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Frau greift in Bücherregal; Rechte: dpa
Sendung vom 10.12.2011, 20:05 bis 21:00 Uhr
Bild: Ausschnitt Buchcover; Rechte: Verlag Kiepenheuer & Witsch

 Vom Ende einer Geschichte

"Vom Ende einer Geschichte" von Julian Barnes

Buch der Woche

Wie war das damals, Anfang der 60er Jahre, als er ein Teenager war, Romane für das wirkliche Leben hielt und Sex so fern schien wie eine strahlende Galaxie? Tony Webster erinnert sich an seine Schulzeit, an die Freunde Alex, Colin und den genialischen Adrian, der sich als junger Student das Leben nahm. Was als nostalgisch getönter Trip in verflossene Jugendjahre beginnt, wird für Tony zu einer harten Konfrontation mit sich selbst. Erinnerung trifft unversehens auf Wirklichkeit, und die gemütliche Suche des Ruheständlers Tony Webster nach der verlorenen Zeit kehrt sich bedrohlich um - die Vergangenheit sucht und findet ihn und zertrümmert nach und nach das Selbstbildnis eines alten Mannes. Wie Julian Barnes seinen Helden zwingt, in den Spiegel der Realität zu blicken, ist schon eine Klasse für sich.

Julian Barnes: Vom Ende einer Geschichte
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2011, Euro 18,99

Autor:Ferdinand Quante

 

Bild: Ausschnitt Buchcover; Rechte: Suhrkamp Verlag

 Gedichte: Aufkommender Atem

"Geburt des Dunkels, wie ein Mottenkind"

Aktuelle Lyrik - Ein Gedicht

Christian Lehnerts sechster Lyrikband "Aufkommender Atem" umfasst einundachtzig kurze, formal ähnliche und überwiegend gereimte Gedichte, die thematisch aus der Erfahrungs- und Erkenntniswelt des gelernten Religionswissenschaflers, evangelischen Theologen und Orientalisten stammen und geographisch aus der ostdeutschen Heimat des Dichters. Diese anderswo hoch gelobte und nicht leicht zu entschlüsselnde Lyrik sollte hinreichenden Stoff und Nahrung für den transzendental Sinnsuchenden bieten - und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Aus: Christian Lehnert: Aufkommender Atem
Gedichte
Verlag: Suhrkamp, 2011, Euro 17,90

Autor: Matthias Ehlers

Bild: Ausschnitt Buchcover; Rechte: Graf Verlag

 Irgendwann werden wir uns alles erzählen

"Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

Lesefrüchte

Daniela Krien gehört zu den Autoren, die schon in jungen Jahren Texte und Gedichte geschrieben haben. Anfangs muss die 1975 geborene Autorin damit wohl unzufrieden gewesen sein. Denn sie vernichtete alles. Zum Glück hat das Manuskript zu ihrem Debütroman einen Verlag erreicht. "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" ist in einem kleinen Ort in der Nähe von Leipzig angesiedelt und spielt vor dem Hintergrund der dahinscheidenden DDR. Die verträumte, 16-jährige Maria Bergmann bekommt von den politischen Ereignissen allerdings nur wenig mit. Sie arbeitet lieber auf einem abgeschiedenen Hof und lässt sich von ihrem einsamen Nachbarn Henner verführen. Ihr Freund dokumentiert unterdessen die Tage und Wochen vor der Wende mit der Kamera. In einem sanften, behutsamen Ton beleuchtet Daniela Krien in zweifacher Hinsicht das Thema Verwandlung. "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" ist ein absolut bemerkenswertes Romandebüt.

Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen
Verlag: Graf, 2011, Euro 18,00

Autorin: Claudia Cosmo

Bild: Ausschnitt Buchcover; Rechte: Lenos Verlag

 Die Engel von Sidi Moumen

"Die Engel von Sidi Moumen" von Mahi Binebine

Lesefrüchte

Am 16. Mai 2003 explodierten im Zentrum von Casablanca mehrere Bomben. 40 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Den Anschlag verübten 14 junge Islamisten. Alle stammten sie aus Sidi Moumen, dem Elendsviertel von Casablanca. Wie kamen diese Jugendlichen dazu, sich in die Luft zu sprengen und zahllose andere Menschen mit in den Tod zu reißen? Dieser Frage geht Mahi Binebine in seinem packenden Roman "Die Engel von Sidi Moumen" nach.

Mahi Binebine: Die Engel von Sidi Moumen
Aus dem Französischen von Regula Renschler
Verlag: Lenos, 2011, Euro 19,90

Autor: Kersten Knipp

Bild: Die georgische Schriftstellerin Nino Haratischwili am 04.03.10 in München vor der Verleihung des Adelbert-von-Chamisso-Preises; Rechte: dpa/picture-alliance/Ursula Düren

 Nino Haratischwili

Nino Haratischwili mit "Mein sanfter Zwilling"

Autorin im Gespräch

Stella und Ivo kennen sich seit ihrer Kindheit. Vor sieben Jahren ist der Kontakt zwischen beiden abgebrochen. Nun taucht Ivo plötzlich in Hamburg auf. Mit Stellas Hilfe will er die gemeinsame Vergangenheit aufarbeiten und einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Einem Geheimnis, das mit Sehnsucht, Leid und Tod zu tun hat. Nino Haratischwili erzählt in diesem überraschenden, kraftvollen und lange nachhallenden Roman die Geschichte einer Familie, in der alle Liebe verflucht wird.

Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling
Frankfurter Verlagsanstalt, 2011, Euro 22,90

Autorin: Katharina Heinrich

Bild: Der Schauspieler Jürgen Tarrach am 10.03.11 im Andreasstift in Worms; Rechte: picture-alliance/dpa/Fredrik von Erichsen

 Jürgen Tarrach

Der Schauspieler Jürgen Tarrach empfiehlt ...

Auf meinem Nachttisch: Günter Grass - Beim Häuten der Zwiebel

Günter Grass: Beim Häuten der Zwiebel
Verlag: Gerhard Steidl, 2006, Euro 24,--
(als Taschenbuch bei Dtv: Euro 9,90)

"Ich wollte mehr über die Generation unserer Väter erfahren. Nun empfehle ich das Buch jedem aus meiner Generation, weil Traumata auch weitergegeben werden. Eine tolle Sprache, ein großartiger Fluss, ein durchschimmernder Humor, ein großer Genuss. Trotz des schwierigen Themas unterhaltend und inspirierend."

Autorin: Renate Naber

Bild: Ausschnitt CD-Cover; Rechte: Der Hörverlag

 Fast ein bißchen Frühling

"Fast ein bißchen Frühling" von Alex Capus

Hörbuch der Woche

Winter 1933/34. Die Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte aus Wuppertal wollen aus Nazideutschland fliehen. Doch sie kommen nicht weit: Der Liebe wegen bleiben sie in Basel hängen, bis das geraubte Geld aufgebraucht ist und der nächste Banküberfall fällig wird. Ein kleines feines Hörspiel, das in einer gelungenen Mischung aus Fiktion und Dokumentation die Dreißiger Jahre lebendig werden lässt.

Alex Capus: Fast ein bißchen Frühling
Hörspiel mit Christian Redl, Boris Aljinovic, Wanja Mues, Florian von Manteuffel, Kathrin Angerer u.a.
Regie: Annette Kurth
Musik: Helena Rüegg
Bearbeitung: Helmut Peschina
Produktion: WDR
Audio-CD, Laufzeit: 54 Minuten
Der Hörverlag, Euro 14,99

Die Buchvorlage:
Alex Capus: Fast ein bisschen Frühling
Verlag: Residenz, Salzburg, Euro 17,90

Autorin: Renate Naber

Bild: Plattenspieler; Rechte: ddp/Sebastian Widmann

 Ohrwurm?!

Musiktitel in der Sendung

1. Herbie Hancock mit "Blow Up"
2. Amy Winehouse mit "Our day will come"
3. John Surman & Howard Moody mit "Dancing in the loft"
4. No Blues mit "Fatuum truus"
5. David Delabrosse & Francoiz Breut mit "L’étoile du nord"
6. Trio Hugo Diaz mit "Por una cabeza"

Musikauswahl: Markus Kunz

 

 

Redaktion:

Ruth Dickhoven

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