Donnerstag, 23.05.2013

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Pressestimmen

Einige Ausgaben von Tageszeitungen liegen an einem Kiosk nebeneinander; Rechte: picture-alliance / dpa
Das meinen die anderen: die Presseschau

23.05.2013

EU Gipfel zum Bankgeheimnis

In der Europäischen Union soll das Bankgeheimnis bis zum Jahresende praktisch fallen. Darauf verständigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem Treffen in Brüssel.

 

Dazu bemerkt die "Süddeutsche Zeitung":

 

"Wegen des immensen internationalen Drucks sagen nun immer mehr Länder zu, die Kapitalerträge ausländischer Kontoinhaber künftig automatisch an deren Finanzämter zu melden. In Bern wie in Wien tobt deshalb nun eine innenpolitische Schlacht, weil Populisten der Regierung vorwerfen, eingeknickt zu sein und das Bankgeheimnis auch der eigenen Bevölkerung geopfert zu haben. Doch das ist Unsinn: Wenn sich etwa die Schweizer in ihrer Weisheit selbst ein striktes Bankgeheimnis verschreiben wollen, ist das ihr gutes Recht. Dieses gute Recht verwandelt sich nur dann in Unrecht, wenn es auch Dritten gewährt wird, die damit offenkundig Missbrauch betreiben. Dann gehört es geändert oder abgeschafft."

 


Die EU lüftet das Bankgeheimnis und macht jetzt Jagd auf Steuersünder, so die "Berliner Zeitung". Der Kommentator schreibt weiter:

"Die Zinsrichtlinie zum Austausch der Kontodaten von ausländischen Sparern - eigentlich schon seit 2005 in Kraft - wird auf Österreich und Luxemburg ausgedehnt. Vielleicht schon zum Jahresende. Endlich. Wer im Ausland unterschlagene Konten unterhält, sollte sich also rasch mit seinem Finanzamt in Verbindung setzen. Das ist die verbraucherpolitische Nachricht dieses Gipfels. Die andere ist eine zutiefst politische: Der Austausch von Kontodaten ist der Einstieg in eine gemeinsame europäische Steuerpolitik. Angesichts der Steuerpraktiken von Apple, Ikea & Co ist die Debatte über eine Harmonisierung von Unternehmensabgaben überfällig."

 

Es ist Aufgabe der Politik, für Steuergerechtigkeit zu sorgen - bei Privatleuten und bei Unternehmen, meint die "Westdeutsche Zeitung" aus Düsseldorf:

 

"Das kann aber nur dann gelingen, wenn Betrug geahndet und Schlupflöcher gestopft werden. Und das nicht nur in einem Land, sondern mindestens europaweit. Die ersten Schritte sind getan. Die Europäer haben nun die Chance, bei einem Thema endlich einmal gemeinsam erfolgreich zu punkten."

 

Nun wird Steuerflucht in der EU bald zu einem hochgefährlichen Unternehmen, heißt es im Kommentar der "Stuttgarter Nachrichten":

 

"Es werden keine moralischen Erwägungen gewesen sein, die den Durchbruch bewirkt haben. Er ist vielmehr Ausdruck einer nüchternen politischen Kalkulation: Die Europäische Union hat bei den Bürgern derzeit keinen guten Stand. Das Jonglieren mit milliardenschweren Rettungsschirmen hat bei vielen Menschen den Verdacht geschürt, die ehrlichen Steuerzahler in den Mitgliedsländern müssen geradestehen für einen grenzen- und zügellosen Finanzmarkt."

 

Abschließend die "Neue Osnabrücker Zeitung" zum baldigen Ende des Bankgeheimnisses in der EU:

 

"Geschätzt eine Billion Euro entgehen den EU-Staaten jedes Jahr durch Steuervermeidung. Es ist höchste Zeit, dass sich dies ändert. Es kann nicht sein, dass die Masse der Bürger zur Kasse gebeten wird, während sich trickreiche Anleger und Konzerne einer fairen Beteiligung entziehen. Viel zu lange schon sind die Ehrlichen die Dummen. Nun kommt es darauf an, dass den Lippenbekenntnissen auch Taten folgen. Dass die EU-Mitglieder Österreich und Luxemburg sich immer noch zieren, ist eine Unverschämtheit."


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (23.05.2013)


22.05.2013

Die deutsche Sozialdemokratie begeht in dieser Woche den 150. Gründungstag der SPD

Die Veranstaltung in Leipzig findet bei politischen Freunden wie Gegnern Aufmerksamkeit. In den Zeitungskommentaren wird der "Blick zurück" mit der aktuellen Lage vor den Bundestagswahlen im September verbunden.

So schreibt die "Westdeutsche Zeitung" aus Düsseldorf, SPD-Chef Gabriel sei ganz nah bei Parteigründer Lassalle, wenn er sage, die SPD sei da wo es "Stinkt und brodelt". Das Blatt weiter:


"Heute ist von dieser Strahlkraft nicht viel übrig. Die Mitgliederzahl hat sich seit den 1970er Jahren halbiert. Bei der Bundestagswahl 2009 machten so wenig Wähler wie nie zuvor ihr Kreuzchen bei der SPD. Die Rückkehr ins Kanzleramt ist fraglich. Zu unglücklich agiert der - in der Partei ohnehin mit zu wenig Rückhalt gesegnete - Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Da mag die SPD an Rhein und Ruhr gestern noch so selbstbewusst die Losung "40 Prozent plus x" für den Urnengang ausgegeben haben - die Sozialdemokratie steckt 150 Jahre nach ihrer Gründung in ihrer schwersten Krise. Von Feierlaune keine Spur."  


Manchmal könne sich eine große Geschichte auch als Last erweisen, meint die "Frankfurter Rundschau":


"So hat die SPD bis an die Grenze der Selbstverleugnung zehn Jahre lang mit ihren eigenen Arbeitsmarkt- und Rentenreformen gehadert. Statt pragmatisch jene Entwicklungen - wie die Ausweitung der Leiharbeit zu lasten der regulären Beschäftigung - zu korrigieren, die bei der Verabschiedung der Gesetze nicht vorhergesehen wurden und an jenen festzuhalten, die sich als vorausschauend erwiesen, haben die Genossen einen Glaubenskrieg geführt." 


Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung " aus Essen erinnert an den idealistischen Kern der Sozialdemokratie. Sie wolle die Welt besser machen, jeden Tag ein bisschen gerechter, aber:


"Gibt es noch jemanden, der nicht für gerechte Löhne wäre? Gegen prekäre Beschäftigung? Für Einwanderung. Gegen Atomenergie. Für die Kappung der Bankenmacht. Gegen den Casino-Kapitalismus. Der Geist der Zeit weht, wo er will. Seit einigen Jahren weht er jedenfalls nicht mehr liberal, sondern sozialdemokratisch. So richtig freuen sich Sozialdemokraten aber nicht über diesen Erfolg. Vielleicht liegt das an Angela Merkel, der Freibeuterin. Vielleicht an der ungeliebten Schröder-Agenda, die umso unbeliebter in der Partei zu werden scheint, je mehr deren Erfolg für Deutschland sichtbar wird."  


Auch der politische Gegner zollt Respekt, in Leipzig, so scheibt der "Münchner Merkur", verneige sich Europa vor einer wahrhaft großen Partei und erinnert an das "Nein" zu Hitlers Ermächtigungsgesetz 1933. Aber ein Franzose als Hauptredner?:  


"Man kann darüber streiten, ob sich die deutschen Sozialdemokraten zu ihrem Fest zum 150. Geburtstag mit Francois Hollande den richtigen Laudator ausgesucht haben. Frankreichs sozialistischer Präsident verweigert in seiner Heimat trotzig die Versöhnung linker Politik mit den Erfordernissen der modernen Ökonomie, die die deutschen Genossen mit der Agenda 2010 leidvoll vollzogen haben. Die Volkspartei SPD ist fast zerbrochen an dem Versuch, ihre Ideale in Einklang mit der Wirklichkeit zu bringen." 


Die SPD saß nur 30 Jahre ihrer langen Geschichte auf der Regierungsbank, kommentiert die "Mitteldeutsche Zeitung"  aus Halle. Dass ihr im Herbst der Sprung ins Kanzleramt glücke, sei nicht ausgemacht:


"Wahrscheinlicher scheint derzeit ein Platz als Juniorpartner der Union oder eine Rückkehr in die Opposition. Beide Varianten wären für die SPD extrem schmerzhaft. So werden die Genossen ihren Geburtstag freudig feiern. Doch insgeheim ahnen sie: Mit ihnen zieht noch nicht die neue Zeit."  


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (22.05.2013)


13.05.2013

Verteidigungsminister wegen Drohnen in Erklärungsnot

Wegen des gescheiterten Drohnenprojekts der Bundeswehr muss sich Verteidigungsminister de Maizère immer mehr Kritik gefallen lassen. Die Opposition wirft ihm vor, die Schwierigkeiten mit dem "Euro Hawk" lange verschwiegen zu haben. Der Koalitionspartner FDP fordert, jetzt auch die deutsche Beteiligung an einem ähnlichen Drohnenprojekt der NATO auf Eis zu legen bis Zulassungsprobleme geklärt sind.

 In vielen Zeitungskommentaren ist von einem Skandal die Rede. Die "Rheinische Post" aus Düsseldorf kommentiert:

 
"Als 'Meilenstein in der Luftaufklärung' hat die Bundeswehr die Drohne "Euro Hawk" anlässlich ihrer ersten Landung in Deutschland vor zwei Jahren gefeiert. Dieser Höhenflug endete abrupt - als vielleicht sogar teuerster Rüstungsflop der deutschen Geschichte. Und immer neue haarsträubende Details werden bekannt, zum Beispiel, dass die erste Drohne bei ihrer Überführung aus den USA zeitweise außer Kontrolle geriet. Es ist nachvollziehbar, dass Verteidigungsminister de Maizière als politisch Verantwortlicher nun immer stärker unter Druck gerät. Denn fest steht: Die Notbremse zog er viel zu spät."

 
Der "Kölner Stadtanzeiger" nennt das Verhalten des Verteidigungsministers anrüchig, denn: Noch vor kurzem habe er den "Euro Hawk" im Kabinett gepriesen.

 
"Am 8. Mai legte Thomas de Maizière dem Bundeskabinett seinen Bericht zur Neuausrichtung der Streitkräfte vor, in dem es noch heißt, die Bundeswehr werde insgesamt neun dieser Aufklärungsdrohnen anschaffen. 48 Stunden später entschied er, den 'Euro-Hawk' komplett aufzugeben. Seine Kabinettskollegen dürfen sich zurecht getäuscht fühlen. De Maizière kann nun die von ihm gepredigte 'neue Fehlerkultur' vorleben, indem er eigene Versäumnisse offen eingesteht."

 
Der "Bonner Generalanzeiger" meint, de Maizière habe die Verantwortung für alles, was in seinem Hause passiert - auch wenn schon seine Vorgänger mit dem Euro Hawk zu tun hatten. Der Milliardenflop müsse schnell aufgeklärt werden.

 
"De Maizière spielt auf Zeit, will erst im Juni Bericht erstatten. Sein Haus bremst die Aufklärungsarbeit des Bundesrechnungshofs - noch ein kleiner Skandal. So dürfte das Ganze am Ende zwei Ergebnisse haben: Millionen Steuergelder sind wieder einmal futsch. Und der zuständige Minister dürfte fortan etwas kleinlauter auftreten. Immerhin."

 
Die "Pforzheimer Zeitung" sieht in der Affäre ein Problem für die CDU/CSU. De Maizière sei der einzig Übriggebliebene aus einer ganzen Riege von möglichen Merkel-Nachfolgern.

 
"Ihm bleibt nun nur noch der Schritt in die Offensive. Er muss die Affäre anders angehen als die Guttenbergs, Wulffs oder Schavans. Wenn er die Menschen mit politischer Ehrlichkeit überrascht, kann er sogar wieder werden, was er einmal war: ein Hoffnungsträger für die CDU."

 
Der Kommentator der "Welt" aus Berlin nennt das Drohnen-Debakel im negativen Sinne "rekordverdächtig". Es sei von den Stäben im Verteidigungsministerium jahrelang herbeigeplant worden.

 
"Es ist vor allem die lange Vorgeschichte, die grundsätzliche Fragen aufwirft und Forderungen nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers als wohlfeilen Reflex der Opposition im Wahlkampf erscheinen lässt. Denn ob am Ende ein Minister den Hut nehmen muss oder nicht, wird dem Steuerzahler herzlich wenig nützen. Viel interessanter ist es doch, warum ein Bundesministerium über bald zehn Jahre hinweg Konzeption und Beschaffung eines Flugwaffensystems betreiben konnte, das offenbar zu keinem Zeitpunkt Chance auf Zulassung im europäischen Luftraum hatte. Und wie Derartiges in Zukunft verhindert werden kann."

 
Das waren die Pressestimmen im WDR-5-Morgenecho, zusammengestellt von Yvonne Müther.


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (21.05.2013)


18.05.2013

Atommüll-Endlagergesetz im Bundestag eingebracht

Von einem "historischen Durchbruch" sprach Umweltminister Altmaier gestern im Bundestag. Anlass war die Debatte über das Gesetz zur Endlagerung des Atommülls. Er beschrieb damit, dass die Regierungskoalition und die Oppositionsparteien, die den Bundesrat beherrschen, bei diesem Jahrhundertprojekt an einem Strang ziehen wollen.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sieht das genauso: 

Wenn Politiker, die gewöhnlich in Wahlperioden von vier bis fünf Jahren Dauer denken, plötzlich von einer Verantwortung reden, die einer Million Jahre gerecht werden müsse, liegt die Vermutung nahe, dass sich da jemand übernimmt. Doch das Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standorts für ein atomares Endlager ist so sorgsam austariert, dass es auch in einer Million Jahren noch als Trophäe deutscher Konsenskultur herhalten kann.

 

Der Kommentator der "Nürnberger Nachrichten" äußert dagegen deutliche Zweifel:

Das geplante Gesetz ist unzureichend ausgearbeitet. Denn die Union war es, die Atomkraftwerke bis vor gut zwei Jahren mit Zähnen und Klauen verteidigt hat und sie bis ins Jahr 2040 laufen lassen wollte. Da kann es jetzt nicht sein, dass nur die von Sozialdemokraten und Grünen geführten Länder Zwischenlager für Castor-Behälter anbieten, die von Konservativen geführten Regierungen sich aber klammheimlich aus der Verantwortung für ihre Energiepolitik stehlen wollen.

 

Die "Allgemeine Zeitung" aus Mainz befürchtet das Schlimmste und sieht noch einen langen, schweren Weg vor den Parteien:

Es droht ein wüstes Gezerre, ein Hauen und Stechen. Das St. Florians-Prinzip: Verschon' mein Haus, zünd' andere an. Dabei kann man denen, die den unseligen Unrat vom Hals haben wollen, nicht einmal böse sein. Letztlich darf es aber nicht darauf ankommen, welche Politiker ihre Region am effizientesten verteidigen können, sondern darauf, wo das Zeug tatsächlich am sichersten unterzubringen ist - wobei "sicher" auch da leider nur ein relativer Begriff ist. Die Region, die es trifft, verdient Entschädigung, und sei es, wie beim Fluglärm, dergestalt, dass Hausbesitzer an die öffentliche Hand verkaufen können.

 

 

Die Koblenzer "Rhein-Zeitung" schlägt in dieselbe Kerbe und sieht die Politik in einem Dilemma:

 

Einerseits drängt die Zeit angesichts auslaufender Genehmigungsfristen etwa in Gorleben und zunehmender Einsturzgefahren in der Asse. Andererseits braucht es viel Glaubwürdigkeit und Überzeugungsarbeit, um die Menschen in einer ausgewählten Region dafür zu gewinnen, dass vor ihrer Haustür jahrhundertelang strahlender Atommüll gelagert wird. Es wird wichtig sein, dass dieser Balanceakt nicht einem Minister zugemutet, sondern von einer breiten Koalition bewältigt wird.

 

Nach Ansicht der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" zeichnet sich nun doch wieder ein Parteienstreit ab. Kein Wunder im Wahljahr:

 

Das Schulterklopfen kann sich Bundesumweltminister Peter Altmaier sparen. Da lobt der Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel die Niedersachsen als "Premium-Partner" beim parteienübergreifenden Konsens für ein Atomendlager-Suchgesetz, und plant dreist ein atomares Zwischenlager in der Wesermarsch für einen Teil der noch im Ausland wartenden 26 Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll. Nein, so geht kein Konsens. Den Atommüll rot-grünen Landesregierungen in Hannover, Kiel und Stuttgart aufs Auge zu drücken und die wahlkämpfenden schwarz-gelben Parteifreunde in Hessen und Bayern zu schonen, spricht jedem Ansatz von fairer Lastenverteilung Hohn.


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Pressestimmen im WDR 5 Morgenecho (18.05.2012)


17.05.2013

Klon-Experiment in den USA wirft ethische Fragen auf

Es ist ein Experiment, das manchen Hoffnung macht und anderen Angst. Forscher in den USA haben nach eigenen Angaben das Erbmaterial einer Hautzelle in eine Spender-Eizelle verpflanzt - und so einen geklonten Embryo erzeugt, um Stammzellen zu gewinnen. Solche Stammzellen können sich in alle möglichen Körperzellen entwickeln und damit - so die Hoffnung - könnte man irgendwann Gewebe herstellen, um Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose zu behandeln.

Viele Zeitungskommentatoren warnen aber vor dem ethischen Problem, das damit verbunden ist. Der "Mannheimer Morgen" schreibt über die Forscher:

 

"Wie man es auch dreht: Sie haben im Labor menschliches Leben geschaffen und wieder zerstört. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass dies in einem frühen Entwicklungsstadium geschah. Was aber noch viel schwerer wiegen dürfte: Mit ihrer Veröffentlichung haben sie der Welt das Rezept für die Schaffung von Menschen im Labor geliefert."

 

 

Genau dieser Punkt beunruhigt auch den "Münchner Merkur":

 

"Irgendwann wird sich sicher jemand finden, der einen geklonten Embryo auch einer Frau einsetzt, damit sie ein Klonkind austrägt. Vielleicht in einem Land, in dem man es mit Menschenrechten nicht so genau nimmt. Von Wissenschaftlern sollte man eigentlich mehr Weitblick erwarten! Doch fühlen sich einige offenbar weniger dem Wohl der Menschheit als ihrem Ego verpflichtet."

 

Doch selbst wenn am Ende keine geklonten Kinder geboren werden - die "Südwest Presse" aus Ulm findet es problematisch, einen geklonten Embryo zu erzeugen, um Stammzellen zu gewinnen.

 

"Jedes Leben beginnt nunmal mit einem Zellhaufen. Hier Grenzen zu ziehen, wann menschliche Existenz beginnt, ist mehr als schwierig. Sie führt sofort zu Überschreitungen, die nicht einzudämmen sind."

 

Der Kommentator der "Saarbrücker Zeitung" betont dagegen auch die Chancen solcher Forschung.

 

"Bei allem Verständnis für die Warnungen, der Mensch maße sich an, Gott zu spielen und Designer-Babys zu züchten: Die fantastischen Möglichkeiten des therapeutischen Klonens wiegen schwerer. Die Frage der Würde stellt sich ja nicht nur im Umgang mit embryonalen Stammzellen. Sondern auch im Umgang mit schwerkranken Menschen. Selbstverständlich leitet sich die Pflicht zur Hilfe und Heilung auch aus den konkreten Möglichkeiten ab, die jeweils zur Verfügung stehen. Die Frage der Würde ist immer auch eine Frage der Perspektive."

 

Die "Märkische Oderzeitung" aus Frankfurt an der Oder sieht zwar die Notwendigkeit, Kranken zu helfen - hält den Weg der Forscher in den USA aber für falsch.

 

"Stammzellen haben ein gewaltiges Potenzial, um schwer Kranken zu helfen. Es wäre unverantwortlich, das nicht zu nutzen. Aber es müssen gesellschaftlich akzeptierte Normen dafür ausgehandelt werden. Inzwischen gibt es ethisch vertretbare Verfahren, mit denen Stammzellen ohne Klonen erzeugt werden können. Ihr Einsatz in einer Klinik scheint nur eine Frage der Zeit. Das Klonen menschlicher Embryonen als Rohstofflager ist hingegen nicht akzeptabel."

 

Die "Neue Westfälische" aus Bielefeld verweist ebenfalls auf alternative Methoden, Stammzellen zur Behandlung von Krankheiten zu gewinnen. Jetzt sei es an der Politik, solche Klon-Experimente in Deutschland auch in Zukunft nicht zu erlauben.

 

"In Deutschland ist es verboten, das Embryonenschutzgesetz lässt da keinen Spielraum. Aber schon jetzt taucht am Horizont die Frage nach der internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf mit dem bekannten Argument "Wenn wir es nicht machen, machen es die anderen". Da heißt es standhaft bleiben. Die regenerative Medizin, die vielleicht schon bald Blinde wird sehen und Gelähmte wird gehen lassen, braucht keine Klontechnik mehr."

 


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Pressestimmen im WDR5 Morgenecho (17.05.2013)


16.05.2013

Viel Lob für schnelle Tarifeinigung in der Metall- und Elektroindustrie

Es ging schneller als erwartet: In der Metall- und Elektroindustrie haben sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft gestern auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt: Ab Juli bekommen die Arbeitnehmer 3,4 Prozent mehr Geld, im Mai nächsten Jahres ist ein weiteres Plus von 2,2 Prozent vorgesehen. Der Abschluss betrifft zunächst nur Bayern. In Nordrhein-Westfalen wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft heute darüber entscheiden, ob sie die Einigung übernehmen.

In den Kommentaren der Tageszeitungen gibt es viel Lob für die schnelle Einigung - zum Beispiel von den "Westfälischen Nachrichten" aus Münster:

Ein Streik ist abgewendet. Auffallend zufriedene Mienen stellen Gewerkschafter und Arbeitgeber zur Schau. Deutlich mehr Geld für die eine Seite - Planungssicherheit für 2013 und 2014 für die andere Seite. So geht's also auch: schiedlich-friedlich.

Die "Westdeutsche Zeitung" aus Düsseldorf meint, dass sich andere Branchen an den Metallern ein Beispiel nehmen sollten. Allerdings äußert sie auch Kritik: Die vielen Warnstreiks zuvor seien nicht nötig gewesen.

Im Jahr 2013 sollten eigentlich Tarifkonflikte zwischen intelligenten Menschen nicht mehr dadurch gelöst werden müssen, dass man mit Transparenten durch die Straßen zieht, Parolen skandiert, Werkstore blockiert oder als Unternehmen seine Mitarbeiter aussperrt - und am Schluss doch kein nennenswert anderes Ergebnis als ohne all das Spektakel erreicht.

Ähnlich sieht das auch der Kommentator der "Kieler Nachrichten" - die Kritik an den Warnstreiks teilt er allerdings nicht.

Die sehr schnelle Tarifeinigung in der Metall- und Elektroindustrie zeugt vom positiven Geist einer Sozialpartnerschaft. Dabei ließen sowohl Arbeitgebervertreter als auch die IG Metall Federn - betont wurde jedoch nur das Positive. Fakt ist: Die Art der Lohnfindung mit flächendeckenden Protestaktionen gehört zum Spiel dazu, die Art und Weise der zügigen Einigung könnte jedoch als Blaupause für künftige Verhandlungen auch in anderen Branchen stehen.

Nicht ganz so positiv bewertet die "Stuttgarter Zeitung" den Tarifabschluss und rechnet vor:

5,6 Prozent ergeben auf den ersten Blick ein imposantes Plus. Mit diesem Wert deutlich über der Inflationsrate wird die Kaufkraft gestärkt - das war das Kernvorhaben der IG Metall. Freilich gelten die 5,6 Prozent für 20 Monate. Das relativiert die hohe Zahl, denn selbst der öffentliche Dienst liegt nur unwesentlich unter diesem Ergebnis: Auch dort gibt es 5,6 Prozent mehr - allerdings für zwei volle Jahre. Die Metaller gehören ohnehin zu der Minderheit der Arbeitnehmer in Deutschland, die sich noch kontinuierlicher Einkommenssteigerungen erfreuen. Doch auch für sie wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

Für die "Frankfurter Rundschau" ist die Einigung ein wichtiges Zeichen: Zu lange seien in Deutschland insgesamt die Einkommen der Arbeitnehmer viel zu gering gestiegen. Die Zeitung meint allerdings auch, dass  solche Tarifabschlüsse allein grundsätzlich nicht reichen.

Ein Mindestlohn würde die Lohnkluft verringern - und mehr Tarifverträge, die für alle Firmen einer Branche verbindlich sind. Mehr Tarifverträge dieser Art wären gerade in Deutschland angemessen. Denn bei uns arbeiten viel weniger Arbeitnehmer tarifgebunden als anderswo. Überdies würde der Wettbewerb fairer, weil es schwieriger wäre, sich Konkurrenzvorteile über Lohndumping zu verschaffen.


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