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Als Edgar Mrugalla, Jahrgang 1938, einmal durch die Hamburger Kunsthalle ging, blieb er vergnügt vor dem Gemälde "Kahn in den Dünen" stehen. Er liebte Max Liebermann, den deutschen Impressionisten, und er liebte dieses Bild - ein echter Mrugalla. Für den Museumsdirektor wurde es peinlich, als Mrugalla ihn aufklärte. 3500 Bilder hat der "König der Kunstfälscher"- so Mrugalla über sich selbst - in seiner besten Zeit produziert. 1500 wurden beschlagnahmt, 2000 hängen vermutlich noch als "echte" Werke in den Museen. Mrugalla, das Genie, musste für die besten Fälschungen, die es je gab, zwei Jahre hinter Gitter. Besonders hatten es ihm Picassos Werke angetan. Eine Expertin aus dem Pariser Louvre gutachtete während der Gerichtsverhandlungen, der Mann müsse über ein Einfühlungsvermögen und über Hände wie Picasso verfügen. Stimmt, sagt Mrugalla und zeigt seine Hände: "Meine Patschen sehen genauso aus wie Pablo seine, und die sind eben sehr fleißig, genau wie Pablo. Pablo hat ja auch furchtbar viel geschafft in seinem Leben!"
Lebenslauf
- geboren 1938 in Berlin
- Schrott- und Lumpenhändler, Fuhrunternehmer, Weihnachtsbaumverkäufer, Galerist, Kipperfahrer, Dampfschiffheizer, Hilfsbootbauer
- Deutschlands bisher größter Kunstfälscher mit 3000 Fälschungen in 14 Jahren
- Lebt in Büsum an der Nordsee und betreibt eine offizielle (Fälscher)-Malschule
"Ich habe manches in meinem Leben falsch gemacht", sagt Edgar Mrugalla, "am meisten Bilder." Und? Was hat's ihm gebracht?
Zweifelhaften Ruhm, Ehre weniger. Etliche Male stand der Maler aus dem Berliner Wedding vor Gericht, es ging fast immer glimpflich aus. Mrugalla hatte den Kunstmarkt mit verblüffend original scheinenden Motiven von van Gogh und Cézanne, Renoir und Klimt, Beckmann und Marc, Grosz und Picasso bedient. "Kopiert" werden dürfen Künstler aber erst 75 Jahre nach ihrem Tod. Zum Glück hat er seine Kunst-"Blüten" meist schalkhaft mit "Cartouche", dem Namen eines französischen Edelbanditen aus dem 16. Jahrhundert, gezeichnet, oft auf der Rückseite der Bilder. Die Signaturen der nachgeahmten Meister habe er nie gefälscht, sagt er beschwörend. Wenn das andere besorgten, die an den Kopien verdienten, bekam er trotzdem die Probleme, festnageln konnten die Gerichte ihn aber nicht.
Weil die Hitlisten des Kunstmarktes schon von Baselitz, Richter und Polke besetzt gewesen sind und die Welt der Kunst nicht seine eigenen Motive, sondern lieber den schönen falschen Schein längst gemalter Bilder wollte, sei er eben Fälscher geworden, argumentiert er. Und: "Ich spiele mit der Kunstgeschichte, aber ich bin kein Verbrecher!" Sämtliche Verfahren gegen Mrugalla wurden mittlerweile eingestellt. Jetzt muss er nicht mehr für sich behalten, was richtig und was falsch ist beim Bildermachen. Berliner Zeitung vom 1. August 2001
Autor/in:
Christiane Raasch
Redaktion:
Mark vom Hofe
Erlebte Geschichten: Edgar Mrugalla






