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Er gehört zur Geschichte der Bundesrepublik, der berühmt-berüchtigte Enthüller Günter Wallraff. 1942 in Burscheid geboren, hat er sich Zeit seines Lebens für Menschen und ungewöhnliche Themen eingesetzt. Nach kurzer Buchhändlerlehre reifte in ihm der Wunsch, Geschichten aufzudecken, die ihm suspekt erschienen: Unsoziale Arbeitsbedingungen in Fabriken, undurchsichtige Waffengeschäfte. Wallraff bohrte sich in die Geschichten hinein, schlüpfte in andere Rollen, um authentisch dabei zu sein und aus erster Hand miterleben zu können, was er vermutet hatte und jetzt beweisen konnte. Bundesweit bekannt wurde er besonders als "Türke Ali" - Wallraff als türkischer Arbeiter "ganz unten", wie das Buch heißt. Später schleuste er sich als "Esser" bei der Bild-Zeitung ein und offenbarte die unangenehmen Seiten des Boulevardjournalismus und dessen Umgang mit und Machen von Nachrichten. Wallraff - über vier Jahrzehnte das Gewissen der Nation? Eine Vita mit erlebten Geschichten der ganz besonderen Art.
Lebenslauf
Geboren 01. Oktober 1942 in Burscheid bei Köln, Vater arbeitete bei Ford, Familie der Mutter betrieb eine Klavierfabrikation.
Nach der mittleren Reife auf einem Gymnasium Buchhändlerlehre bis 1962, dann auch Einberufung zur Bundeswehr und Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. Der dadurch veranlasste Aufenthalt in einem psychiatrischen Lazarett zur Beobachtung veranlasste ihn zu seinem Buch "Mein Tagebuch aus der Bundeswehr", dessen Vorwort von Heinrich Böll stammt.
1964-1965 Arbeit in fünf verschiedenen Industriebetrieben,
1966-1967 Redakteur bei "Pardon", danach fester Mitarbeiter bei "konkret".
Anschließend freier Journalist in Köln, wo er sich unterschiedlichen literarischen Verbindungen anschloss (formulierte Programm des "Werkkreis Literatur der Arbeitswelt" 1970)
Bekannt wurde er vor allem als Einzelgänger, der mit seinen Industriereportagen und mit eigenwilligen Recherchemethoden die Dokumentarliteratur in Deutschland etablierte.
Seine Gegner gingen oft mit juristischen Mitteln gegen ihn vor, ging jedoch meist unbeschadet daraus hervor.
Zu seinen bekanntesten Büchern gehören u. a. "Der Aufmacher. Der Mann, der bei ´Bild´Hans Esser war", "Ganz unten" (wurden beide verfilmt), "13 unerwünschte Reportagen" und "Ich - der andere".
Er schrieb 2 Theaterstücke und ist Herausgeber u. a. von "Der neue Sklavenmarkt, "PKK - Die Diktatur des Abdullah Öcalan" (er führte selbst die Gespräche mit Öcalan), "Meine einzige Schuld ist, als Kurdin geboren zu sein."
Wallraff war Koautor verschiedener "bots"-LPs und es gibt mehrere Fernsehfilme über ihn.
Er wurde ausgezeichnet mit dem Förderungspreis des Landes NRW für junge Künstler, dem französischen Menschenrechtspreis, dem Medienpreis Prix Jean d´Arcy, dem Preis der französischen Stiftung für Pressefreiheit und dem Preis der britischen Film- und Fernsehakademie.
Wallraf ist Mitglied des PEN-Zentrums der BRD und hat seit 1973 eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.
Autor/in:
Ursula Deutschendorf
Redaktion:
Mark vom Hofe
Erlebte Geschichten: Günther Wallraff






