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Im nächsten Sommer wird sie 90, im Herbst vor 60 Jahren wurden in Nürnberg die Kriegsverbrecher verurteilt, mit deren Psyche sich die junge Ärztin und Psychoanalytikerin schon früh befasste: Margarete Mitscherlich, in Dänemark geboren, in Flensburg zur Schule gegangen, in München und Heidelberg studiert. Zusammen mit Alexander Mitscherlich, den sie 1947 in der Schweiz kennen lernte und später heiratete, schrieb sie ein Buch, das Ende der 60er Jahre Bundes-Deutschland wach rüttelte: In "Die Unfähigkeit zu trauern" setzen sich die Mitscherlichs mit der kollektiven deutschen Nazi-Vergangenheit auseinander und rücken dabei besonders die Abwehrhaltung des Einzelnen und der Masse gegenüber Schuld und Mitschuld an politischen Verbrechen in den Vordergrund. Das Buch wurde vielfach verkauft, es war ein Bestseller - und zugleich eines der am meisten kritisierten, weil unbequemen Bücher. Margarete Mitscherlich, die in Frankfurt lebt, über das Alter: "Man hat nicht mehr viel Ehrgeiz zu befriedigen. Im Alter erwartet man weniger, kann mehr sitzen, muss nicht dauernd versuchen, große Würfe zu machen. Ganz abgesehen davon: Je älter man wird, umso mehr Züge erkennt man an sich selbst, mit denen man am liebsten nichts zu tun hätte."
Autor/in:
Ingo Zander
Redaktion:
Mark vom Hofe






