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Neuer Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger will Mißwirtschaft beseitigen
Dazu ein Kommentar von Jörg Marksteiner
Über Unternehmenskultur sprechen Manager und Firmenvorstände gerne. Auch mal über Grundsätze guter Unternehmensführung oder Wert schöpfendes Handeln im Sinne von Kunden und Mitarbeitern. Vor allem in Festtagsreden, wenn alles schön unverbindlich bleibt. Was aber passiert, wenn Werte nur verkündet und im Alltag nicht gelebt werden – das zeigt sich nicht nur, wenn Banken Milliarden verzocken oder Siemens schwarze Kasse führt. Es zeigt sich auch beim Traditionskonzern ThyssenKrupp. Über den Industrieriesen ist kein unabwendbares Schicksal hereingebrochen. Schuld für den Rekordverlust, für Sparkurs und drohenden Arbeitsplatzabbau sind hausgemachte Fehler. Und die hängen eng mit der Unternehmenskultur zusammen. Karriere durch Seilschaften, hierarchische Strukturen, blinde Loyalität, Fehler lieber verschweigen als ansprechen und Vorschriften, die aber nicht für alle gelten; dazu Korruption und Kartellverstöße. So brutal und schonungslos geißeln nicht etwa frustrierte Mitarbeiter die Zustände. So spricht der neue Firmenchef über sein Unternehmen. Heinrich Hiesinger soll zwar aufräumen beim Ruhrkonzern – aber die Einblicke, die er jetzt freimütig gab, sind schon erschreckend und auch ein bisschen beschämend. Eine Abrechnung mit Altmanagern geradezu. Die Führungskultur beim Traditionskonzern ist offenkundig heruntergekommen. Hiesinger soll, er muss jetzt für einen Neuanfang sorgen – der mehr oder weniger erzwungene Abschied von drei Altvorständen ist dafür das richtige Signal. Richtig ist aber auch: der Spielraum für einen echten Neustart, raus aus den roten Zahlen, ist extrem eng. Denn die jahrelange Misswirtschaft hat spuren hinterlassen – auch in den Finanzen. Hauptgrund für den drohenden Absturz der Industrie-Ikone von der Ruhr sind nicht nur Bußgelder und Schadensersatzklagen. sondern vor allem die beiden Stahlwerke in Übersee. Sie sind zu Milliardengräbern geworden – durch Fehlplanung, übertriebenes Kostensparen, daraus resultierend Pfusch am Bau und durch Missmanagement. Und weil die alte Führungsriege zu lange, zu optimistisch und wohl zu verbohrt an ihrem Lieblingsprojekt festgehalten hat. Das hängt dem Unternehmen nun wie ein Mühlstein am Hals. 12 Milliarden Euro hat ThyssenKrupp bislang versenkt. Geld, das fehlt um ThyssenKrupp unabhängiger zu machen vom konjunkturanfälligen Stahlgeschäft, Geld, das eigentlich investiert werden sollte in den Ausbau der gut laufenden Sparten mit dem Bau von Aufzügen, Fabriken und U-Booten. Geld, das den Konzern zukunftssicherer machen würde. Natürlich können Manager bei Investitionen und Einschätzungen daneben liegen. Die Krise bei ThyssenKrupp zeigt aber: Es ist geradezu fatal, wenn sich niemand traut, die Fehler ehrlich und rechtzeitig anzusprechen. ThyssenKrupp hat viel und vor allem zu viel Vermögen auf eine Karte gesetzt – und droht jetzt zu verlieren. So konkret können die Folgen von Führungsversagen sein. Viel konkreter als in vielen Sonntagsreden.






