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Frau greift in Bücherregal; Rechte: dpa
Sendung vom 23.06.2012, 20:05 bis 21:00 Uhr

 

"Stadt der Bücher" von Anja Bohnhof und Ilija Trojanow

Buch der Woche

Der Romanautor Ilija Trojanow ("Weltensammler", "Eistau") und die Fotografin Anja Bohnhof haben sich zusammengetan - und dabei ist ein spannendes, kleines Buch herausgekommen: "Stadt der Bücher" schildert den Kosmos der Colllege Street. Die Straße liegt in Kalkutta und ist die Heimat von Millionen von Büchern. Auf nur 126 Seiten schildert das Büchlein eine Welt, in der sich alles um das geschriebene, gedruckte Wort dreht, portraitiert kurz und präzise Buchträger, Buchhändler, Verleger und Autoren. Trojanow gelingt dabei in seinen Texten, den indischen Moloch Kalkutta jenseits von Dreck und Armut zu zeigen und trotzdem ein ungeschöntes, hintergründiges Bild dieses Viertels zu malen.

 

Ilija Trojanow, Anja Bohnhof: Stadt der Bücher 
LangenMüller, 14,99 Euro

 

Autor: Markus Brügge

 

"Tod auf Schloss Bremont" von Mary L. Longworth

Der Einminutenverriss

"Mit diesem Titel 'Tod in der Provence' hat mich der Aufbau-Verlag geködert. Provence, Lavendel, Aioli, Zikaden und ein Mord - da werde ich einfach schwach. Doch dann stellte sich Fassungslosigkeit ein. Bandwurmsätze, Stilblüten, Übersetzungspannen. Eines so renommierten Verlags wie Aufbau in Berlin ist dieses Buch schlichtweg unwürdig."

 

Mary L. Longworth: Tod auf Schloss Bremont. Ein Provence-Krimi
Aus dem Amerikanischen von Helmut Ettinger
Aufbau Taschenbuch, 9,99 Euro

 

Autorin: Ingrid Müller-Münch

 

"Frühe Vögel" von Matthias Senkel

Lesefrüchte

Matthias Senkels Roman "Frühe Vögel" ist eine klassische Generationengeschichte im modernen Gewand. Die Kapitel bestehen aus kurzen Versatzstücken, zwischen denen der Leser umherblättert wie in einem Fantasy-Rollenspielabenteuer. Die großartigen Textminiaturen verbinden groteske Komik und Traurigkeit in Tschechow’scher Manier. Frühe Vögel ist daher vor allem eine versteckte Wiederbelebung der Anekdote. Zwischen den vielen Einzelschicksalen weiß Matthias Senkel allerdings mit unsichtbaren Fäden eine Geschichte von epischer Breite aufzuspannen, die an Kurzweiligkeit kaum zu überbieten ist.

 

Matthias Senkel: Frühe Vögel
Aufbau Verlag, 19,99 Euro

 

Autor: Morten Freidel 

 

"Geschwisterkinder" von Hanna Lemke

Lesefrüchte

Leben in Luftblasen. Die Erzählung "Geschwisterkinder" von Hanna Lemke ist spannend, anrührend und dabei ganz unsentimental geschrieben. Die Handlung ist eher unspektakulär: Ritschie und Milla werden von Zufallsbekannten zu deren Hochzeit eingeladen. Doch die Einladung hat es in sich, bringt sie doch die distanzierten Geschwister wieder miteinander ins Gespräch. Rasiermesserscharf seziert Hanna Lemke das Leben der Geschwister, deckt ihre Einsamkeit und Sprachlosigkeit auf. Eine bewegende Geschichte, die andeutet, dass man über gemeinsame Erinnerungen nicht nur zu einem Anknüpfungspunkt für eine Beziehung finden kann, sondern auch jeder für sich zu einer neuen, ehrlicheren Lebensperspektive.

 

Hanna Lemke: Geschwisterkinder
Kunstmann Verlag, 14,95 Euro

 

Autorin: Renate Naber

 

André Kubiczek mit "Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn"

Autor im Gespräch

Der Ich-Erzähler ist fast vierzig Jahre alt, als er zum ersten Mal nach Laos in das Geburtsland seiner Mutter reist. In der Fremde kommen die Erinnerungen an seine DDR-Kindheit hoch, den viel zu frühen Tod der Mutter und das tragische Schicksal seines Bruders. In den 60er Jahren hatten sich die Eltern, der Arbeitersohn aus dem Harz und die junge Laotin aus gutem Hause, während eines Studienaufenthaltes in Moskau kennen gelernt und gegen alle Widerstände in Potsdam eine Familie gegründet. In seinem autobiographisch gefärbten Roman "Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn" erzählt André Kubiczek die einzigartige Geschichte einer deutsch-laotischen Familie vor dem Hintergrund von DDR- und Nachwendegeschichte.

 

André Kubiczek: Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn
Piper Verlag, 22,90 Euro

 

Autorin: Mareike Ilsemann 

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André Kubiczek im Gespräch

 

"Meiner Mutter" von Liao Yiwu

Aktuelle lyrik - ein Gedicht

Schon wenige Stunden bevor die chinesischen Machthaber gewaltsam gegen den Volksaufstand 1989 vorgingen,  hatte der chinesische Autor, Musiker und Schauspieler Liao Yiwu ein kritisches Gedicht über das Massaker geschrieben. Es verbreitete sich in Windeseile, auch über die Grenzen Chinas hinaus - Liao Yiwu wurde dafür zu vier Jahren Haft verurteilt. Für Liao Yiwu begann eine qualvolle Leidenszeit in chinesischen Gefängnissen und Arbeitslagern. Dann folgten Jahre der Repressionen, in denen der chinesische Staatsapparat zu verhindern suchte, dass Liao Yiwu über seine Erlebnisse schrieb. Liao Yiwu fand Zuflucht in Deutschland. Seit 2011 lebt er in Berlin. Im Frühjahr konnte im S. Fischer Verlag "Ein Lied für hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen" erscheinen. Ein Zeugnis, das uns die "Augen öffnet", schrieb  Herta Müller. Wir schauen "unter die Glanzfolie des neureichen, machthungrigen Imperiums." Obwohl es in der Zelle nur für zwei Stunden im Monat Stift und Papier gab, hat Liao Yiwu während der Haft auch "Gedichte aus dem Gulag" verfasst. Darunter am 16. März 1991 das Gedicht "Meiner Mutter". Im Herbst erscheint bei Fischer auch Liao Yiwus Version der Ereignisse im Juni 1989. "Die Kugel und das Opium - Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens", lautet der Titel des Buches, für das Liao Yiwu heimlich mit Augenzeugen und Angehörigen der Opfer des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens gesprochen hat.
Am 14. Oktober wird Liao Yiwu in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen nehmen.

aus: Liao Yiwu: Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. Mit dem Gedichtzyklus "Liebeslieder aus dem Gulag" und einem Brief von Liu Xiaobo an Liao Yiwu, Verlag S. Fischer, 24,95 Euro

Liao Yiwu: Die Kugel und das Opium - Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens: Aus dem Chinesischen von,  S. Fischer Verlag, 24,99, Euro erscheint im Oktober 2012

 

Autorin: Mareike Ilsemann

 

"Ein Mann will nach oben" von Hans Fallada

Hörbuch der Woche

Den dramatischen Lebensweg eines Mannes aus armen Verhältnissen, der sich in den Wirren der Weimarer Republik beharrlich um gesellschaftlichen Aufstieg bemüht, schildert Hans Fallada in seinem sozialkritischen Roman. Der Berliner Schauspieler Ulrich Noethen liest den um etwa die Hälfte gekürzten Text und gibt der Geschichte lakonischen Humor und eine mitfühlende Abgeklärtheit.

 

Hans Fallada: Ein Mann will nach oben
Gekürzte Lesung des Romans, vorgetragen von Ulrich Noethen
Osterwold Audio, 24,99 Euro

 

Autor: Daniel Blum

 

Musiktitel der Sendung

1. Anoushka Shankar: Yaman Kalyan
2. Shankar Mahadevan: Pretty Woman
3. Solo Moderna: Oompah improvisations
4. Y'akoto: Talk to me
5. Caro Emerald: Stuck
6. Cong Su: Lunch

Musikauswahl: Markus Kunz

 

Redaktion: Ruth Dickhoven

Weitere Literatursendungen

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Sonntags um 12.05 Uhr 

druckfrisch – Neue Bücher mit Denis Scheck [Das Erste] 
An einem Sonntag im Monat, 23.35 Uhr

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