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Mit Recht kann man Elfriede Hammerls im Deuticke-Verlag erschienen Roman "Kleingeldaffäre" als eine der vielen möglichen Frau-und-Mann-Geschichten lesen. In dieser Hinsicht ist der Roman wegen seiner Story hervorragend: Eine Frau liebt einen Mann, der Geld hat - aber nicht eigenes, sondern das Geld der Frau, mit der er verheiratet ist. Seiner Geliebten gibt er hin und wieder auch etwas, damit sie sich etwas Schönes kaufen kann. Sie benötigt sein Geld nicht, denn sie ist selbstständig und verdient eigenes. Aber sie spielt in der Kleingeldaffaire mit, und dies ist das Außergewöhnliche des Romans: Er führt dem Leser vor Augen, wie Geld in die innersten Poren von Beziehungen tritt. Das erzählende weibliche Ich schätzt (fast) alles monetär ein, den eigenen Körper, den Körper des Geliebten, andere mögliche und unmögliche Geliebte. Nicht zuletzt das Älterwerden ist hauptsächlich ein Wertverlust. Leben wird unter der Hand zur taxonomischen Performance und unter den Performancekünstlern geht es verflucht einsam zu.
Elfriede Hammerl: Kleingeldaffäre
Verlag Deuticke, 17,90 Euro
Autor: Franz Schuh
Innerhalb der frisch herausgegebenen Reihe „Neue Lyrik“ im Verlag Poetenladen ist jetzt als Band 1 ein Buch mit Gedichten von Anne Dorn erschienen, die 1925 in Wachau bei Dresden geboren wurde und heute in Köln lebt. Anne Dorn hat Romane, Prosa, Hörspiele, Features und Lyrik geschrieben, wobei ihre Lyrik bisher nur in Anthologien zu finden war. Jetzt ist sie erstmals gesammelt unter dem Titel „Wetterleuchten“ erschienen. Es sind feingewebte epische Gedichte, Sammelstücke eines ganzen Lebens, die Geschichten erzählen von „südlichen Februartagen“, „Sterbenswollust“ und dem „Weg ins Dorf“. Außergewöhnliche, eindrucksvolle Lyrik, die durch eine klare, einfache Sprache besticht, ausgestattet ist mit einem oft herzlich-fröhlichen Grundton und nebenbei viel über die Person Anne Dorn verrät.
Aus: Anne Dorn: Wetterleuchten
poetenladen Reihe Neue Lyrik – Band 1
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 16,80 Euro
Autor: Matthias Ehlers
Ein alter Mann klaut einen Traktor und begibt sich mit ihm auf eine letzte Fahrt. Derweil wärmt sich seine Tochter eine Miracel-Whip-Suppe in der Mikrowelle auf. Josh Weils Novelle "Das neue Tal" zeichnet in prägnanten Bildern das Leben in den Blue Ridge Mountains im Westen der USA nach.
Josh Weil: Das neue Tal
Übersetzt von Stephan Kleiner
DuMont Verlag, 17,99 Euro
Autor: Tobias Lehmkuhl
Die argentinische Anarchistin Mika Etchebéhère war 1931 nach Europa gekommen, um sich in Paris und Berlin für den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse und gegen Stalin zu engagieren. Der Kampf gegen den Faschismus trieb sie 1936 nach Spanien, wo sie auf Seiten der Republik als einzige Frau eine Kompanie führte. Elsa Osorio hat mit ihrem Roman "Die Capitana" das abenteuerliche Leben ihrer Landsmännin Mika Etchebéhère dem Vergessen entrissen.
Elsa Osorio: Die Capitana
Aus dem Spanischen übersetzt von Stefanie Gerhold
Suhrkamp Verlag, 19,90 Euro
Autorin: Eva Karnofsky
"Aus dem gebirgichten Westfalen" - mit diesem Droste-Hülshoff-Zitat überschreibt Adrian Kasnitz eines seiner Gedichte. (Nordrhein-)Westfalen ist ein wichtiges Thema für den in Lüdenscheidt aufgewachsenen, in Köln lebenden Lyriker. Hagen, Siegen, Soest, der Bahnhof Langendreer in Münster oder - so ein Titel - "Meppen an der B 70" sind Orte, von denen seine Gedichte handeln. Heimatlyrik? Nicht ganz. Denn statt Naturidyllen bekommt man es hier mit Umspannwerken, Talsperren oder Buswartehäuschen zu tun.
Kasnitz, der auch einen Kleinverlag für Lyrik betreibt und Literaturveranstaltungen moderiert, wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Zuletzt mit dem GWK-Förderpreis der Gesellschaft zur Förderung der westfälischen Kulturarbeit. In WDR 5 Bücher spricht der Lyriker über das Schreiben, das Leben und die Heimat.
Adrian Kasnitz: Schrumpfende Städte. Gedichte
Luxbooks, 19,80 Euro
Autor: Christian Möller
"Schau heimwärts, Engel" hat mich seiner Intensität wegen tief berührt. Da wird alles, was Menschen zusammen- und auseinander gebracht hat auf eine unnachahmliche Weise geschildert. Man riecht förmlich, was für eine Atmosphäre das gewesen sein muss. Das Buch hat für mich einen fast heiligen Wert." (Ralph Giordano)
Thomas Wolfe: Schau heimwärts, Engel
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Irma Wehrli
Manesse Verlag, 29,90 Euro / Taschenbuch: btb Verlag, 14,99 Euro
Autor: Sabine Fringes
Gedichte haben einen Rhythmus und Musik wiederum birgt etwas Lyrisches. Davon gehen die Schriftstellerin Ulrike Almut Sandig und die Musikerin Marlen Pelny in ihrem außergewöhnlichen Hörbuch "Märzwald" aus. Ein ganz spezielles Gitarrenriff zieht sich wie ein roter Faden durch die insgesamt 22 Tracks, die zwischen Poesie und Popmusik hin und her pendeln. Mit "Märzwald" bringen Marlen Pelny und Ulrike Almut Sandig Poesie und Musik auf unkonventionelle Art und Weise sowohl unter einen Hut als auch unter die Leute. "Märzwald" ist besonders für diejenigen gedacht, die mit Lyrik ansonsten nichts am Hut haben und lieber auf Konzerte gehen. Daher lautet der Untertitel der Hör- CD "Märzwald" auch: "Dichtung für die Freunde der Popmusik".
Ulrike Almut Sandig / Marlen Pelny:
Märzwald. Dichtung für die Freunde der Popmusik
Audio CD, Schöffling & Co. Verlag, 14,95 Euro
Autorin: Claudia Cosmo
Musiktitel in der Sendung
1. The Little Willies feat. Norah Jones:
“If you've got the money I've got the time”
2. J. J. Cale: “The woman that got away”
3. The Real Tuesday Weld “The Lupine Waltz”
4. Estrella Morente “ Volver”
5. K-os “Crabbuckit”
6. Michael Fix “Mas que nada”
Musikauswahl: Markus Kunz
Redaktion:
Ruth Dickhoven
Weitere Literatursendung
Gutenbergs Welt [WDR 3]
Sonntags um 12.05 Uhr
druckfrisch – Neue Bücher mit Denis Scheck [Das Erste]
An einem Sonntag im Monat, 23.35 Uhr













