entschieden zu widersprechen, denn durch deren Stellungnahmen begeben sie sich, meist naiv und unwissend, auf das Argumentationsfeld der Täter. Das Argument der Kollektivschuld ist immer das der Nazi-Täter gewesen, und Naivlinge unter denen, die meinten ein Mehr an Betroffenheit zeigen zu müssen, sind ihnen immer wieder auf den Leim gegangen.
Es gibt halt diese 2 Argumentationsmöglichkeiten: Kollektivschuld oder Individualschuld
Kollektivschuld: alle Deutschen sind schuldig, dann kann man sich heute noch schuldig fühlen, es hat aber den Haken. Die Täter können dann auch in dieser Systematik argumentieren. Sie hätten doch nur ihre Pflicht getan, wie alle andern Deutschen an ihren jeweiligen Stellen. Und den Befehl, den habe es von ganz oben gegeben und wenn jemand schuldig sei, dann wohl die ganz oben. Gewiss sei man irgendwie auch etwas schuldig, aber das sei doch jeder irgendwie im 3. Reich gewesen. Ja, - dann kann man sich auch heute noch ein wenig schuldig finden und es ungehöriger Weise auch noch von unsern Urenkeln meinen fordern zu können, sie brauchen ja dann auch nur ein bisschen schuldig sein.
Nein! Nein! Nein!
Es gibt nur die Individualschuld. Nicht allein der GröFaZ wurde schuldig, als er der Befehl Nr. xy unterschrieben hat, nein auch der am Ende der Befehlskette, der z. B. das Gewehr genommen hat, Patronen hineingesteckt, durchgeladen, auf den wehrlosen Menschen vor sich angelegt, dann gezielt und endlich abgedrückt hat, der ist schuldig! Bei jeder dieser Aktionen hätte er sich ja noch anders entscheiden können. Da ist Nichts mit: aber die da oben haben doch gesagt … , nein, er hat einen wehrlosen Menschen erschossen, und das ist noch nicht einmal im Krieg und unter Kriegsrecht zu entschuldigen, dafür gibt es niemals eine Rechtfertigung.
Genau das wussten die Alliierten in Nürnberg, dies vertraten auch jüdische Organisationen gleich von Beginn an, weil alle Kundigen wussten, nur so können wir alle, die wir kriegen auch eventuell verurteilen.
Genau dafür gibt es auch jetzt die Widerstandspflicht gegen Unrecht in unserm Grundgesetz.
von elke schweisfurth | 06.02.2010 15:01 ja ich meine schon das man die ns prozeße weiter füren sollte.
das opferrecht geht vor als das täterrecht.
wer einmal schwer gefoltert wurde wird nicht mehr so richtig heimisch auf dieser erde.
man sollte die ns zeit bei nahmen nennen.
damit diese rassenidiologie nicht mehr vor kommt. weret die ersten anfänge. die ersten zeichen sind schon da versteckt in den neuen heitmischengermanischen gedankengut. die neue esotherische neugermanische welle
ist nicht ganß die ohne.
von Christel Spicker | 06.02.2010 13:50 Guten Tag,
als ehemalige Realschullehrerin möchte ich von einem mich zutiefst erschreckenden Ereignis berichten, welches ich als Lehrkraft vor ca. 25 Jahren in der von mir geführten Klasse 9 erlebte.
Die Stadt Neuss hatte im Rahmen der versuchten Wiedergutmachung ehemalige jüdische Neusser Bürger/Bürgerinnen eingeladen und den Schulen angeboten, dass je zwei ehemalige Juden/Jüdinnen, die in Neuss gelebt hatten und während der Nazi Zeit emigrierten, mit den Schülern und Schülerinnen ein Gespräch zu führen, um authentische Zeugenschaft des Lebens vor der Nazizeit und um die erlebten Gräuel, die ihnen oder anderen Juden zu Beginn und bis zur Flucht widerfuhren, den jungen Menschen nahzubringen.
Der von mir geführten Klasse wurden eine amerikanische, allem Anschein nach vermögende ältere Jüdin, und ein jüdischer Architekt aus München zugeteilt.
Die Schüler und Schülerinnen waren vorbereitet und auf eine behutsame und keineswegs flappsig-unpassende Diskussion eingestellt - auch ein entsprechender freundlicher Rahmen , Tasse Kaffee, gehörte dazu.
Den gut informierten Schülern und Schülerinnen kann ich auch im nachhinein ein reges und anteilnehmendes Interesse bescheinigen.
Dann kam die Dame aus den USA zu Wort und erklärte zu meinem und zum Entsetzen des jüdischen Herrn aus München, dass die Schüler und Schülerinnen ein falsches Bild vom äußeren Erscheinungsbild der Juden hätten. Die meisten Juden seien blond .Die kleinen, dunkelhaarigen mit gekrümter Nase hätten in Polen und " da hinten " gelebt. Sie seien so huschig gewesen und es sei gut, dass nur noch wenige von diesen Typen lebten.
Der Herr aus München fiel ihr ins Wort und ich bat auch um Beendigung ihres Vortrags und versicherte den ebenfalls betroffenen Schülern und Schülerinnen, dass wir diese Schilderung noch thematisieren würden.
Sie verließ bald den Raum mit den Worten:"Das muss ich Euch auch noch sagen: Neuss ist ja schrecklich geworden, alles voller Ausländer!"
Die Bestürzung ließ sich auffangen durch die ruhige und sympathische Art des Herrn aus München und es gelang ihm, ein anderes Bild zu zeichnen.
Der Besuch endete mit der Schülerfrage:" Was können wir denn tun?" Er entgegnete:"Eines, nehmt uns normal! Geht normal mit uns um! Jede Exklusivbehandlung führt zu neuen Störungen."
Obwohl es dem Herrn aus München sichtlich schwer fiel, mit mir ins Gespräch zu kommen (Ich bin Jahrgang 1935 und war zu Kriegsbeginn 4 jahre alt), führten wir mit ihm bis zur Entlassung eine in jeder Hinsicht konstruktive Korrespondenz.
Mein Erlebnis trifft nicht haarscharf Ihr Thema, aber es macht deutlich, dass das Thema komplizierter ist, was Sie natürlich auch wissen, als es in manchen Beiträgen heute erkennbar wurde.
Danken möchte ich den Sprechern und Sprecherinnen, die dem Vergessen offensiv entgegentraten, die Prozessführung verteidigten, zugleich aber auch die metanoia der politischen Klasse in der BRD, der allermeisten Bürger- (die primitiven kahköpfigen Rechten sind gottlob eine widerliche Minderheit und sind auch zu bekämpfen)- wahrnehmen und keinen "Honig" der Selbstgerechtigkeit aus den Fehlern der Vergangenheit oder Gegenwart ziehen.
Mit freundlichem Gruß und guten Wünschen für weitere Erfolge
Christel Spicker
von E. Thomas | 06.02.2010 13:04 Leider wird schon seit mindestens einer halben Stunde das Niveau unglaublich durch Leute beeinträchtigt, die die Sendung offenbar als Plattform für die eigenen Ziele missbrauchen. Und warum geht die Moderatorin nicht deutlicher dazwischen, wenn offenkundiger UNsinn (heute würden "Antifaschisten" wieder verfolgt, genau wie damals! Eine unerhörte und diffamierende Unterstellung) mehrfach wiederholt und unkommentiert stehen gelassen werden. Dazu noch eine seltsamer Brief vorgelesen, ini dem voon schießenden Polizisten schwadroniert wird - schade, dass mit diesem wichtigen Thema am Ende derartig umgegangen wird! Und ärgerlich, dass ich so lange zuhört habe.
von roland von der warth | 06.02.2010 13:01 je länger ich heute ihre sendung verfolge,desto mehr ärgere ich mich über die unglaublich misslungene formulierung des titels.überlegen sie mal wie differenzierungsfreudlich und wahrhaftig es auf einer npd-veranstaltung zugehen kann. "müssen die ns-prozesse sein? sogar wdr hat zweifel!" so,oder so ähnlich..... aus dem titel den sie da in die medien geblasen haben lassen sich doch ganz leicht faschistenfreundliche parolen machen.unmöglich was sie da verzapft haben.bedenken sie die wirkung auf verdrehte köpfe die so einen titel in der programmzeitung lesen und dann die sendung nicht hören.ich hoffe ,daß der titel wenigstens polemisch gemeint war.wenn nicht , umso schlimmer. anbei noch eine frage: hätten sie zu der sendung einen menschen einladen können der an ns-verbrechen beteiligt war und der darüber spricht und bereut?gibt es so jemanden?gab es je so jemanden den man zitieren kann?ich hab interviews mit verurteilten kz-schergen gehört die ihre verbrechen zugaben...ich kann mich aber nicht erinnern wo das im tv gesendet wurde. müsste aber doch ihrer redaktion bekannt sein.den macher dieser sendung hätten sie z.b.einladen können.ihre heutigen gäste sind nicht nah genug dran an dem ungeheuerlichen das in den ns-prozesse verhandelt wird.
von Mansfeld, Ludwig | 06.02.2010 13:01 Mir gefällt die PPolemik auf beiden Seiten nicht. Wen einer der Diskutnaten die Wahrunge der rechtsstaatlichkeit für unverzichtbar ansieht, hat er damit in keiner Weise irgendeine Fürsprache für die Täter abgeben wollen. Das war eindeutig. Die Gerichtsreporterin hat es aber so interpretiert. Das finde ich unredlich. Auch mir bedeutet die Rechtsstaatlichkeit alles, obwohl auch ich zähneknirschend zur Kenntnis nehme, daß manche Täter davon profitieren.
Zu den Konsequentzen bei Verweigerung. Mein Vater könnte vielleicht den Krige überlebt haben, wenn er sich nicht gewidert hätte, als Jurist den Vorsitz eines Kriegsgerichts zu übernehmen, wofür er mit 39 Jahren noch nach Stalingrad strafversetzt worden ist und dort für sog. "Himmelfahrtskommandos" eingesetzt wurde.
Offiziell ist ihm natürlich für die Weigerung nichtsd geschehen.
Übrigens, nicht alle P'arteimitglieder waren Nazis. Manche waren z.B. in anderen, demokratischen Organisationen, die "gleichgeschaltet" worden sind. Aus derf Partei auszutreten wäre ´zumindest beruflicher Selbstmord gewesen. Jedere Akademiker war im Krieg im Offiziersrang. Auch damit ist er nicht automatisch ein "Kriegsverbrecher".
von Brigitte Sowa | 06.02.2010 12:59 Es ist im Sinne der genannten Wahrheitsfindung unabdingbar, dass bis zuletzt (solange noch ein Täter lebt/ein Opfer aussagen kann) den Kindern, den Frauen, den Männern in so vielen Ländern Europas wenigstens ein kleines bisschen menschliche Würde,Identität und Gesicht zurückgegeben wird. In der genauen, schmerzhaften Benennung der Taten an Menschen werden diese als Menschen sichtbar.
Sie verschwinden nicht hinter den Nummer der Transporte, der durch frei machende Arbeit zu Tode gekommenen, der aus den Güterwagen Geprügelten und Selektierten.
Ihr Gesicht , ihr Dasein als Einzelner unter Millionen kann helfen das Unvorstellbare der großen Zahl ein wenig aufzuheben.
Den Überlebenden mit der Bürde des Überlebens ist zumindest die Würde der Zeugenschaft gegeben.
von Herbert Bielschowsky | 06.02.2010 12:58 Gerichtsverfahren , die Sachverständigengutachten und als Ergebnisse die Urteile sind wesentliche Grundlage einer Dokumentation der Verbrechen. Prozeßdokumente haben über Jahrhunderte und für Jahrhunderte einen hohen Stellenwert in der Geschichtsforschung. Sie werden in Zukunft die wichtigste "Hinterlassenschaft" dieser ungeheuren Menschheitsverbrechen sein. Holocaust-Leugner werden es durch diese Gerichtsdokumente sehr schwer haben, ihre Positionen glaubhaft zu vertreten.
Von Galilei und anderen Verfahren des Mittelalters bis zum Eichmann-, Ausschwitz und Maidanekprozess, um nur einige zu nennen, geben uns einen entscheidenden Einblick in die jeweilige Zeit. Daher müssen die Verfahren bis zum letzten überlebenden Verantwortlichen durchgeführt und abgeschlossen werden.
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