Im Plattenschrank mit Sascha Ziehn
Aus dem Leben direkt auf die Ohren immer mittwochs in der LebensArt
Der Soundtrack zu Ihrem Leben
Im Plattenschrank mit Sascha Ziehn
Es gibt diese Songs, die mit ganz bestimmten Erinnerungen untrennbar verbunden sind: Das Lied, das damals in der Disko beim ersten Kuss lief, die erste Kassette, die man nach bestandener Führerscheinprüfung ins Autoradio geschoben hat, der Soundtrack zum ersten Liebeskummer oder der Hit im Urlaub nach der erfolgreichen Abi-Prüfung.
Die WDR 5 LebensArt sucht genau diese Lieder: Ihre "Lebenslieder". Sascha Ziehn kriecht dann in seinen begehbaren Plattenschrank, sucht diese Lieder heraus und stellt die Geschichten vor.
A
Man nennt ihn zärtlich den "Balladenkönig". Der kanadische Sänger Bryan Adams ist mit Songs wie "Straight From The Heart", "Heaven" oder "(Everything I Do) I Do It For You" in den 80er und 90er Jahren zum einem der erfolgreichsten Musiker der Welt geworden. Mittlerweile hat sich Adams auch als Fotograf einen Namen gemacht: Er hat unter anderem ein Portraitfoto von Queen Elisabeth II. geknipst, das es in seinem Heimatland Kanada sogar zu Briefmarke gebracht hat.
Sarah aus Bochum verbindet mit Bryan Adams vor allem eines: Den Song "Summer Of 69" und ihre Schulzeit inklusive Abiball. Die musikalische Hommage an den Hippiesommer hat Sarah durch ihre gesamte Schulzeit begleitet – und nach verhauenen Klausuren auch schon mal Trost gespendet…
Ende der 80er Jahre begann die Revolution: Acid House, Techno, House und Dance Music stellten die Musikwelt auf den Kopf. Plötzlich war es zum einen möglich, mit Computern Musik zu machen – jeder, der einen entsprechenden PC hatte, konnte plötzlich Komponist und Musiker werden. Zum anderen wurde das "Feiern" neu erfunden. Statt wie bisher einen Abend pro Woche gepflegt in die Disko zu gehen, gab es plötzlich 48-Stunden-Raves, die Freitag abends begannen und sich irgendwann am Sonntag langsam wieder auflösten.
Aus dieser aufregenden Zeit der Neuerfindung von Tanzmusik und Ausgehkultur stammt der Song "Show Me Love", im Original von Robin S. In der vor zwei Jahren von Steve Angello & Laidback Luke veröffentlichten Version ist "Show Me Love" das Lebenslied von Priscilla aus Köln. Sie hat den Song zusammen mit ihrer Freundin oft gehört, wenn sie sich für die Partynacht zurechtgemacht haben – um schon mal in Stimmung zu kommen...
B
Den Wehrdienst zu verweigern – das war Ende der 1970er Jahre noch eine ziemlich komplizierte Sache. Man musste nämlich begründen, warum man sich moralisch nicht dazu in der Lage sah, den "Dienst an der Waffe" zu leisten. Die absurden Fragerunden, die es in solchen "Moralprüfungen" gab, nehmen Bap in ihrem Lied "Stell Dir vüür" sehr geistreich und witzig aufs Korn.
Und genau dieser Song war auch eine Art Initialzündung für Michael aus Köln: Denn dieses Lied hat ihn darin bestärkt, den Wehrdienst zu verweigern und statt dessen lieber Zivildienst in einem Krankenhaus zu leisten. Aus dem Wehrdienstverweigerer und Zivildienstleistenden ist mittlerweile ein Arzt geworden – und wer weiß, vielleicht wäre das alles ganz anders gekommen, ohne "Stell Dir vüür" von BAP …
Es war das große Comeback der Bee Gees - in engen weißen Spandexanzügen und mit flottem Disco-Sound: Der Soundtrack zu dem Tanzfilm "Saturday Night Fever". Nachdem die Bee Gees in den 1960er Jahren als Konkurrenten der Beatles galten und sich Ende des Jahrzehnts schließlich für ein paar Jahre trennten, dümpelte die Karriere der Band nach ihrer Wiedervereinigung erst mal so ein bisschen vor sich hin – denn ihr neuer Disco-Sound fand nicht so wirklich viele Freunde. Bis eben „Saturday Night Fever“ 1977 in die Kinos kam – mit John Travolta in der Hauptrolle und der Musik von den Bee Gees. Der Soundtrack war so erfolgreich, dass er eine Zeit lang die meistverkaufte Platte der Musikgeschichte war.
Auch Claudia aus Schleiden hatte sich die Platte gekauft – in Chicago, wo sie 1977 für 6 Monate zum Schüleraustausch war. Und ihr USA-Import hat für viel Freude im Freundeskreis gesorgt: Die Platte wurde nach ihrer Rückkehr überall hin mitgenommen – bis sie dann während einer Jugendfreizeit dummerweise auf der Hutablage in einem Auto liegen blieb, das in der prallen Sonne stand. Und da sich Vinyl und Hitze nicht allzu gut vertragen, ist die Platte leider dahin geschmolzen…
"Supergroup" – dieses Wort klingt im Jahr 2011 schon irgendwie oll, nach 70er Jahre Mief und verstärktem Rumgefrickel von gut ausgebildeten Musikern. Sogenannte Supergruppen sind Bands, die sich zusammen setzten aus Musikern, die vorher in anderen Bands oder als Solokünstler schon erfolgreich waren. Bekanntestes Beispiel für eine solche Supergruppe sind sicherlich die Traveling Wilburys, bei denen unter anderem George Harrison, Bob Dylan, Tom Petty und Roy Orbison mitgemacht haben.
Von einer solchen Supergroup kommt auch das Lebenslied von Joachim aus Münster: Bei Blind Faith waren unter anderem Eric Clapton und Steve Winwood dabei. Die Band hat es allerdings gerade mal auf ein Album gebracht, dann war schon wieder Feierabend. Bei dem Song "Had to Cry Today" denkt Joachim gerne zurück an ein Konzert von Eric Clapton und Steve Winwood in Düsseldorf – da eröffnete dieser Song das Konzert.
Blind Guardian - "Nightfall"
Es gibt Bands, die Millionen von Platten verkaufen, die aber trotzdem immer so ein bisschen in ihrer musikalischen Nische bleiben und jenseits dieser Nische kaum bekannt sind. Blind Guardian ist so eine Band und ihre Nische ist der Metal. Sie haben mit Speed Metal angefangen, sind dann aber immer "progressiver" geworden, haben Chöre und Experimente mit klassischer Musik in ihre Musik mit eingebaut. Die Band aus Krefeld und Meerbusch gibt es seit fast 30 Jahren, sie waren überall in der Welt unterwegs – und ihr letztes Album hat sich so gut verkauft, dass es auf Platz 2 in den deutschen Albumcharts gelandet ist.
Für David aus Aachen war die Begegnung mit Blind Guardian der erste Kontakt mit der Metal-Szene. Er war damals noch in der Schule und hatte vorher noch nie Metal gehört. Aber die schnell entfachte Liebe zu Blind Guardian hat ihn seit der Schulzeit nicht mehr losgelassen – deshalb ist ihr Song "Nightfall" sein Lebenslied.
Ein junger Mann, der in einer US-amerikanischen Rüstungsfirma arbeitet, gibt Geheimdienstinformationen an den KGB weiter. Davon handelt der Film "Der Falke und der Schneemann" von 1985. Den Titelsong zu dem Film haben David Bowie und die Pat Metheny Group geschrieben: "This Is Not America", ebenfalls 1985 erschienen, war weltweit ein großer Hit.
Helmut aus Lübbecke verbindet mit diesem Lied eine Zeit, in der er kurz in den USA gelebt hat. Die USA waren für ihn ein Traumland – als er jedoch dort war, hat er gesehen, dass der amerikanische Traum längst bröckelt: Verarmte Wohnviertel und Menschen, die nicht aufrichtig waren. An diese Zeit erinnert Helmut noch heute dieser Song mit dem sprechenden Titel "This Is Not America".
C
"Unterbewertetste Band aus Manchester" – diesen nur wenig schmeichelhaften Beinamen trägt die Band The Chameleons. Die haben zwischen 1983 und 1986 drei hervorragende Alben veröffentlicht, die kommerziell leider nicht wirklich erfolgreich waren. Aber: Die Chameleons haben nicht ganz kleine Spuren in der Musikgeschichte hinterlassen. Viele aktuell erfolgreiche Bands beziehen sich auf den atmosphärischen, melancholischen Sound der Chameleons, zum Beispiel Interpol oder die Editors.
Für Stephan aus Wuppertal war das Hören des ersten Chameleons-Albums "Script Of The Bridge" gar ein musikalisches Erweckungserlebnis. Er hat den Song "Don't Fall" damals im WDR gehört, sich am Tag darauf das Album besorgt – und diese eigentümliche und wunderschöne Musik der Chameleons hat ihn bis heute nicht wieder losgelassen.
Am 11. Juni 1988 saßen auf der ganzen Welt etwa 600 Millionen Menschen vor dem Fernsehen – und haben sich die Übertragung eines Konzerts der Superlative angeschaut. Anlässlich des 70. Geburtstags von Nelson Mandela haben im Londoner Wembley-Stadion Musiker wie Sting, die Bee Gees, George Michael, die Simple Minds oder die Eurythmics Mandela zum Geburtstag gratuliert – und gleichzeitig die Freilassung des Mannes gefordert, der 1988 bereits seit 25 Jahren in Südafrika inhaftiert war. Auch Tracy Chapman ist bei diesem Konzert für Nelson Mandela aufgetreten – und hat ihre erfolgreichen politischen Songs "Fast Car" und "Talking 'Bout A Revolution" gesungen.
Miriam aus Köln war zu dieser Zeit Schülerin – und hat sich aktiv gegen Ungerechtigkeit an ihrer Schule gewehrt. Sie hat sich zur Schülersprecherin wählen lassen, um sich für Mitschüler einzusetzen. Der "Soundtrack" zu Miriams Engagement kam passenderweise von Tracy Chapman – es war das Lied "Talking 'Bout A Revolution".
Mitte der 70er Jahre: In den Discotheken der Welt riecht es nach verschwitzten Polyesterhemden. Disco heißt die Musik, die die Tanzflächen zum Kochen bringt, mit Hits wie "Kung Fu Fighting", "Lady Marmelade", "Never Can Say Goodbye" oder "I Love To Love". Und mit eben diesem "I Love To Love" hatte die Engländerin Tina Charles 1976 ihren größten Hit.
Thomas aus Stuttgart, mittlerweile aber in Köln zuhause, hat 1986 auf einer Klassenfahrt nach Prag in einer Ostblock-Diskothek ein Mädchen kennengelernt, das ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Und weil in dieser Diskothek dauernd "I Love To Love" lief, denkt er, sobald er diesen Song heute hört, reflexartig sofort wieder an dieses Mädchen – das er seitdem übrigens nie wieder gesehen hat…
An diesem Lied kommt man nicht vorbei, wenn es um italienische Musik geht: "Azzurro" ist ein absoluter Klassiker – das erkennt man schon daran, wie oft dieser Song von anderen Künstlern neu interpretiert wurde – und wie gerne er immer mal wieder in Fußballstadien angestimmt wird. Berühmt wurde das Lied von Paolo Conte durch Adriano Celentano, der hat "Azzurro" 1968 zum ersten Mal als Single veröffentlicht - es wurde die meistverkaufte Single des Jahres in Italien.
Für Christiane aus Köln hat das Lied aber noch eine ganz andere Bedeutung: Sie hat bei dem Lied ihren heutigen Mann kennen gelernt. Und immer, wenn die beiden heute "Azzurro" hören, denken sie zurück an die Zeit, in der für sie alles begann...
Wie viele "berühmte blaue Regenjacken" gibt es wohl in der Popgeschichte? Wahrscheinlich nur eine: Nämlich die von Leonard Cohen. Diese Regenjacke spielt in seinem Song "Famous Blue Raincoat" zwar nur eine Nebenrolle, durfte aber trotzdem Pate werden für den Titel des heutigen "Lebensliedes".
Dieser als Lied getarnter Brief über eine Dreiecksbeziehung erinnert Beate aus Köln an eine unglückliche Liebe Anfang der 1980er Jahre. Und hat ihr nachts ganz leise geholfen, über diese unglückliche Liebe hinweg zu kommen. Und auch sonst hat Leonard Cohen Spuren in ihrem Leben hinterlassen – denn sie hört seine Lieder noch immer: Auf dem iPod in der Straßenbahn…
Zwei Männer fahren schweigend in einem schwarzen Ferrari Daytona Spyder durch die Straßen des nächtlichen Miamis. Dazu läuft Musik von Phil Collins. Es ist eine der Szenen aus einer TV-Serie, die Geschichte geschrieben und nachhaltig die Ästhetik von Fernsehserien geprägt hat: 1984 startete "Miami Vice" – und in der Pilotfolge fahren Sonny Crockett und Ricardo Tubbs durch die Nacht, während "In The Air Tonight" von Phil Collins läuft.
"Videoclipästhetik" wurde dieses Stilmittel genannt: Eine Art Musikvideo innerhalb einer Serie, das eine bestimmte Stimmung erzeugen soll. Und "Miami Vice" hat mit dieser Videoclipästhetik die 80er Jahre visuell geprägt.
Sonja aus Neuss allerdings denkt bei "In The Air Tonight" eher ans, ähem, Knutschen. Anfang der 80er Jahre lief dieser Song in vielen Discos – und weil er eben ein bisschen ruhiger losgeht, wurde dazu auch gerne das ein oder andere Mal eng getanzt und geknutscht. Wenn Sonja das Lied heute hört, denkt sie gerne zurück an früher – und kriegt immer noch eine Gänsehaut…
D
Bei ihren Konzerten hüllen sich die Bandmitglieder in Plastikfolie ein, umwickeln sich mit Klebeband und lassen sich auch gerne mal auf einem Sofa sitzend vom Publikum durch die Halle tragen. Konzerte von der Hamburger Band Deichkind sind schon ziemliche Spektakel. Angefangen haben Deichkind mit deutschsprachigen HipHop, im Laufe ihrer Karriere wurden sie aber immer mehr zur krawalligen Elektro-Band.
Der größte Hit von Deichkind mit dem bezeichnenden Titel "Remmi Demmi" ist das Lebenslied von Martin aus Dortmund. Wenn er dieses Lied hört, denkt er an wilde Nächte mit den Kollegen aus der Schulzeit. Und an das Abitur, das er damals trotz viel "Remmi Demmi" bestanden hat.
Sie sind eine der größten Bands der Popgeschichte: Depeche Mode. Aber trotz aller "Superstarigkeit" sind Depeche Mode nie beliebig geworden – was ihnen die Fans danken. Sie sind eine eingeschworene und vor allem treue Gemeinde, es werden regelmäßig "Depeche Mode"-Parties veranstaltet, bei denen ausschließlich Musik der Band gespielt wird und die von vielen Leuten besucht werden. Und wer einmal zu einem richtigen Depeche Mode Fan geworden ist, der kauft auch heute immer noch die Alben und guckt sich die Konzerte an. Solche Fans wünschen sich viele Bands – aber Depeche Mode sind eine der wenigen Gruppen mit einer so treuen Fangemeinde.
Auch Sabine aus Bonn ist Depeche Mode Fan – und als sie auf einer Party einen Mann kennen lernte und ihm anbot, ihn noch nach Hause zu fahren, lief im Auto der Song "Halo" von Depeche Mode. Kurze Zeit später waren die beiden ein Paar...
E
Musik und Trauer – das gehört genau so zusammen wie Musik und Freude. Das tolle Gefühl das man hat, wenn man verliebt ist oder sich auf einen Urlaub freut, kann ein Lied ausdrücken und konservieren. Ein Lied kann aber genau so gut Trost spenden, in schwierigen Lebenssituationen, weil es vielleicht genau diese Lebenssituation beschreibt und einem sagt: Du bist nicht allein in Deiner Trauer.
"I Still Can't Say Goodbye" von Tommy Emmanuel ist genau so ein Lied, das Karin aus Spenge in einer schwierigen Situation begleitet hat. Sie hörte dieses Lied, als Ihr Vater sehr krank war. Und nach dem Tod ihres Vaters war sie bei einem Konzert von Tommy Emmanuel, und ihr Mann hat sich diesen Song für seine Frau von dem Künstler gewünscht – und selbstverständlich hat Tommy Emmanuel dieses Lied dann auch für Karin gespielt...
F
2011 war ein gutes Jahr für die Foo Fighters. Die Band von Ex-Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl hat auf vielen großen Festivals als Headliner gespielt, ihr Album "Wasting Light" war weltweit sehr erfolgreich und die zweite Single aus diesem Album, "Walk", ist auf Platz 1 der amerikanischen Billboard-Rock-Charts eingestiegen – und hat ausgerechnet die erste Single aus dem Foo Fighters-Album vom Thron gestoßen. Eine Band macht sich selbst Konkurrenz…
Für Oliver aus Metelen steht "Walk" für einen beruflichen Neuanfang. Er hat sich aus seinem gelernten Beruf verabschiedet – und in einem anderen Bereich einen Neuanfang gewagt. Und nach dem Vorstellungsgespräch lief auf der Autofahrt nach Hause im Radio ausgerechnet sein Lebenslied – und passte in diesem Moment perfekt zu seiner neuen Situation.
Eigentlich ist er ja Literaturwissenschaftler... Michael Franks hat vergleichende Literaturwissenschaften unter anderem an der UCLA studiert, war da auch als Dozent tätig. Aber irgendwann hat seine Liebe zur Musik dann doch gewonnen: Franks hat seinen Literatur-Dozentenjob an den Nagel gehängt, um selbst Texte und Lieder zu schreiben. Mit dem ganz großen Durchbruch hat es für den Softjazz-Sänger und –Komponisten zwar nicht ganz geklappt, trotzdem hat Franks eine respektable Fangemeinde vor allem in den USA und seine Lieder wurden von vielen anderen Sängern und Sängerinnen interpretiert.
Ein Lied, das Michael Franks selbst gesungen hat, hat es Jasmin aus Köln angetan. Als sie noch zur Schule ging, hatte sie ein gefühlsintensives Techtelmechtel mit einem jungen Musiker. Diese Liaison hielt einige Wochen – dann fiel dem Musiker dummerweise ein, dass er doch noch zu sehr an seiner Ex-Freundin hängt. Zum Abschied hat er Jasmin die Platte geschenkt, die die beiden immer zusammen gehört haben: "The Lady Wants To Know" von Michael Franks.
G
Gib nicht auf, denn Du hast Freunde..." Mit diesen Worten tröstet Kate Bush ihren Duettpartner Peter Gabriel in dem Lied "Don't Give Up". Und in diesem wunderschönen Lied geht es nicht etwa um Herzschmerz – sondern um Arbeitslosigkeit. Denn der Peter-Gabriel-Charakter in dem Lied singt davon, dass er das Gefühl hat, keiner würde ihn mehr brauchen, nachdem er seinen Job verloren hat.
Eine ganz andere Form des "Nicht-Aufgebens" verbindet Jutta aus Bergisch Gladbach mit diesem Song: Sie hat drei ihrer vier Kinder zu Hause zur Welt gebracht. Und immer, wenn die Wehen einsetzten, hat sie sich zurück gezogen und dieses Lied in ihrem "geistigen Ohr" gehört – quasi ein Lied als Geburtshelfer und Mutmacher, dass schon alles gut wird und man bloß nicht aufgeben soll. Deshalb ist "Don't Give Up" von Peter Gabriel und Kate Bush ihr "Lebenslied".
Es gibt diese Lieder, die von unzähligen Interpreten immer und immer wieder gesungen und neu aufgenommen werden. Das "Girl From Ipanema" ist so ein Lied – und auch "A Groovy Kind Of Love" ist ein Song, den es in vielen verschiedenen Versionen gab. Die bekannteste ist sicherlich die von Phil Collins, aber auch Neil Diamond, Petula Clark oder Richard Clayderman haben sich dieses Liedes angenommen.
Eine Version hat es Ulrike aus Köln ganz besonders angetan: Die von dem 60er-Jahre-Kurzzeit-Teenieschwarm David Garrick. Dessen Version von "A Groovy Kind Of Love" war auf Platz 1 der deutschen Charts – und Ulrike hat vor dem Bravo-Starschnitt gesessen, den Papier-Garrick angehimmelt und dieses Lied gesungen. Das Lied singt sie heute immer noch gerne – wenn auch mittlerweile oft eher lautlos und in sich hinein...
Man kennt ihn als "King Of Swing", als "Professor" oder als "Patriarch der Klarinette": Benny Goodman, einer der wichtigsten Jazzmusiker der Musikgeschichte. 1938 hat Goodman ein legendäres Konzert in der New Yorker Carnegie Hall gespielt. Es war das erste Konzert mit "populärer" Musik in diesem weltweit bedeutenden Klassik-Tempel.
Dieses Konzert hat Bernd aus Kleve geprägt. Und vor allem der Titel "Sing Sing Sing" aus dem Konzert in der Carnegie Hall ist für ihn das tollste Stück, das jemals von Goodman und seinem Orchester gespielt wurde.
H
Legendäre Typen im Plattenschrank. Lionel Hampton ist es zu verdanken, dass das Vibraphon ein erstzunehmendes Instrument im Jazz wurde. Der 1908 geborene Musiker hat mit Benny Goodman, Billie Holiday oder Louis Armstrong zusammen gearbeitet – und ein komplettes Jahrhundert musikalisch geprägt.
Zu "Hey! Ba-Ba-Re-Bop" vom Lionel Hampton Orchestra hat der heute in Frechen lebende Hans-Jürgen aus Dessau in der Nachkriegszeit getanzt. Und verbindet mit diesem Lied ganz viel: Das Dessauer Bauhaus mit vernagelten Fenstern als Behelfs-Schulgebäude – und einen Mitschüler, der nicht nur Schallplatten, sondern auch einen Schallplattenspieler hatte…
"How do you call your hairstyle?" - "Arthur!" – diese wunderbare Antwort auf die Frage nach den Frisuren der Beatles kommt von George Harrison, dem vermeintlich "stillen Beatle". Harrison war immer eher introvertiert, hat sich als erster der Beatles für indische Kultur und Hinduismus interessiert – und mit der Sitar auch fernöstliche Instrumente in die Musik der Beatles eingebracht.
Wolfgang aus Binnen denkt bei George Harrison vor allem an ein Lied, das dieser lange Zeit nach dem Ende der Beatles geschrieben und aufgenommen hat: "Love Comes To Everybody" von 1978. Vor allem die Textzeile "It only takes time, till love comes to everybody" hat Wolfgang immer wieder Trost gespendet und Kraft gegeben – wenn er beides brauchte. Und deshalb ist "Love Comes To Everybody" sein Lebenslied.
Während in Deutschland Anfang bis Mitte der 1980er Jahre die Neue Deutsche Welle Geschichten von fehlgeleiteten Astronauten, seenotleidenden Frauen in Tretbooten oder Damen mit Namen Rosemarie oder Erika erzählten, war die Popmusik in England auch nach dem Punk der 1970er Jahre noch recht polititsch: Der Songwriter Billy Bragg wünschte sich ein "neues England", Musiker solidarisierten sich mit den streikenden Kohlearbeitern und veröffentlichten Benefizschallplatten - und die Housemartins aus Hull priesen auf ihrem Debütalbum Karl Marx.
Bei dem Song "Build" von den Housemartins denkt Christof aus Arnsberg allerdings nicht an Manifeste oder Politik – sondern einfach nur an seine Pubertät, durch die ihn dieser Song begleitet hat.
K
In den 1990er Jahren hingen die Poster von - vor allem - den knuddeligen kleinen Jungs in vielen Mädchenzimmern: Angelo und Paddy Kelly waren ein bisschen zottelig und hatten noch süßen Babyspeck im Gesicht. Sie waren die Gesichter der Kelly Family, die Mitte der 90er Jahre in Deutschland enorm erfolgreich war. Aber die Geschichte des musikalischen Familienunternehmens Kelly Family geht zurück bis weit in die 1970er Jahre, in denen sie als reisende Musikanten auf der ganzen Welt unterwegs waren. Das Lied "Alle Kinder brauchen Freunde" ist ein Lied aus der Frühphase der Kelly Family, von 1980.
Gabi aus Köln hatte eine strenge Mutter und keine Geschwister. In der Sommerfrische bei der Oma hat sie eine Kassette von der Kelly Family bekommen, auf der dieses Lied drauf ist - und die dann abends im Bett gehört und zu der Musik vom Glück geträumt.
Er zählt zu den besten und innovativsten Gitarristen der Welt: Der Brite Robert Fripp, der 1969 die Band King Crimson gründete. King Crimson – quasi der Prototyp der Progressive Rock Band – ist eine Band der vielen Wandlungen: Die Besetzung hat, mit Ausnahme von Fripp, immer wieder gewechselt und es gibt kaum einen Musikstil, an dem sich die Band nicht versucht hat. Die aktuelle Ausgabe von King Crimson macht z. B. experimentelle Techno-Variationen.
Vor allem die 80er Jahre New-Wave-Phase von King Crimson hat es Martin aus Overath angetan. "Neal And Jack And Me" von 1982 ist sein Lebenslied – und hat ihn davon überzeugt, dass es bei Musik um mehr geht als nur um "Hits" und um eingängige Songs, die man nach dem zehnten Hören schon wieder vergessen hat.
Feuerspucken, Pyrotechnik, Raketen, funkensprühende Gitarren, sonderbar angemalte Gesichter, irre Kostüme mit schwindelerregend hohen Plateauschuhen – das sind die Markenzeichen der legendären US-amerikanischen Hardrockband Kiss. In den 1970er Jahren waren sie die Sensation im musikalischen Marktsegment "Gitarrenmusik der härteren Gangart" – und sind mittlerweile zu einem weltweit operierenden Merchandisingunternehmen angeschwollen, das mehr Umsätze mit Kiss-Actionfiguren als mit Schallplatten macht. Obwohl: Auch die Konzertkarten verkaufen sich ja noch immer ganz gut…
"Detroit Rock City" von Kiss ist das Lebenslied von Nikola aus Solingen. Als er 11 Jahre alt war, hörte er das Lied in einer Liveversion auf dem Plattenspieler seiner Eltern – und die Liebe zu härteren Klänge hat ihn seitdem nicht wieder los gelassen.
L
Es gibt so ein paar Cinderella-Geschichten in der Popmusik: Wenn ohne großes Brimborium und riesige Promotionkampagnen plötzlich eine unbekannte, kleine Band richtig groß wird. Bei "Wir sind Helden" aus Berlin war das zum Beispiel so. Ihre Single "Guten Tag" wurde im öffentlich-rechtlichen Radio ganz oft gespielt, den Leuten gefiel der Song – und plötzlich landete die Band ohne große Plattenfirma im Rücken in den Charts.
Wer weiß, vielleicht geht es der Berliner Band "Laing" ja ähnlich. Ihre Single "Morgens immer müde" – eine Coverversion eines Trude-Herr-Songs – wird gerade gerne bei den Berliner Kollegen von Radio Fritz gespielt. Da hat Tobias aus Münster das Lied auch zum ersten Mal gehört, als er seine Freundin in Berlin besucht hat. Und seitdem geht ihm das Lied genausowenig aus dem Kopf wie seine Freundin…
M
Am 26. April 1986 explodierte der Reaktor 4 des Atomkraftwerks in Tschernobyl. Der Super GAU hat in der Rock- und Popmusik erstaunlich wenig Spuren hinterlassen. Kraftwerk haben den Songtext ihres Liedes "Radioaktivität" geändert und sangen fortan "Stoppe Radioaktivität, weil's um unsere Zukunft geht". Und Wolf Maahn hat einen Song veröffentlicht, in dem er direkt über die Katastrophe gesungen hat: Die Single "Tschernobyl".
Als sich die Nachricht des havarierten Reaktors langsam in Deutschland verbreitete, lag Thomas aus Herne an einem Baggersee. Das Lied von Wolf Maahn hat ihn damals sehr berührt – und scheint heute wieder so aktuell wie damals, als es veröffentlicht wurde.
Es ist eine wirkliche "Supergroup": Mitte der 90er Jahre haben sich der Cellist Yo-Yo Ma, der Violinist Mark O'Connor und der Bassist Edgar Meyer zusammen getan, um neue Interpretationen klassischer amerikanischer Lieder aus dem 18. und 19. Jahrhundert aufzunehmen. Auf dem Album "Appalachian Journey" findet sich die Trio-Interpretation von dem Lied "Hard Times Come Again No More" von 1854.
Und dieses Lied erinnert Anna aus Rotterdam an ihren Freund – denn als sie für ein paar Monate nach Buenos Aires gezogen ist, hat er ihr dieses Lied kurz vor ihrer Abreise vorgespielt. Und weil Anna bald wieder nach Argentinien geht - dieses Mal sogar für acht Monate - muss "Hard Times Come Again No More" sie wieder einmal über die befristete räumliche Trennung hinweg trösten.
Fünf junge, gut aussehende Männer in engen Jeans, engen schwarzen Lederjacken und mit gut nicht-sitzenden Frisuren: Mando Diao aus Schweden sind so etwas wie die Posterboys des melodiös-schrammeligen Alternative Rock. Und: Wie so viele schwedische Bands haben sie ein tolles Händchen für großartige Melodien. Vielleicht steckt doch auch ein bisschen Abba in Mando Diao…
Claudia aus Sankt Augustin hat es besonders der Song "Ode To Ochrasy" angetan. Als sie ihren heutigen Ehemann kennengelernt hat, hat der ihr dieses Lied mit amourösen Hintergedanken immer auf der Gitarre vorgespielt. Es hat gewirkt – und die Hochzeitsreise führte dann folgerichtig ins Heimatland von Mando Diao, nach Schweden. Und da haben die beiden sich dann auch das Album gekauft.
Unsere Hörer haben Sascha Ziehn ja schon häufiger mal beauftragt, wahrlich nicht ganz alltägliche Radiomusik aus seinem Plattenschrank zu holen: Einen Song der Krawall-Elektro-Band Deichkind zum Beispiel, oder 20-minütiges Progressive-Rock-Gefuchtel von der Band Camel. Schlager gab es auch schon mal – aber heute gehen wir noch einen Schritt weiter und wagen einen Blick in die Volksmusik.
Das Lied "Drei weiße Birken" von 1960, komponiert von Paul Lemberg, erinnert Willi aus Alfter daran, wie er seine Frau kennen gelernt hat. Sie war aus Spanien nach Deutschland gekommen – und das erste Lied, das sie auf deutsch singen konnte, war eben dieses "Drei weiße Birken". Und als sich das Ehepaar vor 16 Jahren ein Haus gekauft hat, standen auf dem Grundstück tatsächlich drei weiße Birken. Diese Birken stehen immer noch und werden natürlich gehegt und gepflegt – und das Ehepaar denkt bei diesem Anblick immer wieder an dieses Lied zurück.
"Stoner Rock" – dieser Begriff bezeichnet eine Spielart des Heavy Metal, in der die Gitarren noch ein bisschen tiefer gehängt und das Tempo ein raus genommen wird. Metal in Zeitlupe, könnte man sagen. Und dieser Begriff "Stoner Rock", legt das ja auch schon ein wenig nahe: Schließlich bedeutet "stoned" im amerikanischen Slang "bekifft".
Monster Magnet aus New Jersey gehören neben Kyuss zu den Gründungsvätern des Genres. Und der Song "Nod Scene" vom ersten Monster Magnet-Album "Spine Of God" erinnert Lasse aus Köln an den Aufbruch in seine eigene Welt: Die Abnabelung vom Elternhaus als Teenager, sprießende Hormone, mit den besten Kumpels irgendwelchen Unsinn machen – und dazu wurde eben Monster Magnet gehört, Anfang der 1990er Jahre, als Lasse 16 war. Und wenn die Kumpels aus Pubertätstagen heute nach Köln kommen, wird immer noch gerne Monster Magnet aufgelegt.
N
Indischer Stirnschmuck, bauchfreie T-Shirts und wahlweise knallblond, pink oder blau gefärbte Haare: Gwen Stefani gilt mit ihren manchmal einigermaßen durchgeknallten Outfits als Stilikone. Kein Wunder, dass die Sängerin von No Doubt auch noch ein sehr erfolgreiches Modelabel macht. Der größte Hit von No Doubt hingegen liegt schon ganz schön lange zurück: 1996 erschien "Don't Speak" als Single – und wurde zum erfolgreichsten Radiosong des Jahres in den USA und schaffte es in vielen Ländern auf Platz 1 der Charts.
Für Tabea aus Köln ist "Don't Speak" das ultimative Freundschaftslied. Sie war damals mit ihrer Mädchenclique unterwegs und die Clique war auch auf einem No Doubt Konzert in Oberhausen - für dessen Besuch übrigens die Schule geschwänzt wurde. Die Mädchenclique besteht zwar nicht mehr, aber immer, wenn Tabea "Don't Speak" hört, denkt sie wieder zurück an diese lustigen Teenagerjahre.
P
1991 war das Jahr der Karohemden und der zerrissenenen Jeans: Mit Nirvanas Single "Smells Like Teen Spirit" wurde die Musikrichtung Grunge zu einem weltweiten Phänomen. Grunge war so was wie der Punk der frühen 1990er Jahre: Roh, ungebügelt und dreckig. Und in den Texten ging es nicht darum, dass der Sänger gerade die Liebe seines Lebens getroffen hat, sondern es ging um die Probleme junger Leute, um die "Teenage Angst", um Entfremdung in einer zunehmend globalisierten Gesellschaft. Auch Pearl Jam, die wie Nirvana aus der Grunge-Geburtsstadt Seattle stammen, schafften in dieser Zeit den weltweiten Durchbruch. Ihr Album "Ten" und ihre Debütsingle "Alive" gelten heute als moderne Klassiker der Rockmusik.
Und der Song "Alive" hat Milan aus Köln durch seine Uniprüfungen begleitet. Das Lied war quasi immer sein Startschuss zum Lernen: Einmal "Alive" hören - und dann ab an den Schreibtisch. Und wenn Milan das Lied heute hört, sieht er sofort wieder seinen Schreibtisch und die ganzen Bücher vor sich…
Es gibt nur wenige Musiker, bei denen die tragische persönliche Geschichte in einem so krassen Gegensatz steht zu der positiven Wirkung, die ihre Musik für viele Menschen hat, wie Édith Piaf. Sie hat Mann und Tochter verloren, hatte mehrere schwere Autounfälle, war alkohol- und morphiumabhängig und ist im Alter von nur 47 Jahren gestorben. Und sie hat Musik gemacht, die viele Menschen in schwierigen Situationen begleitet, ihnen Kraft gibt und positive Gefühle schenkt.
Auch für Pari ist die Musik von Édith Piaf eine Art Kraftspender: Nach einer Trennung hat sie immer wieder "Padam … Padam …" von Édith Piaf gehört – und das Lied hat ihr geholfen, über den Trennungsschmerz hinweg zu kommen. Und obwohl sie das Lied seit Jahrzehnten kennt, bekommt sie noch immer eine Gänsehaut, wenn sie es hört.
In den Jahren 1996 und 1997 eskalierte der Streit zwischen Rappern von der amerikanischen Ost- und der Westküste – und endete für zwei berühmte und erfolgreiche Rapper tödlich: 1996 wurde Tupac Shakur erschossen, nur ein paar Monate später der New Yorker Rapper The Notorious B.I.G. Den Tod seines Freundes "Biggie" verarbeitete Puff Daddy zusammen mit Faith Evans in einem Song "I'll Be Missing You", basierend auf einem Sample von The Police. Er wurde zu einem weltweiten Hit und war der Startschuss für die internationale Karriere von Puff Daddy, der heute der wohlhabendste Rapper der Welt ist.
Gordon aus Beckum denkt bei diesem Song an seine Frau. Beziehungswiese an seine Ex-Frau. Beziehungsweise an seine Scheidung. Denn diese Scheidung war für Gordon ein Moment, in dem er das Gefühl hatte, seine Freiheit wieder erlangt zu haben. Und daran erinnert ihn dieser Song.
R
Sie sind eine der außergewöhnlichsten Bands der Welt: Radiohead haben sich nie sonderlich darum geschert, ob nun ein Album oder eine Single kommerziell erfolgreich ist. Und die Bandmitglieder sind erfrischend unglamourös: Es geht nicht ums Ego, um Exzesse oder Skandale – es geht um Musik. Und die Musik von Radiohead ist komplex, intelligent arrangiert, manchmal sperrig, manchmal Kunst, aber eben manchmal dann doch auch hitverdächtig.
"Creep" von 1993 ist die Radiohead-Single, die für Saskia aus Köln ihr Lebensgefühl als Teenager perfekt beschreibt. Und sie war Mitte der 90er Jahre auf einem Radiohead Konzert – und nach langem Bitten hat die Band den Song zum Schluss des Konzerts dann auch endlich gespielt.
Es gibt nicht allzu viele Songs in der Rockgeschichte, die einer Kaffeemaschine gewidmet sind. Boots Randolph allerdings war von seinem Perkolator so begeistert, dass er einfach darüber singen musste. Perkolatoren sind Kaffeemaschinen, bei denen das kochende Wasser in eine Kanne aufsteigt – so wie bei diesen Schraub-Espressomaschinen, die auf den Herd gestellt werden.
Manfred aus Mettmann denkt bei dem Lied allerdings nicht an Kaffee, sondern an seine Jugend in den 1950er Jahren. Und nachdem er "Percolator" von Boots Randolph eine ganze Zeit lang nicht gehört hatte und es plötzlich mal wieder im Radio lief, musste er sich den Song einfach besorgen.
Ein Mann im Anzug, mit geligen Haaren, schwingt den Mikrofonständer über seinem Kopf und wackelt mit den Hüften hin und her… 1957 war das wilder Rock'n'Roll, was Johnnie Ray auf der Bühne gemacht hat. Sein "Yes Tonight Josefine" war einer der großen Hits der goldenen Rock'n'Roll-Ära der 50er Jahre.
Irmhild aus Rheinbrohl findet, dass das Lied viel zu selten im Radio gespielt wird. Als sie 16, 17 Jahre alt war, war "Yes Tonight Josefine" ihr Lieblingslied. Und weil sie das Radio sofort lauter stellen würde, wenn sie das Lied noch mal hören könnte, spielen wir Johnnie Rays "Yes Tonight Josefine".
Er ist einer der tollsten deutschen Songschreiber überhaupt: Rio Reiser, in den 70er Jahren Sänger und Kopf der Agitprop-Band Ton Steine Scherben und vor allem in der 80er Jahren als Solokünstler erfolgreich. Und die Lieder von Rio Reiser, der 1996 im Alter von 46 Jahren gestorben ist, sind noch immer aktuell: Künstler wie Jan Delay, Fettes Brot oder Freundeskreis haben seine Songs gecovert – und wenn man aktuelle deutschsprachige Bands nach ihren Einflüssen fragt, fällt fast immer der Name Rio Reiser.
Annika aus Remscheid hat Rio Reiser in dem Tatort "Im Herzen Eiszeit" von 1995 gesehen – und auch gehört. Denn neben einer Hauptrolle in den Film kommt auch die Titelmusik von Rio Reiser: "Träume" heißt der Song - und Annika musste lange suchen, bis sie ihn endlich zufällig bei einer Freundin wieder gehört hat – denn bis dahin wusste sie nicht, von wem das Lied eigentlich ist und konnte deshalb auch nicht danach fahnden. Und als sie den Song dann endlich gefunden hatte, kamen ihr beim Hören die Tränen, weil sie solche Sehnsucht nach diesem Lied hatte…
Ein Lied von 1973 hatte im Jahre 2005 im Wahlkampf der CDU ein kleines "Comeback": "Angie" von den Rolling Stones wurde bei Wahlkampfverstaltungen von Angela Merkel gerne gespielt – was die Rolling Stones übrigens gar nicht so lustig fanden und sich gegen die Wahlkampfbeteiligung ihres Liedes heftig und juristisch gewehrt haben.
Eveline aus Herten denkt bei diesem Lied nicht an Politik, sondern an Liebe: Vor 37 Jahren hat sie ihren damals frisch angetrauten Ehemann in Holland besucht – er hat da seinen Wehrdienst geleistet. Und die beiden haben es richtig krachen lassen: Bis 22 Uhr waren die beiden am Samstag Abend in einer Diskothek. Und wenn Eveline "Angie" heute hört, denkt sie immer zurück, an dieses Wochenende in Holland.
Ein Riff ist eine kleine musikalische Figur, die meistens am Anfang eines Songs steht und ein einprägsames Motiv sein soll, das sich sofort im Gehörgang fest brennt. Es gibt Riffs, die Musikgeschichte geschrieben haben, zum Beispiel das Gitarrenmotiv aus "Smoke On The Water" von Deep Purple - und natürlich auch das aus "(I Can't Get No) Satisfaction" von den Rolling Stones. Diese beiden Gitarrenriffs streiten sich wahrscheinlich darum, welches denn nun das berühmteste der Musikgeschichte ist...
Für Anna aus Köln steht der Gewinner fest: "Satisfaction". Diesen Song hat sie Mitte der 1970er immer gehört, während ihrer Ausbildung, in der WG, in der sie damals gewohnt hat. Sie hat zu dem Song morgens wild getanzt, auf dem Bett und durch die Wohnung – denn schließlich war es die erste eigene Wohnung – und die verströmt ja immer diesen leckeren Duft der Freiheit...
Es gibt Lieder, auf die kann man mit seinem Notenschlüssel so viel einprügeln wie man will – sie sind einfach nicht tot zu kriegen. Und wenn man sie dann morgens einmal im Radio gehört hat, singt und summt man sie dummerweise gleich den ganzen Tag – ob man will oder nicht. Zu diesen Liedern gehört auch der Schlager-Schlager "Er gehört zu mir" von Marianne Rosenberg. Dieses "Na-nana-na-nana-naaa" kriegt man einfach nicht mehr aus dem Kopf. Und das ist ja schon auch eine Qualität, dass dieser Schlager, obwohl mittlerweile fast 40 Jahre alt, immer noch gespielt, gesungen und gegrölt wird – und zwar generationsübergreifend.
Und genauso generationsübergreifend ist "Er gehört zu mir" anscheinend für die Familie von Larissa aus Herford: Sie hat das Lied zur Ehren der Großmutter an deren 70. Geburtstag geschmettert. Und wenn das Lied im "Plattenschrank" läuft, singt die ganze Familie noch mal mit…
"Sleaze Rock" heißt übersetzt so viel wie "Schmieriger Rock". Dabei war die Musik gar nicht so schmierig, sondern viel mehr die Typen, die sie gemacht haben: Zottige Matten, enge, speckige Lederhosen und dazu allerlei Tätowierungen. Die Roxx Gang aus Florida galt in den 80er Jahren mal kurz als kleine bis große Hoffnung des Genres – was allerdings recht schnell wieder verpuffte.
Bei Jörg aus Solingen hat die Band trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlassen: "Red Roses" von der Roxx Gang ist sein "Lebenslied" – und er war in den 80er Jahren auch einer der wenigen Käufer des Vinylalbums der Band.
S
Simple Minds-Sänger Jim Kerr möchte gerne aus dem Regen raus und zur "Waterkant" – auch, wenn es noch eine Million Jahre dauert ... Ok, der Text ergibt nicht wirklich viel Sinn – und doch wurde "Waterfront" zu dem Song, der den Simple Minds zum Durchbruch verholfen hat. Das Lied war immerhin auf Platz 1 der neuseeländischen Charts – und danach ging es, vor allem mit Singles wie "Don't You (Forget About Me)" oder "Alive & Kicking" steil bergauf.
Thomas aus Wuppertal verbindet mit "Waterfront" seine Zeit in Papua-Neuguinea. Da war er für ein paar Jahre als Entwicklungshelfer und hat das Lied in den 1980er Jahren immer wieder im australischen Radio gehört. Was das für ein Song war, wusste er allerdings damals noch nicht. Das hat er erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland 10 Jahre später erfahren. Aber noch heute spürt Thomas, wenn er "Waterfront" hört, das Gefühl von wohliger Tropenhitze mit weit offenem Horizont und Sternenhimmel.
Wenn Musiker auch Schauspieler sein möchten, geht das meistens mächtig in die Hose – siehe Madonna oder Britney Spears. Barbra Streisand allerdings ist so sehr Multitalent, dass sie neben den zahlreichen Musikauszeichnungen – unter anderem acht Grammys – für ihre schauspielerische Leistung auch noch einen Oscar gewonnen hat. Streisand ist Sängerin, Schauspielerin, Regisseurin und Filmproduzentin – und das alles auf sehr hohem Niveau.
Für Erika aus Saerbeck allerdings zählt nur ein Song von Barbra Streisand: "Woman In Love", ihr Lebenslied. Denn zu diesem Song hat sie im Karneval 1981 mit ihrer großen Liebe getanzt – und diese bis heute nicht wieder losgelassen, denn die beiden sind immer noch zusammen. Und weil die Schallplatte von Erika schon ziemlich runtergerockt ist, spielen wir dieses Lied heute, 31 Jahre nach dem Karneval 1981.
Es gibt so ein paar Filme, die an Weihnachten einfach nicht fehlen dürfen. "Ist das Leben nicht schön?" von Frank Capra wird immer wieder gerne gesendet und geguckt, genau so wie die "Muppets Weihnachtsgeschichte" nach Charles Dickens und Loriots "Weihnachten bei den Hoppenstedts" – und auch der tschechische Märchenfilmklassiker "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" darf nicht fehlen – lief dieses Jahr auch wieder in der Vorweihnachtszeit in der ARD und in den dritten Programmen.
Für Henning aus Köln hat der Film bzw. die Musik aus dem Film schon auch etwas mit Weihnachten zu tun – aber vor allem mit seiner Hochzeit. Denn als er vor einem Jahr geheiratet hat, wurde als Hochzeitswalzer das entsprechende Lied aus "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" gespielt. Und deshalb ist es sein Lebenslied.
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Alexander DeLarge ist schon ein wirklich fieser Typ: Er klaut, prügelt und vergewaltigt. Alexander DeLarge, genannt Alex, ist der Protagonist in Stanley Kubricks Film "Uhrwerk Orange" von 1971. Dieser Film – eine Adaption des gleichnamigen Romans von Anthony Burgess - war 1972 für einen Oscar nominiert und hatte durch den besonderen Einsatz von Musik und die visuelle Gestaltung einen enormen Einfluss auf die Popkultur: In einer Folge der Zeichentrickserie "The Simpsons" gibt es Referenzen an "Uhrwerk Orange", die Outfits der Jugendgang aus dem Film war für diverse Musiker eine Inspirationsquelle – und die Toten Hosen haben dem Protagonisten direkt ein Lied gewidmet: "Hier kommt Alex".
Dieser Song ist das Lebenslied von Christina aus Neuss. Sie hat den Song entdeckt, als sie in der 4. Klasse war – ein Freund hatte ihn für sie auf eine Kassette aufgenommen. Seitdem ist Christina ein großer Fan von den Toten Hosen – und die Begeisterung für die Punks aus Düsseldorf hat mittlerweile auch auf ihre Tochter abgefärbt…
W
Es ist zwar ein Klischee – aber ein bisschen was Wahres ist vielleicht doch dran: Männer gucken sich im Kino am liebsten Filme an, in denen oft irgendwas explodiert, Frauen dagegen wollen lieber eine gute Story und vor allem gute Dialoge hören.
Über diesen kleinen aber pikanten Geschmacksunterschied haben die Wise Guys aus Köln ein Lied gemacht: "Alles in die Luft" heißt es und ist das Lebenslied von Theresa aus Bonn. Die allerdings denkt bei diesem Song nicht ans Kino, sondern an ihre beste Freundin. Nach einer Operation hat diese Freundin Theresa jeden Tag im Krankenhaus besucht. Und als Theresa für ein Jahr nach Australien gezogen ist, ist sie jeden Morgen um 4 Uhr aufgestanden, um mit dieser Freundin zu telefonieren… Und diese besondere Freundschaft ist nicht "in die Luft" geflogen, sondern besteht immer noch.
Playlist Musik
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09:22
Balanescu Quartet"Model"
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08:54
Tony Cox"Kwe-kwe"
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08:42
Harper Simon"Wishes and stars"
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08:13
H2O Productions"Bossa Menina"
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07:58
Lisa Hannigan"What I'll do"



