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Als Michael Preute alias Jacques Berndorf Mitte der 80er Jahre mit seinem Reportageauftrag "Regierungsbunker" begann, ahnte er nicht, welch tiefgreifende Wende die Recherche in seinem Leben mit sich bringen sollte. Der ehemalige Kriegsberichterstatter hatte erfolgreich eine Entziehungskur hinter sich gebracht, musste jetzt als trockener "Alkoholiker" aber erfahren, wie betonhart sein berufliches und privates Umfeld in München an Vorurteilen festhielt. Es war ihm mehr als recht, dass der Bunker, eines der groteskesten Mahnmale des Kalten Krieges, ihn Anfang der 80er Jahre in die Eifel zog. Michael Preute brach mit München und ließ sich im Eifeldorf Berndorf nieder, das ihm später als Pseudonym des erfolgreichen Krimi-Autors dienen sollte.
Die lange Recherche am Bunker stellte alles in den Schatten, was er an "politischer Idiotie" bislang erlebt hatte. Bis zu dreitausend VIPs aus Militär, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollten hier den Atomkrieg überstehen, um von hier aus das weiterzuführen und zu regieren, was oben übrig blieb. Über 20.000 unter Schweigepflicht gestellte Bauarbeiter hatten von den fünfziger Jahren an bis 1971 den 5,7 Milliarden Mark schweren Koloss fertiggestellt. Mit vielen von ihnen hatte Preute immer wieder zu reden versucht. Endlich wurden seine Geduld und Hartnäckigkeit belohnt: einige packten aus. Er konnte selbst nicht glauben, welch ein Schatz von aberwitzigen Geschichten und Anekdoten aus dem Alltagsleben im Bunker zu Tage kam. Und als er schließlich noch herausfand, dass der Milliardenkoloss eine doppelte Farce war, weil der halbe Flughafen Orlando Florida inklusive Hotel der Bundesregierung als eigentlicher Fluchtpunkt im Krisenfall gehörte, musste er erleben, wie Stern und Spiegel ihn abblitzen ließen, weil ihnen diese Story zu heiß war.
Lebenslauf
- geboren 1936 in Duisburg
- abgebrochenes Medizin-Studium
- Journalist zunächst in Duisburg, dann Reporter für Stern und Spiegel
- Mitte der 80er Jahre fiktionale Texte
- Mai 1989 erscheint der erste "Eifel-Krimi"
Nach wie vor, so Preute, sei die Recherche-Arbeit sein wichtigstes Handwerkzeug. Wenn die erledigt sei, dann stelle er sich vor, "Augstein oder Nannen hätten mir den Auftrag gegeben, ein ganz bestimmtes Reportage-Bild zu malen - ein vorurteilsfreies von einer ganz bestimmten Gruppe von Menschen eben." Ihm gehe es darum, "Lebensfelder" zu entwerfen: "Zunächst ist da ein menschliches Terrain, das ich beackern muss. Dann erst entwickelt sich langsam die Möglichkeit, ein Verbrechen zu planen und eine Leiche zu platzieren." Drei bis vier Monate braucht Preute, bis er die nötigen Informationen beisammen hat. Mittlerweile helfen ihm bei deren Beschaffung einheimische Staatsanwälte, Kripo-Beamte und Lokalpolitiker. Das Schreiben selbst geht schnell. Ein Monat pro Band. In dieser Zeit zieht er sich zurück, schläft kaum und ist am Ende meist bloß noch "unrasiert und muffig". Süddeutsche Zeitung vom 28. Dezember 2002
Autor/in:
Maria Franziska Schüller
Redaktion:
Mark vom Hofe
Erlebte Geschichten: Michael Preute






