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Der Schein eines Leuchtturms beleuchtet verschiedene Orte. (Rechte: WDR)
Sendung vom 02.09.2012, 11:05 bis 12:00 Uhr
Erich Lüth bei einer Pilgerfahrt zum ehem. Konzentrationslager Bergen-Belsen, 1957; Rechte: dpa/Herold

 Erich Lüth, 1957 in Bergen-Belsen

Sprachstunde Null

Wie die Bundesrepublik über Juden und Israel zu sprechen lernte

Für die an den Juden begangenen Verbrechen fand die bundesrepublikanische Öffentlichkeit in den frühen Jahren nach dem Krieg noch keine Sprache. Das Thema wurde verdrängt oder geleugnet, Fragen von Schuld und Verantwortung erschienen fast ausschließlich im Zusammenhang der geplanten, äußerst unpopulären Entschädigungszahlungen.

1951 appellierten Persönlichkeiten wie der Hamburger Politiker und Senatssprecher Erich Lüth zum ersten Mal an die Öffentlichkeit, endlich Worte für das "Unsägliche" zu finden und das Gespräch mit Juden und Israelis zu suchen.
Am 10. September 1952 wurde das „Wiedergutmachungsabkommen“ von Bundeskanzler Adenauer, dem israelischen Außenminister und dem Präsidenten der Jewish Claims Conference in Luxemburg unterzeichnet.

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Manuskript (pdf)

Luxemburger Abkommen, das so genannte „Wiedergutmachungsabkommen“


Am 10. September 1952 wurde das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel in Luxemburg unterzeichnet: Bundeskanzler Konrad Adenauer, der israelische Außenminister Moshe Scharett und der Präsident der Jewish Claim Coference  unterzeichneten das so genannte "Wiedergutmachungsabkommen", das als Symbol der Wiedergutmachung für Verfolgte des Nationalsozialismus gilt.

Als Beitrag zur materiellen Entschädigung der vom NS-Regime verfolgten europäischen Juden sicherte die Bundesrepublik dem Staat  Israel 3,45 Milliarden DM zu. Einen Anteil von 450 Mio. DM sollte  die "Conference on Material Claims against Germany" erhalten, die die Diaspora-Juden vertrat.
 
Die Internetseite der Bayerischen Staatsbibliothek "100(0) Dokumente" bietet umfangreiche Informationen zu dem Abkommen sowie das Dokument als PDF:
"Wiedergutmachungsabkommen" [Bayerische Staatsbibliothek]

Quellen:
Willy-Brandt-Stiftung
Bayerische Staatsbibliothek
Auswärtiges Amt
 
Erklärung der Bundesregierung zur Wiedergutmachung
Konrad Adenauer im Originalton [Deutsches Rundfunkarchiv]
 

Bundesrepublik 1951 - Einige Umfrageergebnisse

Schweigen, einfallsreiche Umschreibungen, Leugnungen und Abstraktionen beherrschen das öffentliche Gespräch über Verbrechen der Nationalsozialisten, über Schuld und Verantwortung. Umfragen deuten die drei Hauptmotive an:

• Ein Großteil der Bevölkerung lehnt die "These von der Kollektivschuld" ab. Die Nazi-Oberen - inzwischen abgeurteilt, tot oder mit Berufsverboten bedacht - hätten die alleinige Verantwortung für die Verbrechen zu tragen.

• Mehr als 90 Prozent der Deutschen betrachten sich selbst in ersten Linie als Opfer: Auf die Frage, welche Opfergruppen von der Bundesregierung Hilfe erhalten sollten, antworten 1951 bei einer Umfrage von Allensbach 96%: die Kriegswitwen und -waisen; 93%: die Opfer der Bombardierungen; 90%: die Vertriebenen. Immerhin 73% wollten auch den Familien der Widerständler Hilfe zukommen lassen. Für eine Entschädigung der Juden sprachen sich 68% aus, 21% waren dagegen.

• Die Juden als Gruppe werden weiterhin abgelehnt. Selbst unter denen, die eine Entschädigung für jüdische Opfer befürworten, will eine Mehrheit nichts mit Juden zu tun haben.

(Quelle: Michael Wolffsohn: Deutsch-Israelische Beziehungen. Umfragen und Interpretationen 1952-1986, München 1986, S. 55)

Literatur-Tipps

Daniel Cil Brecher (geb. 1951 in Tel Aviv) ist Historiker  und Autor.
Literatur von Daniel Cil Brecher:

  • Daniel Cil Brecher: Fremd in Zion. Aufzeichnungen eines Unzuverlässigen. DVA, München 2005, 415 Seiten
  • Daniel Cil Brecher: A Stranger in the Land: Jewish Identity Beyond Nationalism. Übersetzer: Harshav, Barbara. Other Press, New York 2007. 372 Seiten

Erich Lüth (1902 - 1989), war Publizist, Direktor der Staatlichen Pressestelle Hamburg bis 1953, Initiator der Aktion „Friede mit Israel“.
Literatur von Erich Lüth:

  • Erich Lüth: Die Friedensbitte an Israel 1951. Eine Hamburger Initiative von Erich Lüth, Rudolf Küstermeier, Moshe Tavor, und Norbert Wollheim von Christians, Hbg. (1985)
  • Erich Lüth: Das ist Kanaan: Erlebnisse u. Begegnungen in Israel. Hamburg: Gesellschaft f. Christl.-jüdische Zusammenar-beit, (Broschiert, 1959)
  • Erich Lüth: Israel - Heimat für Juden und Araber. Gesellschaft für Jüdische und Christliche Zusammenarbeit Hamburg 1958, 72 Seiten (1958)

  • Erich Lüth: Ein Deutscher sieht Israel. Gesellschaft f. Christl.-jüd. Zusammenarbeit in Hamburg e.V. (1955)

  • Erich Lüth: Durch Wahrheit zum Frieden. Gesellschaft f. christl.-jüd. Zusammenarbeit in Hamburg e.V. (1953)  

  • Erich Lüth: Reise ins Gelobte Land. Gesellschaft f. christl.-jüd. Zusammenarbeit (1953)

  • Erich Lüth: Abkehr vom Militarismus. Hamburger Kultur-Verl. (1946)

Angaben zur Produktion

Autor: Daniel Cil Brecher
Produktion: DLF/WDR 2010
Redaktion: Gisela Corves

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Wiederholung

WDR 5, Montag, 03. September 2012, 20.05 Uhr

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