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Deutschland ist grün. Von oben jedenfalls. Doch wer an der Oberfläche kratzt und tiefer gräbt, stößt auf eine dramatische Verschlechterung der Bodenqualität. Schwere Landmaschinen, Monokulturen, Pestizide und Kunstdünger vernichten Humus und nehmen der dünnen, fruchttragenden Schicht ihre Funktion als natürlicher Wasser- und Kohlenstoffspeicher. Im norddeutschen Maisgürtel spricht man bereits von "toter Erde" - und nicht nur hier. Die Folgen sind Staubstürme, Schlammlawinen sowie eine stetig sinkende Artenvielfalt.
Etliche Landwirte versuchen den Raubbau zu stoppen und dem Boden seine Fruchtbarkeit zurückzugeben. Doch noch fehlt es an der nötigen Unterstützung. Nur zögernd stellen sich Behörden und Politiker dem Problem.
Hörprobe
Literaturtipp
Mit den Ursachen der Bodenverschlechterung in Mitteleuropa beschäftigt sich das Buch von Gerald Dunst: Intensive Landwirtschaft überbeansprucht die Äcker, Überdüngung und Pestizide vergiften und degenerieren die Böden, Wasser und Wind tragen die geschädigte, im Winter oft unbebaute Erde fort:
- Gerald Dunst: "Humusaufbau. Chance für Landwirtschaft und Klima", Kaindorf 2011
Die Geschichte der Bodenverschlechteruing reflektiert das Buch von David R. Montgomery:
- David R. Montgomery: "Dreck. Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert"; München 2010.
Es gibt zahlreiche Landwirte, die sich um Alternativen zu Maschinen und chemiegestützten Agroindustrie bemühen:
Zu nennen ist u.a. die Ökoregion Kaindorf, ein Zusammenschluss von sechs Dörfern in der österreichischen Steiermark, die ein eigenes "Humusprojekt" entwickelt haben: Landwirte werden angeregt, gezielt Humus auf ihren Äckern aufzubauen und dadurch erhebliche Mengen Kohlenstoff dauerhaft im Boden einzulagern. Die Kosten lassien sie sich mittels eines regionalen CO2-Zertifikatehandels von Unternehmen finanzieren.
Im Bayerischen Rosenheim arbeiten Hunderte von Landwirten am Ausstieg aus der Humusvernichtung. Im "Rosenheimer Projekt" regenerieren sie u.a. mit Pflanzenkohle, Kompost und "Effektiven Mikroorganismen" ihre Böden.
Rosenheimer Projekt
Europaweit forscht das Weinbauinstitut von Delinat einem Verbund von Ökowinzern, am "Klimafarming", d.h. an gezielten Maßnahmen, um der Auslaugung von Weinbergen durch den monokulturellen Anbau entgegenzuwirken und Biodiversität und Böden auch in diesem landwirtschaftlichen Segment zu schützen und zu verbessern.
Informationen über die praxisnahen Alternativprojekte veröffentlicht regelmäßig ihre Zeitschrift:
Ithakajournal
Eine Verteidigung der chemiegestützen Landwirtschaft findet sich beim Zusammmenschluß der Pestizid und Düngemittelproduzenten:
Industrieverbad Agrar e.V.
Die UNO reagierte auf diese Entwicklung mit der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung:
UNCCD [pdf, 97 Seiten]
Die UNCCD hat zahlreiche Einzelstudien zur Bekämpfung der Wüstenbildung veröffentlicht:
UNCCD
Angaben zur Produktion
Autor: Albrecht Kieser
Produktion: WDR/NDR 2012
Redaktion: Thomas Nachtigall
Wiederholung
WDR 5, Montag, 8. Oktober 2012, 20.05 Uhr









