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Eine Frau spaziert am Zaun eines Strandweges entlang (Rechte: WDR)
Sendung vom 20.07.2003, 07:05 bis 07:30 Uhr
Gottfried Wagner; Rechte: dpa

 Gottfried Wagner

Eine Kindheit in der "Villa Wahnfried"

Gottfried Wagner, der Urenkel des Komponisten Richard Wagner

Mit seinen Freunden spielte der 1947 geborene Gottfried in den heiligen Hallen des Bayreuther Festspielhauses Räuber und Gendarm. Doch schon früh wurde diese Idylle gestört: Als Neunjähriger sah er im Kino einen Dokumentarfilm über das Nazireich, er sah Bilder des Konzentrationslagers Buchenwald und sah, wie seine Großmutter Winifred vor dem Festspielhaus Adolf Hitler begrüßte. Dieses Erlebnis hat ihn so tief beeindruckt, dass er sich bis heute überaus kritisch mit dem Antisemitismus der Familie Wagner, seiner Familie, auseinandersetzt. Die Rebellion gegen die Familientradition hat er teuer bezahlt, der Vater enterbte ihn. Vor zehn Jahren gründete er zusammen mit einem amerikanischen Juden die "Post - Holocaust - Dialog" - Gruppe. Heute lebt er mit seiner Familie in der Nähe von Mailand.


Lebenslauf


  • "Ein Sohn kam mit der Geburt Gottfrieds am 13. April 1947 auch noch mit in unsere Behausung" Diese frostigen Zeilen hat Vater Wolfgang Wagner in seinen Erinnerungen für seinen Sohn nur übrig.

  • Das Verhältnis zwischen Vater Wolfgang und Sohn Gottfried ist unwiderruflich zerrüttet. Gottfried will von Anfang an nicht die Bestimmung nicht annehmen, die ihm sein Vater Wolfgang Wagner zugedacht hat.

  • Im frühen Alter bereits beginnt er Fragen zu stellen. Warum etwa bei den Berichten aus dem Dritten Reich immer wieder die Musik seines Urgroßvaters Richard zu hören sei. 1963 findet er in einer Garage ein paar Filmrollen, die ihm endgültig die Augen öffnen.

  • Er hört von "Onkel Wolf" - ein Kosewort für Adolf Hitler, der so in der Familie Wagner genannt wurde. Darstellungen über Konzentrationslager werden in der Familie stets abgetan mit der Bemerkung "Das ist alles die Propaganda der New Yorker Juden".

  • Anders als sein Vater, der rücksichtslos alles in den Dienst der Bayreuther Festspiele stellt, verdrängt Gottfried nicht. Er gelangt zu der Überzeugung, dass schon Richard Wagner seinen Teil zu Antisemitismus und Rassismus beigetragen hat. Er sieht einen Zusammenhang zwischen Bayreuth - Ausschwitz und Theresienstadt.

  • Heute ist Gottfried Wagner ein Drittel des Jahres in der Welt unterwegs, die restlichen zwei Drittel verbringt er mit seiner Familie Mailand.

 

 

Autor/in:

Gretel Rieber

Redaktion:

Hanns Otto Engstfeld

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