Buchcover: "Der Gott der Landminen“ von Yusef Komunyakaa

Aktuelle Lyrik

"Der Gott der Landminen" von Yusef Komunyakaa

Stand: 15.02.2024, 20:43 Uhr

Gedichte wie Jazzmusik: Der afroamerikanische Dichter Yusef Komunyakaa geht in seinen Sprachkompositionen der Schönheit und Sinnlichkeit, aber auch Gewalt- und Kriegserfahrungen nach. Nun liegt erstmals eine Werkauswahl des Pulitzer-Preisträgers auf Deutsch vor.

"Es blitzte im Innern unserer Panzer aus Titanium, & die Musik war beinahe heilig, auch wenn jetzt aus unseren Trommelfellen das Blut sickerte", heißt es im Heavy Metal Monolog. Er beschreibt aus der Perspektive amerikanischer Panzergrenadiere die Eroberung Bagdads, vermutlich im Krieg gegen Sadam Hussein, denn "immer versteckt sich ein Diktator in einer Betonröhre", heißt es zynisch bei Komunyakaa an einer anderen Stelle.

Die Heavy Metal-Musik auf den Ohren der GIs geht in den Kriegsgeräuschen auf. Musik und Krieg und ergeben einen unheimlichen Sound, der sich in unsere Erinnerung gräbt. Yusef Komunyakaas Gedichte berühren, weil sie Gewalt und Krieg Schönheit abringen. Unterschwellige Bedrohung, Kriegs- und Gewalterfahrungen prägen das Werk des Afroamerikaners, der während des Vietnam-Kriegs als Korrespondent vor Ort war.

Sein preisgekrönter Gedichtband Dien Cai Dau (1988), gilt als eine der bedeutendsten poetischen Darstellung des Vietnam-Kriegs. Yusef Komunyakaa wurde 1947 als James William "Willie" Brown Jr. in Louisiana geboren. Mit seinem Pseudonym wollte er die eigene sklavische Herkunft unterstreichen.

Dabei gehe es bei diesem afroamerikanischen Dichter von Weltrang nie allein um blackness, betont Übersetzer Mirko Bonné. Komunyakaa sei die erste Stimme, der es gelänge "das Wesen des Jazz und seiner auf Improvisation und Zusammenspiel gründenden Klanglichkeit in überzeugender, so verstörender wie bestrickender Weise zu übersetzen in unserer zersplitterten Zeit angemessene Verse", schreibt Bonné, dessen Nachwort eine sehr lesenswerte Einführung in das Werk Komuyakaas darstellt.

Die vorliegende Werkauswahl besteht aus Gedichten der letzten 20 Jahre. Die Bilder und Verknappungen sind zunächst fremd und unerwartet. Man braucht eine Weile, um sich auf die Re-Arrangements, Improvisationen und freien Assoziationen einzulassen. Nach einer Weile entfaltet sich die Kraft von Komunyakkas dichterischem Sprechen.

Zu seiner Poetologie gehört es auch, unscheinbar erscheinenden Wesen und Objekten Gestalt und Stimme zu verleihen. So hören wir eine Ode an die Made oder Komunyakaa besingt den Staub. Ob Kurzgedicht oder Langzyklus: Mirko Bonné hat diese Schätze der zeitgenössischen US-Dichtung formerhaltend ins Deutsche gebracht.

Eine Rezension von Mareike Ilsemann

Literaturangaben:
Yusef Komunyakaa: Der Gott der Landminen. Gedichte. Zweisprachig
Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Mirko Bonné
Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, 2024
176 Seiten, 24 Euro