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Gezielte Spekulationsattacken auf ganze Volkswirtschaften, Finanzagenturen, die Regierungen in die Knie zwingen, und ohnmächtige Politiker, die gebetsmühlenartig wiederholen, es gäbe keine Alternative: Europa befindet sich im Wirtschaftskrieg. Wie entstand dieses unumstößlich scheinende System?
Das Experimentierfeld Lateinamerika und die Analysen des Philosophen Michel Foucault machen Dynamik und Reichweite der neoliberalen Umstrukturierungen unserer Gesellschaften deutlich und erhellen die heutigen Finanzkrisen. Zum Vorschein kommt dabei ein Machtergreifungsmodell, das Politik, Gesellschaft und Individuen seit Jahrzehnten formt und konditioniert, ein ökonomischer Putsch. Juristen sprechen von organisierter Kriminalität und von der Mittäterschaft der Politik.
Hörprobe
Literatur-Tipps
Foucault, Michel: Geschichte der Gouvernementalität: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Vorlesung am Collége de France 1977 - 1978, Suhrkamp: Frankfurt a. M. 2004
Foucault, Michel: Geschichte der Gouvernementalität: Die Geburt der Biopolitik. Vorlesung am Collége de France 1978 – 1979, Suhrkamp: Frankfurt a. M. 2004
Schünemann, Bernd: Die sogenannte Finanzkrise - Systemversagen oder global organisierte Kriminalität? Bwv - Berliner Wissenschafts-Verlag: Berlin, 2010
Lemke, Thomas: Eine Kritik der politischen Vernunft: Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität, Argument Verlag: Hamburg 2011
Fritz, Barbara: Wie tragbar sind Schulden? Debt Sustainability, Insolvenzrecht für Staaten und die neue Rolle des IWF (PDF, 22 S.)
Michel Foucaults Vorlesungen im Originalton
Mitschnitt der Vorlesung Foucaults 1977-1978 zum Thema Geschichte der Gouvernementalität: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung.
Foucault erarbeitet hier seinen Regierungsbegriff und beginnt seine Auseinandersetzung mit der politischen Ökonomie der Neuzeit:
Mitschnitt der Vorlesung Foucaults 1978-1979 zum Thema Geschichte der Gouvernementalität: Die Geburt der Biopolitik.
Foucault setzt sich hier mit Liberalismus und Neoliberalismus auseinander:
Link-Tipps
Website der Professorin für Volkswirtschaft am Lateinamerikainstitut Berlin und Argentinien-Brasilien-Expertin Barbara Fritz, die im Feature u.a. die Rolle des IWF in Europa hinterfragt:
Barbara Fritz, Freie Universität Berlin
Website des Professors der Columbia University in New York und Nobelpreisträgers für Ökonomie Joseph Stiglitz. 1997-2000 war er Chefökonom der Weltbank. Heute kritisiert Stiglitz das neoliberale System und benennt die zentralen Akteure, die Währungen und Staaten stürzen.
Joseph E. Stiglitz, Columbia University, New York
International Swaps and Derivatives Association (ISDA), ein 1985 gegründeter Zusammenschluss der weltgrößten Banken und Spekulationshäuser. 834 Firmen aus 57 Ländern, angeführt vom Direktor Stephen O’Connor der Morgan Stanley Bank. Dessen Stellvertreter ist Michele Faissola, der Vertreter der Deutschen Bank.
Joseph Stieglitz erläutert seit Jahren, dass dieses Gremium direkt die Finanzpolitik der vermeintlich unabhängigen Zentralbanken der Welt bestimme, und der Regierungen. Es sei ein Gremium der Gewinner, die sich den Kuchen der öffentlichen Subventionen aufteilten:
Angaben zur Produktion
Autor: Roman Herzog
Produktion: SWR/SR/DLF 2012
Redaktion: Annette Blaschke
Wiederholung
WDR 5, Montag, 27. August 2012, 20.05 Uhr









