s

Eine Frau spaziert am Zaun eines Strandweges entlang (Rechte: WDR)
Sendung vom 20.02.2005, 07:05 bis 07:30 Uhr
Lenka Reinerova; Rechte: picture-alliance/ ZB

 Lenka Reinerova

"Ich war Nummer 2814"

Reinerova über ihren Gefängnisaufenthalt in Prag während des Stalinismus

Prag, Frühjahr 1952. Aus Lenka Reinerova, einer 36-jährigen Rundfunkjournalistin, wird ein Untersuchungshäftling ohne Namen, ohne Rechte - eine Nummer, sonst nichts. Nummer zweitausendachthundertvierzehn.

1916 in Prag geboren, Tochter jüdischer Eltern, schließt sie sich früh der kommunistischen Jugendbewegung an, wird Redakteurin der "Arbeiter Illustrierten Zeitung". 1939 flieht sie vor den deutschen Truppen nach Frankreich, wird interniert, gelangt über Marokko nach Mexiko und kehrt nach dem Krieg nach Europa zurück.

Erst in Belgrad Rundfunkjournalistin, dann in Prag, wird sie aus ihr unerfindlichen Gründen verhaftet. Neben ihren Aufenthalten im westlichen Ausland scheint es vor allem ihr Judentum gewesen zu sein, das sie hinter Gitter brachte.

Heute lebt die letzte deutschsprachige Schriftstellerin Tschechiens hoch geehrt in Prag.

Lebenslauf


Geboren am 17. Mai 1916 in Prag, Eltern jüdische Eisenwarenhändler.
Schulbesuch in Prag, Journalistin bei der "Arbeiter-IllustriertenZeitung". Nach Hitlers Machtübernahme wurde sie Kommunistin, Flucht nach Paris, dort wegen Engagement im "Haus der Tschechoslowakischen Kinder" 6 Monate im Frauengefängnis, danach südfranzösisches Internierungslager und schließlich erneute Internierung in Marseille.
Weiskopf setzt sie auf die "American League of Writers", wodurch sie nach Mexiko auswandern durfte, Flüchtlingsschiff wurde bei Casablanca aufgehalten und sie musste ins Wüstenlager Oued Zem, aus dem sie entkommen konnte. In Mexiko Zusammentreffen mit ihrem Vorbild und späterem Mentor Kisch und der Bewegung "Freies Deutschland" und dem Verlag "Ellibro libre".
1943 Heirat mit Theodor Balk (deutscher Schriftsteller und jugoslawischer Arzt) in Mexiko.
Nach Kriegsende Rückkehr nach Belgrad, Geburt der Tochter, Familie hatte Holocaust nicht überlebt.
In Pariser Einzelhaft schreiben von Detektivgeschichte für Kinder, Märchen, Liedertexte.
In Mexiko schrieb sie Reportagen und arbeitete für die tschechoslowakische Botschaft,
Ab 1948 Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin.
Anfang der 50er Opfer der stalinistischen Säuberung und 15 Monate Untersuchungshaft. Abschiebung mit der Familie in die Provinz,
1964 Rehabilitierung. Nach Niederschlagung des "Prager Frühlings" Schreibverbot, Ausschluss aus der Kommunistischen Partei, Verlust der Arbeit als Chefredakteurin der "Im Herzen Europas".
Erst nach dem Mauerfall 1989 wurde die Autorin und ihre Werke wieder entdeckt.
Veröffentlichungen im Berliner Aufbau-Verlag, "Autorenporträt" im MDR.
Sie wurde u. a. mit dem Schillerring der Deutschen Schillerstiftung und der Goethe-Medaille der Stadt Frankfurt/Main ausgezeichnet.
Lenka Reinerová ist seit 1943 verheiratet und hat eine Tochter.

 

 

Autor/in:

Georg Beck

Redaktion:

Hanns Otto Engstfeld

Unsere Audios und Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.adobe.com/go/getflashplayer_de

Erlebte Geschichten: Lenka Reinerova

vorherige Sendung vorherige Sendung

nächste Sendung nächste Sendung




Erlebte Geschichten

Ein aelteres Paar sitzt auf einer Parkbank in Berlin-Mitte (Rechte:ddp)

... von A-Z zum Nachlesen und Hören [mehr]

Radio zum Mitnehmen

Blaues Ohr mit Ohrstöpsel mit von ihm ausgehenden Sendewellen vor blauem Hintergrund (Rechte: WDR)

Erlebte Geschichten als Podcast [mehr]