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Natürlich verfügt Wien wie alle großen Metropolen über die ganze Bandbreite an Gasthäusern, Szene- und Feinschmecker-Restaurants. Generell geht der Wiener selbst aber immer noch bevorzugt in „seine“ Beisl, wie die gemütlich-gutbürgerlichen Wirtshäuser mit ihren typischen Wiener Spezialitäten genannt werden. Aber auch die Beisln gibt es in unterschiedlichen Varianten: von der einfachen Kneipe mit wenigen, preiswerten Gerichten bis zum gediegenen Gasthaus, in dem es neben Schnitzel und Backhendl auch international beeinflusste und anspruchsvoll zubereitete Gerichte gibt.
Gebackenes
Das kulinarische Symbol der österreichischen Hauptstadt ist zweifellos das Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurkensalat. Klassisch wird es aus dünn geklopftem Kalbfleisch zubereitet, das paniert und in sehr viel Butterschmalz gebraten wird. Die Wellenform der Panade entsteht durch das Rütteln der Pfanne, in welcher das Schnitzel beim Braten praktisch schwimmt. Acht von zehn Schnitzeln, die die Wiener selbst essen, stammen allerdings nicht vom Kalb, sondern vom Schwein, weil das Fleisch saftiger und preiswerter ist. Paniert, gebraten oder frittiert werden auch Backhendl, Kalbskopf, Selleriescheiben, Champignons, Bergkäse und Kalbshirn.
Gesottenes und Geselchtes
Der zweite wesentliche Pfeiler der traditionellen Wiener Küche sind die Rindfleischgerichte. Das berühmteste ist wohl der Tafelspitz, der hier nicht nur vom Kalb sondern auch häufig vom erwachsenen Rind genommen wird. Klassische Beilagen sind Wurzelgemüse und Kartoffeln, außerdem darf der frisch geriebene Kren, also der Meerrettich, dazu niemals fehlen. Eine fruchtige Alternative dazu ist Apfelkren, wofür der Kren mit Apfelmus gemischt wird. Darüber hinaus sind praktisch alle Teile vom Ochsen, Kalb oder Rind beliebt, besonders auch am Knochen gekocht oder serviert: Zunge, Schulter, dicke Rippe, Beinfleisch kommen je nach Rezept frisch oder geselcht, also geräuchert, auf den Tisch. Bei soviel Fleischkochen bleibt natürlich viel Brühe übrig, die gerne mit Streifen von dünnen Kräuterpfannkuchen als Einlage gegessen wird.
Mehlspeisen
Kein Gasthaus, das es sich leisten kann auf Mehlspeisen wie Kaiserschmarren, Topfenknödel oder Apfelstrudel zu verzichten! Gerade bei den Mehlspeisen sind allerdings die Qualitätsunterschiede am größten. Wie viele Eier der Koch für den Kaiserschmarren einsetzt, entscheidet darüber, wie luftig er wird. Vanille, Rum und der hauchdünne Teig sind entscheidend für den perfekten Wiener Apfelstrudel. Bei den gefüllten Topfenknödeln muss das Obst, egal ob Pflaume oder Marille, schön reif sein und die Quarkmasse für den Teig weich und saftig. Außerdem müssen die Portionen offensichtlich so groß sein, dass man sie eigentlich keinesfalls aufessen kann, was man dann doch immer wieder tut.
Autor/in:
Gespräch mit Helmut Gote
Redaktion:
Wilfried Bommert








