Tiemanns Wortgeflecht
Nicht gerade mundfaul: Christoph Tiemann, immer montags in der LebensArt
Wissen was man sagt!
Tiemanns Wortgeflecht
Sprüche klopfen kann jeder. Noch besser ist es, wenn man weiß, was man in den Mund nimmt. Sprichworte, Modewörter, Slang und Redensarten sind manchmal voller Überraschungen! Der Kabarettist und Hörfunkautor aus Münster ist unser Mann für alle Rätsel der Sprache. Christoph Tiemann verfolgt die Spuren von Worten und Sprüchen und entflechtet sie genüsslich.
A
Die Redensart "ab durch die Mitte" für einen schnellen Abzug kommt vielleicht von einer Bestrafung der Landsknechte, dem sogenannten Spießrutenlauf. Dabei musste ein Delinquent durch die Mitte seiner spießbewehrten Kameraden hindurch schreiten. Vieles spricht allerdings dafür, dass die Redewendung auf eine Regieanweisung vom Theater zurückzuführen ist. "Ab durch die Mitte" ging nämlich schneller als "ab nach links" oder "rechts".
Beitrag: "Ab durch die Mitte"
Auch wenn die Berliner gern behaupten, der Ausruf "Ach Du grüne Neune" würde auf ein Theater oder Tanzlokal mit der Hausnummer neun zurückgehen, so steckt dahinter doch wohl die Spielkarte Pik neun. Beim Kartenlegen verheißt diese Pik neun nämlich nichts Gutes. Im heute weniger gebräuchlichen deutschen Blatt ist die Pik neun eine Laub neun oder auch Grüne neun.
Beitrag: "Ach du grüne Neune"
Frauen, die dem gegenwärtigen Schönheitsideal diametral entgegentrotzen, bezeichnet der locker sitzende, chauvinistische Volksmund manchmal als "alte Schabracke". Das Wort Schabracke hat seinen Ursprung bei den reiterfahrenen Turkvölkern der Asiatischen Steppe – eine caprak ist eine besonders schöne Satteldecke, die größer ist als der Sattel und mit ihren Stickereien so noch unter dem Sattel hervorschaut. Der Schabrackentapir heißt so, da seine Rückenzeichnung an eine solche Satteldecke erinnert. Auch das schönste Stück Stoff ist bei der Verwendung auf dem Pferderücken irgendwann einmal abgewetzt, so dass die ehemals schöne Decke zu einer "alten Schabracke" geworden ist.
Beitrag: "Alte Schabracke"
Wer eine Abkehr von alten Denkmustern fordert, der fordert manchmal dazu auf, "alte Zöpfe abzuschneiden". Dieser Ausspruch geht zurück auf die Vorschriften zum soldatischen Erscheinungsbild im 18. Jahrhundert. In vielen Armeen Europas war der Soldatenzopf jahrzehntelang vorgeschrieben. Erst nach der französischen Revolution wurde er wieder abgeschafft und galt als reaktionäres Symbol.
Beitrag: "alte Zöpfe abschneiden"
Die Redewendung "auf dem Schlauch stehen" offenbart veraltete Theorien über die Funktionen des menschlichen Gehirns – die alten Griechen glaubten, die Nerven seinen innen hohl und in ihnen würde der Lebensgeist Pneuma Eindrücke transportieren und der französische Philosoph Decartes verglich als erster den ganzen menschlichen Körper mit einem mechanischen Apparat.
Beitrag: "Auf dem Schlauch stehen"
Wer maßlos enttäuscht wird, der "fällt aus allen Wolken." Der Ausspruch geht in der Variante "aus allen Himmeln fallen" auf den Propheten Jesaja zurück, der König Nebukadnezar prophezeite, er werde wie der Morgenstern vom Himmel fallen und von der Sonne überstrahlt werden.
Beitrag: "Aus allen Wolken fallen"
B
Einen Bärendienst verrichtet derjenige, durch dessen Hilfe eine Situation nicht verbessert, sondern noch verschlimmert wird. Die germanische Silbe "bar" bedeutet „Last“, womit die zusätzliche Last gemeint sein könnte die durch den Bärendienst entsteht, andrerseits berichtet eine Fabel von einem Bären, der eine Fliege auf dem Gesicht eines Mannes verscheuchen will, indem er beide mit einem Stein erschlägt.
Beitrag: "Bärendienst"
Der Streisand-Effekt bezeichnet den Versuch der Unterdrückung einer Information im Internet mit gegenteiligen Ergebnis: Die Information erfährt durch die Intervention eine noch viel weitere Verbreitung. Der Begriff geht zurück auf einen von der Schauspielerin Barbra Streisand angestrengten Rechtsstreit.
Beitrag "Barbra-Streisand-Effekt"
Eine Erkenntnis die eigentlich jedem bekannt und daher eigentlich nicht der Rede wert ist, nennen wir eine Binsenweisheit. Binsen sind Gewächse, die recht einfach beschaffen sind, man findet zum Beispiel keine Knoten an ihnen, was schon die alten Römer zu dem Ausspruch brachte "Knoten an der Binse suchen". In einer griechischen Sage wird König Midas vom Gott Apoll mit Eselsohren bestraft. Midas versucht diese unter einer Mütze zu verbergen, die er jedoch beim Barbierbesuch natürlich ablegen muss - Midas verbietet dem Barbier jedoch mit irgendwem darüber zu reden. Der Barbier will es aber unbedingt herausschreien und brüllt die gewonnene Erkenntnis sogleich in ein Erdloch. Kein Mensch hört es, wohl aber die am Rande wachsenden Binsen, die es sogleich an alle anderen Binsen weitertragen, so dass die Neuigkeit zur weit verbreiteten Binsenweisheit wird.
Beitrag: "Binsenweisheit"
Die Queen ist blue blooded, durch die Adern Juan Carlos' fließt sangre azul, Ernst August von Hannover hat blaues Blut. Dieses in vielen Sprachen zu findende Synonym für eine adlige Abstammung stammt aus den Zeiten der maurischen Herrschaft über Südspanien. Der Kalif und die herrschende Oberschicht war von vergleichsweise dunklem Teint, die nordspanischen Fürsten, die später die Reconquista einleiteten, eher hellhäutig. Durch ihre Haut konnte man die blauen Adern sehen, was zum Ausspruch "von blauem Blut" führte. Später weitete man diese Bezeichnung auf alle Adligen aus, denn während das schuftende Volk auf den Feldern knackig braun wurde, blieben die Herrschenden vornehm im Schatten oder im Palast und pflegten ihre noble Blässe, die das vermeintlich blaue Blut deutlich sichtbar machte.
Beitrag "Blaues Blut"
Technische Fehler wurden schon im 19. Jahrhundert als bugs bezeichnet. Endgültig in die Computersprache verankert hat den Begriff wohl eine Harvard-Professorin, die eine Motte, die das Relais ihres Computers beschädigte in ihr Forschungstagebuch einklebte und mit dem Vermerk versah: Das erste Mal, dass tatsächlich ein Bug gefunden wurde.
Beitrag: "Bug"
C
Der Name des Getränks bezieht sich auf die Farbe des Habits der Kapuziner - Benediktiner tragen schwarz, Dominikaner weiß und Franziskaner und Kapuziner eben hellbraun - und nicht etwa darauf, dass sie eine Kapuze tragen. Wenn sie in Wien übrigens einen Franziskaner bestellen, dann bekommen sie einen Kaffee mit Schlagsahne. Man vermutet, dass der Cappuccino nach Italien kam, als österreichische Soldaten in Italien stationiert waren. Hier entstand dann die Variante mit dem Milchschaum.
Beitrag: "Cappuccino"
D
Schon im antiken Rom wurden jemandem sprichwörtlich und manchmal auch tatsächlich die Daumen gedrückt, wenn es um Glück und gutes Gelingen ging. Bei den Kämpfen der Gladiatoren, so vermuten Wissenschaftler heute, war der nach oben gerichtete Daumen nicht das positive Zeichen als das wir es heute kennen. Viele Sandalenfilme irren also, wenn sie den Daumen nach oben als Zeichen für den Wunsch "Schenke ihm das Leben!" benutzen.
Beitrag: "Daumen drücken"
Was soll ein Hund in der Pfanne, und warum wird er darin verrückt? Die Suche nach Antworten auf dieses Wortgeflecht-Rätsel führt über Christoph Tiemanns Küche und Kochgewohnheiten anderer Kulturen nach Niedersachsen. Dort lebte im 14. Jahrhundert Till Eulenspiegel und trieb seine derben Späße mit den Menschen.
Beitrag: "Da wird der Hund in der Pfanne verrückt"
Der innere Schweinehund hält uns ab vom guten Vorsatz, er hindert uns am längst fälligen Lauf im Stadtpark, überredet uns zu noch mehr Schokolade und verschiebt auf morgen was heute erledigt werden sollte. Das Wort "Schweinehund" war schon in der Studentensprache des 19. Jahrhunderts ein Schimpfwort.
Beitrag: "Der innere Schweinehund"
Kommt plötzlich eine Wahrheit ans Licht, offenbart sich uns zum Beispiel endlich die eigentliche Intention unseres Gegenübers so greifen wir zu einer tierischen Phrase: "Das ist des Pudels Kern."
Der Satz stammt von Goethe – in Faust I machen Faust und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Wagner einen Osterspaziergang und begegnen einem Hund, genauer gesagt einem Pudel. Faust empfindet das Gebaren des Tieres seltsam, aber Wagner kann ihn überzeugen, dass dies nur ein ganz normaler Hund sei, so dass Faust das Tier in der nächsten Szene mit in sein Studierzimmer nimmt.
Doch als Faust hier das Neue Testament studiert wird der Pudel unruhig – so unruhig, dass Faust das wirken unheiliger Mächte vermutet. Und tatsächlich: der Pudel schwillt an, wird groß und größer und verwandelt sich schließlich in seine wahre Gestalt – der Hund war der verwandelte Mephisto. Da staunt selbst Faust, so dass er ausruft: "Das war des Pudels Kern!"
Beitrag: "Des Pudels Kern"
Unsere Sprache kennt eine Vielzahl von Synonymen für ein schnelles und manchmal auch unerwartetes Verschwinden oder Aufbrechen: sich aus dem Staub machen, die Kurve kratzen, sich vom Acker machen. "Durch die Lappen gehen" kommt zum Beispiel aus der Jägersprache: Um ein Tier in eine für die Jäger günstige Position zu bringen, wurden große Tücher zwischen den Bäumen gespannt. In der Regel wich das Tier diesen Hindernissen aus und lief dorthin, wo die Jäger es haben wollten. Manches Tier jedoch scheute nicht vor den Tüchern und entwischte der Meute, indem es durch die Lappen ging.
Beitrag "Durch die Lappen gehen"
E
"Echo" ist der Name einer Bergnymphe in der griechischen Mythologie. Zeus beauftragt sie, seine Gattin Hera abzulenken, damit er fremdgehen kann. Als Hera das erkennt, strafte sie die Echo: fortan ist Echo nur imstande, die jeweils letzten Worte zu wiederholen die an sie gerichtet werden.
Beitrag: "Echo"
Den Deutschen scheinen ziemlich viele Dinge egal zu sein – denn die deutsche Umgangssprache kennt viele Synonyme dafür. "Das ist mir Jacke wie Hose" hat seinen Ursprung im Schneiderhandwerk des 16. Jahrhunderts, als man erstmals Jacken und Hosen aus dem gleichen Stück Stoff fertigte. Wenn etwas "schnuppe" ist, bezieht man sich damit auf die Bedeutungslosigkeit des Dochtendes einer abgebrannten Kerze.
Der Ausspruch "egal ist 88" könnte darauf anspielen, dass die Zahl 88, als geometrische Figur betrachtet, gleich zwei Symmetrieachsen aufweist, man kann sie also spiegeln wie man will, sie bleibt immer gleich. Warum man es "halten kann wie ein Dachdecker" ist wenig erforscht. Vielleicht gab es ja früher Bauherren, die den gefährlichen Weg aufs Dach scheuten um die Arbeit der Dachdecker zu kontrollieren – so konnten diese es halten wie sie wollten.
Beitrag: "egal"
Das sprachliche Bild der "Tracht Prügel" setzt mit böser Ironie die kommende Strafe mit den aufgetragen Speisen gleich: So wie eine große Portion Essen aufgetischt wurde, sollte dem zu maßregelnden Kind ein saftiges Ohrfeigengericht vorgesetzt werden: Eine Tracht Prügel. Hoffentlich sind die Zeiten solcher Serviervorschläge bald ganz vorbei.
Beitrag: "Eine Tracht Prügel"
Die Bezeichnung „Erbsenzähler“ für einen alles übergenau nehmenden Menschen geht auf eine Anekdote aus dem Leben des Reisebuchautoren und –verlegers Karl Baedeker (1801 – 1859) zurück. Baedeker galt schon zu Lebzeiten als stets aktuell und sehr genau. Bei der Besteigung des Mailänder Doms soll er alle 20 Stufen trockene Erbsen von einer Tasche in die andere gesteckt haben, so dass er oben angekommen die genaue Anzahl der Stufen durch Multiplizieren mit 20 errechnen konnte.
Beitrag: "Erbsenzähler"
"Etwas auf's Trapez bringen", "etwas auf's Tablett bringen" und "etwas auf's Tableau bringen" – diese Redewendungen klingen interessant, sind aber falsch. Doch was steckt hinter "etwas auf's Tapet bringen"? Die Redewendung hat ihren Ursprung im Französischen und hängt mit grünem Filz zusammen. Tiemann geht der Bedeutung auf den Grund.
Beitrag: "Etwas auf's Tapet bringen"
G
"Getürkt" ist eine Sache, bei der etwas vorgetäuscht oder gefälscht wurde. Zum Beispiel Döner mit mehr als 60 Prozent Hackfleischanteil. Es gibt viele verschiedene Geschichten, die erklären sollen, wie das Verb "türken" in unsere Sprache kam und ich glaube, die ein oder andere ist auch "getürkt": Eine Geschichte berichtet von einem vorsintflutlichen Schachroboter aus dem 18. Jahrhundert, eine Puppe mit türkischen Gewändern, die angeblich nur von Zahnrädern ganz von alleine Schach spielen konnte. In Wirklichkeit verbarg sich aber ein Mann in der Apparatur. Noch früher nannte man die Puppen, mit denen man Schießübungen veranstaltete einen "Turk" und die Praxis, Geld für einen angeblichen Feldzug gegen die Türken zu sammeln, es in Wirklichkeit aber anders zu verwenden, soll es auch einmal gegeben haben. Jetzt können Sie entscheiden, welche Geschichte Sie für echt halten und welche wohl "getürkt" ist!
Beitrag: "getürkt"
Für Männer scheint die Liebe oft die Fortsetzung von Krieg unter Beibehaltung der Begrifflichkeiten zu sein: Da werden Frauen zu "scharfen Geschossen", die man auf "12 Uhr" erblickt und mit denen man sich "in den Nahkampf" begeben möchten. Zweifelhaft-schmeichelhaft: Die Titulierung der Dame als "Granate". Die handliche Bombe gibt es seit ca. 1000 Jahren; im 17. Jahrhundert benannte man sie in Europa wegen der ähnlichen Form nach dem Granatapfel (von lat. granatus = körnig – bezogen auf die Samen im Inneren).
Beitrag: "Granate"
Einflussreiche Strippenzieher, die im Hintergrund agieren, versieht die Presse gern mit dem Etikett: "Graue Eminenz". Der Begriff geht zurück auf einen Berater Kardinal Richelieus: Der Kapuzinermönch Père Joseph war selbst kein Kardinal, aber mindestens genauso einflussreich, weshalb man ihn, auf sein Habit aus ungefärbtem Stoff anspielend, "éminence grise" nannte.
Beitrag: "Graue Eminenz"
H
Hört man das Wort Hängematte, so vermutet man dahinter eigentlich keine besondere Sprachgeschichte: Es ist eben eine Matte die zwischen zwei Bäumen hängt – fertig. So dachten wohl auch die ersten Deutschen, die das Netz betrachteten, dass die Spanier aus der neuen Welt mitgebracht hatten und das sie hamaca nannten. Aus dem Wort hamaca machte der deutsche Volksmund also Hängematte. Der erste Europäer, der ein solches hängendes Bett beschrieb, war Christoph Columbus. In den Häusern der Taínos auf den Großen Antillen hatten seine Männer sie entdeckt. Um sich vor Schlangen und beißenden Ameisen zu schützen waren die Taínos auf die Ideen gekommen, in ihren Netzen zu schlafen. Denn das bedeutet Hamaca in ihrer Sprache: Fischnetz.
Beitrag: "Hängematte"
Passend zur EM klären wir die Herkunft eines Begriffs, mit dem genannt zu werden der Traum jedes Stürmers ist: Hattrick. Doch der Begriff hat seine Herkunft nicht etwa im Fußball, sondern in einer ganz anderen urbritischen Sportart. Das Wortgeflecht steigt tief in die Geschicht des Cricket ein.
Beitrag: "Hattrick"
Bereits seit dem 11. Jahrhundert sind "Hinz und Kunz" als ein Synonym für jedermann zu finden, zunächst noch ohne Wertung – die abwertende Bedeutung kommt erst im 13. Jahrhundert. Hinz ist eine Kurzform für Heinrich und Kunz für Konrad, zwei der beliebtesten Namen im Hochmittealter, da eine Reihe deutscher Herrscher diese Namen trugen.
Beitrag: "Hinz und Kunz, Krethi und Plethi"
Wenn eine Sache ganz doll drängt, dann ist es "höchste Eisenbahn". Ein Wunder, dass sich dieser Spruch noch hält, assoziiert man inzwischen mit Eisenbahn vor allem Ärger über Verspätungen. Der Spruch entstammt einem fast vergessenen Theaterstück des Berliner Dramatikers Adolf Graßbrenners. Der schrieb 1847 ein Stück mit dem Titel "Ein Heiratsantrag in der Niederwallstrasse". Darin vertauscht der zerstreute Briefträger Bornike oft Satzteile. An einer Stelle im Stück will der aufgeregte Bornike eigentlich sagen: "Es ist die allerhöchste Zeit, die Eisenbahn ist schon vor drei Stunden anjekommen." aber seinen Mund verlässt der vertauschte Satz: "Es ist die allerhöchste Eisenbahn, die Zeit ist schon vor drei Stunden anjekommen."
Beitrag: "Höchste Eisenbahn"
Die Beleidgung Honk ist nicht - wie oft behauptet wird - die Abkürzung für Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse, sondern eine Eindeutschung des rassistischen Ausdrucks Honky für weiße Amerikaner. Dieser Begriff ist abgeleitet von Bohunks, ein Name, den man um 1900 Einwanderern aus Südosteuropa (Bohemia + Hungary = BoHunks) gab.
Beitrag: "Honk"
K
Das Wort "Canibales" stammt aus dem Logbuch des Christoph Columbus. Caniba war die Eigenbezeichnung eines Volkes auf den großen Antillen, das bei seinen Nachbarn als Menschen fressend gefürchtet war. Columbus übernahm dieses Wort als Synonym für Menschenfresser, obwohl es in der Sprache der Insulaner lediglich "tapfer" bedeutete.
Beitrag: "Kannibalen"
Zsa Zsa Garbor hat angeblich keinen ihrer Männer so sehr gehasst, dass sie von ihm seine Diamantgeschenke zurückgegeben hätte. Als Zeichen des Reichtums und der Liebe sind die glitzernden Kristalle immer noch unschlagbar; wie ihr Name schon sagt – denn der bedeutet "unbezwingbar". Das Gewicht der Diamanten wird traditionell in Karat angegeben, ein Wort das sich von den Samen des Johannisbrotbaumes ableitet. Die gebogenen braunen Hülsen in denen die Samen stecken, sehen aus wie Hörner und hießen daher schon bei den Griechen "kerátion" und später im Arabischen "qirat". Früher wog man kostbare Steine mit den Kernen aus den kleinen "Hörnern" ab, denn jeder von ihnen wog ungefähr 0,2g (= ein Karat).
Beitrag: "Karat"
Alles, was uns beeindruckend groß vorkommt, kann man als "Kaventsmann" bezeichnen. In der Seefahrt werden so die Monsterwellen genannt, bis zu 30 Meter hoch. Von denen wurde lange angenommen, sie seien lediglich ersponnenes Seemannsgarn.
Erst in jüngster Vergangenheit belegten Satellitenaufnahmen die tatsächliche Existenz dieses Phänomens, das mit seinen enormen Kräften für einige Schiffsunglücke verantwortlich ist. Der Name Kaventsmann für diese riesigen Wellen hat wahrscheinlich mit dem weit verbreiteten Bild zu tun, das man sich von im Konvent lebenden Männern macht. Diesen wurde oft nachgesagt, es sich im Kloster gut gehen zu lassen; die Kunst stellt sie daher oft mit dickem Bauch und einem Weinglas in der Hand dar. So wurde aus dem Konventmann ein Kaventsmann, der zunächst eine riesige Welle und später alles bezeichnete, was beeindruckend groß ist.
Beitrag: "Kaventsmann"
Im Periodensystem der Elemente tummelt sich eine illustre Reihe von Bezeichnungen. Einige tragen Personen- oder Ortsnamen wie Einsteinium und Darmstadtium, andere bedienen sich in der griechischen Sagenwelt wie Titan oder Tantal. Wolfram, Nickel und Kobalt sind Schmähbegriffe, die Bergleute den in ihren Augen störenden oder schädlichen Erzen gaben. Kobalt wurde oft mit Silber verwechselt – es war aber sehr viel schwieriger zu verarbeiten und stank, wenn man es erhitzte. Die Bergleute erzählten sich, Kobolde hätten das kostbare Silber aufgefressen und das verbleibende Erz seien die Exkremente der Kobolde.
Beitrag: "Kobalt, Wolfram & Co."
"Kumpel" ist eine Abwandlung des Wortes Kumpane und bezeichnet ursprünglich jenen mit dem ich mein Brot teile (cum=mit, pane=Brot). Heute wird der Begriff "Kollege" fast synonym gebraucht, auch wenn er "Amtsgenosse" bedeutet und lange nur in Hochschulkreisen verwendet wurde.
Beitrag "Kollege, Kumpel, Kamerad"
Ludwig XIV. soll beim Anblick kroatischer Reitertruppen von der Art begeistert gewesen sein, in der sie ihre Halstücher trugen. In der Folge nannte die Art, ein Halstuch vorn am Hals zu knoten und die Enden über der Brust herunterhängen zu lassen a la croate – und die Tücher selbst nannte man crawat, entlehnt vom österreichischen Ausdruck Krawat für Kroate.
Beitrag: "Krawatte"
L
In Emails, Chats und SMS sind Abkürzungen sehr beliebt. Nicht nur HDGDL "Hab Dich ganz doll lieb" und CU "See you" – "Bis dann!" ist dort zu lesen, sondern auch ROFL oder LOL. Diese beiden Abkürzungen kommentieren etwas als extrem lustig Empfundenes und sind die fast wie eine Regieanweisung formulierten Sätze "Laughing out loud", also etwa "Lache lauthals" und "Rolling on floor, laughing", also zu Deutsch vielleicht: "kringele mich vor Lachen auf dem Boden." Bemerkenswert: LOL hat es aufgrunde seiner häufigen Verwendung inzwischen sogar schon von der reinen Schriftsprache auch in die gesprochene Sprache geschafft
Beitrag: "LOL"
M
Nicht nur die Hexen schwingen in der Nacht zum ersten Mai das Tanzbein. Überall in Deutschland wird gefeiert und getanzt – besonders in der Dortmunder Westfalenhalle, wo jedes Jahr Deutschlands größer Indoor-Rave, die MAYDAY stattfindet. Der Name leitet sich vom internationalen Funknotruf "Mayday" ab, denn die erste MAYDAY gab es gar nicht an einem ersten Mai. Mit der eigentlich einmalig geplanten Veranstaltung sollte ein Radiosender gerettet werden, aber der große Erfolg lies den Rave in Serie gehen – an jedem ersten Mai. Der Name war nun doppelt passend. Mayday im Funkverkehr ist übrigens nichts anderes, als die englische Verballhornung des französischen "venez m’aider" – Mayday.
Beitrag: "Mayday"
Das Wort Ketchup stammt aus China oder Südostasien. Dort verstand man unter "ketsiap" eine Sauce aus Bohnen oder Fisch - die Tomaten kamen erst in Europa dazu. Einer Legende zufolge ist die Mayonnaise nach einem Sieg französischer Truppen bei der Stadt Mahon auf Menorca erfunden worden und trägt daher den Namen der Stadt.
Beitrag: "Mayo und Ketchup"
"Mein lieber Scholli" ist entweder eine Eindeutschung des Spruches "Ma chère jolie" (Meine liebe Schöne), mit dem napoleonische Soldaten während der Befreiungskriege Hamburger Mädchen ansprachen. Oder der Ausspruch bezieht sich auf den Volksdichter Ferdinand Joly, genannt "Scholli", der Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt war für sein wildes Vagabundenleben in Bayern und Österreich.
Beitrag: "Mein lieber Scholli"
Der September hat seinen Namen vom lateinischen Wort für sieben: septem. Auch die Namen der folgenden Monate scheinen um 2 Monate verschoben zu sein: Oktober, der achte obwohl doch der zehnte Monat im Jahr, November, der neunte und Dezember der zehnte. Bevor sich Julius Caesar an seine julianische Kalenderreform machte galt der März als erster Monat des Jahres.
Beitrag: "Monatsnamen"
N
Der Notnagel gehörte bis in die 60er Jahre zur Ausrüstung jedes Feuerwehrmanns. Dieser Metallstift hatte am Ende eine Öse, durch die man ein Seil führen konnte. Befand sich ein Feuerwehrmann in einem der oberen Stockwerke eines brennenden Hauses und war ihm der Weg nach draußen durch die Flammen abgeschnitten, so konnte er den Notnagel z.B. an einem Fensterrahmen befestigen und sich mit ihm außen am Haus abseilen.
Beitrag: "Notnagel"
O
Es ist ein kleines Wort, das jeden Tag überall auf der Welt in aller Munde ist – es kommt im Spanischen, Chinesischen und Arabischen vor und war das erste Wort, dass auf dem Mond gesprochen wurde: "Ok".
Zur Herkunft dieses unglaublich kurzen Wortes gibt es eine unglaubliche lange Liste von Erklärungen. Steckt ein indianisches Wort dahinter oder ein afrikanisches? Wahrscheinlich ist o.k. eine eher am Lautbild als an der Rechtschreibung orientierte Abkürzung von all correct – alles in Ordnung. All correct würde man im englischen ja eigentlich als a.c. abkürzen, aber ...
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Das personifizierte Durchschnittsmaß aller deutschen Dinge ist Otto Normalverbraucher. Der Name geht zurück auf einen der ersten nach dem zweiten Weltkrieg produzierten Film, die melancholische Satire "Berliner Ballade". Der Kabarettist Günther Naumann schrieb das Drehbuch, wodurch sich der sprechende Namen der Hauptfigur erklärt. Und Gerd Fröbe, im Vergleich zu seinem später bekannten, wohlgenährten Erscheinungsbild, spielt den dürren Kriegsheimkehrer Otto Normalverbraucher. Die Bezeichnung „Normalverbraucher“ findet sich zum ersten Mal auf Lebensmittelmarken von 1939, mit denen die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Verbrauchergruppen von "Kinder" über "Normalverbraucher" bis hin zu "Schwerarbeiter" eingeteilt wurden.
Beitrag: "Otto Normalverbraucher"
P
Jeder kennt so seine Pappenheimer – das sind eben jene Spezialisten, die immer ordentlich Chaos stiften, zuverlässig unzuverlässig sind oder leicht Schwierigkeiten bereiten. Die Bewohner der Stadt Pappenheim in Mittelfranken sind aber, soweit bekannt, nicht problematischer als andere Bundesbürger auch. Der Ausspruch geht zurück auf einen Abkömmling des Grafengeschlechts des Ortes.
Gottfried Heinrich zu Pappenheim war ein General Wallensteins und befehligte ein Regiment Kürassiere, also gepanzerter Reiter. Ihre Treue und Tapferkeit war sprichwörtlich. Im 18. Jahrhundert verewigte Schiller sie dann in seinem Drama "Wallensteins Tod": als Gerüchte aufkommen, Wallenstein sei ein Verräter, gehen die treuen Männer Pappenheims zuerst zum Beschuldigten selbst, um ihn zu fragen, anstatt auf Gerüchte zu hören. Im Drama spricht Wallenstein daraufhin: "Daran [an ihrer Treue] erkenn ich meine Pappenheimer!". Heute ist der Spruch nur noch ironisch gemeint - die Pappenheimer von heute sind für ihre Unzulänglichkeiten bekannt.
Beitrag: "Pappenheimer"
In schlagenden Studentenverbindungen wird gefochten. Die mitunter langwierigen Fechtübungen nennt man Pauken, vom Mittehochdeutschen puken für schlagen. Die Studenten übertrugen diesen Begriff auf mühevolles Lernen ganz allgemein. Das schnappten Schüler auf und so wurde auch der Lehrer zum Pauker.
Beitrag: "Pauker"
Kaum hat man sich nun gerade dran gewöhnt, dass "geil" in den letzten Jahrzehnten eine schleichende Bedeutungsverschiebung mitgemacht hat, da begegnet einem plötzlich das Wort fett in immer ungewöhnlicheren Zusammenhängen. Fette Musik, fette Party, fettes Brot. Tiemann macht einen Ausflug ins Kühlregal und in die Hip-Hop-Szene - beides extrem cool.
Beitrag: "phat"
Als Marco Polo das weiße chinesische Geschirr zum ersten Mal in Italien vorstellte, war man so fasziniert von seinem Glanz, dass man annahm, es sei aus den zerstoßenen, schimmernden Gehäusen der Kaurischnecken gemacht. Da diese Gehäuse durch ihren länglichen Schlitz an ein weibliches Fortpflanzungsorgan erinnern, nannte man sie in Italien auch porcellano - kleines Schweinchen - und diesen Namen gab man dann auch dem kostbaren Geschirr aus China.
Beitrag: "Porzellan"
R
"Rubbel die Katz" geht zurück auf einen Vorläufer der Geldbörse, die sogenannte Geldkatze. Dieser Schlauch aus Leder oder Leinen wurde wie ein Gürtel um die Hüften geschnallt. Rubbelte ein Käufer an seiner Geldkatze, so zählte er die darin befindlichen Münzen und zeigte so, dass ein Kauf rasch folgen würde.
Beitrag: "Rubbel die Katz"
S
Eines der vielen unschönen Worte, die man dem schönen Geschlecht um die Ohren hauen kann ist Schickse. Hat das etwas damit zu tun, dass sie ihre (über)schicken Klamotten so gern spazieren trägt oder dass man früher das Dienstmädchen so nannte, dass man zu Botendiensten schickte? Weder noch – der Begriff hat seinen Ursprung im Jiddischen. Ein Schegez ist ein Nicht-Jude und sein weibliches Pendent ist die Schikse – und für die orthodoxe jüdische Mutter eine arge Sorge, wenn ihre Kinder planen solche zu heiraten – die Bedeutung ist heute eine andere – aber die negative Konnotation ist geblieben.
Beitrag: "Schickse"
Um im frühen 19. Jahrhundert einer großen Armut beizukommen, wurden sogenannte Armengärten gegründet, Parzellen aus dem städtischen Besitz, die preiswert an Bedürftige verpachtet wurden. Der erste Schrebergarten war ursprünglich Spielwiese für Kinder, erst später wurde der Begriff auch zum Synonym für die Armengärten. Benannt wurde die Spielwiese nach dem Leipziger Pädagogen Moritz Schreiber.
Beitrag: "Schrebergarten"
Wenn viele elektronisch vorgebrachte Beschimpfungen eine Homepage oder ein E-Mail-Postfach zum Überlaufen bringen, so nennt man das einen shitstorm. Das Wort wurde zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt. Was vielleicht zunächst als angebrachte Kritik begann schaukelt sich bald zu einem großen Beleidigungsturm auf, in dem es bald vielmehr um das geht was wer über wen gesagt hat, als um die Sache selbst.
Beitrag: "shitstorm"
Jeder, der per E-Mail kommuniziert, hat leider auch mit sogenannter Spam-Mail zu tun – ungewollten Massenmails mit Werbung. Sie verstopfen Postfächer, legen manchen Server lahm oder transportieren in ganz schlimmen Fällen im Anhang sogar Viren.
Spam ist eine Abkürzung, allerdings eine überraschende: das Wort setzt sich zusammen aus "SPiced hAM", also gewürztem Schinken. Unter dem Namen Spam vertrieb eine amerikanische Firma seit den 30er Jahren Frühstücksfleisch in Dosen. In Großbritannien wurden in den harten Jahren nach dem 2. Weltkrieg besonders viele dieser Dosen eingeführt. Die schiere Masse des Produkts brachte ihm einen eher zweifelhaften Ruhm ein.
1970 setzt die Komikergruppe Monty Python dieser Unbeliebtheit ein filmisches Denkmal – in einem Frühstücksimbiss gibt es kein Gericht ohne Spam, Spam, Spam, Spam. Das Wort wird im Sketch ganze 132 mal erwähnt.
Als in den 90er Jahren die ersten Chats aufkamen, fluteten Witzbolde, die die Kommunikation im Chat stören wollten, den Bildschirm mit sinnlosen Wiederholungen, unter anderem mit "Spam, Spam, Spam, Spam". Der Begriff übertrug sich dann auf die ungewollten Werbemails.
Beitrag: "Spam"
Die meisten Synonyme finden sich immer dort, wo Tabus herrschen – man spricht eben nicht allzu offen über Themen wie zum Beispiel Tod oder Sexualität. Trunkenheit gehört auch zu diesen Themenfeldern. Hat jemand "zu tief ins Glas geschaut", so ist er "blau" und mitunter "voll wie eine Strandhaubitze". Eine Haubitze ist ein Artilleriegeschütz mit kurzem Rohr, das zwar nicht so schnell wie eine Kanone, dafür aber in einem Bogen über die eigenen Truppen hinweg ins Lager des Feindes schießen kann. Der Name kommt vom tschechischen Wort "houfnice", wobei die erste Silbe "houf" mit unserem Wort "Haufen" verwandt ist. Wieso manche Betrunkenen voll sind wie "Strandhaubitzen", darüber gibt es keine gesicherte Erkenntnis. Denkbar ist, dass in hohem Winkel aufgerichtete Geschützrohre einerseits schnell mit Regen vollliefen und dass der Soldat, der vergaß die Mündungsklappe zu schließen, so disziplinlos war wie derjenige, der mehr trank als gut für ihn war.
Beitrag: "Strandhaubitze"
Woher stammt der Begriff "Strohwitwer" oder auch "Strohwitwe"? Vom kurzfristig verwaisten gemeinsamen Bett, das in alten Zeiten aus Stroh war und auch so hieß, meint ein Teil der Sprachforscher. Andere glauben an eine Übertragung von der Strohbraut, der nicht mehr jungfräulichen Braut, deren Kranz aus Stroh geflochten wurde.
Beitrag: "Strohwitwer"
Wer den Swag hat, der ist laut Jugendsprache stilecht gekleidet. Gemeint sind damit vor allem die weiten, tiefsitzenden Hosen mit passendem, übergroßen T-Shirt und Basecap. Swaggering bedeutet eigentlich stolzieren und ein Swag ist ein gerolltes Bündel, in dem Wanderarbeiter ihre Habseligkeiten transportierten.
Beitrag: "Swag"
T
Beim Wortgeflecht wird pünktlich zum Jahresbeginn aufgeräumt mit einigen "liegengebliebenen" Fragen unserer Hörerinnen und Hörer. Wir machen Tabula rasa.
Die Redewendung "Tabula rasa machen" bedeutet "bei Null anfangen", einen Neuanfang machen. Sie geht zurück auf die mit Wachs bezogenen Schreibtafeln der Antike, die Tabulas. Der Stilus, mit dem man etwas auf ihnen einritzte, besaß meist am Ende eine Verbreiterung, mit der sich das Wachs wieder glattziehen lies. So bekam man wieder eine abgeschabte Tafel, eine tabula rasa.
Beitrag: "Tabula Rasa"
Der Begriff Tollpatsch kommt vom ungarischen Wort "talp" für "Sohle". Im 17. Jahrhundert trugen die ungarischen Fußsoldaten keine Schuhe, sondern lediglich breite Sohlen, die mit Schnüren an ihren Füßen befestigt waren. Diese Sohlen brachten ihnen den Namen "talpas" breitfüßig ein, der ins Französische als "talpache" und ins Deutsche als "Tolpatsch" einging. Die sprichwörtliche Ungeschicktheit der ungarischen Fußtruppen hat sich bis heute bewahrt, auch wenn die Soldaten aus der Puszta in Vergessenheit geraten sind.
Beitrag: "Tollpatsch"
U
Wer hat nicht schon einmal – in welcher Hinsicht auch immer – über die Stränge geschlagen? Wann immer jemand sich "zu viel des Guten nimmt", so sagt man, er habe über die Stränge geschlagen. Aber was für Stricke sind gemeint? Das Sprichwort stammt aus dem Kutschbetrieb – die Zugstränge sind jene Seile, welche die Pferde mit dem Wagen verbinden. Tritt ein missgelaunter Zosse aus, schmeißt also die Hinterhufe in die Luft, so kann es passieren, dass ein Zugstrang anschließend zwischen seinen Hinterläufen, statt ordentlich zu seiner linken oder rechten Flanke verläuft. Das Pferd ist über die Stränge geschlagen, was unter Umständen sogar zu einem Kutschunfall führen kann.
Beitrag: "Über die Stränge schlagen"
Geht man über den Jordan, so segnet man das Zeitliche – den Übergang in eine neue, bessere Welt stellt man sich dabei vor wie die biblische Landnahme der Israeliten, die mit dem Überschreiten des Jordans begann. Sind Barmen und Elberfeld auch ein gelobtes Land? Fließt in der Wupper Milch und Honig? Wohl kaum – dennoch ist die Bedeutung des Ausspruchs "über die Wupper gehen" nahezu deckungsgleich. Verantwortlich für die Redewendung "über die Wupper gehen" als Synonym für Sterben oder Verschwinden könnte die Lage des Amtsgerichtes Wuppertal auf einer Insel umströmt von zwei Armen der Wupper sein. Denkbar ist auch, dass die Lage eines ehemaligen Gefängnisses mit Richtplatz hinter dem Spruch steckt. Nach der Verurteilung auf der Gerichtsinsel musste der Delinquent zur Hinrichtung "über die Wupper" gehen. Doch schon im 18. Jahrhundert spielte die Wupper als Grenze eine Rolle: sie trennte das Königreich Preußen vom Herzogtum Berg. Wollten junge Männer dem Militärdienst entgehen, so entkamen sie am besten "über die Wupper".
Beitrag: "Über die Wupper gehen"
V
Kleine kräftige Männer, gedrungene Typen ohne Hals, von plumpem Antlitz und von der Natur mit groben Wurstfingern bedacht nennt man oft "vierschrötig". Der Begriff geht nicht auf die eine grobe Körnung von Getreideschrot oder die mangelnde Treffgenauigkeit von Flintenschrot zurück – das dem Wort Schrot zugrundeliegende scrot konnte Schnitt, Kante oder Ecke bedeuten. Vierschrötig bedeutet viereckig und gemeint ist, dass die bezeichneten Herren kantig aussehen.
Beitrag: "vierschrötig"
Christoph Tiemann war reichlich geschockt, als sein 15-jähriger Neffe sich über einen Film begeistert mit der Bewertung "voll porno" äußerte. Doch das ist nur wieder einer dieser Fälle, wo Jugendliche anderes meinen, wenn sie ähnliches sagen wie ihre Vorfahren. Es hat nichts mit Pornographie zu tun, wenn sie etwas "voll porno" finden.
Beitrag: "Voll Porno"
"Etwas von der Pike auf lernen" bedeutet, es von Grund auf erlernt zu haben. Die Pike, ein langer Spieß, war über Jahrhunderte die Hauptwaffe der Infanterie; ihre Träger wurden Pikeniere genannt (französisch piquer = stechen). Da man als neu angeworbener Soldat meistens kein Pferd oder keine Schusswaffe einbringen konnte, kam man zuerst in die Infanterie und bekam hier den Spieß in die Hand. Man wurde ein "Spießgeselle", dem der "Spieß" (Unteroffizier) beibrachte, wie das Soldatentum funktionierte. Der Militärdienst wurde also von der Pike auf erlernt.
Beitrag: "Von der Pike auf lernen"
"Von der Rolle sein" kommt aus dem Radrennsport. Beim sogenannten Steherrennen fahren Radrennfahrer im Windschatten eines Motorrades, um hohe Geschwindigkeiten über lange Zeit zu halten. Hinten an dem vorausfahrenden Motorrad ist eine Abstandsrolle angebracht. Verliert der Radfahrer den engen Kontakt zum Motorrad und somit zum so wichtigen Windschatten, so ist er "von der Rolle".
Beitrag: "Von der Rolle"
Der Ausspruch "von Tuten und Blasen keine Ahnung haben" geht zurück auf das Berufsbild der Nachtwächter. In diesem wenig angesehenen und schlecht bezahlten Beruf war man außer mit Laterne und Hellebarde auch mit einem Signalhorn ausgerüstet, mit dem man zur vollen Stunde blies oder auf Gefahren hinwies. Besondere Qualifikationen verlangte der Job nicht, aber Tuten und Blasen sollte man schon beherrschen.
Beitrag: "Von Tuten und Blasen"
W
Wenn es uns plötzlich "wie Schuppen von den Augen fällt", dann reden wir meistens nicht von einem Zustand, den wir schleunigst bekämpfen, indem wir Schuppenshampoo in die Augen reiben, sondern von einer plötzlichen Erkenntnis. Der seltsame Ausspruch ist wörtlich aus der Apostelgeschichte übernommen. Nach dem so genannten Damaskuserlebnis des Saulus-Paulus erblindet der Christenverfolger zunächst, dann wird ihm sein Augenlicht wiedergegeben und er erkennt die Fehler seines bisherigen Lebens. Paulus fällt es "wie Schuppen von den Augen" und er kann wieder sehen.
Beitrag: "Wie Schuppen von den Augen"
Springt jemand plötzlich von seinem Sitz auf oder setzt sich unvorhergesehen in Bewegung, sieht es für Außenstehende so aus, als wäre dieser "wie von der Tarantel gestochen". Christoph Tiemann folgt der Spur dieses Ausspruchs über Wolfsspinnen bis zum apulischen Volkstanz.
Beitrag: "Wie von der Tarantel gestochen"
Das älteste Wort für ein Nachschlagewerk ist Lexikon. Schon die alten Griechen nannten genau so ihre Wörterbücher, denn lexis bedeutet Wort. Später kam, ebenfalls in Griechenland, die Bezeichnung Enzyklopädie hinzu, was in etwa "umfassendes Wissen" bedeutet. Tiemann klärt auf, was Wikipedia mit einem hawainischen Schnellbus verbindet.
Beitrag: "Wikipedia vs. Lexikon"
Schon die alten Ägypter teilten einen Monat in vier Mondzyklen zu je sieben Tagen ein. Die Babylonier benannten diese sieben Tage nach den sieben Göttern, die sie am Himmel mit bloßem Augen sehen konnten: Sonne und Mond sowie die Planeten die wir heute Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn nennen.
Der griechische Astronom Vettius Valens übernahm diese Idee 150 nach Christus und gab den Tagen die Namen griechischer Gottheiten bzw. die Namen der römischen Entsprechungen. Die Germanen übernahmen die Tage der Woche von den Römern und setzten sie teilweise mit ihrer Götterwelt gleich.
Der dem Sol geweihte erste Tag wurde Sonnentag, Lunas zweiter Tag der Mondtag. Der Gott Tyr war dem römischen Ares gleich, so wurde daraus der Dienstag. Mittwoch lang in der Mitte der Woche wenn man mit Sonntag begann, Gott Jupiter mit seinen Blitzen sah den Germanen doch stark nach ihrem Donar aus, daher der Name Donnerstag und Venus, die dem sechsten Tag den Namen gab, war so schön wie die Göttin Freya. Der Gott Saturn, für den die Germanen keine Entsprechung fanden, überlebt nur im englischen Saturday; im Deutschen setzte sich der jüdische Sabbat als Namensgeber für den Samstag durch.
Beitrag: "Wochentage"
Z
Den Gegenstand eines Streits bezeichnet man oft als "Zankapfel". Das Wort "Apfel" kommt von der antiken Stadt Abella, die für den Apfelanbau bekannt war; das Wort zanken ist eigentlich ein altes Wort für "zerreißen" und meint den Kampf von Hunden um - zum Beispiel - ein Stück Fleisch. Was die Bezeichnung Zankapfel mit den alten Griechen verbindet, klärt Christoph Tiemann auf.
Beitrag: "Zankapfel"
Schon im 16. Jahrhundert erzählte man sich die Geschichte eines Bauernsohnes, der nach dem Studium zurück an den Hof des Vaters kommt und dort behaupte, er kenne die Namen der bäuerlichen Geräte schon gar nicht mehr, so sehr sei er nun schon ein Städter geworden. Erst als er auf die Zacken einer Harke tritt, schlägt sie ihm ins Gesicht und er schreit auf: "Ach, du verfluchte Harke!"
Beitrag: "Zeigen was eine Harke ist"
Playlist Musik
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13:15
Aphex Twin"Avril 14 th"
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12:58
Tape Five"Fabulous Swing Kid"
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12:39
Los Cuatro De La Sala"Tango por cuatro"
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12:25
Victor Davies"Brother"
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12:16
Mélanie Pain"Celle de mes 20 ans"




