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Eine Frau spaziert am Zaun eines Strandweges entlang (Rechte: WDR)
Sendung vom 01.08.2004, 07:05 bis 07:30 Uhr
Oskar Negt; Rechte: picture-alliance/ ZB

 Oskar Negt

Der Mentor der 68er Bewegung

Der Soziologe Oskar Negt zu seinem 70. Geburtstag

"Ich würde mich als links bezeichnen in dem Sinne, dass ganz bestimmte Fragestellungen für mich nach rechts und links zu unterscheiden sind", sagt der Soziologe Oskar Negt über sich selbst. Am 01. August 1934 in Ostpreußen geboren, studierte Negt Rechtswissenschaften, Soziologie und Philosophie in Göttingen und Frankfurt. Er gehörte zum Kreis der Frankfurter Schule, deren Ideen er sich bis heute verpflichtet fühlt. In der heißen Phase der 68er Bewegung galt er als Mentor des SDS, des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. 1971 nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl für Sozialwissenschaften an der Universität Hannover an, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte. 1972 gründete Oskar Negt in Hannover die Glockseeschule - eine bis zur 10. Klasse integrierte Gesamtschule mit reformpädagogischem Konzept, die er wissenschaftlich begleitete. Bis heute beschäftigt sich Oskar Negt mit gesellschaftlichen Gegenentwürfen und Entwicklungen in Institutionen wie z.B. den Gewerkschaften, so in dem 2002 erschienenen Buch "Arbeit und menschliche Würde", in dem er die Arbeitslosigkeit als einen Gewaltakt bezeichnet und von der zunehmenden Entwurzelung des Menschen spricht.


Lebenslauf


  • geboren am 1. August 1934 in Kapheim/Kreis Wehlau bei Königsberg in Ostpreußen

  • 1945 Flucht der Familie nach Dänemark

  • 1955 Abitur in Oldenburg, Jura-Studium in Göttingen, Studium von Soziologie und Philosophie in Frankfurt

  • 1956 Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS)

  • 1962 Promotion über Comte und Hegel bei Theodor Adorno

  • 1962 - 1964 Assistent am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg

  • Assistent von Jürgen Habermas am Institut für Sozialforschung der Universität Frankfurt

  • 1971 - 2002 Professor für Soziologie an der Technischen Universität Hannover



Seit Ende der 70er Jahre hat Negt den politischen Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit wieder im Bereich Gewerkschaften. Angesichts der Krisen der Gewerkschaften plädierte er in einer Studie für die Stärkung der DGB-Ortskartelle, die den Gewerkschaftsmitgliedern an ihren Wohnorten die Möglichkeiten der direkten Beteiligung bieten sollten.

Im Bundestagswahlkampf 1998 forderte Negt, der überzeugt von der Notwendigkeit des Machtwechsels war, die Intellektuellen auf, ihre kritische Distanz zur Politik zu Gunsten von Engagement aufzugeben, und fand sich beratend im Kreis um den SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder ein. Als Publizist untersuchte er in den letzten 90er Jahren neben der Politik der "Berliner Republik" die "Kindheit und Schule in einer Welt der Umbrüche" und machte sich über "Arbeit und menschliche Würde" als "Bausteine einer politischen Ökonomie des Gemeinwesens" Gedanken. (Munziger-Archiv)

 

 

 

Autor/in:

Christel Jungmann

Redaktion:

Mark vom Hofe

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