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In einem Monat wäre sie 95 Jahre alt geworden. Am Dienstag dieser Woche starb Margarete Mitscherlich. Als Margarete Nielsen in Dänemark geboren, ging sie in Flensburg zur Schule und studierte in München und Heidelberg. Zusammen mit Alexander Mitscherlich, den sie 1947 in der Schweiz kennen lernte und später heiratete, schrieb sie ein Buch, das Ende der 60er Jahre Bundes-Deutschland wach rüttelte: In "Die Unfähigkeit zu trauern" setzen sich die Mitscherlichs mit der kollektiven deutschen Nazi-Vergangenheit auseinander und rücken dabei besonders die Abwehrhaltung des Einzelnen und der Masse gegenüber Schuld und Mitschuld an politischen Verbrechen in den Vordergrund. Das Buch wurde vielfach verkauft, es war ein Bestseller - und zugleich eines der am meisten kritisierten, weil unbequemen Bücher. Margarete Mitscherlich, die zuletzt in Frankfurt lebte, über das Alter: "Man hat nicht mehr viel Ehrgeiz zu befriedigen. Im Alter erwartet man weniger, kann mehr sitzen, muss nicht dauernd versuchen, große Würfe zu machen. Ganz abgesehen davon: Je älter man wird, umso mehr Züge erkennt man an sich selbst, mit denen man am liebsten nichts zu tun hätte."
Autor/in:
Ingo Zander
Redaktion:
Mark vom Hofe






