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Das WDR 5 Bücher-Weihnachts-Quartett (Marija Bakker, Markus Brügge, Dina Netz und Ferdinand Quante) empfiehlt besondere Lieblingsbücher zur Lektüre zwischen den Jahren.
Ein Vierteljahrhundert lang schrieb Flann O'Brien eine Kolumne für die "Irish Times", zeitweise täglich. Seine Leser konnten nie sicher sein, was sie erwartete, denn O'Brien schwadronierte über Gott und die Welt. In seinen besten Kolumnen zieht er über langweilige Typen her, die es darauf abgesehen haben, stets ein und dieselbe simple Botschaft unters Volk zu tragen, und dabei eine bewunderungswürdige Penetranz an den Tag legen, oder er macht sich über Nichtleser lustig, die sich eine Bibliothek anschaffen. Ihnen empfiehlt er den Service der Buchhandhabung, ausgeführt von Profis, die die Bücher fachgerecht zausen, damit ihr Besitzer als belesen durchgehen kann. Oder er ersinnt einen Begleit-Service für Theaterbesucher, der - aber das und alles andere in diesem Buch lesen Sie dann am besten selbst. "Trost und Rat. Die besten Kolumnen aus der Irish Times" ist eines der verrücktesten und komischsten Bücher überhaupt.
Übrigens kann man sich Auszüge daraus auch wunderbar vorlesen lassen, und zwar von dem großartigen O'Brien-Übersetzer Harry Rowohlt. Wer weder Buch noch Hörbuch besitzt, besorge sich bitte gleich beides.
Flann O'Brien: Trost und Rat. Die besten Kolumnen aus der Irish Times.
Aus dem Englischen von Harry Rowohlt
Kein & Aber Verlag, 14,90 Euro
Als Hörbuch in gekürzter Fassung: Harry Rowohlt liest Flann O'Brien
Kein & Aber Verlag, 17,90 Euro
Ralf Rothmanns Roman "Feuer brennt nicht" ist meine Lieblingslektüre 2011. Es ist ein beeindruckend ehrlicher Künstlerroman, ein selbstironisches Buch über das noch nicht zusammengewachsene Berlin, die Geschichte einer Abkehr vom väterlichen Freund. Aber vor allem ist es eine umwerfend schöne Liebesgeschichte. Rothmann erzählt die Liebesgeschichte von Alina und Wolf, die nach vielen Jahren in getrennten Wohnungen am Berliner Müggelsee zusammenziehen. Doch den auf seine Unabhängigkeit pochenden Wolf bedrängt die neue Enge der Zweisamkeit, und er beginnt eine Affäre. Rothmann erzählt also eigentlich eine ganz banale Liebesgeschichte aus der Sicht eines nicht einmal besonders sympathischen Mannes, der seine Frau betrügt, die er eigentlich über alles liebt. Und trotzdem ist "Feuer brennt nicht" die schönste Liebesgeschichte, die ich dieses Jahr gelesen habe. Denn das, was Ralf Rothmann Wolf über Alina sagen lässt, ist so zart und so schön, dass man sich setzen muss.
Ralf Rothmann: Feuer brennt nicht
Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 9,90 Euro
Autorin: Dina Netz
Es beginnt 1903 in Prag, das Jahrhundertleben der Alice Herz-Sommer. Eine Kindheit, in der Franz Kafka als Geschichtenerzähler auftritt, eine Jugend, die ihre Begabung als Pianistin offenbart und den Grundstein legt für ihr ganzes Leben. Dank ihrer Konzerte überleben sie und ihr Sohn das KZ Theresienstadt. Musik wird zur Nahrung, Chopin zur Kraftquelle. Alice Herz-Sommer war immer Optimistin. Die Liebe zur Musik und zu den Menschen ist bis heute ungebrochen. Sie lebt in London und feierte kürzlich ihren 108. Geburtstag.
Melissa Müller & Reinhard Piechocki: Alice Herz-Sommer. Ein Garten Eden inmitten der Hölle. Ein Jahrhundertleben.
Knaur Taschenbuch Verlag, 9,99 Euro
Eine CD mit Aufnahmen Alice Herz-Sommers (Bach, Beethoven, Schubert, Chopin, Smetana, Debussy) ist bei Reinhard Piechocki für 10 Euro (zzgl. Versandkosten) erhältlich (Kontakt: reinhard.piechocki@t-online.de)
Gott ist sauer. Stinksauer: Kaum ist er mal drei Wochen im Urlaub (was allerdings einigen Hundert Erdenjahren entspricht), herrscht auf Erden großes Chaos und die Menschheit droht, sich in den Orkus der Geschichte zu befördern. Also soll Jesus wieder ran, schließlich hat er den Job schon einmal gemacht. Problem eins: Jesus ist eher ein entspannter Surfer-Typ, der gerne mal ´ne Tüte raucht und mit Jimmi Hendrix Gitarre spielt. Problem zwei: Wie kriegt man heute die göttliche Botschaft unters Volk? Jesus kehrt zurück und wählt den einfachsten Weg - er geht ins Fernsehen.
John Niven ist mit "Gott bewahre" eine perfekte Mischung aus Unterhaltung und Ernst gelungen. Sein Gedankenexperiment, was wäre, wenn der Sohn Gottes in die heutige Welt käme mit seiner Botschaft von Liebe und Vergebung, bietet amüsanten und fesselnden Lesestoff. Denn Niven beschreibt das nicht schenkelklopfend, sondern balanciert geschickt auf dem Grad zwischen Komik und Tragik.
John Niven: Gott bewahre
Aus dem Englischen übersetzt von Stephan Glietsch und Jörn Ingwersen
Heyne Verlag, 19,99 Euro
1. The Amsterdam Baroque Orchestra/Dir.:Ton Koopman mit
"Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen (aus Weihnachts-Oratorium,
BWV 248)"
2. The Pogues & Kirsty MacColl mit "Fairytale of New York"
3. Bob Dylan mit "Here comes Santa Claus"
4. Alice Herz-Sommer mit "Sarabande (aus Partita B-Dur, BWV 825
von J.S.Bach)"
5. Eartha Kitt mit "Santa Baby"
6. Duke Ellington & his Orchestra mit "Jingle bells"
Musikauswahl: Markus Kunz
Redaktion:
Ruth Dickhoven
Weitere Literatursendungen
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Sonntags um 12.05 Uhr
druckfrisch – Neue Bücher mit Denis Scheck [Das Erste]
An einem Sonntag im Monat, 23.35 Uhr












