Pressestimmen

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Das meinen die anderen: die Presseschau

18.05.2013

Atommüll-Endlagergesetz im Bundestag eingebracht

Von einem "historischen Durchbruch" sprach Umweltminister Altmaier gestern im Bundestag. Anlass war die Debatte über das Gesetz zur Endlagerung des Atommülls. Er beschrieb damit, dass die Regierungskoalition und die Oppositionsparteien, die den Bundesrat beherrschen, bei diesem Jahrhundertprojekt an einem Strang ziehen wollen.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sieht das genauso: 

Wenn Politiker, die gewöhnlich in Wahlperioden von vier bis fünf Jahren Dauer denken, plötzlich von einer Verantwortung reden, die einer Million Jahre gerecht werden müsse, liegt die Vermutung nahe, dass sich da jemand übernimmt. Doch das Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standorts für ein atomares Endlager ist so sorgsam austariert, dass es auch in einer Million Jahren noch als Trophäe deutscher Konsenskultur herhalten kann.

 

Der Kommentator der "Nürnberger Nachrichten" äußert dagegen deutliche Zweifel:

Das geplante Gesetz ist unzureichend ausgearbeitet. Denn die Union war es, die Atomkraftwerke bis vor gut zwei Jahren mit Zähnen und Klauen verteidigt hat und sie bis ins Jahr 2040 laufen lassen wollte. Da kann es jetzt nicht sein, dass nur die von Sozialdemokraten und Grünen geführten Länder Zwischenlager für Castor-Behälter anbieten, die von Konservativen geführten Regierungen sich aber klammheimlich aus der Verantwortung für ihre Energiepolitik stehlen wollen.

 

Die "Allgemeine Zeitung" aus Mainz befürchtet das Schlimmste und sieht noch einen langen, schweren Weg vor den Parteien:

Es droht ein wüstes Gezerre, ein Hauen und Stechen. Das St. Florians-Prinzip: Verschon' mein Haus, zünd' andere an. Dabei kann man denen, die den unseligen Unrat vom Hals haben wollen, nicht einmal böse sein. Letztlich darf es aber nicht darauf ankommen, welche Politiker ihre Region am effizientesten verteidigen können, sondern darauf, wo das Zeug tatsächlich am sichersten unterzubringen ist - wobei "sicher" auch da leider nur ein relativer Begriff ist. Die Region, die es trifft, verdient Entschädigung, und sei es, wie beim Fluglärm, dergestalt, dass Hausbesitzer an die öffentliche Hand verkaufen können.

 

 

Die Koblenzer "Rhein-Zeitung" schlägt in dieselbe Kerbe und sieht die Politik in einem Dilemma:

 

Einerseits drängt die Zeit angesichts auslaufender Genehmigungsfristen etwa in Gorleben und zunehmender Einsturzgefahren in der Asse. Andererseits braucht es viel Glaubwürdigkeit und Überzeugungsarbeit, um die Menschen in einer ausgewählten Region dafür zu gewinnen, dass vor ihrer Haustür jahrhundertelang strahlender Atommüll gelagert wird. Es wird wichtig sein, dass dieser Balanceakt nicht einem Minister zugemutet, sondern von einer breiten Koalition bewältigt wird.

 

Nach Ansicht der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" zeichnet sich nun doch wieder ein Parteienstreit ab. Kein Wunder im Wahljahr:

 

Das Schulterklopfen kann sich Bundesumweltminister Peter Altmaier sparen. Da lobt der Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel die Niedersachsen als "Premium-Partner" beim parteienübergreifenden Konsens für ein Atomendlager-Suchgesetz, und plant dreist ein atomares Zwischenlager in der Wesermarsch für einen Teil der noch im Ausland wartenden 26 Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll. Nein, so geht kein Konsens. Den Atommüll rot-grünen Landesregierungen in Hannover, Kiel und Stuttgart aufs Auge zu drücken und die wahlkämpfenden schwarz-gelben Parteifreunde in Hessen und Bayern zu schonen, spricht jedem Ansatz von fairer Lastenverteilung Hohn.


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Pressestimmen im WDR 5 Morgenecho (18.05.2012)


17.05.2013

Klon-Experiment in den USA wirft ethische Fragen auf

Es ist ein Experiment, das manchen Hoffnung macht und anderen Angst. Forscher in den USA haben nach eigenen Angaben das Erbmaterial einer Hautzelle in eine Spender-Eizelle verpflanzt - und so einen geklonten Embryo erzeugt, um Stammzellen zu gewinnen. Solche Stammzellen können sich in alle möglichen Körperzellen entwickeln und damit - so die Hoffnung - könnte man irgendwann Gewebe herstellen, um Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose zu behandeln.

Viele Zeitungskommentatoren warnen aber vor dem ethischen Problem, das damit verbunden ist. Der "Mannheimer Morgen" schreibt über die Forscher:

 

"Wie man es auch dreht: Sie haben im Labor menschliches Leben geschaffen und wieder zerstört. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass dies in einem frühen Entwicklungsstadium geschah. Was aber noch viel schwerer wiegen dürfte: Mit ihrer Veröffentlichung haben sie der Welt das Rezept für die Schaffung von Menschen im Labor geliefert."

 

 

Genau dieser Punkt beunruhigt auch den "Münchner Merkur":

 

"Irgendwann wird sich sicher jemand finden, der einen geklonten Embryo auch einer Frau einsetzt, damit sie ein Klonkind austrägt. Vielleicht in einem Land, in dem man es mit Menschenrechten nicht so genau nimmt. Von Wissenschaftlern sollte man eigentlich mehr Weitblick erwarten! Doch fühlen sich einige offenbar weniger dem Wohl der Menschheit als ihrem Ego verpflichtet."

 

Doch selbst wenn am Ende keine geklonten Kinder geboren werden - die "Südwest Presse" aus Ulm findet es problematisch, einen geklonten Embryo zu erzeugen, um Stammzellen zu gewinnen.

 

"Jedes Leben beginnt nunmal mit einem Zellhaufen. Hier Grenzen zu ziehen, wann menschliche Existenz beginnt, ist mehr als schwierig. Sie führt sofort zu Überschreitungen, die nicht einzudämmen sind."

 

Der Kommentator der "Saarbrücker Zeitung" betont dagegen auch die Chancen solcher Forschung.

 

"Bei allem Verständnis für die Warnungen, der Mensch maße sich an, Gott zu spielen und Designer-Babys zu züchten: Die fantastischen Möglichkeiten des therapeutischen Klonens wiegen schwerer. Die Frage der Würde stellt sich ja nicht nur im Umgang mit embryonalen Stammzellen. Sondern auch im Umgang mit schwerkranken Menschen. Selbstverständlich leitet sich die Pflicht zur Hilfe und Heilung auch aus den konkreten Möglichkeiten ab, die jeweils zur Verfügung stehen. Die Frage der Würde ist immer auch eine Frage der Perspektive."

 

Die "Märkische Oderzeitung" aus Frankfurt an der Oder sieht zwar die Notwendigkeit, Kranken zu helfen - hält den Weg der Forscher in den USA aber für falsch.

 

"Stammzellen haben ein gewaltiges Potenzial, um schwer Kranken zu helfen. Es wäre unverantwortlich, das nicht zu nutzen. Aber es müssen gesellschaftlich akzeptierte Normen dafür ausgehandelt werden. Inzwischen gibt es ethisch vertretbare Verfahren, mit denen Stammzellen ohne Klonen erzeugt werden können. Ihr Einsatz in einer Klinik scheint nur eine Frage der Zeit. Das Klonen menschlicher Embryonen als Rohstofflager ist hingegen nicht akzeptabel."

 

Die "Neue Westfälische" aus Bielefeld verweist ebenfalls auf alternative Methoden, Stammzellen zur Behandlung von Krankheiten zu gewinnen. Jetzt sei es an der Politik, solche Klon-Experimente in Deutschland auch in Zukunft nicht zu erlauben.

 

"In Deutschland ist es verboten, das Embryonenschutzgesetz lässt da keinen Spielraum. Aber schon jetzt taucht am Horizont die Frage nach der internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf mit dem bekannten Argument "Wenn wir es nicht machen, machen es die anderen". Da heißt es standhaft bleiben. Die regenerative Medizin, die vielleicht schon bald Blinde wird sehen und Gelähmte wird gehen lassen, braucht keine Klontechnik mehr."

 


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (17.05.2013)


16.05.2013

Viel Lob für schnelle Tarifeinigung in der Metall- und Elektroindustrie

Es ging schneller als erwartet: In der Metall- und Elektroindustrie haben sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft gestern auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt: Ab Juli bekommen die Arbeitnehmer 3,4 Prozent mehr Geld, im Mai nächsten Jahres ist ein weiteres Plus von 2,2 Prozent vorgesehen. Der Abschluss betrifft zunächst nur Bayern. In Nordrhein-Westfalen wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft heute darüber entscheiden, ob sie die Einigung übernehmen.

In den Kommentaren der Tageszeitungen gibt es viel Lob für die schnelle Einigung - zum Beispiel von den "Westfälischen Nachrichten" aus Münster:

Ein Streik ist abgewendet. Auffallend zufriedene Mienen stellen Gewerkschafter und Arbeitgeber zur Schau. Deutlich mehr Geld für die eine Seite - Planungssicherheit für 2013 und 2014 für die andere Seite. So geht's also auch: schiedlich-friedlich.

Die "Westdeutsche Zeitung" aus Düsseldorf meint, dass sich andere Branchen an den Metallern ein Beispiel nehmen sollten. Allerdings äußert sie auch Kritik: Die vielen Warnstreiks zuvor seien nicht nötig gewesen.

Im Jahr 2013 sollten eigentlich Tarifkonflikte zwischen intelligenten Menschen nicht mehr dadurch gelöst werden müssen, dass man mit Transparenten durch die Straßen zieht, Parolen skandiert, Werkstore blockiert oder als Unternehmen seine Mitarbeiter aussperrt - und am Schluss doch kein nennenswert anderes Ergebnis als ohne all das Spektakel erreicht.

Ähnlich sieht das auch der Kommentator der "Kieler Nachrichten" - die Kritik an den Warnstreiks teilt er allerdings nicht.

Die sehr schnelle Tarifeinigung in der Metall- und Elektroindustrie zeugt vom positiven Geist einer Sozialpartnerschaft. Dabei ließen sowohl Arbeitgebervertreter als auch die IG Metall Federn - betont wurde jedoch nur das Positive. Fakt ist: Die Art der Lohnfindung mit flächendeckenden Protestaktionen gehört zum Spiel dazu, die Art und Weise der zügigen Einigung könnte jedoch als Blaupause für künftige Verhandlungen auch in anderen Branchen stehen.

Nicht ganz so positiv bewertet die "Stuttgarter Zeitung" den Tarifabschluss und rechnet vor:

5,6 Prozent ergeben auf den ersten Blick ein imposantes Plus. Mit diesem Wert deutlich über der Inflationsrate wird die Kaufkraft gestärkt - das war das Kernvorhaben der IG Metall. Freilich gelten die 5,6 Prozent für 20 Monate. Das relativiert die hohe Zahl, denn selbst der öffentliche Dienst liegt nur unwesentlich unter diesem Ergebnis: Auch dort gibt es 5,6 Prozent mehr - allerdings für zwei volle Jahre. Die Metaller gehören ohnehin zu der Minderheit der Arbeitnehmer in Deutschland, die sich noch kontinuierlicher Einkommenssteigerungen erfreuen. Doch auch für sie wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

Für die "Frankfurter Rundschau" ist die Einigung ein wichtiges Zeichen: Zu lange seien in Deutschland insgesamt die Einkommen der Arbeitnehmer viel zu gering gestiegen. Die Zeitung meint allerdings auch, dass  solche Tarifabschlüsse allein grundsätzlich nicht reichen.

Ein Mindestlohn würde die Lohnkluft verringern - und mehr Tarifverträge, die für alle Firmen einer Branche verbindlich sind. Mehr Tarifverträge dieser Art wären gerade in Deutschland angemessen. Denn bei uns arbeiten viel weniger Arbeitnehmer tarifgebunden als anderswo. Überdies würde der Wettbewerb fairer, weil es schwieriger wäre, sich Konkurrenzvorteile über Lohndumping zu verschaffen.


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (16.05.2013)


15.05.2013

BGH-Urteil: Google muss Schutz der Persönlichkeitsrechte gewährleisten

Der Bundesgerichtshof hat die Rechte der Betreiber von Internetsuchmaschinen wie Google eingeschränkt. Sie müssen bei eingegebenen Suchbegriffen automatische Ergänzungsvorschläge streichen, wenn dadurch Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

Dazu schreiben die "Westfälischen Nachrichten" aus Münster:

"Dass Internet-Unternehmen wie der Suchmaschinenriese Google ihre Statistiken permanent auswerten und die Suche nach "Rotlicht" vorschlagen, kaum dass ein Nutzer "Bettina Wulff" geschrieben hat, müssen die Promis nun nicht mehr hinnehmen. Erfreulich, dass auch im Internet nicht alles erlaubt ist, was technisch möglich ist. Ärgerlich allerdings, dass die Verantwortlichkeiten verschoben bleiben. Nicht der Informationskrake Google muss seine 'Eingabehilfen' von Anrüchigkeiten freihalten. Sondern der Betroffene muss Schmähungen im Einzelfall nachweisen und unterbinden lassen."

Der "Kölner Stadtanzeiger" meint zu dem Urteil:

"Eine Skatregel sagt: Was liegt, liegt. Aber das Internet ist kein Skatturnier, ein rufmörderisches Gerücht im Netz genießt keinen Bestandsschutz. Es ist besser heute als morgen zu löschen. Google hat das als 'Zensur' bezeichnet. Aber wer das Gebot, einen Rufmord zu eliminieren, als Zensur betrachtet, der hält auch das Verbot des Mordes für einen unzulässigen Eingriff in die Handlungsfreiheit."

Die "Märkische Oderzeitung" hält die Entscheidung des Gerichts für gut, weil sie allen gerecht werde: Google, den Betroffenen und den Internetnutzern:

"Googles Suchhilfe hat Vorteile: Die Suche geht schneller und zielgerichteter vonstatten. Es gibt aber auch Nachteile. Denn Google bildet dabei nicht nur Fakten, sondern auch Gerüchte ab. Und kann eine Spirale in Gang setzen, die kaum noch zu stoppen ist. Sprich: Klicken mehr Nutzer den zusätzlichen Begriff an, wird er auch häufiger vorgeschlagen. Und wie das so ist, wenn ein Gerücht nur häufig genug wiederholt wird, speichert es die Allgemeinheit irgendwann als Wahrheit ab. Das aktuelle BGH-Urteil bietet für dieses Dilemma nun eine salomonische Lösung."

Auch für einen global agierenden Konzern gebe es im Internet Grenzen der Freiheit, kommentiert die "Ludwigsburger Kreiszeitung":

"Einer, der eine Pinwand auf dem Marktplatz aufstellt, muss sie nicht ständig bewachen. Aber er kann auch nicht so tun, als habe er nichts damit zu tun, wenn sie zum Beispiel mit Nazi-Parolen oder Pornografie beklebt wird. Dann muss er einschreiten. Eingriffe im Einzelfall sind zumutbar, auch für Google, das im Übrigen in China schließlich sogar die allgemeine Zensur klaglos akzeptiert."

Nicht die Internet-Nutzer würden das Netz steuern, sondern die Suchmaschine die Surfer, heißt es im "Mannheimer Morgen":

"Über die Auswahlkriterien des legendären Google-Algorithmus schweigt sich das Unternehmen aus. Angeblich gibt es eine Liste mit verbotenen Begriffen, die auf dem Index stehen. Außerdem erstellt Google ein detailliertes Profil des Nutzers. Geben zwei Büro-Angestellte denselben Suchbegriff ein - landen sie verschiedene Treffer. Gut, dass der Bundesgerichtshof die Krake Google wenigstens ein wenig gezähmt hat."

Die "Süddeutsche Zeitung" aus München hält die Bedenken für übertrieben.

"Der Bundesgerichtshof verlangt dem Unternehmen lediglich Dinge ab, die es längst leistet. Gegen die Verbreitung von Kinderpornografie und Holocaust-Leugnungen hat Google sogar einen Filter eingerichtet, der weit über die höchstrichterlichen Forderungen hinausgeht: Suchergebnisse dazu werden von Google automatisiert herausgefiltert. Außerdem reagiert das Unternehmen nach eigenen Angaben schon jetzt auf Anfragen wegen verletzter Urheber- oder Markenrechte. Warum also die Aufregung?"


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (15.05.2013)


14.05.2013

Agenda-2010-Kritiker soll Arbeitsminister der SPD werden

Eigentlich wollte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erst heute einen Teil seines Wahlkampfteams vorstellen. Weil einige Personalien aber bereits durchgesickert waren, trat er gestern schon vor die Presse.   Kritische Stimmen wurden anschließend in den meisten Zeitungen vor allem wegen IG-Bau-Chef Wiesehügel laut. Sollte die SPD die Bundestagswahl gewinnen, soll er Arbeitsminister werden. Der "Mannheimer Morgen" wundert sich über diese Entscheidung:

"Klaus Wiesehügel mag ein verdienstvoller Gewerkschaftsvorsitzender sein. Doch er hat eine unrühmliche SPD-Vergangenheit. Dass Steinbrück das Arbeits- und Sozialressort einem der schärfsten Kritiker der Agenda 2010 verspricht, ist ein schlechter Witz. [...]Wiesehügel müsste über die Umsetzung jener Reformen wachen, die er stets massiv bekämpft hat. Gestern sagte er zwar, kein «unversöhnlicher Gegner» der Rente mit 67 mehr zu sein. Doch bleiben gewaltige Zweifel wahlweise an Wiesehügels Kompetenz oder Glaubwürdigkeit."

Auch die "Saarbrücker Zeitung" ist skeptisch:

"Wahr ist allerdings, dass die Partei mit ihrem Wahlprogramm so weit nach links gerückt ist, dass man es einem wie Wiesehügel allemal eher abnimmt als Steinbrück selbst. Im besten Fall kann daraus eine erfolgreiche Arbeitsteilung werden. Im schlimmsten Fall würden Erinnerungen an Paul Kirchhof wach. Der Finanz-Experte sollte im Wahlkampf 2005 für die Union punkten, doch seine radikalen Steuer-Ideen wurden zum Alptraum für die C-Parteien. Auch Wiesehügel ist immer für Alleingänge gut."

Die "Neue Westfälische" aus Bielefeld lobt dagegen Steinbrücks Wahl:  

"[Sie) schürt die Hoffnung, dass Steinbrück, sollte er tatsächlich Kanzler werden, sein Kabinett nach Eignung besetzt und nicht nach Regionalproporz oder Dauer der Parteizugehörigkeit. Ein Kabinett sollte immer aus den Besten gebildet werden und nicht aus denen, die versorgt werden müssen, wie es unter Schwarz-Gelb leider zu häufig der Fall gewesen ist."

Die "Pforzheimer Zeitung" meint, Steinbrück habe sich mit seinem Team auf ein Merkmal der SPD besonnen, das sie über Jahrzehnte stark gemacht habe: die Kraft der Volkspartei.

"Diese gründet nicht allein auf die gewerkschafts-organisierte Arbeitnehmerschaft. Mittlerweile sind das intellektuelle Spektrum und die bürgerliche politische Mitte hinzu gekommen. Allein schon deshalb muss Steinbrück sein Kompetenzteam nach allen Richtungen öffnen. (...) Steinbrück zeigt sich damit als Kanzlerkandidat der Tradition und der Moderne gleichermaßen."

Bisher hat der SPD-kanzlerkandidat erst drei Mitglieder seines Kompetenzteams vorgestellt - die "Mittelbayerische Zeitung" aus Regensburg findet das eine gute Taktik. Auf diese Weise könne Steinbrück sich für einen längeren Zeitraum eher positive Aufmerksamkeit sichern:

"Die wird er auch brauchen, um Boden gut zu machen. Die Umfragen für die SPD sind zum Weinen. Sie dümpelt trotz der aktuellen Gerechtigkeitsdebatte - das Kernthema der Partei schlechthin - um die 26 Prozent. Der SPD-Herausforderer muss in den kommenden Monaten vor allem deutlich machen, was er anders machen würde und warum er der bessere Kanzler wäre. Bislang ist ihm das nicht geglückt, weil er sich zu oft selbst ein Bein stellte."

Die "Aachener Zeitung" schließlich kritisiert vor allem die Größe von Steinbrücks Wahlkampfteam. Zehn bis zwölf Frauen sollen es werden - halb soviele hätten nach Ansicht der Zeitung auch gereicht, um die Breite der Volkspartei darzustellen:

"So offenbart sich einmal mehr jenes Problem, dass sich die SPD-Führung nicht einigen kann. Also versucht sie, Risse mit Masse zu füllen. Die SPD muss und sollte nicht merkelianisch wie die CDU werden. Aber mit einem Spitzenteam, dem mehr Leute angehören als einer Fußballmannschaft, wird sie auf der Überholspur nicht genügend beschleunigen können. Und das wäre nötig, um die Union zu zwingen, Merkel mit Inhalten zu verbinden."


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (14.05.2013)


13.05.2013

Bombenanschläge in türkischer Grenzstadt zu Syrien

Die Türkei vermutet, dass Anhänger des syrischen Präsidenten Assad hinten den beiden Bombenanschlägen in der türkischen Grenzstadt Reyhanli stecken. Dort waren am Samstag 46 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden. In der Grenzstadt leben auch tausende syrische Flüchtlinge.

Die Anschläge zeigten einmal mehr, wie verworren die Lage in der Region ist, schreibt die "Neue Osnabrücker Zeitung":


"Zwar sagt die türkische Regierung den festgenommenen mutmaßlichen Attentätern Kontakte zum Regime von ... Assad nach. Doch selbst wenn sie solche Verbindungen nachweist, belegten diese noch nicht, dass der Diktator hinter den Bluttaten steckt. Für Premier ... Erdogan ist es schlicht die einfachste Reaktion, die Explosionen seinem Feind Assad anzulasten. Dabei stellt sich die Frage, was dieser sich davon versprechen könnte, die Lage an der türkisch-syrischen Grenze zu verschärfen."


Die "Badische Zeitung" aus Freiburg hielte es für viel zu riskant, wenn sich die Türkei in diesen blutigen Konflikt hineinziehen lassen würde.

"Bereits Ende der 1990er Jahre standen beide Länder am Rand eines Krieges. Damals erreichte die Türkei mit einem massiven Truppenaufmarsch an der Grenze, dass Syrien den PKK-Führer Abdullah Öcalan des Landes verwies. Das war ein Konflikt mit klaren Konturen. Heute ist die Lage komplizierter, wo im syrischen Bürgerkrieg die Fronten verlaufen, weiß niemand genau. "


Auch der "Kölner Stadt-Anzeiger" hofft auf eine besonnene Reaktion der türkischen Regierung:

"Zur kaum kalkulierbaren politischen Gemengelage in dem Konflikt gehören auch die Aktivitäten militanter Kurden im Norden Syriens, die offenbar auf der Seite des Assad-Regimes kämpfen. Die Politiker in Ankara wären gut beraten, einen kühlen Kopf zu bewahren und auf militärische Vergeltung zu verzichten - so schwer das angesichts der mörderischen Anschläge auch fallen mag. Ein türkisches Eingreifen könnte den syrischen Bürgerkrieg zu einem Flächenbrand anfachen, der weitere Länder im Nahen Osten erfasst. "  

Die "Landeszeitung" aus Lüneburg kritisiert die Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft, das Blutvergießen in Syrien zu beenden:

"Immer stärker greift der Konflikt mit bislang mehr als 80 000 Todesopfern auf die Nachbarstaaten über. Sollten sich türkische Vermutungen bestätigen, dass das Blutbad in der Grenzstadt Reyhanli ebenfalls auf das Konto des Regimes Assad geht, trägt die Weltgemeinschaft auch daran ein Stück Mitverantwortung. Der Bombenterror erhöht den Druck, der Verdacht des Einsatzes von Chemiewaffen im Bürgerkrieg noch mehr: Wie lange wird man sich noch beschränken können auf die Zuschauerrolle bei der drohenden Entstehung eines Flächenbrandes".


Auch die "Berliner Zeitung" hält es für immer dringlicher, dass der Westen aktiv wird:

"Immer mehr wird der Bürgerkrieg zum Flächenbrand, der auch die Nachbarstaaten erfasst. Da es in der Türkei kaum einen Laternenpfahl ohne Kameras gibt und die Türkei offenbar schon im Vorfeld Hinweise auf den Anschlag hatte, konnten schnell Verdächtige identifiziert werden. Sollte das Assad-Regime für die Toten und Verletzten verantwortlich sein, wird der Westen um eine deutliche Reaktion nicht mehr herumkommen. Umso dringlicher wird es, sich endlich mit Russland auf eine gemeinsame Linie zu einigen."


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