Zielscheibe, in dessen Mitte ein Pfeil steckt.

Welchen Zweck finden Sie in Ihrem Leben?

Alle Handlungen, Prozesse und Entwicklungen folgen einem Zweck, davon gehen die Denkschulen der Teleologie aus. Und diese Zwecke stehen meist im Dienst einer höheren Instanz. Gott, zum Beispiel. Das kann man beruhigend finden – oder auch ganz schön unfrei. Dagegen hilft: Ein Lob der Zwecklosigkeit.

Ein beliebtes Bild der Zwecklosigkeit ist ja das Flanieren, das Spazierengehen, damit hat sich der Philosoph Aristoteles in der griechischen Antike ebenso beschäftigt wie der Schriftsteller Robert Walser im 20. Jahrhundert.

Allerdings auf höchst unterschiedliche Weise: Für Aristoteles gab es kein zielloses Tun, höchstens eines ohne äußere Zwecke, denn letztlich zielt alles Tun auf ein bestimmtes Gut als Ziel hin. Für Robert Walser dagegen war der ziellose Gang auf dem Lebensweg eine Metapher für das Leben selbst, das auf Nichts hinausläuft außer darauf, eben zu leben.

Über viele Jahrhunderte prägte die aristotelisch-christliche Sicht die Welt und das Denken. Der Philosoph Baruch des Spinoza unterzog dies Denken im 17. Jahrhundert einer Generalüberprüfung in Form einer radikalen Kritik. Schließlich ging es ihm darum, Vorurteile aus der Welt zu schaffen. Und genau das war für ihn die Idee, dass die Natur zweckhaft im Sinne einer höheren Instanz sein könnte: ein Vorurteil.

Portrait von Michael Hampe.

Der Philosoph Michael Hampe.

Schon mit der kopernikanischen Wende hatte der Mensch ja einsehen und begreifen müssen, dass er weder Mittelpunkt der Welt noch des Universums ist. Das wird, geprägt von Sigmund Freud, gemeinhin als große Kränkung interpretiert; es geht nicht um uns, wir sind im Grunde belanglos in der Welt. Zugleich lässt sich die Zwecklosigkeit, genauer betrachtet, ja auch positiv verstehen: “Die Einsicht, dass sich vielleicht niemand für uns interessiert, außer wir für uns selbst, kann auch sehr erleichternd, eine Befreiung sein“, sagt der Philosoph Michael Hampe.

Welche Anteile unseres Daseins sind zweckhaft, welche zwecklos? Wie viel Zweckhaftigkeit steckt in der Natur? Skepsis oder Gewissheit, welches Konzept des Denkens ist überzeugender? Welche Bedeutung hat die Zwecklosigkeit in Ihrem Leben?

Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Michael Hampe: Über die Zwecklosigkeit

WDR 5 Das philosophische Radio 18.03.2024 55:43 Min. Verfügbar bis 18.03.2025 WDR 5


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Literaturhinweis: Michael Hampe: Wozu? Eine Philosophie der Zwecklosigkeit. Hanser Verlag

Unser Podcast-Tipp:
In dem Philosophie-Podcast „Tee mit Warum“ werden die großen Fragen bei einem Becher Tee miteinander diskutiert. Die Hosts schauen in die Philosophiegeschichte, sprechen mit Philosoph:innen und hören Menschen aus dem Alltag. Neue Folgen gibt es jeden zweiten Donnerstag: https://1.ard.de/tee-mit-warum-podcast-cp