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„Staatsfeind“, so stand es auf der Karteikarte, als der junge Priester Hermann Scheipers ins KZ Dachau eingeliefert wurde. Wegen „freundschaftlichem Verkehr mit Angehörigen feindlichen Volkstums“ habe er den Staat gefährdet. Gemeint waren damit polnische Zwangsarbeiter, um die sich der Seelsorger Scheipers kümmerte und für die er in ihrer Muttersprache die Messe las. „Staatsfeindliche Hetze nach § 106 Strafgesetzbuch“, so lautete Scheipers’ „Delikt“ in den Akten der DDR-Volkspolizei, Dienststelle Bautzen. Insgesamt 15 Spitzel hatte die Stasi in den Jahren von 1970 bis 1974 auf den Priester angesetzt - mit dem Ziel, einen Strafprozess gegen den unliebsamen Seelenhirten einzuleiten. Nur aus taktischen kirchenpolitischen Erwägungen kam das Verfahren dann doch nicht zustande. Scheipers, inzwischen 96 Jahre alt und wieder in seiner münsterländischen Heimat ansässig, überlebte Dachau und übernahm nach dem Krieg eine Gemeinde in Sachsen – um dort prompt anzuecken.
Autor/in:
Kirsten Serup-Bilfeldt
Redaktion:
Mark vom Hofe
Erlebte Geschichten: Hermann Scheipers






