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Eine Frau spaziert am Zaun eines Strandweges entlang (Rechte: WDR)
Sendung vom 07.11.2004, 07:05 bis 07:30 Uhr
Jean Jülich; Rechte: WDR

 Jean Jülich

Anders sein als die Hitlerjugend

Der Edelweißpirat Jean Jülich

Jean Jülich, 1929 in Köln geboren und heute noch dort im Severinsviertel wohnend, gehörte in den 40er Jahren zu den so genannten "Edelweißpiraten" - jener Gruppe von Jugendlichen, die versuchten, sich ganz deutlich von den staatlich organisierten Jugendgruppen abzusetzen. Äußeres Zeichen der "Edelweißpiraten": Karierte Hemden, Halstuch, kurze Hosen und weiße Kniestrümpfe, dazu die Edelweiß-Anstecknadel. Politische Motive, so erinnert sich Jean Jülich, spielten zunächst keine Rolle; vielmehr wollte man, ähnlich wie die kirchlich geprägte Bündische Jugend, gemeinsame Fahrten und Wanderungen unternehmen und "anders sein als die Hitlerjugend." Der Druck durch HJ und Gestapo aber zwang die "Edelweißpiraten", sich mit der politischen Lage auseinander zu setzen - dabei blieben sie ihren Idealen treu, eben "anders zu sein". Sie halfen mit, Juden, Zwangsarbeiter, Deserteure zu verstecken, sie betrieben Sabotage, stahlen Waffen und Lebensmittel, versorgten Untergetauchte. Widerstand oder Kriminalität - ein langer Disput, der erst kürzlich mit der Rehabilitation der "Edelweißpiraten" seinen Abschluss fand.


Lebenslauf

Ohne jeden Zweifel ist die Geschichte Jean Jülichs die eines Jugendlichen, dem das herrische Auftreten der Nationalsozialisten und der Drill in der Hitlerjugend zuwider waren. Aus dem Kölner Arbeiterviertel Sülz stammt er, der Vater war Kommunist, wurde von den Nazis ins Zuchthaus gesteckt. Jean lehnte sich auf, nicht direkt, er suchte nach Freiheit und Abenteuer in einer Zeit, da man zu parieren hatte, sich gegenseitig kontrollierte und schikanierte, auch unter Jugendlichen.Jean Jülich ist 1942 gerade mal 13 Jahre alt. Abends beobachtet er, wie sich eine Gruppe Jungen und Mädchen seines Alters auf einem Platz in Sülz trifft. Sie tragen die Haare lang, legere Kleidung, Lederbuxen und karierte Hemden, spielen Gitarre und singen Lieder über Cowboys und Seemänner, über Sehnsucht und Liebe, Schnulzen halt. Sie nennen sich "Edelweißpiraten". Jean Jülich schließt sich ihnen an. Er wird einer von vielen Hunderten Edelweißpiraten, überall im Rheinland und im Bergischen Land kommen sie zusammen, spielen Erwachsenen Streiche, vermöbeln ab und an die "Pimpfe" von der Hitlerjugend. Eine Jugendbewegung, keine Organisation, in der viele nichts gemein haben außer dem Abzeichen auf breiten Kraftriemen, einem Edelweiß, das immerhin eines demonstrieren soll: den Wunsch, sich dem Einfluss der Nazis zu entziehen. Jean Jülichs Edelweißpiraten tun das an einem See nahe Siegburg. (Frankfurter Rundschau vom 15. Juli 2004)

 

 

Autor/in:

Burghard Laugwitz

Redaktion:

Mark vom Hofe

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