Finanzwissen junger Leute

Collage: Geld, Sparschwein; Rechte: dpa
Studie zum Finanzwissen

Junge Leute und das liebe Geld

WDR-Studie zum Finanzwissen junger Erwachsener in NRW

Von Andreas Spinrath

Jugendliche vertrauen in Finanzfragen den Banken genauso wie ihren Eltern. Und in puncto Altersvorsorge denken viele solide. Diese und weitere interessante Erkenntnisse hat eine WDR-Studie zum Finanzwissen junger Menschen in NRW ergeben.


Interessieren sich junge Leute für Finanzthemen? Wofür geben sie ihr Geld aus? Und haben sie eine andere Haltung zu Finanzen als die Gesamtbevölkerung? Die WDR-Medienforschung hat auf Initiative der WDR-Wirtschaftsredaktion zwischen März und Mai 2011 über 1.000 Menschen zwischen 14 und 29 Jahren zu Aspekten rund um Geld und Finanzen befragt. Es ist die erste unabhängige und repräsentative Erhebung zu diesem Thema.

WDR-Studie über das Finanzwissen [Morgenecho]


Finanzen ähnlich wichtig wie andere Themen

Junge fährt am Freitag (29.07.10) in Duisburg im Strandbad Wedau mit Wasserskiern übers Wasser; Rechte: Timur Emek/dapd
Sport rangiert vor Finanzen

Allen Unkenrufen zum Trotz sind demnach Jugendliche und junge Erwachsene an den Themen Finanzen und Geld interessiert. Jeder vierte Befragte bezeichnet sich selbst sogar als sehr interessiert.

Themen wie Ausbildung und Beruf, Musik oder Sport liegen in der Beliebtheit zwar vor den Finanzen, aber 77 Prozent der Befragten sagen von sich selber, dass sie auf keinen Fall zu jung sind, um sich damit zu beschäftigen. Geld ist Menschen zwischen 14 und 29 Jahren genauso wichtig wie der NRW-Gesamtbevölkerung. Den eigenen Wissensstand schätzt jeder zweite Befragte als "gut" ein. Allerdings sagen auch rund zwei Drittel, diese Themen seien kompliziert, belastend und anstrengend.


Sehr verlässlich: die Bank und die Eltern

Wenn es um "finanzielle Dinge" geht, sind Eltern, die Bank und das Internet die wichtigste Informationsquelle - das sagen jeweils über 80 Prozent der Befragten. Nur jeder vierte nennt die Stiftung Warentest oder die Verbraucherzentralen. Hinsichtlich Verlässlichkeit ganz vorn: die Bank. Für „sehr verlässlich“ halten 53 Prozent der Befragten sie – direkt danach rangieren die Eltern (52 Prozent), dann Finanzdienstleister und -berater (49 Prozent). Als am wenigsten verlässlich werden die Medien sowie Freunde und Bekannte eingeschätzt.

Bei den über 20-Jährigen lässt das Vertrauen in Banken und Finanzdienstleister nach – die Verlässlichkeit von Eltern wird dafür als sehr hoch eingeschätzt. Stiftung Warentest und Verbraucherzentralen rangieren aber auch in dieser Altersgruppe noch immer knapp hinter den Banken und Finanzdienstleistern.


Konto ja, Kredite naja

Mann hält Sparschwein; Rechte: dpa
Gut zwei Drittel schwören auf Sparschwein oder Spardose

Fast 90 Prozent aller Befragten haben ein Konto. Ein Sparschwein oder eine Spardose besitzen immerhin noch gut zwei Drittel. Wenn es um Kredite und Ratenkäufe geht, sind junge Menschen eher vorsichtig. Nur ein Drittel hat bisher Raten abgestottert und erst 18 Prozent einen Kredit aufgenommen. Für den Dispokredit gilt ähnliches: Nur jeder fünfte Befragte, der "ins Minus gehen" kann, hat dies auch schon einmal genutzt.

Etwas mehr als die Hälfte der Befragten, findet es gar nicht "okay, Schulden zu machen". Vor allem Haupt- und Realschüler (63 Prozent) und junge Leute im Alter von 14 bis 19 Jahren (59 Prozent) lehnen einen lockeren Umgang mit Verschuldung ab.

Die Kosten für die Überziehung sind vielen unklar. 45 Prozent derjenigen, die schon einmal einen Dispo genutzt haben, haben keine Ahnung, wie hoch der Zins ist. Die anderen tippen auf alle möglichen Zinssätze zwischen "unter 3 Prozent" und "mehr als 20 Prozent", wobei eine Mehrheit einen halbwegs realistischen Zins angibt.


Rücklagen und Sparen wichtig

Viele der Befragten sparen einen Teil ihres Geldes für ein bestimmtes Ziel. Auffällig ist, dass mit zunehmendem Alter das Thema Rücklagen immer wichtiger wird. "Mit Altersvorsorge kann man nicht früh genug anfangen", dem stimmten rund 80 Prozent der Befragten "voll und ganz" sowie "weitgehend" zu. Mehr als die Hälfte der Menschen zwischen 14 und 29 Jahren hat aber auch schon einmal einen Großteil des eigenen Geldes auf einmal ausgegeben.

Überraschend: 40 Prozent der jungen Menschen würden einen Gewinn von 1.000 Euro sparen. Rund ein Drittel würde es für Freizeitaktivitäten ausgeben, Shoppen steht - hinter Mobilität - mit 15 Prozent erst an vierter Stelle.


"Erwachsene finden Finanzthemen eher anstrengend"

„Die Studie zeigt, dass bei Finanzthemen nicht die jungen Leute ein besonderes Problem haben, wie das gerne behauptet wird", sagt Prof. Andreas Oehler. Er hat den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bamberg inne und die Studie begleitet. Sie belege, dass "viele Erwachsene Finanzthemen eher anstrengend und mühsam finden, junge Leute sind sogar eher interessiert". Oehler hält eine Bildungsoffensive für nötig, "die sich gerade nicht nur auf die jungen Leute konzentriert, sondern auf die Fragen und Wissenslücken auch der übrigen Erwachsenen."


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WDR-Wirtschaftsredakteur Uwe Möller zur Finanzstudie [Profit, 11.08.2011]


Stand: 11.08.11





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