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Raoul Hilberg ist nicht unumstritten. 2002 mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wegen seines ausschließlich auf Quellen beruhenden dreibändigen Werks "Die Vernichtung der europäischen Juden", ist ihm wiederholt aus den eigenen jüdischen Reihen diese Art der Geschichtsschreibung vorgeworfen worden. Denn seine zentrale These lautet: Hitler hat nie einen Befehl für den Judenmord gegeben - weil es gar nicht nötig war. Die deutsche Bürokratie arbeitete ganz von allein, arbeitsteilig und zielstrebig. Hilbergs Recherchen, dass die jüdischen Organisationen nicht genügend Widerstand leisteten, sondern eher auf Anpassung aus waren, hat ihm zusätzlich Kritik eingebracht - und doch gilt der 1926 in Wien geborene Hilberg, der in Amerika lehrte, als der erste Geschichtsschreiber, der bereits in den 50er Jahren damit begann, niemanden schonend den Holocaust aufzuarbeiten. Dabei kam ihm zugute, dass er unmittelbar nach dem Krieg als amerikanischer Soldat im Braunen Haus in München auf Teile der Privatbibliothek Adolf Hitlers gestoßen war.
Autor/in:
Jochanan Shelliem
Redaktion:
Mark vom Hofe





