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„Im Ersten Weltkrieg spielten wir mit Handgranaten“
Marga Barake, 105 Jahre alt, über ihre Kindheit auf Sylt
Die Zeit der Spazierstöcke und der eleganten Damen, die nach Moschus riechen, weil es Chanel noch nicht gibt, und die ihre französischen Hunde ausführen und mittags ein Diner einnehmen, wird von Kaiser Wilhelm beendet. Marga Barake feiert gerade ihren 9. Geburtstag, als der Erste Weltkrieg ausbricht. „Wir Kinder zählten die Zeppeline, die über das Meer gegen England flogen“, berichtet die 105-jährige Westerländerin. Sie erinnert sich an alles - wie die Sylter vor Hunger einen ganzen Wal aufessen, im Juni 1916 nach der Seeschlacht am Skagerrak unzählige tote Marinesoldaten anschwemmen und Apfelsinen von gestrandeten Schiffen anlanden. Am 3.September 1905 wird Marga Barake in Westerland auf Sylt geboren. Ihre Mutter stirbt früh, der Vater fährt zur See, sie wächst bei Verwandten in Westerland auf. Das Inselkind soll nicht mit den Gästekindern spielen, deren Familien aus ganz Deutschland kommen, um Urlaub zu machen. „Das war ein Unterschied. Die waren fein und hatten ihre Nurse dabei“. Nach dem Krieg findet das junge Mädchen ein Zuhause im neu eröffneten „Bristol“. Marga Barake hätte gern Kunstgeschichte studiert, „aber die Gelegenheit war vorbei“. Im noblen Sylter Bristol-Restaurant wird sie Mädchen für alles. „Eine Suppentasse habe ich noch, die brauche ich als Erinnerung“.
Autor/in:
Anja Kempe
Redaktion:
Mark vom Hofe
Erlebte Geschichten: Marga Barake






