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Die Kunst von Jochen Gerz ist nicht zum Anschauen da. Sie funktioniert nur, wenn alle mitmachen: Der Platz des Europäischen Versprechens, der zum Kulturhauptstadtjahr in Bochum entsteht, wird gepflastert mit den Namen tausender Menschen, die Europa ein geheimes Versprechen geben.
In Dortmund, Duisburg und Mülheim hat gerade Gerz' Projekt 2-3 Straßen begonnen: 100 Menschen aus aller Welt wohnen ein Jahr lang umsonst in "Problemvierteln". Einzige Bedingung: Sie müssen Tagebuch führen. "Man kann Bäume pflanzen, um einen Stadtteil zu verändern," sagt Gerz. "Schneller geht es, wenn man neue Menschen dorthin bringt."
Drei Fragen an Jochen Gerz:
Ist Heimat für Sie ein Ort?
Ein Teil von mir ist zwischen den Orten zuhause. Seien Sie mal öfters unterwegs! Das, was ich gefunden habe, ob ich das Heimat nenne oder Kindheit, für das brauche ich kein Umzugsauto. Das passt immer in die Tasche und das hindert mich nicht an meiner Beweglichkeit.
Welche Sehnsucht haben Sie?
Meine Sehnsucht wär, keine Sehnsucht zu haben. Meine Sehnsucht wär, so im Leben zu stehen, dass mir nichts dazu einfiel. Sehnsucht, Hoffnung: Ich hab immer das Gefühl: Man hat das nur, wenn man es nötig hat.
Wie sollte Kunst sein?
Für mich ist die Kunst keine heilige Kuh, sondern ich nehme die Kunst mit unterwegs. Die Kunst ist bei mir in Bewegung, und die Kunst ist nicht im Museum, die ist nicht irgendwo, wo sie immer war, sondern ich finde die Kunst gehört zur Bewegung und heute so und morgen so. Und Kunst ist nur ein Löffel, und den musst du einfach zum Mund führen. Das Ding muss benutzt werden, das Ding muss bewegt werden. Wir müssen alles wieder zu Werkzeugen und zu Gliedern von uns machen.
Produktion:
WDR 2010
Autor/in:
Martin Stümper und Matthias Wurms
Redaktion:
Annette Blaschke
Wiederholung
So., 14.02.2010, 18.05 Uhr
Hörprobe
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