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Eine Frau spaziert am Zaun eines Strandweges entlang (Rechte: WDR)
Sendung vom 19.06.2003, 07:05 bis 07:30 Uhr
Peter Palitzsch; Rechte: dpa

 Peter Palitzsch

"Der Vorhang geht nicht auf, damit sich Leute nur unterhalten!"

Der Theaterregisseur Peter Palitzsch über ein Gespräch mit Bert Brecht am Vorabend des 17. Juni 1953

Peter Palitzsch war 30 Jahre alt, als Bert Brecht ihn 1948 als Dramaturg an das Berliner Ensemble holte. Die ersten Kontakte zwischen den beiden wurden bereits kurz nach dem Krieg geknüpft - Palitzsch war zu der Zeit an der Volksbühne Dresden engagiert und hatte von Brecht schon einiges gehört, aber ihn noch nie selbst erlebt. "Ich hatte ein Bild und einen Vierzeiler Brechts aus der Neuen Zeitung gerissen und an die Wand meines Arbeitszimmers gepinnt," erinnert er sich. Seine ersten Kontakte mit Brecht fanden im teilzerstörten Hotel Adlon statt, in dem Brecht wohnte. Palitzsch bekam vom Dramatiker mit auf den Weg, sich in das "Kapital" zu vertiefen, Lenin zu lesen ("Sonst werdet Ihr die Dialektik nie verstehen!") und vor allem Shakespeare: "Er delektierte sich an Simplizität und Pfiff, Witz und Drive, Widersprüchlichkeit und Hintergründigkeit des großen Elisabethaners. Immer wieder überraschte er mich durch kühne, witzige, spannende Interpretationen und Deutungsversuche seiner Tragikömodien". Später hat Peter Palitzsch sich als Regisseur wiederholt auch mit den Historien Shakespeares auseinander gesetzt.

Am Vorabend des 17. Juni 1953 saßen Palitzsch und Brecht zusammen zu einem Arbeitsgespräch, sprachen über Liebe und die Frauen, über Helene Weigel und über den Aufstand, der sich an dem Abend bereits abzeichnete und den Palitzsch dann in der weiteren Nacht von seiner Wohnung aus verfolgte.


Lebenslauf


  • Geboren am 11. September 1918 als eines Kaufmanns in Deutmannsdorf/Schlesien geboren

  • Nach einer kaufmännischen Ausbildung und fünf Jahren Kriegsdienst kam P. zum Theater

  • Volksbühne Dresden

  • 1948 von Bert Brecht ans Berliner Ensemble engagiert, wo er zur Regie fand

  • 1949 Debüt mit der Inszenierung von Synges 'Playboy oft Western World'

  • 1959 Inszenierung von 'Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui'

  • Nach Brechts Tod 1956, begann Palizsch auch an Theatern der Bundesrepublik zu arbeiten

  • Zu den Klassikern seiner Arbeit gehören inzwischen seine Inszenierungen von 'Dantons Tod' 1962 in Stuttgart, Mutter Courage' 1964 in Köln, sowie 'Herr Puntila und sein Knecht Matti, 1966.

  • 1967 Schauspieldirektor des Württembergischen Staatstheaters in Stuttgart

  • 1972 verabschiedete sich P. mit einem umstrittenen Hamlet von seinem Publikum in Stuttgart

  • 1992 Berufung in das fünfköpfige Leitungsteam des 'Berliner Ensembles'

  • 2003 Ehrenmitgliedschaft der Württembergischen Staatstheater

  • 2004 Premiere in Kassel 'Drei kurze Texte (mit tödlichem Ausgang) von Peter Palizsch. Regie Peter Palizsch

 

 

Autor/in:

Tita Gaehme

Redaktion:

Mark vom Hofe

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