Pressestimmen

- Das meinen die anderen: die Presseschau
25.05.2013
Champions-League-Finale
In Deutschland werden heute Abend hunderttausende Fußball-Fans nach London blicken - weltweit werden es wohl einige hundert Millionen sein: Im Wembley-Stadion tritt Rekordmeister Bayern München im Champions-League-Finale gegen seinen Rivalen Borussia Dortmund an. Für die Fans geht es bei der Begegnung wohl um mehr als den Titel.
Der "Schwarzwälder Bote" sieht das Spiel eher gelassen:
Es ist doch nur ein Fußballspiel! Heute treten auf dem in Kickerkreisen heilig genannten Rasen des Wembley-Stadions zwei Mannschaften gegeneinander an. Sie wollen das dereinst lederne, heute vollsynthetische Spielgerät möglichst oft im 7,32 Meter breiten und 2,44 Meter hohen Gehäuse der gegnerischen Mannschaft unterbringen. Das ist es dann aber auch!
Ganz anders beurteilt dies die "Frankfurter Rundschau":
Ach, wenn es doch nur Fußball wäre. An diesem Sonnabend aber stehen sich im einst legendären, inzwischen runderneuerten Londoner Wembley-Stadion - ausgerechnet dort - zwei deutsche Mannschaften gegenüber, die divergierende Geschäftsmodelle darstellen, einander unversöhnliche Lebensgefühle zum Ausdruck bringen und den deutschen Regionalismus auf internationaler Bühne verkörpern. Hier prallen zwei antagonistische Prinzipien aufeinander. Oder aber alles lädt dazu ein, den bevorstehenden sportlichen Kräfteaustausch in ein solches Erzählschema zu pressen. Eine Art Firewall für Klischees ist den Darstellungsformen dieses Ereignisses nicht beigefügt.
Auch die "Berliner Zeitung" meint, dass am Champions-League-Finale niemand vorbeikommt, allerdings aus anderen Beweggründen:
Es gibt dieser Tage kein Leben jenseits von Bayern versus BVB 09. Keiner will Spielverderber sein oder sich dabei ertappen lassen, keine elaborierte Ansicht über taktische Finessen zu haben. Das heutige Spiel ist denn auch Ausdruck einer großen Inklusion, in der sich das Land seiner, keineswegs nur sportlichen, Leistungsfähigkeit vergewissert.
Der ebenfalls in Berlin ansässige "Tagesspiegel" will ein solches Pseudo-Interesse nicht gelten lassen:
Der größte Irrtum ist wohl, dass Fußball nur Fußball ist. Er wäre nie so reich, mächtig und berühmt geworden, wenn er nicht auch noch Klischees mitspielen lassen würde. Diesmal sind es die des Arbeiterklubs aus dem Ruhrgebiet gegen den stinkreichen Dominator aus dem eigensinnigen Bayern. Ist es Zufall, dass die von der Schuldenkrise geplagten Länder aus Italien und Spanien nicht im Finale sind? Ganz egal, ob da etwas dran ist: Der Fußball macht das Mitfühlen und Mitreden leicht. Und wenn der Schiedsrichter abpfeift, geht es immer noch weiter.
Und für die "Nürnberger Zeitung" ist es sowieso ganz einfach:
Sich aufzuregen, gehört bei einem wichtigen Fußballspiel dazu. Und das rein deutsche Champions-League-Finale ist kein wichtiges, sondern DAS Spiel überhaupt. Es wird ans Herz gehen, im wirklichen wie im übertragenen Sinn.
Differenzierter sieht es hingegen die Oldenburger "Nordwest-Zeitung":
Sushi gegen Bratwurst, dufte Designer-Klamotten gegen müffelnde Trainingsleibchen, bayerisches Savoir-vivre gegen Bodenständiges aus Westfalen, Millionarios gegen Arbeiterklasse. Diese Konstellation schließt Neutralität aus, man nimmt Partei. Für Rot oder Schwarz-Gelb. Grün ist nur der Rasen. Ob Affe, Elefant oder Zierfisch - kein so genanntes Orakel blieb unbefragt, keine zwickende Wade unkommentiert. Jeder Husten löste nationale Bestürzung aus. Transfers zu horrenden Summen vergifteten das Klima zwischen den beiden Vereinen. Heute aber ist's genug. Geht's raus und spielt Fußball. Denn die Wahrheit ist auf'm Platz. Oder so ähnlich.
Das waren die Pressestimmen im WDR5-Morgenecho, heute zusammengestellt von Christina Schenk.
25.05.2013
Champions-League-Finale
Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (25.05.2013)
24.05.2013
SPD-Festakt zum 150. Gründungsjubiläum
Mit Gästen aus der ganzen Welt hat die deutsche Sozialdemokratie gestern ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Am 23. Mai 1863 hatte Ferdinand Lassalle in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein gegründet - den Vorläufer der SPD. Bundespräsident Gauck bescheinigte der Partei, dass sie eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung Deutschlands zu einem demokratischen und sozialen Rechtsstaat spielte.
Anerkennung kommt auch vom Bonner GENERAL-ANZEIGER:
Der Verlauf der Geburtstagsfeier in Leipzig hat der SPD gut getan. Endlich einmal musste sie um gesellschaftliche und politische Anerkennung nicht kämpfen. Die Partei genießt - abseits der miserablen Umfragewerte - ein hohes Maß an grundsätzlicher Zustimmung.
Auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG hat Verständnis für den Stolz der Sozialdemokraten auf ihre historische Leistung:
Zehn Staats- und Regierungschefs sowie 30 Vorsitzende verwandter Parteien erschienen als Gratulanten. Eindrucksvoller lässt sich globales Denken nicht demonstrieren. Glückwunsch, alte Tante SPD! Aber anders als bei betagten Damen fiel gestern der Blick in die Vergangenheit nicht wehmutsvoll aus. Die unbestreitbar großen Leistungen, beim Arbeitsschutz, bei der Gleichstellung von Mann und Frau sowie vor allem beim Widerstand gegen Hitler und seine Schergen, verführten die Genossen nicht zu weihevoller Rückschau. Gestern haben die Genossen Sorgen und schlechte Umfragewerte ausgeblendet. Sie waren einfach nur stolz auf ihre Partei. Zu Recht.
Die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN aus Münster mahnen die SPD, sich jetzt wieder den Mühen des politischen Alltags zu stellen:
Was bleibt nach einer turbulenten Feier, wenn die Geburtstagsgäste wieder fort sind? Die SPD muss aufräumen. Die Partei wird sich anstrengen müssen, um vor allem eines wiederzugewinnen: ihre Glaubwürdigkeit als Partei der sozialen Teilhabe. Brisante Themen liegen zuhauf auf der Straße.
Den gleichen Ton schlägt der Kommentator der LANDESZEITUNG aus Lüneburg an:
Rückblick voller Stolz, Ausblick voller Sorgen - so lässt sich der Gemütszustand der SPD umschreiben. Kein Wunder, dass der Festakt zum Hoch auf die Vergangenheit wurde. Jahrzehnte waren die Sozialdemokraten Vorkämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit. Heute muss die Partei aufpassen, nicht selbst Geschichte zu werden. Vom Status einer Volkspartei ist die SPD schon etwas entfernt. Dafür gibt es viele Gründe: Aus klassischen Wählern sind Wechselwähler geworden. Hinzu kommt die Verwechselbarkeit in der Sozialpolitik, seit die CDU auch nach links blickt.
Zum Abschluss ein Blick in die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. Sie würdigt die SPD als unersetzlich für die politische Kultur in Deutschland:
Die größten Gegner der SPD seien nicht die anderen Parteien, sagte der Parteivorsitzende Gabriel in seiner Festrede, sondern die Gleichgültigkeit, der Fatalismus, das Ohnmachtsgefühl der Menschen. Das hat er schon oft gesagt, auch das Wort vom «Hoffnungsüberschuss», der die SPD stets getragen habe, war nicht neu. Doch im Rahmen der Leipziger Feierstunde klang diese Einsicht anders, nämlich ehrlicher und dramatischer als in Parteitagsreden, auch deshalb, weil sie auf die eindringliche Erinnerung an Verfolgung, Diktatur und Ermächtigungsgesetz folgte - besser ließ sich nicht verdeutlichen, was Deutschland an seiner demokratischen Tradition hat und warum deren Parteien - voran natürlich die SPD - bei aller notwendigen Kritik so unersetzlich sind.
Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (24.05.2013)
23.05.2013
EU Gipfel zum Bankgeheimnis
In der Europäischen Union soll das Bankgeheimnis bis zum Jahresende praktisch fallen. Darauf verständigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem Treffen in Brüssel.
Dazu bemerkt die "Süddeutsche Zeitung":
"Wegen des immensen internationalen Drucks sagen nun immer mehr Länder zu, die Kapitalerträge ausländischer Kontoinhaber künftig automatisch an deren Finanzämter zu melden. In Bern wie in Wien tobt deshalb nun eine innenpolitische Schlacht, weil Populisten der Regierung vorwerfen, eingeknickt zu sein und das Bankgeheimnis auch der eigenen Bevölkerung geopfert zu haben. Doch das ist Unsinn: Wenn sich etwa die Schweizer in ihrer Weisheit selbst ein striktes Bankgeheimnis verschreiben wollen, ist das ihr gutes Recht. Dieses gute Recht verwandelt sich nur dann in Unrecht, wenn es auch Dritten gewährt wird, die damit offenkundig Missbrauch betreiben. Dann gehört es geändert oder abgeschafft."
Die EU lüftet das Bankgeheimnis und macht jetzt Jagd auf Steuersünder, so die "Berliner Zeitung". Der Kommentator schreibt weiter:
"Die Zinsrichtlinie zum Austausch der Kontodaten von ausländischen Sparern - eigentlich schon seit 2005 in Kraft - wird auf Österreich und Luxemburg ausgedehnt. Vielleicht schon zum Jahresende. Endlich. Wer im Ausland unterschlagene Konten unterhält, sollte sich also rasch mit seinem Finanzamt in Verbindung setzen. Das ist die verbraucherpolitische Nachricht dieses Gipfels. Die andere ist eine zutiefst politische: Der Austausch von Kontodaten ist der Einstieg in eine gemeinsame europäische Steuerpolitik. Angesichts der Steuerpraktiken von Apple, Ikea & Co ist die Debatte über eine Harmonisierung von Unternehmensabgaben überfällig."
Es ist Aufgabe der Politik, für Steuergerechtigkeit zu sorgen - bei Privatleuten und bei Unternehmen, meint die "Westdeutsche Zeitung" aus Düsseldorf:
"Das kann aber nur dann gelingen, wenn Betrug geahndet und Schlupflöcher gestopft werden. Und das nicht nur in einem Land, sondern mindestens europaweit. Die ersten Schritte sind getan. Die Europäer haben nun die Chance, bei einem Thema endlich einmal gemeinsam erfolgreich zu punkten."
Nun wird Steuerflucht in der EU bald zu einem hochgefährlichen Unternehmen, heißt es im Kommentar der "Stuttgarter Nachrichten":
"Es werden keine moralischen Erwägungen gewesen sein, die den Durchbruch bewirkt haben. Er ist vielmehr Ausdruck einer nüchternen politischen Kalkulation: Die Europäische Union hat bei den Bürgern derzeit keinen guten Stand. Das Jonglieren mit milliardenschweren Rettungsschirmen hat bei vielen Menschen den Verdacht geschürt, die ehrlichen Steuerzahler in den Mitgliedsländern müssen geradestehen für einen grenzen- und zügellosen Finanzmarkt."
Abschließend die "Neue Osnabrücker Zeitung" zum baldigen Ende des Bankgeheimnisses in der EU:
"Geschätzt eine Billion Euro entgehen den EU-Staaten jedes Jahr durch Steuervermeidung. Es ist höchste Zeit, dass sich dies ändert. Es kann nicht sein, dass die Masse der Bürger zur Kasse gebeten wird, während sich trickreiche Anleger und Konzerne einer fairen Beteiligung entziehen. Viel zu lange schon sind die Ehrlichen die Dummen. Nun kommt es darauf an, dass den Lippenbekenntnissen auch Taten folgen. Dass die EU-Mitglieder Österreich und Luxemburg sich immer noch zieren, ist eine Unverschämtheit."
Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (23.05.2013)
22.05.2013
Die deutsche Sozialdemokratie begeht in dieser Woche den 150. Gründungstag der SPD
Die Veranstaltung in Leipzig findet bei politischen Freunden wie Gegnern Aufmerksamkeit. In den Zeitungskommentaren wird der "Blick zurück" mit der aktuellen Lage vor den Bundestagswahlen im September verbunden.
So schreibt die "Westdeutsche Zeitung" aus Düsseldorf, SPD-Chef Gabriel sei ganz nah bei Parteigründer Lassalle, wenn er sage, die SPD sei da wo es "Stinkt und brodelt". Das Blatt weiter:
"Heute ist von dieser Strahlkraft nicht viel übrig. Die Mitgliederzahl hat sich seit den 1970er Jahren halbiert. Bei der Bundestagswahl 2009 machten so wenig Wähler wie nie zuvor ihr Kreuzchen bei der SPD. Die Rückkehr ins Kanzleramt ist fraglich. Zu unglücklich agiert der - in der Partei ohnehin mit zu wenig Rückhalt gesegnete - Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Da mag die SPD an Rhein und Ruhr gestern noch so selbstbewusst die Losung "40 Prozent plus x" für den Urnengang ausgegeben haben - die Sozialdemokratie steckt 150 Jahre nach ihrer Gründung in ihrer schwersten Krise. Von Feierlaune keine Spur."
Manchmal könne sich eine große Geschichte auch als Last erweisen, meint die "Frankfurter Rundschau":
"So hat die SPD bis an die Grenze der Selbstverleugnung zehn Jahre lang mit ihren eigenen Arbeitsmarkt- und Rentenreformen gehadert. Statt pragmatisch jene Entwicklungen - wie die Ausweitung der Leiharbeit zu lasten der regulären Beschäftigung - zu korrigieren, die bei der Verabschiedung der Gesetze nicht vorhergesehen wurden und an jenen festzuhalten, die sich als vorausschauend erwiesen, haben die Genossen einen Glaubenskrieg geführt."
Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung " aus Essen erinnert an den idealistischen Kern der Sozialdemokratie. Sie wolle die Welt besser machen, jeden Tag ein bisschen gerechter, aber:
"Gibt es noch jemanden, der nicht für gerechte Löhne wäre? Gegen prekäre Beschäftigung? Für Einwanderung. Gegen Atomenergie. Für die Kappung der Bankenmacht. Gegen den Casino-Kapitalismus. Der Geist der Zeit weht, wo er will. Seit einigen Jahren weht er jedenfalls nicht mehr liberal, sondern sozialdemokratisch. So richtig freuen sich Sozialdemokraten aber nicht über diesen Erfolg. Vielleicht liegt das an Angela Merkel, der Freibeuterin. Vielleicht an der ungeliebten Schröder-Agenda, die umso unbeliebter in der Partei zu werden scheint, je mehr deren Erfolg für Deutschland sichtbar wird."
Auch der politische Gegner zollt Respekt, in Leipzig, so scheibt der "Münchner Merkur", verneige sich Europa vor einer wahrhaft großen Partei und erinnert an das "Nein" zu Hitlers Ermächtigungsgesetz 1933. Aber ein Franzose als Hauptredner?:
"Man kann darüber streiten, ob sich die deutschen Sozialdemokraten zu ihrem Fest zum 150. Geburtstag mit Francois Hollande den richtigen Laudator ausgesucht haben. Frankreichs sozialistischer Präsident verweigert in seiner Heimat trotzig die Versöhnung linker Politik mit den Erfordernissen der modernen Ökonomie, die die deutschen Genossen mit der Agenda 2010 leidvoll vollzogen haben. Die Volkspartei SPD ist fast zerbrochen an dem Versuch, ihre Ideale in Einklang mit der Wirklichkeit zu bringen."
Die SPD saß nur 30 Jahre ihrer langen Geschichte auf der Regierungsbank, kommentiert die "Mitteldeutsche Zeitung" aus Halle. Dass ihr im Herbst der Sprung ins Kanzleramt glücke, sei nicht ausgemacht:
"Wahrscheinlicher scheint derzeit ein Platz als Juniorpartner der Union oder eine Rückkehr in die Opposition. Beide Varianten wären für die SPD extrem schmerzhaft. So werden die Genossen ihren Geburtstag freudig feiern. Doch insgeheim ahnen sie: Mit ihnen zieht noch nicht die neue Zeit."
Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (22.05.2013)
13.05.2013
Verteidigungsminister wegen Drohnen in Erklärungsnot
Wegen des gescheiterten Drohnenprojekts der Bundeswehr muss sich Verteidigungsminister de Maizère immer mehr Kritik gefallen lassen. Die Opposition wirft ihm vor, die Schwierigkeiten mit dem "Euro Hawk" lange verschwiegen zu haben. Der Koalitionspartner FDP fordert, jetzt auch die deutsche Beteiligung an einem ähnlichen Drohnenprojekt der NATO auf Eis zu legen bis Zulassungsprobleme geklärt sind.
In vielen Zeitungskommentaren ist von einem Skandal die Rede. Die "Rheinische Post" aus Düsseldorf kommentiert:
"Als 'Meilenstein in der Luftaufklärung' hat die Bundeswehr die Drohne "Euro Hawk" anlässlich ihrer ersten Landung in Deutschland vor zwei Jahren gefeiert. Dieser Höhenflug endete abrupt - als vielleicht sogar teuerster Rüstungsflop der deutschen Geschichte. Und immer neue haarsträubende Details werden bekannt, zum Beispiel, dass die erste Drohne bei ihrer Überführung aus den USA zeitweise außer Kontrolle geriet. Es ist nachvollziehbar, dass Verteidigungsminister de Maizière als politisch Verantwortlicher nun immer stärker unter Druck gerät. Denn fest steht: Die Notbremse zog er viel zu spät."
Der "Kölner Stadtanzeiger" nennt das Verhalten des Verteidigungsministers anrüchig, denn: Noch vor kurzem habe er den "Euro Hawk" im Kabinett gepriesen.
"Am 8. Mai legte Thomas de Maizière dem Bundeskabinett seinen Bericht zur Neuausrichtung der Streitkräfte vor, in dem es noch heißt, die Bundeswehr werde insgesamt neun dieser Aufklärungsdrohnen anschaffen. 48 Stunden später entschied er, den 'Euro-Hawk' komplett aufzugeben. Seine Kabinettskollegen dürfen sich zurecht getäuscht fühlen. De Maizière kann nun die von ihm gepredigte 'neue Fehlerkultur' vorleben, indem er eigene Versäumnisse offen eingesteht."
Der "Bonner Generalanzeiger" meint, de Maizière habe die Verantwortung für alles, was in seinem Hause passiert - auch wenn schon seine Vorgänger mit dem Euro Hawk zu tun hatten. Der Milliardenflop müsse schnell aufgeklärt werden.
"De Maizière spielt auf Zeit, will erst im Juni Bericht erstatten. Sein Haus bremst die Aufklärungsarbeit des Bundesrechnungshofs - noch ein kleiner Skandal. So dürfte das Ganze am Ende zwei Ergebnisse haben: Millionen Steuergelder sind wieder einmal futsch. Und der zuständige Minister dürfte fortan etwas kleinlauter auftreten. Immerhin."
Die "Pforzheimer Zeitung" sieht in der Affäre ein Problem für die CDU/CSU. De Maizière sei der einzig Übriggebliebene aus einer ganzen Riege von möglichen Merkel-Nachfolgern.
"Ihm bleibt nun nur noch der Schritt in die Offensive. Er muss die Affäre anders angehen als die Guttenbergs, Wulffs oder Schavans. Wenn er die Menschen mit politischer Ehrlichkeit überrascht, kann er sogar wieder werden, was er einmal war: ein Hoffnungsträger für die CDU."
Der Kommentator der "Welt" aus Berlin nennt das Drohnen-Debakel im negativen Sinne "rekordverdächtig". Es sei von den Stäben im Verteidigungsministerium jahrelang herbeigeplant worden.
"Es ist vor allem die lange Vorgeschichte, die grundsätzliche Fragen aufwirft und Forderungen nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers als wohlfeilen Reflex der Opposition im Wahlkampf erscheinen lässt. Denn ob am Ende ein Minister den Hut nehmen muss oder nicht, wird dem Steuerzahler herzlich wenig nützen. Viel interessanter ist es doch, warum ein Bundesministerium über bald zehn Jahre hinweg Konzeption und Beschaffung eines Flugwaffensystems betreiben konnte, das offenbar zu keinem Zeitpunkt Chance auf Zulassung im europäischen Luftraum hatte. Und wie Derartiges in Zukunft verhindert werden kann."
Das waren die Pressestimmen im WDR-5-Morgenecho, zusammengestellt von Yvonne Müther.
Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (21.05.2013)
18.05.2013
Atommüll-Endlagergesetz im Bundestag eingebracht
Von einem "historischen Durchbruch" sprach Umweltminister Altmaier gestern im Bundestag. Anlass war die Debatte über das Gesetz zur Endlagerung des Atommülls. Er beschrieb damit, dass die Regierungskoalition und die Oppositionsparteien, die den Bundesrat beherrschen, bei diesem Jahrhundertprojekt an einem Strang ziehen wollen.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sieht das genauso:
Wenn Politiker, die gewöhnlich in Wahlperioden von vier bis fünf Jahren Dauer denken, plötzlich von einer Verantwortung reden, die einer Million Jahre gerecht werden müsse, liegt die Vermutung nahe, dass sich da jemand übernimmt. Doch das Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standorts für ein atomares Endlager ist so sorgsam austariert, dass es auch in einer Million Jahren noch als Trophäe deutscher Konsenskultur herhalten kann.
Der Kommentator der "Nürnberger Nachrichten" äußert dagegen deutliche Zweifel:
Das geplante Gesetz ist unzureichend ausgearbeitet. Denn die Union war es, die Atomkraftwerke bis vor gut zwei Jahren mit Zähnen und Klauen verteidigt hat und sie bis ins Jahr 2040 laufen lassen wollte. Da kann es jetzt nicht sein, dass nur die von Sozialdemokraten und Grünen geführten Länder Zwischenlager für Castor-Behälter anbieten, die von Konservativen geführten Regierungen sich aber klammheimlich aus der Verantwortung für ihre Energiepolitik stehlen wollen.
Die "Allgemeine Zeitung" aus Mainz befürchtet das Schlimmste und sieht noch einen langen, schweren Weg vor den Parteien:
Es droht ein wüstes Gezerre, ein Hauen und Stechen. Das St. Florians-Prinzip: Verschon' mein Haus, zünd' andere an. Dabei kann man denen, die den unseligen Unrat vom Hals haben wollen, nicht einmal böse sein. Letztlich darf es aber nicht darauf ankommen, welche Politiker ihre Region am effizientesten verteidigen können, sondern darauf, wo das Zeug tatsächlich am sichersten unterzubringen ist - wobei "sicher" auch da leider nur ein relativer Begriff ist. Die Region, die es trifft, verdient Entschädigung, und sei es, wie beim Fluglärm, dergestalt, dass Hausbesitzer an die öffentliche Hand verkaufen können.
Die Koblenzer "Rhein-Zeitung" schlägt in dieselbe Kerbe und sieht die Politik in einem Dilemma:
Einerseits drängt die Zeit angesichts auslaufender Genehmigungsfristen etwa in Gorleben und zunehmender Einsturzgefahren in der Asse. Andererseits braucht es viel Glaubwürdigkeit und Überzeugungsarbeit, um die Menschen in einer ausgewählten Region dafür zu gewinnen, dass vor ihrer Haustür jahrhundertelang strahlender Atommüll gelagert wird. Es wird wichtig sein, dass dieser Balanceakt nicht einem Minister zugemutet, sondern von einer breiten Koalition bewältigt wird.
Nach Ansicht der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" zeichnet sich nun doch wieder ein Parteienstreit ab. Kein Wunder im Wahljahr:
Das Schulterklopfen kann sich Bundesumweltminister Peter Altmaier sparen. Da lobt der Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel die Niedersachsen als "Premium-Partner" beim parteienübergreifenden Konsens für ein Atomendlager-Suchgesetz, und plant dreist ein atomares Zwischenlager in der Wesermarsch für einen Teil der noch im Ausland wartenden 26 Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll. Nein, so geht kein Konsens. Den Atommüll rot-grünen Landesregierungen in Hannover, Kiel und Stuttgart aufs Auge zu drücken und die wahlkämpfenden schwarz-gelben Parteifreunde in Hessen und Bayern zu schonen, spricht jedem Ansatz von fairer Lastenverteilung Hohn.
Pressestimmen im WDR 5 Morgenecho (18.05.2012)
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