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Abendsonne vor Wolkenhimmel; in der rechten Ecke sieht man eine Satelitenschüssel (Rechte: WDR)
Sendung vom 30.05.2012, 18:30 bis 19:00 Uhr

Familienministerin Schröder stellt 10-Punkte-Plan zum beschleunigten KiTa-Ausbau vor

Dazu ein Kommentar von Lioba Werrelmann

Sie hat das Problem nur geerbt. Als 2007 der Ausbau der Kinderbetreuung beschlossen wurde, galt Kristina Schröder noch als hoffnungsvolle CDU-Nachwuchsabgeordnete. Heute ist sie Bundesfamilienministerin und mit den Aufgaben, die ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen ihr hinterlassen hat, heillos überfordert. Vierzehn Monate noch, dann tritt der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz in Kraft. Seit langem ist bekannt, dass es mit dem Kitaausbau bis dahin nicht klappt. Aber die Ministerin ließ sich Zeit. Und präsentiert nun, sozusagen um fünf vor zwölf, einen Zehn-Punkte-Plan, der ein wenig Geld für die klammen Kommunen springen lässt und ansonsten auf Altbekanntes und gute Worte setzt. Das ist viel zu wenig. Der Kitaausbau wird teurer als gedacht. Denn es gibt viel mehr Eltern, die ihr Kind gerne in eine Krippe geben würden, als die Politiker vor fünf Jahren geahnt haben. Also muss der Bund seinen Anteil erhöhen. Eigentlich eine klare Sache. Die Kommunen müssten das auch tun, doch bislang haben sie noch nicht einmal alle Gelder des Bundes abgerufen. Nicht, weil sie unwillig sind, sondern, weil sie arm sind. Wer aus Berlin ein bisschen was dazu bekommt für die neuen Kitas, muss erst einmal genügend Geld haben, um überhaupt an neue Kitas denken zu können. Außerdem fehlen sage und schreibe mindestens dreizigtausend Fachkräfte, die als Erzieherinnen oder als Tagesmütter all die Kinder betreuen sollen. Was auch kein Wunder ist, denn der Job der Erzieherin ist gleichermaßen anstrengend wie schlecht bezahlt. Viele Tagesmütter würden sofort eine neue, eine andere Arbeit annehmen, wenn sie nur eine bekämen. Kristina Schröder will nun darüber nachdenken lassen, wie man den Beruf der Erzieherin attraktiver machen kann. Und sie will eine Kampagne starten, die dafür wirbt, Erzieherin zu werden. Für beides ist es nun wirklich viel zu spät. Vierzehn Monate noch. Die Kommunen rüsten sich bereits, und zwar auf eine Klagewelle ungekannten Ausmaßes. All die Eltern, die ohne Kitaplatz dastehen, können ihren Rechtsanspruch einklagen - und viele werden es tun. Für die Kommunen ein finanzielles Desaster ohnegleichen. Am allerschlimmsten aber ist der fehlgeschlagene Kitaausbau für die Familien. Eltern werden weiterhin in entwürdigende Bewerbungsmarathons geschickt, um mit viel Glück nur ja irgendwo einen Kitaplatz zu ergattern. Und die Kinder? Für die werden nun Billig-Kitas aus dem Boden gestampft, mit Spielplätzen ein paar Straßen weiter und Bettchen, die die Kinder sich teilen müssen. Damit alles schneller und billiger voran geht, wird nun an allen Ecken gespart. Das Gesetz, das den Kita-Ausbau regelt, heißt übrigens Kinderförderungsgesetz. Weil es eben nicht darum gehen sollte, Kinder irgendwie irgendwo zu verwahren, damit die Eltern arbeiten und Steuern zahlen. Sondern weil alle Kinder gute Chancen haben sollten, vor allem die, die Zuhause wenig gefördert werden. Irgendeiner hat vergessen, das der Ministerin zu sagen. .

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