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Schon das erste Kind war nicht geplant: Mit 20 Jahren war Renate Schnabel "plötzlich" schwanger, heiratete und gebar 1951 ihren ersten Sohn Orlando. Die Familie lebte zunächst in einem Wuppertaler Schulhaus mit Plumpsklo. Nach drei Fehlgeburten eröffnete ihr der Hausarzt, dass sie keine Kinder mehr empfangen könne. Sie war 44 Jahre alt, als sie ihr 17. Kind in die Welt setzte, da waren drei der Kinder schon selbst Ärzte. Mittlerweise hat die 73-jährige mit den langen weißen Haaren 28 Urenkel, ist am liebsten alleine und reist nach Afrika oder in die Mongolei.
Lebenslauf
- geboren 1931
- 1951 Beginn eines Medizinstudiums in Köln
- 1951 - 1975 Ehe: Geburt von 17 Kindern in 24 Jahren
Nicola Graef in "Der Tagesspiegel" vom 17. August 2003:
Der Vater der jungen Renate Schnabel ist Oberstudiendirektor, die Mutter Hausfrau, Renate hat eine eineiige Zwillingsschwester. Mit 20 Jahren fängt Renate an, in Köln Medizin zu studieren. Sie will eine berühmte Chirurgin werden, denn die Eltern sollen stolz auf sie sein. Ehrgeiz und Leistung, das war zu Hause sehr wichtig. Die junge Frau will besser sein als alle anderen.
Doch dann kommt alles anders: Die Liebe schiebt sich zwischen die großen Pläne. Und die körperliche Lust. Unverheiratet wird Renate ungewollt schwanger. Ein Schwangerschaftsabbruch kommt nicht in Frage, also heiratet sie Gernot, den Wirtschaftsstudenten. Der Arzt sagt ihr, sie habe Glück gehabt, eigentlich könne sie gar keine Kinder bekommen. Das macht die junge Frau nervös. Keine weiteren Kinder? Das will sie nun auch wieder nicht. Der Ehrgeiz, da ist er wieder. Aus einem Kind werden zwei, aus zwei Kindern noch mehr Kinder, und irgendwann sind es 17. Neun Mädchen, acht Jungen, davon ein Zwillingspaar.
Renate Schnabels Eltern sind alles andere als begeistert, sie halten nichts von dem Kinderwahn ihrer Tochter. Distanz und Enttäuschung legen sich zwischen das Kind und die Eltern. Unterstützung gibt es keine. Wenn man Renate Schnabel heute fragt, warum sie eigentlich ein Kind nach dem anderen in die Welt gesetzt hat, sagt sie: "Das kann man so nicht sagen, ich wollte eben einfach, dass alles so weiter läuft wie es war. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht."
Die wirkliche Antwort werde sie wohl mit ins Grab nehmen, glaubt ihr ältester Sohn.
Vielleicht liegt die Antwort doch in der Kindheit. Eine junge Frau ist ehrgeizig, will viel erreichen, will die Beste sein. Mit dem Beruf klappt es nicht, der Wunsch nach Einzigartigkeit muss anders befriedigt werden. 17 Kinder - das ist einzigartig. Das kann niemand. Mutterschaft als perfektionistisches Leistungsprinzip.
Autor/in:
Maicke Mackerodt
Redaktion:
Hanns Otto Engstfeld
Erlebte Geschichten: Renate Schnabel





