s
Die Statistik lässt einen bedenklichen Rückschluss zu: Die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kann oder will nicht bis 65 arbeiten – weil der Arbeitgeber Druck auf sie ausübt, weil sie selbst der Arbeit überdrüssig sind, weil sie krank sind, oder weil sie die Arbeit krank gemacht hat, mit körperlichen oder seelischen Beschwerden. Die psychische Belastung der Beschäftigten hat inzwischen derart große Ausmaße angenommen, dass selbst die Politik sie zur Kenntnis nehmen muss. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will im kommenden Jahr eine Kommission mit der Aufgabe betrauen, Maßnahmen gegen die psychische Überlastung im Beruf zu entwickeln. Nach ihren Angaben scheidet jeder dritte Frührentner deshalb aus dem Erwerbsleben aus. Mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit um zwei Jahre, die im kommenden Jahr beginnt, wird sich das Problem eher noch vergrößern. Und sicher auch die finanzielle Not der Frührentner. Denn für jeden Monat, den ein Arbeitnehmer vor dem 65. Lebensjahr in Rente geht, werden ihm 0,3 % abgezogen, und zwar lebenslänglich. Wer also demnächst statt mit 67 schon mit 63 ausscheiden will, muss mit einer um fast 15 % gekürzten Rente leben. Wer in einem Doppelverdienerhaushalt lebt, privat gut vorgesorgt hat, sein Haus abbezahlt und womöglich noch eine hervorragende betriebliche Altersvorsorgung genießt, wird damit auskommen können, denn der Gewinn an Freizeit und Lebenszufriedenheit im Rentnerdasein ist ja auch etwas wert. Aber so komfortabel leben längst nicht alle – weder die Alleinerziehenden, noch Teilzeitkräfte, und erst recht nicht diejenigen, die nicht mehr arbeiten können. Wer mit 50 oder 60 aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig wird, muss Abstriche von über 10 % in Kauf nehmen. Heute erhält ein Neurentner im Schnitt um die 800 € pro Monat, Frauen um die 500 €. Wenn davon dann ein Zehntel und mehr abgezogen wird, bleibt nicht mehr viel übrig. Damit ist die Armut im Alter programmiert. Sie bedroht vor allem die Bezieher von Erwerbsminderungsrenten. Davor warnen Gewerkschaften und Sozialverbände schon seit langem. Bisher leider ungehört.






