ZeitZeichen

Ältere Frau mit Kopfhörern liegt auf einer Wiese und hat ihren kopf auf die Hand gestützt; sie schaut zufrieden und interessiert (Rechte: photos.com)

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ZeitZeichen im WDR Radio zum Mitnehmen

Ob Staatsgründung oder Machtverfall, Lebensdaten großer Frauen und Männer, Wendepunkte der Menschheitsgeschichte, Friedensverträge und Katastrophen, Erfindungen und Entdeckungen - im ZeitZeichen auf WDR 5 wird Geschichte lebendig.

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Voll von Düsternis und Tod sind die Werke des österreichischen Dichters Georg Trakl, der als wichtiger Vertreter des Expressionismus gilt. Als Trakl am 3. Februar 1887 in eine Familie des gehobenen Salzburger Bürgertums geboren wird, gibt es für düstere Gedanken eigentlich keinen Grund. Aber Trakl ist empfindsam, leidet unter der Kühle der Mutter und versagt in der Schule. Er flüchtet sich in Dichtung und Drogenkonsum, um seine dunklen Visionen von Sterben, Tod und Vergehen ertragen zu können. Autorin: Daniela Wakonigg © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Der Weltklimarat irrte sich offensichtlich vor fünf Jahren, denn es kommt wahrscheinlich viel schlimmer, als die Wissenschaftler es damals voraussagten: Vor allem China und die USA produzieren immer mehr Kohlendioxid, die Arktis schmilzt schon jetzt in Atem raubenden Tempo. Zunächst schien nach dem Alarmruf von 2007 die Weltgemeinschaft zu handeln, doch nach dem gescheiterten Klimagipfel von Kopenhagen ist jedem Land offensichtlich das Hemd näher als die Hose. Autor: Heiner Wember © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Aus dem Kino der 50er Jahre ist Gustav Knuth kaum wegzudenken: "Grosse Freiheit Nr. 7", "Die Ratten", "Sissi" und "Ich denke oft an Piroschka" waren große Publikumserfolge. Im Fernsehen war Gustav Knuth der Star in Serien wie "Alle meine Tiere", "Salto Mortale" oder "Großer Mann, was nun?". Gustav Knuth war ein Schauspieler voller Wärme und Humor. Sein Credo: "Man muss Menschen lieben, um sie darstellen zu können, und man muss tolerant sein." Autor: Detlef Wulke © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Die 68er klagten den Literaturwissenschaftler aus altem schlesischen Adel als übermächtigen Strippenzieher der westdeutschen Germanistik an. Auch als frühes NSDAP-Mitglied und universitärer Mitläufer im Dritten Reich war Professor Benno von Wiese verschrien. Doch konnte ihm niemand seine Kompetenz als Schiller- und Tragödien-Experte absprechen. Mit seinen Sammelbänden, auch zu Novelle und Lyrik, prägte er mehrere Deutschlehrer-Generationen. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Der rätselhafte und bis heute unaufgeklärte Mord an Olof Palme verstellt oft den Blick auf die Lebensleistung des charismatischen schwedischen Politikers. In den 70er und 80er Jahren prägte der Sozialdemokrat das Gesicht Schwedens als moderner, sozial gerechter und weltoffener Staat. Palme, der selbst aus einer großbürgerlichen Familie stammte, engagierte sich aber auch international für eine klassenlose Gesellschaft und gegen Krieg und Unterdrückung. Er war ein Vollblutpolitiker, gut befreundet mit Willy Brandt und Bruno Kreisky, mit denen er das Schicksal teilte, im Ausland zeitweise beliebter zu sein, als zu Hause. Autor: Herwig Katzer © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Er hörte auf den urdeutschen Namen Fritz, stammte aus Bielefelder Textiladel und war dennoch neben Edward Elgar einer der talentiertesten und "britischsten" Komponisten um 1900. Um sein Studium am Leipziger Konservatorium musste der in York geborene Delius (bald nannte er sich englisch "Frederick") seinen Vater, der ihn partout zu einem braven Textilhändler machen wollte, lange bitten. Viele seiner Sinfonischen Dichtungen und Chorwerke - darunter die großformatige Mass of Life auf Texte aus Nietzsches Zarathustra - gehören zu den bedeutendsten Werken der späten Romantik in Europa. Autor: Michael Struck-Schloen © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Jackson Pollock der Malerstar des abstrakten Expressionismus gehört zur ersten Generation der amerikanischen Nachkriegsavantgarde. Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn ist seine Arbeit noch geprägt vom Kubismus und Surrealismus. Ab 1946 entwickelt er die Dripping-Technik: Seine Leinwände liegen auf dem Boden und er lässt Farbe darauf tropfen. Er schüttet, sprengt und spachtelt, so dass sich Strukturen und Muster aus Farbspritzern bilden. Mit diesen Bildern wird Jackson Pollock zu einem der bedeutendsten amerikanischen Künstler der Moderne. Autorin: Anke Rebbert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Herbert Reinecker flüchtete 1945 von Berlin nach Österreich. Wäre er der Roten Armee in die Arme gelaufen, müsste Fernsehdeutschland heute ohne "Derrick" und den "Kommissar" leben. Der spätere Fließbandautor des ZDF war Mitglied der Kriegberichterstatter-Kompanie der Waffen-SS. Er hatte in den 40er Jahren die Redaktion verschiedener HJ-Zeitschriften übernommen, schrieb für den "Völkischen Beobachter" und das SS-Magazin "Das Schwarze Korps". Autorin: Susanne Rabsahl © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Heute vor 50 Jahren starb Lucky Luciano an einem einfachen Herzversagen, was so gar nicht zu seinem Leben passte. Das war sehr viel aufsehenerregender und reichte von Alkoholgeschäften während der Prohibition über Mord und Todschlag bis hin zum verdienstvollen Handeln zum Schutze der USA während des Zweiten Weltkrieges. Autorin: Irene Geuer © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Sekunde für Sekunde prallt die gewaltige Menge von 50 Milliarden Kilowattstunden Sonnenenergie auf die Erde. Ein halbes Promille der jährlichen Sonnenenergie würde ausreichen, um den gesamten Energiebedarf der Menschheit zu decken. Zumindest rechnerisch. Mit einer Reihe von verschiedenen Techniken der solarthermischen Energieerzeugung versuchen Forscher und Ingenieure einen möglichst großen Prozentsatz der Sonnenkraft einzufangen. Eines der bedeutendsten Forschungszentren liegt in den französischen Pyrenäen bei Odeillo. Ende der 60erJahre wurde hier ein "Solarbrennofen" errichtet, der Temperaturen von über 2.000 Grad erreicht. Autor: Kay Bandermann © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Krieger, Philosoph, Kartoffelkönig - der Mann ist Legende: Friedrich der Große von Preußen, der "alte Fritz", hat 300. Geburtstag und die Republik überschlägt sich wahlweise in Ehrerbietung oder in historischer Schelte. Vom unbarmherzigen Despoten oder vom vorausschauenden Philosophen auf dem Thron ist die Rede; vom Hasardeur, der seinen Staat an den Rand des Untergangs gebracht hat, aber auch vom weitblickenden Monarchen, der Preußen mit Kartoffeln, Schulpflicht, Religionsfreiheit und Landgewinnung beglückte. Wer aber war Friedrich wirklich? Autor: Marko Rösseler © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Chopin hat ihn glühend bewundert. Aber es war eine einseitige Beziehung. Field - ein gefeierter Virtuose und schon längst ein berühmter Komponist, als der Pole sich anschickte, die Pariser Salons zu erobern - hatte für dessen Arbeit wenig übrig. "Krankenstubenmusik" nannte er sie verächtlich. Die Nachwelt hat sich längst und eindeutig für Chopin entschieden, aber ein Ruhm bleibt dem gebürtigen Iren John Field: er ist der Erfinder des "Nocturnes", jenes kurzen, stimmungsvollen Klavierstücks, dem Chopin dann einen ganzen Kosmos von Ausdrucksmöglichkeiten erschloss. Autorin: Ulrike Gondorf © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Der aktuelle Papst Benedikt XVI. hat sich nach ihm benannt. Nach Benedikt XV., der sich als Friedenspapst einen Namen machte. Denn kaum jemand anderes wetterte so vehement gegen den Ersten Weltkrieg wie Benedikt, und das von Anfang an, als im Sommer 1914 das große Sterben begann. Damit schuf sich der unscheinbare schlanke Italiener allerdings fast nur Feinde. Denn keine Seite wollte den Krieg ohne Eroberungen beenden. Autor: Heiner Wember © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Ein langer rotbrauner Bart, lange elegante Finger, die Nase im Buch: das Bild von Giles Lytton Strachey, das seine Lebensgefährtin Dora Carrington gemalt hat, erfasst sein Wesen wie kaum ein anderes. Er war ein stiller Mann, oft krank, ein brillanter Kritiker und Biograph und wichtiges Mitglied der berühmten "Bloomsbury Group". Diese lose Vereinigung von Künstlern hat zwischen 1905 und dem Zweiten Weltkrieg das intellektuelle Leben Großbritanniens geprägt. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Mit 16 Jahren bekam Manfred von Ardenne sein erstes Patent - eines von mehr als 600, die er in seinem Leben erhalten hat. Er gilt als einer der Pioniere der Fernsehtechnik und der Elektronenmikroskopie, bastelte unter Hitler an der Isotopentrennung von Uran arbeitete in der UdSSR an der Entwicklung der Wasserstoffbombe mit und war als prominenter Erfinder, Unternehmer und Sozialist eine schillernde Figur der DDR. Manfred von Ardenne starb im Alter von 90 Jahren in Dresden. Autorin: Martina Meißner © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Schön, gebildet und selbst bewusst wollte die belgische Prinzessin Charlotte auch politisch einflussreich sein. Als Napoleon III. ihrem Ehemann Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich die Kaiserkrone in Mexiko anbot, reiste Charlotte begeistert an seiner Seite in die Neue Welt. Beide wollten in dem von Armut und Unterdrückung geprägten Land ein modernes Kaisertum errichten. Das Vorhaben scheiterte kläglich. Zurück in Europa verfiel Charlotte langsam dem Wahnsinn. Bis zu ihrem Tod glaubte sie, Kaiserin von Mexiko zu sein. Autorin: Andrea Kath © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Kyrill tobte mit Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h über Großbritannien und die Niederlande, riss tiefe Schneisen in die deutschen Mittelgebirge und führte zu schweren Zerstörungen in Tschechien und Österreich. In der Sturmnacht wurden europaweit 47 Menschen getötet, in vielen Regionen fiel der Strom aus. Züge blieben in den Bahnhöfen, Flugzeuge am Boden. Versicherungen schätzten, dass der Orkan Schäden in Höhe von 7 Milliarden Euro anrichtete. Wirtschaftlich traf er vor allem die Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Autor: Arndt Brunnert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

"Mein Leben erhalten und verschönern zwei Dinge: meine Frau und - Windthorst. Die eine ist für die Liebe da, der andere für den Hass." So urteilte Reichskanzler Bismarck über seinen großen Gegenspieler Ludwig Windthorst. Der war katholisch, liberal, demokratisch, ein Politiker mit großem rhetorischem Talent, ein Gegner der Reichseinigung und zudem der politische Führer, der die Zentrumspartei zusammenhielt. Für den Historiker Golo Mann war er schlicht der "genialste Parlamentarier, den Deutschland je besaß." Autor: Jörg Beuthner © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Dieter Wedel schrieb und inszenierte den dreiteiligen Fernsehfilm "Einmal im Leben". Erzählt wird darin vom Bau eines Eigenheims. Diplom-Ingenieur Bruno Semmeling und seine Frau Trude haben die Schnauze voll. Ständig wird die Miete für ihre Hamburger Altbauwohnung erhöht. Jetzt soll Schluss sein. Sie wollen ein Eigenheim bauen und damit beginnt der Wahnsinn. Autor: Detlef Wulke © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Er war ein Meister der Textaufgaben. Leonardo Fibonacci liebte es, mathematische Rätsel anzugehen und zu lösen. Dabei ging es oft auch um Probleme des Alltags: vom Kauf von Pferden unter Gesellschaftern, vom Finden der Geldbörse oder von Aufgaben mit Bäumen. Fibonacci ging es nicht nur darum, Lösungen und Regeln zu finden, sondern diese auch zu beweisen. In seinem Standardwerk "Das Buch der Rechenkunst" fasst Fibonacci den Stand der Mathematik zusammen und entwickelt sie weiter. Autor: Sven Preger © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Heute schockiert Charlotte Roche mit ihren Romanen, in denen freizügig Sexualpraktiken und andere körperliche Befindlichkeiten thematisiert werden. Vor 70 Jahren hieß die Sex-Skandalautorin Anais Nin und ihr Buch hatte den Titel "Delta der Venus". Sie war die Geliebte und Vertraute von Henry Miller, dessen Werk sie stark beeinflusst hat. Berühmt wurde sie vor allem durch ihre Tagebücher: 15 000 Manuskriptseiten, in denen sie frei und offen alles beschrieb und diskutierte. Autorin: Claudia Belemann © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

1993 war es, da warnte Kanzler Kohl vor dem "Freizeitpark Deutschland". Mehr arbeiten, weniger Müßiggang, das sei die Lösung für Deutschlands Probleme. Dabei war schon ein Jahr zuvor eine Studie erschienen, die so ziemlich das Gegenteil behauptete: In der Freizeit läge die Zukunft - zumindest jobtechnisch, denn in der Freizeitindustrie würden bald die meisten Arbeitsplätze entstehen. Ansonsten sah die Studie des BAT-Freizeitforschungs-instituts aber schwarz für unsere "Freizeit 2001". Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Es fehlte Eis am 12. Januar 1967. Immer mehr orderten die Mitglieder der Kryonik Gesellschaft Kaliforniens, um James Bedford den Traum von der Unsterblichkeit zu erfüllen. Der Psychologieprofessor im Ruhestand war kurz zuvor an Krebs gestorben. Jetzt sollte er bei fast Minus 200 Grad Celsius eingefroren werden. Konserviert für die Zukunft, in der er hoffte, wieder belebt und geheilt werden zu können. Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Der Dichter kann sich einfach nicht entscheiden. Nach einem seligen Sommer, den Friedrich Schiller mit den Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld verbracht hat, schreibt er seinen beiden Engeln: "Wir haben einander gefunden, wie wir füreinander nur geschaffen gewesen sind. In mir lebt kein Wunsch, den meine Caroline und Lotte nicht unerschöpflich befriedigen können." Eine Zeit lang scheint Schiller ernsthaft an eine ménage à trois gedacht zu haben - unterstützt durch Caroline, die ihn leidenschaftlich liebt, aber schon die Frau eines anderen ist. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Stillstand gab es im Leben des Uhrmachers Abraham-Louis Breguet zu keiner Zeit. Der Schweizer entwickelte, präzisierte und fertigte ununterbrochen und gilt als einer der genialsten und innovativsten Mechaniker der Uhrmachergeschichte. Breguet beherrschte alle Gebiete seines Faches: er erfand die erste Blindenuhr, die Pare-chute-Stosssicherung, er entwickelte das Okular für astronomische Teleskope, erfand den Tourbillonregulator und fertigte zahlreiche Stoppuhren. Jeder seiner über 4000 Chronometer und Chronographen war ein Einzelstück. Autorin: Andrea Klasen © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Jesus Maria Magdalena geheiratet? Ist der heilige Gral, der Kelch, womöglich das Symbol der weiblichen Nachfahrenschaft Christi? Die Verfilmung des Dan-Brown-Romans "Sakrileg" hat in der Katholischen Welt Unmut ausgelöst, dabei war sie aber eben nicht mehr als das: die Verfilmung eines Romans. Immerhin hat dieser Film eine Institution in breiteren Kreisen bekannt gemacht: Das Opus Dei. An ihrer Spitze stand einst dessen Gründer: Der spanische Theologe Josemaría Escrivá. Ein Mann, der später von Johannes Paul II. heilig gesprochen wurde. Autor: Wolfgang Meyer © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Seine astronomischen Entdeckungen bringen ein Weltbild ins Wanken. Doch am Ende zwingt ihn die Kirche auf die Knie: Galileo Galilei. Der italienische Gelehrte wird im Februar 1564 in Pisa geboren und studiert ab 1581 zunächst Medizin, dann Mathematik und Physik.Galilei entdeckt die um den Jupiter kreisenden Monde und liefert damit erste überzeugende Argumente für die Theorie, dass die Erde um die Sonne kreist. Mit seinen Entdeckungen stellt er sich nicht nur gegen die gängige Lehrmeinung, die die Erde als Zentrum des Universums sieht, sondern auch gegen die Doktrin der Kirche. Autorin: Martina Meißner © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Er zählt, neben Größen wie Sergiu Celibidache oder Georg Solti, zum berühmten Dirigenten-Jahrgang 1912. Doch verlief die Laufbahn des in Wuppertal geborenen Günter Wand lange Zeit weniger spektakulär. In Köln hat er nach dem Krieg fast drei Jahrzehnte das Musikleben als erster Kapellmeister der Oper und Chef des Gürzenich-Orchesters geprägt. Ab den 80er Jahren folgte eine zweite Karriere, als Leiter des NDR-Sinfonieorchesters und als zunehmend gefragter Gastdirigent bei Renommier-Orchestern im In- und Ausland. Autor: Christoph Vratz © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Sie war ein Mädchen vom Lande, sie hatte himmlische Visionen, Frankreich vor den Engländern retten zu müssen und den rechtmäßigen Dauphin zum König zu krönen. Sie führte die Franzosen zum Sieg vor Orleans und damit eine Wende im Hundertjährigen Krieg herbei. Sie wurde von den Feinden Frankreichs gefangen genommen und starb 1431 mit nur 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen in Rouen. So ging Jeanne d?Arc, die Jungfrau von Orleans, in die Geschichtsbücher ein. Aber seit ihren Lebzeiten gibt es Zweifel an dieser offiziellen Version ... Autor: Wolfgang Landmesser © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

1741 in einem unblutigen Staatsstreich an die Macht gekommen, beeinflusste Kaiserin Elisabeth im Leben wie im Sterben die politische Landkarte Europas maßgeblich. Im "Siebenjährigen Krieg" kämpfte Russland an der Seite Osterreichs und Frankreichs gegen Preußen. Mit dem Tod von Kaiserin Elisabeth 1762 kehrte Frieden an der russisch-preußischen Front ein. Friedrich II. gelang es daraufhin, Sachsen zurück zu gewinnen, der Krieg endete bald danach. Elisabeth von Russland war eine Förderin der Künste und der Wissenschaft. Autor: Tobias Mayer © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

"Ja, der SPIEGEL ist ein gutes Blatt, les' ich jeden Montag" - erklärt Erich Honecker 1989. Willy Brandt spricht dagegen 1974 von einem "Scheißblatt". In den letzten 65 Jahren hat der SPIEGEL viele Freunde gefunden und ebenso viele Gegner. Seit der sogenannten "SPIEGEL-Affäre" von 1962 gilt er als Symbol für eine freie, kritische Presse. Über viele Jahrzehnte behauptet das Blatt seine Rolle als Leitmedium der Bundesrepublik ? vor allem im Bereich des investigativen Journalismus. Bis heute aber reißt auch die Kritik nicht ab. Autor: Thomas Pfaff © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

"Bei mir ist Arbeiten ein Durchfreuen der Natur, der Sonnenglut und der Bäume, Sträucher, Menschen, Tiere, Blumen und Töpfe, Tische, Stühle, Berge. Ich vertiefe mich in das freundliche Nicken des Schneeglöckchens, in das behäbige Lächeln rotbackiger Äpfel." Der Maler August Macke muss ein ungewöhnlich glücklicher Mensch gewesen sein, seine Bilder mit ihren hellen, leuchtenden Farben strahlen ungetrübte Harmonie aus. Beeinflusst durch den französischen Impressionismus, schuf Macke in knapp zehn Jahren ein Werk von enormem Umfang. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Er war ein Heißsporn, dazu noch reich und aus bester Genueser Familie ? aber Giovanni Luigi de Fieschi wollte mehr. Er wollte Weltgeschichte schreiben und seine Heimatstadt Genua aus dem Bund mit dem römisch-deutschen Kaiser Karl V. reißen. Doch dazu musste er Andrea Doria, der die mächtige Seerepublik Genua gemeinsam mit seinem Neffen beherrschte, beseitigen und selbst die Macht übernehmen. "Die Verschwörung des Fiesco" - von Friedrich Schiller als Tragödie auf die Bühne gebracht - war ein Himmelfahrtskommando. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Die Uhrzeit? Kein Problem, ein Blick auf die Uhr genügt. Aber was liest man da eigentlich ab? Es ist die Koordinierte Weltzeit (UTC, Universal Time Coordinated), eine Zeit, die manche Tage länger macht - um eine Sekunde. Warum? Weil die Menschen zwei Zeiten benutzen: die astronomische und die physikalische Zeit. Die astronomische Zeit lesen wir am Himmel ab: Die Rotation der Erde definiert die Tageslänge, nur wird die langsam länger, weil sich die Erde langsamer dreht. Atomuhren dagegen ticken extrem regelmäßig. Man muss also astronomische Zeit und Atomzeit synchronisieren. Dafür gibt es seit 1972 UTC und Schaltsekunden. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Lange vor dem Venezianer Marco Polo ist es der bayrische Kaufmann Jakob Hinterbrucker, der im Jahre 1008 als erster Europäer in den sagenumwobenen fernen Osten aufbricht und nach fast zwei Jahren tatsächlich China erreicht. Dort erlebt gerade die Ting-Dynastie mit Kaiser Feng Tchau Ting einen phänomenalen Aufstieg - dank einer einzigartigen Mischung aus Diktatur und Marktwirtschaft. Autor: Thomas Pfaff © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Königininsel", schwedisch Drottningholm, so nannte Johann III. das Schloss, welches er 1580 für seine Gemahlin bauen ließ. Gut 80 Jahre später brannte es bis auf die Grundmauern nieder und gab so Platz für ein neues barockes Lustschloss. Die Großmacht Schweden hatte genug Geld für solch ein Prachtgebäude, und nachfolgende Generationen bauten weiter. Als erstes schwedisches Kulturdenkmal wurde Schloss Drottningholm in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Generationen haben seine Gedichte - wie "Der Panther" - auswendig gelernt: "Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd? geworden, dass ihn nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt." Kein anderer deutschsprachiger Dichter des 20. Jahrhunderts hat eine solche Popularität und Millionen-Auflage erreicht wie der rast- und heimatlose Rainer Maria Rilke. Der Blick in seine Innenwelt war sein wahres Zuhause. Autor: Ralph Erdenberger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die US-Amerikanerin Josephine Cochrane feiert gerne ausschweifende Partys. Und jedes Mal ärgert sie sich im Anschluss, dass die Hausangestellten beim Spülen so viele Teller ihres teuren Porzellans zerstören. Sie beginnt zu träumen: Eine Maschine, die Geschirr waschen kann - das wäre die Lösung! Und tatsächlich: Die reiche Dame entwickelt die erste Geschirrspülmaschine der Welt. Am 28. Dezember 1886 meldet sie ihr Patent an. Autorin: Anna Kuhn-Osius © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Wenn sie nichts weiter hätte als ihre Stimme, es wäre genug, um dein Herz zu brechen", schrieb Ernest Hemingway über Marlene Dietrich. Doch die Diva aus Berlin hatte auch noch ihr Gesicht und die unvergleichlichen Beine, ihren spöttischen Gleichmut und die träge Sinnlichkeit. So machte Marlene als Schauspielerin und später als Sängerin eine unvergleichliche Karriere. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Als Antonio Caldara 1736 mit 66 Jahren das Zeitliche segnete, glaubte unter den wahren Musikkennern und -liebhabern niemand daran, dass "nach Caldara noch irgendein anderer Komponist gefallen könnte". Als "Everybody?s Darling" der Musikszene um 1700 ging der Cellist, Sänger und Komponist aus Venedig in die Annalen ein. Autor: Michael Struck-Schloen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das vielleicht größte Lob bekam er - wenn auch ungewollt - von einem seiner schärfsten Gegner. "Die Hunde kokettieren, wo es passend scheint, mit der Arbeiterfrage", schimpfte Karl Marx 1869 über jene katholischen Geistlichen, die sozialreformerische Veränderungen predigten, die seinen eigenen Forderungen nicht unähnlich waren. Besonders einer war ihm ein Dorn im Auge: Wilhelm Emanuel von Ketteler, der "Arbeiterbischof" aus Mainz, der als Gründer der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung zu einem Wegbereiter der katholischen Soziallehre wurde. Autor: Kay Bandermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eigentlich sollte es 1961 in den Weihnachtsgottesdiensten nur eine einmalige Kollekte für Lateinamerika geben. Der Kölner Kardinal Josef Frings und der Essener Bischof Franz Hengsbach hatten sie nach Hilfsgesuchen ihrer lateinamerikanischen Glaubensbrüder angestoßen. So beschloss die Deutsche Bischofskonferenz eine besondere Kollekte für die "seelsorglichen Bedürfnisse" auf dem Kontinent. Diese wurde Heiligabend 1961 in allen katholischen Kirchen Deutschlands gehalten und übertraf mit 23 Millionen D-Mark Erlös alle Erwartungen. Autorin: Ina Rottscheidt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Was der 70er-Jahre-Heuler "Dschingis Khan" der gleichnamigen Gruppe besingt, fasst die historische Wirklichkeit korrekt zusammen - so korrekt wie die meisten wissenschaftlichen Darstellungen bis heute. Die erzählen entweder ebenso klischeehaft vom grausamen Mongolen-Herrscher oder alternativ vom weisen Einiger der größten Weltreiches der Geschichte: Beides sind Mythen, denn zeitgenössische Dokumente aus dem 12. Jahrhundert existieren nicht. Autor: Martin Herzog © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine Burg - das ist doch ganz einfach: Da ist zunächst mal eine Mauer, dann kommen noch ein paar Zinnen, Schießscharten, Pechnasen dran, einige Türmchen obendrauf, ein Bergfried in die Mitte - fertig! Doch ganz so einfach geht das nicht. Es gibt Höhenburgen, Niederungsburgen, Abschnittsburgen, Erdburgen, Fliehburgen, Tempelburgen, Trutzburgen, Zollburgen. Kurzum: eine Wissenschaft für sich. Als ein Begründer dieser Wissenschaft gilt Otto Piper. Sein Buch mit dem einfachen Titel ?Burgenkunde? gilt bis heute als Standartwerk und wurde zum Namensgeber dieser Wissenschaft. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es war die Pionierzeit einer aufstrebenden Wissenschaft. Die junge Chemie entdeckte fast jede Woche neue Substanzen. So beschreibt auch Justus von Liebig im Jahr 1831 erstmals die Zusammensetzung des Chloroforms. Die Substanz wird einige Jahre später die Chirurgie revolutionieren. Neben Äther gehört Chloroform zu den ersten hochwirksamen Betäubungsmitteln, die den Operationen den großen Schmerz nehmen. Mit Chloroform beginnt so die Geschichte der modernen Anästhesie. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Massenproteste auf den Straßen, die Mensch klopfen auf Töpfe und gegen die verbarrikadierten Tore der Banken, in Sprechchören machen sie ihrem Unmut Luft, Steine fliegen, Supermärkte werden geplündert, die Polizei geht hart gegen die Demonstranten vor - ein Land im Ausnahmezustand. Griechenland 2011? Nein, Argentinien 2001. Im Dezember vor zehn Jahren brach die Wirtschaft des südamerikanischen Landes zusammen. Die Banken gaben kein Geld mehr aus, der Präsident floh per Hubschrauber aus dem Regierungspalast. Das Land war wirtschaftlich und politisch am Ende. Autorin: Anne Herrberg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie galt als Pionierin der Meinungsforschung. Über 50 Jahre lang zählte Elisabeth Noelle-Neumann zu den bekanntesten Frauen in der Bundesrepublik, von vielen geachtet und respektiert für ihr Lebenswerk, die Gründung und Leitung des Allensbacher Instituts für Meinungsforschung. Ihre verblüffend genauen Wahlprognosen beeindruckten Fachleute und Öffentlichkeit gleichermaßen. Unumstritten war "die Pythia vom Bodensee" nicht. Sie hatte während der NS-Zeit der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Studentinnen angehört und in ihrer Doktorarbeit antisemitische Gedanken verbreitet. Ihrer Karriere tat das keinen Abbruch. Autorin: Heide Soltau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das ist doch der Mann, der nie ohne seine Pünktchen-Krawatte auf die Bühne ging! Der, den seine Landsleute "Monsieur 100.000 Volt" nannten! Immerhin war er der erste Schlagerstar, der seinen Fans so einheizte, dass sie das "Olympia" kurz und klein schlugen. In dieser mythischen Music-Hall, wo schon Josephine Baker und Jacques Brel triumphierten, war Gilbert Bécaud Stammgast. Hier hat er seine größten Erfolge gefeiert: "Nathalie", "Et maintenant", "L'important c'est la rose" und viele mehr. Autorin: Heike Schmidt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Geschichte beginnt in einem Keller im Ruhrgebiet, in Witten. Dort experimentiert ein junger Mann am elterlichen Koksofen. Er versucht, verschiedene Glasproben zu verschmelzen, um Glas mit ganz besonderen optischen Eigenschaften zu erhalten. Wenige Jahre später opferte er sein ganzes Erbe und gründet in Jena eine kleine Firma. Die ersten Jahre laufen schlecht. Niemand konnte ahnen, dass aus dem "Glastechnischen Laboratorium Schott und Genossen" einmal ein weltweit operierender Konzern würde. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es ist der erste Akt im historischen Drama rund um Kolberg, der westpommerschen Stadt, die heute Kolobrzeg heißt. Im Siebenjährigen Krieg müssen sich die preußischen Verteidiger 1761 der Übermacht der russischen Truppen beugen. 46 Jahre später führt Preußen wieder Krieg - dieses Mal gegen das Heer Napoleons. Aber dieses Mal wird die Festung Kolberg gehalten - bis zum Kriegsende. Die Nationalsozialisten machen aus Kolberg dann einen Mythos des Durchhaltens. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Dieser Prozess hat Israel verändert. Denn die Shoah wurde zentrales Element der israelischen Identität erst, als im 13. Jahr nach der Staatsgründung ein hagerer Mann mit Buchhaltergesicht in den gläsernen Kasten des Bezirksgerichts von Jerusalem geführt wurde, um sich für seine Mitwirkung am größten Völkermord der Geschichte zu verantworten: Adolf Eichmann war als Leiter des Referats "Judenangelegenheiten", im Reichssicherheitshauptamt verantwortlich für die Deportation von mehr als zwei Millionen Juden nach Auschwitz und in andere Todeslager. Autor: Uwe Schulz © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es ist ein Wettlauf um Ruhm und Ehre: Wessen Flagge wird als Erste in das Eis des Südpols gerammt? Im Jahr 1911 machen sich der Engländer Robert Falcon Scott und der Norweger Roald Amundsen mit ihren Expeditionen auf den Weg in die Antarktis. Der Südpol gilt als eine der letzten Herausforderungen für die Abenteurer. Die beden Polarforscher liefern sich ein dramatisches Rennen in der kältesten und lebensfeindlichsten Region der Erde. Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Marmelade und Bilder, beides selbst gemacht. Die Marmelade wollte sie verkaufen, also gab sie Gläser davon bei einem Dorfkrämer in Kommission, und ein paar ihrer am Küchentisch entstandenen Bilder mit dazu. So entdeckte sie 1938 ein New Yorker Galerist auf der Durchreise. Und so begann die unglaubliche Geschichte vom Erfolg der Künstlerin Anna Mary genannt Grandma Moses, einer zierlichen alten Dame mit weißen Löckchen und Rüschenbluse. Mit über 70 Jahren begann sie zu malen und am Ende ihres langen Lebens, mit 101, war sie eine internationale Berühmtheit. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

1809 fehlte Kaiser Napoleon zu seinem Glück nur noch ein Thronfolger. Also annullierte er die Ehe mit Kaiserin Joséphine und ging in Europas Herrschaftshäusern auf Brautschau. Die Russen lehnten ab - ein Luxus, den sich die Österreicher nach vier Niederlagen auf dem Schlachtfeld nicht leisten konnten. Also opferte Kaiser Franz seine "gehorsamste Tochter": die 18-jährige Marie Louise. Das Problem: seit ihrer Kindheit verabscheute sie das "Ungeheuer" und den "Antichristen" Bonaparte. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Wir erlauben allen Stadträten, Juden in den Rat zu berufen!" Der römische Kaiser Konstantin formulierte diesen bemerkenswerten Erlass im Jahr 321 auf Bitten der Stadträte von Köln. Das Dokument ist von einzigartiger historischer Bedeutung, denn ohne den kaiserlichen Erlass wüssten wir heute nicht einmal, dass es eine jüdische Gemeinde im römischen Köln gegeben hat. Rätselhaft ist, dass nicht eine einzige archäologische Spur jüdischen Lebens im antiken Köln bislang gefunden werden konnte. Autorin: Marfa Heimbach © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Anfangs war es nur ein Schülerstreich, eine Marionetten-Farce über einen verhassten Lehrer. Aber als der französische Schriftsteller Alfred Jarry den Stoff später aufgriff, machte er daraus das erste und wichtigste Theaterstück des französischen Surrealismus. Die Uraufführung von "Ubu Roi" geriet zu einem handfesten Skandal. Denn Ubu, der sich zum König von Polen hochmordet, ist nicht nur ein fettes, gefräßiges, skrupelloses Ungeheuer von Mensch, sondern in jeder Hinsicht ein Grenzüberschreiter. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Kirk Douglas hat einmal behauptet, sein Leben ließe sich nicht verfilmen, weil dann die Geigen aus dem Schluchzen gar nicht mehr herauskämen. So sehr entspricht sein Werdegang dem Klischee des amerikanischen Traums. Bekannt wurde er vor allem als Westernheld aber auch als der einsame, verbissene Kämpfer. Mit 82 Rollen prägte Kirk Douglas 40 Jahre lang die Filmgeschichte von Hollywood mit. Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Breitmaulfrosch" nannte ihn seine Frau, die Malerin Frida Kahlo. Für andere war er der Elefant, das Walross, das Schlachtschiff. Seine Gemälde waren so monumental wie er selbst: Diego Rivera, Kommunist, Revolutionär, Frauenheld, Geschichtenerfinder und Begründer der mexikanischen Wandmalerei. Als 1923 die Fassaden der staatlichen Gebäude Mexiko-Stadts zum Bemalen freigegeben wurden, schlug die Stunde Riveras und der anderen "Muralisten". Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Für die USA ist Pearl Harbor bis heute ein Trauma. Wie konnte es geschehen, dass sich die japanischen Flugzeugträger so unbemerkt Hawaii nähern und blitzartig große Teile der Pazifikflotte vernichten konnten? Verschwörungstheorien ranken deshalb um diesen Kriegsbeginn für die USA: Präsident Roosevelt zum Beispiel habe den bevorstehenden Überfall wissend in Kauf genommen, um die USA in den Krieg zu führen. Solche Theorien sind von der seriösen Geschichtswissenschaft inzwischen widerlegt. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sophie von La Roche lebte in zwei Welten: sie war zuhause in den höchsten Adelskreisen. Aber sie war durch ihren 1771 erschienenen Roman "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim" auch zu einer deutschlandweit bekannten Schriftstellerin geworden. In ihrem Koblenzer literarischen Salon empfing sie die intellektuelle Elite der Zeit, darunter Goethe, der sie außerordentlich schätzte. "Zwischen dem Benehmen einer Edeldame und einer würdigen bürgerlichen Frau schwebte sie gar anmutig", schrieb er über die Autorin, die einen ganz eigenen Stil und Ton in die Literatur brachte. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Was haben Haifischzähne mit einem Heiligen zu tun? Was haben Muscheln auf Bergspitzen zu suchen? Die Antwort gibt Niels Stensen. Der Sohn eines Goldschmieds studiert Ende der 1650er in Kopenhagen Medizin und erwirbt europaweit Ruhm für seine anatomischen Entdeckungen. Dann ein Bruch. Der Forscher wendet sich vom Inneren des Menschen zum Inneren der Erde - angelockt von Haifischzähnen. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Von ihrem Vater, dem reichen Dioscorus von Nikomedien, wurde Barbara in einem Turm gefangen gehalten. In der Einsamkeit bekehrte sie sich zum Christentum. Nach der Verurteilung durch den Präfekten flüchtete das Mädchen zu einem Felsen, der sich öffnete. Sie war gerettet. Da ihr ein Stein behilflich war, gilt sie seit dem späten Mittelalter als Patronin der Bergleute. Der 4. Dezember ist ihr Gedenktag. Autor: Jürgen Werth © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nino Rota ist vielleicht der bekannteste unbekannte Komponist Italiens. Er verstand sich als klassischer Komponist, wurde aber bekannt durch seine Soundtracks. Er schrieb für Regisseure wie Lina Wertmüller und Luchino Visconti und war der Hauskomponist von Federico Fellini. Seine bekannteste Arbeit ist die Filmmusik zu "Der Pate" von Francis Ford Coppola. Autor: Detlef Wulke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie sind sehr groß, sehr nass, nicht sehr schön und dennoch die Kuscheltiere der Umweltschutzbewegung. Pottwale, Grönlandwale, Buckelwale, Finnwale werden seit Urzeiten wegen ihres Fleisches, ihres Fettes, ihrer Barten oder ihres Ambras gejagt. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Harpunen präziser und die Schiffe schneller wurden, schrumpften die Bestände dramatisch. Am 2. Dezember 1946 zog die Weltgemeinschaft die Reißleine und gründete die Internationale Walfangkommission - nicht um die Wale zu schützen, sondern um den Fischern das Überleben zu sichern. Autorin: Katrin Brand © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er ist so etwas wie das Markenzeichen der Salzburger Festspiele geworden: der donnernd widerhallende Ruf "Jedermann" auf dem Platz vor dem Dom. Mit Macht beordert er den reichen Mann, der das Leben in vollen Zügen genießen will, vor seinen Schöpfer. Der Tod tritt auf in diesem Spiel, ebenso wie Gott, der Herr, der Mammon oder die Guten Werke. Hugo von Hofmannsthal schuf eine Neubelebung des mittelalterlichen Mysterienspiels, das mit der feudal-katholischen und von jeher theaterbegeisterten Atmosphäre der alten Bischofsstadt Salzburg eine perfekte Synthese eingegangen ist. Autorin: Ulrike Gondorf © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Prozess gegen Henri-Désiré Landru, der für schuldig befunden wurde, während des Ersten Weltkriegs mindestens zehn Frauen und einen jungen Mann getötet zu haben, war ein makabrer Schwank ersten Ranges. Der französische Rasputin mit Rauschebart und stechendem Blick machte die Verhandlungen durch seine Bonmots und Schlagfertigkeit zum Medienereignis, im überfüllten Gerichtssaal mitnotiert von der Bestsellerautorin Colette und dem Boulevardtheater-Autor Sacha Guitry. Autorin: Sabine Mann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der erste deutsche Fernseh-Wetterfrosch hieß Dr. Friedrich Krügler. Mit Kreide malte der Warm- und Kaltfronten auf eine schlichte Schultafel und schwang anschließend in Lehrermanier den Zeigestock. Später wurden Sonnen und Wolken aus Pappe zu Hauptdarstellern kleiner Trickfilme. Die Erklärungen dazu erklangen wetteramtlich aus dem Off. Dann begann die Zeit der virtuellen Spielereien mit zum Teil recht pompösen Computeranimationen. Autor: Christoph Tiegel © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nicht der Tod seines Vaters half Maximilian II. auf den bayerischen Thron, sondern die Revolution von 1848. Zunächst kooperierte der 36-jährige König und erfüllte viele liberale Forderungen. Die Reichsverfassung von 1849 jedoch lehnte er aus Sorge um die bayerische Souveränität ab. Die Folge: Aufstände in der Pfalz und in Sachsen. Erst nach ihrer Niederschlagung regierte es sich wieder bequem. So ging Maximilian II. vor allem als Förderer von Kunst, Wissenschaft und Volkskultur in die Landesgeschichte ein. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das Volk der Franken galt bei den Römern als kühn und mutig, wild und frei. Angeführt wurden sie von Königen aus dem Geschlecht der Merowinger, jenen langhaarigen, blutrünstigen Kriegern, die nie an ihrer göttlichen Abstammung zweifelten. Doch die Merowinger verfügten auch über andere Qualitäten, wie sonst hätte Chlodwig I. ein riesiges, geeintes, christliches Frankenreich schaffen können, das für Franzosen und Deutsche gleichermaßen den Ursprung ihrer Geschichte markiert. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Pünktchen und Anton" ist Erich Kästners zweiter Jugendroman nach "Emil und die Detektive". Zum ersten Mal beschäftigte sich damals ein Autor mit der seelischen Vernachlässigung reicher Kinder. Der Kinderbuch-Klassiker ist mehrfach verfilmt, als Comic und sogar als Kinderoper umgesetzt worden. "Pünktchen und Anton" erschien vor 80 Jahren. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich habe zum ersten Mal die Freiheit erlebt in England. Auch Du solltest das freie Leben dort genießen." Noch im Sommer 1921 schreibt Kronprinz Hirohito während seiner Europareise diese Zeilen an seinen Bruder. Hirohito ist der erste japanische Kronprinz, der das westliche Ausland besuchen darf. Doch schon im Herbst desselben Jahres schließen sich die Tore des kaiserlichen Palastes wieder. Der schüchterne, schmächtige junge Mann muss für seinen psychisch kranken Vater die Regentschaft übernehmen. Fünf Jahre später wird Hirohito offiziell Kaiser von Japan und himmlischer Herrscher auf dem Chrysanthemen-Thron. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ihre Wagen erkannte man stets am bordeauxroten Anstrich und am markanten MITROPA-Emblem. Heute ist ihr Name längst Geschichte. Die "Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft" wurde 2004 verkauft und heißt seitdem SSP Deutschland GmbH. Gegründet wurde die MITROPA mitten im Ersten Weltkrieg von den Eisenbahnverwaltungen aus Deutschland, Österreich und Ungarn. Autor: Ralf Gödde © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im 19. Jahrhundert machte sich in Europa ein Rassismus breit, der die Menschen nach Rassen definierte, so wie man Tiere nach Rassen unterscheidet. Schwarzafrikaner wurden danach als Neger bezeichnet und galten als primitive Wilde. Ein Klischee, das im direkten Widerspruch steht zum Bild von Schwarzafrikanern, das zuvor 600 Jahre lang in Europa geherrscht hatte. Danach galten Schwarzafrikaner als weise und edle Mohren. Einer der populärsten Hofmohren war Angelo Soliman. Als Kind in Afrika verschleppt, wurde aus ihm eine der schillerndsten Persönlichkeiten im barocken Wien. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er hat überlebt. Obwohl das keine Selbstverständlichkeit war, wenn man 1904 an Diphterie erkrankte. Aber Joaquin Rodrigo, damals drei Jahre alt, war von da an blind. Das Ohr wurde sein Zugang zur Welt. Und er selbst avancierte zum bedeutendsten spanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts - eigentlich mit einem einzigen Werk: mit seinem "Concierto de Aranjuez", eines der ersten Gitarrenkonzerte überhaupt und eine Hommage an den Flamenco. Autorin: Claudia Belemann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Zwei Schüsse, zwei Tote, ein Mann und eine Frau. Der Gastwirt, in dessen Haus das Paar untergekommen war, gibt später zu Protokoll, den beiden sei "nicht die geringste Unruhe, Furcht oder Betrübnis" anzumerken gewesen. Der Dichter Heinrich von Kleist, der zu Lebzeiten wenig Anerkennung erfahren hat, war mit seiner Todesgefährtin Henriette Vogel an den Wannsee gekommen, um mit ihr an diesem abgeschiedenen Ort die letzte Freiheit auszukosten, die das Leben gewährt: die eines selbst gesetzten Todes. Autorin: Monika Buschey © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Robert Altman war stets ein Kritiker des "american way of life". Geboren wurde er 1925 in Kansas City. Für das Fernsehen inszenierte er Serien wie "Alfred Hitchcock presents" und "Bonanza", doch Altman gab seinen sicheren TV-Job auf, weil er sich als Künstler unterfordert fühlte. In den 70er Jahren gehörte er zu den Regisseuren des "New Hollywood". Seinen Durchbruch erlebte er mit der Kriegsfilmsatire "M.A.S.H." Autor: Detlef Wulke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Vielfältig ist das Schaffen des russischen Gelehrten, wenn auch die verschiedenen Zeiten unterschiedliche Aspekte seines Wirkens betonen: Lomonossow der Literat, der Naturwissenschaftler, der Enzyklopädist, einer, der als Russlands Repräsentant des 18. Jahrhunderts gelten kann, ein Begründer der russischen Wissenschaft. Autor: Thomas Klug © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Das sonst so weiche Männel, ich hätt?s ihm nimmermehr zugetraut." So urteilte Ludwig van Beethoven über dessen Musikdrama "Der Freischütz". Zum Zeitpunkt der triumphalen Uraufführung 1821 war Weber ein hoch geachteter Kapellmeister, Theaterdirektor und Opernkomponist. Mit dem "Freischütz" schuf er die erste deutsche Nationaloper - Höhepunkt der frühen Romantik. Autorin: Hildburg Heider © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Lee Strasberg entwickelte das so genannte "method acting": Durch den Zugriff auf das "sense memory", das emotionale Gedächtnis, soll der Darsteller persönliche Erlebnisse und Erinnerungen aktivieren und erneut durchleben, um seine Rolle nicht nur zu spielen sondern emotional authentisch zu verkörpern. 1969 gründete er das "Lee Strasberg Theatre and Film Institute".Robert de Niro, Marlon Brando und James Dean, Julia Roberts, Marilyn Monroe, Al Pacino und Dustin Hoffman gehören zu Strasbergs Schülern. Autorin: Susanne Rabsahl © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Kapitalismus und Freiheit" - so heißt sein zentrales Werk. Und es benennt exakt seine zentrale These: Ohne Kapitalismus gibt es keine Freiheit. Zusammen mit dem Österreicher Friedrich Hayek gilt der Amerikaner Milton Friedman als der wissenschaftliche Begründer des Neoliberalismus. Damit ist der Wirtschaftsnobelpreisträger von 1976 einer der wohl einflussreichsten Wissenschaftler des späten 20. Jahrhunderts. Autor: Thomas Pfaff © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Name führt in die Irre. Max von Oppenheim stammte zwar aus der berühmten Kölner Bankiersfamilie. Aber er wollte kein guter Sohn sein und das Bankhaus des Vaters weiterführen. Es zog ihn in die Welt, in den Vorderen Orient, um dort im Sand zu graben. Das machte ihn berühmter, als er es je mit den Geldgeschäften geworden wäre. Aber er war noch mehr: Diplomat des Kaisers. Gegenspieler von Laurence von Arabien und Abenteurer. Autorin: Irene Geuer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich kann doch nicht mit einem Kühlschrank zusammenarbeiten." Ein Zitat von Konrad Adenauer aus dem Jahr 1961. Ein letzter, ziemlich kläglicher und zudem vergeblicher Versuch der Gegenwehr. Die weiblichen Abgeordneten der CDU/CSU Fraktion im Bundestag hatten dem Bundeskanzler vier Tage vor der Vereidigung des viertes Kabinetts die Pistole auf die Brust gesetzt. Sie forderten ihn ultimativ auf, seine vor der Wahl gegebene Zusage einzuhalten und endlich einer Frau einen Ministerposten zu geben. Die Frau war Dr. jur. Elisabeth Schwarzhaupt, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Am 14. November 1961 wurde sie als Gesundheitsministerin vereidigt.Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Deutsche mit dem englischen Künstlernamen war eine Avantgardistin. Mit nackten Füßen, allein auf der Bühne, begleitet nur von Trommelklängen hat sie das klassische Ballett überwunden, den Tanz revolutioniert und bis heute geprägt. "Totenklage", "Hexentanz", "Visionen" - schon die Titel ihrer Soloauftritte signalisierten, dass für Mary Wigman der Tanz ein existentielles Ausdrucksmittel war. Autorin: Claudia Belemann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Für ein uneheliches Mädchen, das schon mit drei Jahren lesen und schreiben gelernt hat und mit sechzehn umfangreiche Kenntnisse in Philosophie, Astronomie und Medizin besitzt, dazu Latein beherrscht und dichten kann, gibt es in der neuspanischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts keinen Platz. Nicht einmal der Hof des Vizekönigs konnte der schönen Inés de la Cruz eine dauerhafte Zuflucht bieten. Sie ging daher ins Kloster, wo sie sich ungestört der Dichtung und dem wissenschaftlichen Studium widmen konnte. Bis sie eines Tages den Büchern und dem Schreiben für immer entsagte. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es ist ein Sonntag, an dem die Salzburger Protestanten von ihrem Rauswurf erfahren. Erzbischof Leopold Anton von Firmian lässt von den Kanzeln verkünden, dass er die Lutheraner - angeblich wegen fortgesetzter Rebellion - in seinem Fürsterzbistum nicht mehr zu dulden bereit ist. Die Gegenreformation in dem Kleinstaat erreicht ihren Höhepunkt. Kaiserliche Soldaten sorgen dafür, dass erst die Besitzlosen und wenig später die Bauern und Handwerker das kleine Land verlassen. Autorin. Edda Dammmüller © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das Jahr 1984 von George Orwell war noch nicht erreicht. Da verabschiedete der Bundestag bereits am 10. November 1976 das Bundesdatenschutzgesetz. Es regelt, was bisher nie ein Problem gewesen war: den Umgang mit personenbezogenen Daten, von Krankheiten über Schuldenstand bis zur Konfession. Es schütze, was zu schützen sei, argumentieren damals seine Befürworter. Es ermögliche dem Staat, die Bürger auszuspähen, sagen seine Gegner. Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Montand ist Paris", schrieb die "New York Times", "Er ist die Metro, er ist der Nebel über der Seine, der Duft einer Gauloise, er ist auch wie ein billiger Fusel und ein Morgen voller Katerstimmung." Dabei stammte das Nationalidol der Franzosen eigentlich aus Italien: Yves Montand, der Sänger und Schauspieler, den viele Franzosen gern als Präsidenten gesehen hätten, wurde als Ivo Livi in der Toskana geboren. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nur 1,60 m groß und trotzdem der Größte: Im Trabrennsport kam über Jahrzehnte keiner an ihm vorbei. Vor Johannes Frömming, wegen seiner Statur oft nur "Hänschen" genannt, hatten alle im Sulky Respekt - zu Recht. In seiner über sechs Jahrzehnte dauernden Karriere sammelte Frömming über 5500 Siege, gewann alleine elfmal das Deutsche Derby und überraschte alle Experten, als er 1964 sogar den prestigeträchtigen Prix d'Amérique für sich entscheiden konnte, das weltweit berühmteste Trabrennen, das als Weltmeisterschaft des Trabrennsports gilt. Autorin: Hanna Immich © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Man nannte sie "La Stupenda", "Die Fabelhafte", und sie galt als legitime Nachfolgerin der Callas. Und doch verkörperte Joan Sutherland einen ganz anderer Typ Sängerin: Groß, kräftig und in sich ruhend rieb sie sich nicht in Beruf und Leben auf. Durch das Coaching ihres Ehemanns Richard Bonynge wurde aus der zunächst unsicheren jungen Frau die weltweit erfolgreichste Belcanto-Sängerin der 1960er bis 80er Jahre. Autor: Walter Liedtke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sein Leben wurde geprägt von Schriften. Ein halbes Jahrhundert lang leitete Eratosthenes von Kyrene die Bibliothek von Alexandria. Und hatte damit Zugang zu den größten Wissens-Schätzen seiner Zeit. Ein Traum für den Mann, der sich für so vieles interessierte: Mathematik, Geographie, Astronomie und natürlich Philosophie und Dichtung. Eratosthenes bestimmte den Erdumfang, er dichtete und er verfeinerte eine Methode, um Primzahlen zu bestimmen. Autor: Sven Preger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine antike Säule hat es der Äbtissin Mathilde von Essen angetan, als sie im Jahr 1000 Rom besucht. Um sie in ihren Dom zu schaffen, schließt sie einen Pakt mit dem Teufel: Schafft er es, die Säule bis zum Ave-Läuten vor dem Dreikönigstag in die Kirche zu bringen, gehört ihm die Seele der Äbtissin. Ihr gefährliches Spiel geht auf - wenn auch nur ganz knapp. Autorin: Helene Pawlitzki © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er hat für die Liebe und für die Kunst gelebt, exzessiv, umstritten, umjubelt und als bekannt wurde, dass er sich an dem HI-Virus infiziert hatte, schnellten die Preise für seine Fotografien in die Höhe. Robert Mapplethorpe dominierte die Fotoszene des ausgehenden 20. Jahrhunderts und öffnete den Weg zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform. Seine radikalen Darstellungen von Nacktheit und sexuellen Handlungen, erregten in den USA großes Aufsehen und führten zu heftigen Protesten. Autoren. Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Du bekommst alles von mir. Ich auch von dir?" Die Schauspieler Till Schweiger und Matthias Schweighöfer fragten das in einer Plakatkampagne des Deutschen Herzzentrums. Um unsere Organe wird derzeit wieder geworben. Denn die Deutschen sind europaweites Schlusslicht in Sachen Organspende. Vor 40 Jahren wurden hierzulande die ersten Ausweise ausgestellt. Von Anfang an war das Thema von großer Skepsis begleitet. Autorinnen: Anja und Doris Arp © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war der wichtigste Vertreter des Judentums in Deutschland während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Der Rabbiner Leo Baeck lehnte es ab, aus Deutschland zu emigrieren, und wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert. Baeck überlebte. Nach dem Krieg wurde er zu einem führenden Vertreter des liberalen Judentums. Er verlangte zwar, die Gesetzte der Thora zu befolgen, forderte aber von jedem Gläubigen, selbst zu entscheiden, was moralisch richtig und geboten ist. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Der Sturm" wirkt wie eine Essenz der Werke Shakespeares: Eine Mischung aus Zaubermärchen, Königsdrama und Liebeskomödie, deren Motive fast alle schon in anderen Stücken vorgekommen sind. Dabei ist Prospero immer wieder als ein Selbstporträt des Dichters gedeutet worden: So wie der Zauberer am Ende seinen Stab zerbricht, entsagt auch der Theatermagier seiner Kunst. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war mit allen Zauberwassern gewaschen. Einen Elefanten konnte er spurlos verschwinden lassen. Todesmutig ließ er sich in Ketten legen, in Zwangsjacken stecken und in reißenden Flüssen versenken, um kurze Zeit später wieder entfesselt aufzutauchen. Harry Houdini starb an einem Bliddarmriss. Seiner Frau aber hatte er versprochen: Wenn irgend möglich, würde er sich aus dem Jenseits melden... Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

1961: Deutschland boomt im Wirtschaftswunder, die Arbeitslosigkeit ist nahe am statistischen Nullpunkt. VW, Krupp & Co. wissen nur noch einen Ausweg, um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten: ausländische Arbeitskräfte sollen die Lücke schließen - vorübergehend und befristet, wie von allen Seiten betont wird. Auch als in Bad Godesberg das Abkommen zur Anwerbung von jungen Arbeitern aus Anatolien unterzeichnet wurde. Autor: Kay Bandermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ihr verdanken wir den Hosenrock und das Transformationskleid. Doch nicht nur mit ihren Modeentwürfen schrieb Ré Soupault europäische Avantgarde-Geschichte. Sie studierte von 1921 bis 1925 am Bauhaus in Weimar bei Johannes Itten. Mit ihrem späteren Mann, dem französischen Schriftsteller und Journalisten Philippe Soupault, zog sie durch die Welt. Arbeitete als Modedesignerin, Journalistin, Fotografin, Filmemacherin und Übersetzerin. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Malwida von Meysenbug war eine geistreiche, vielseitig begabte, charismatische Frau. Eine überzeugte Demokratin und Befürworterin der 1848er Revolution, Vorkämpferin der Frauenbewegung und Freundin berühmter Männer. Sie arbeitete als Journalistin, Übersetzerin und Erzieherin und feierte Erfolge als Schriftstellerin. Viele Künstler und Intellektuelle suchten ihre Nähe. Autorin: Heide Soltau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war schon 80 Jahre alt und die Gesundheit spielte nicht mehr mit. So endete die längste demokratisch legitimierte Präsidentschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Urho Kekkonen war 25 Jahre im Amt, dabei immer bemüht, die Unabhängigkeit Finnlands angesichts der gemeinsamen Grenze mit der übermächtigen Sowjetunion nicht zu verspielen. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Mahalia Jackson hatte eine Mission: Wenn sie ihren massigen Körper im Rhythmus wiegte und ihre so volle leidenschaftliche Altstimme erhob bis ihr pausbäckiges Gesicht glänzte, dann riss sie das klatschende Publikum mit und verwandelte den Konzertsaal in eine große singende Gemeinde. Sie wollte vor allem eines: Die Botschaft des Evangeliums in die Welt hinaus tragen. Autorin: Susanne Rabsahl © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"So sicher wie das Gold in Fort Knox" - heißt eine beliebte amerikanische Redewendung. Der Namensgeber hatte allerdings wenig mit dem Edelmetall am Hut. Als Sohn irischer Einwanderer 1750 geboren, entstammte Henry Knox armen Verhältnissen. Nach einer Buchhändlerlehre eröffnete er in Boston seinen eigenen Laden, wo er seine Bücher nicht nur verkaufte, sondern auch unendlich viel las. Vor allem militärische Themen hatten es ihm angetan. Als der amerikanische Unabhängigkeitskampf begann, meldete Knox sich freiwillig und beeindruckte General George Washington, der ihn fortan nach Kräften förderte, Autor: Martin Herzog © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Korea ist das letzte Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges. Seit mehr als 60 Jahren teilt der 38. Breitengrad die koreanische Halbinsel in einen kommunistischen Norden und einen kapitalistischen Süden. Als Anfang der 1990er Jahre in Europa der Eiserne Vorhang gefallen war, schöpften die Menschen beiderseits des Breitengrades neue Hoffnung. Auch sie träumten jetzt von Wiedervereinigung. Zum ersten Mal seit der Teilung gab es Gespräche zwischen Nord und Süd. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Vor zehn Jahren erfand der US-amerikanische Technologiekonzern Apple das Rad neu: ein kleines Musikabspielgerät mit einem "einzigartigen Scroll-Rädchen" zur Bedienung. Zwar gibt es inzwischen jede Menge günstigere mp3-Player mit mehr Speicherplatz und mehr Funktionen - aber der iPod verkauft sich trotzdem weiterhin wie geschnitten Brot. Autorin: Helene Pawlitzki © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich mache nichts, was ich nicht sehe", das antwortete Paul Cézanne einem jungen Malerkollegen, der unbedingt hinter das Geheimnis des Künstlers aus Aix en Provence kommen wollte. Cézanne sah mehr als die anderen. Ein Einzelgänger, der so recht in keine Schublade passen wollte. Ein Vorreiter, der die Natur niemals abbildete, sondern Bilder parallel zur Natur schuf. Er löste sich von der traditionellen Malerei und schuf seinen eigenen Kosmos aus Form und Farbe. Autorin: Anke Rebbert © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie waren "per un pezzo di pane", für ein Stück Brot, gekommen. Junge Männer aus dem Süden Italiens trieb die Armut über die Alpen. Als Gastarbeiter waren sie im Wirtschaftswunder-Deutschland willkommen. Dass sie aber als Menschen gekommen waren, die hier leben, sich verlieben oder auch nur etwas essen wollten, was ihnen schmeckte, damit hatte niemand gerechnet. Umso wichtiger wurde für sie eine italienische Insel im Radio: eine halbe Stunde Programm in italienischer Sprache, die sowohl über Italien als auch über ihre Probleme in Deutschland berichtete. Autorin: Irene Dänzer-Vanotti © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war Deutschlands berühmtester Freibeuter. Ausgestattet mit Kaperbriefen hat er feindliche Schiffe in der Nord- und Ostsee aufgebracht. Dafür sollen ihn die Hamburger Kaufleute gejagt und zur Strecke gebracht haben. Vor 610 Jahren soll sein Schädel dort, wo heute die Speicherstadt steht, über die Planken gerollt sein. Die Legende erzählt, dass er kopflos noch 12 Meter an seiner Besatzung vorbeispaziert ist. Bis zuletzt: ein Held im Widerstand gegen die Obrigkeit! Autor: Ralph Erdenberger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Wie du schreibst, so schreibt niemand mehr!", bedauerte ihr Freund Thomas Bernhard. Die in Wien geborene Hilde Spiel war die Grande Dame des Feuilletons, arbeitete für die FAZ, die Süddeutsche Zeitung oder den Guardian, schrieb daneben Romane und Erzählungen, übersetzte James Saunders und Graham Greene. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Elizabeth Arden zählt zu den Müttern der Schönheitsindustrie. Die ehemalige Krankenschwester eröffnet 1910 in New York mit geliehenem Geld ihren ersten Schönheitssalon. "Schön zu sein und natürlich ist das Geburtsrecht jeder Frau", proklamiert die ehrgeizige Unternehmerin. Elizabeth Arden entwickelt eigene Kosmetikprodukte und die Philosophie einer ganzheitlichen Schönheitspflege. Dabei erweist sie sich als knallharte Geschäftsfrau. Autorin: Steffi Tenhaven © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Als sich im Sommer 1951 der Vorhang zu den ersten Nachkriegs-Festspielen in Bayreuth hob, stand ein Brüderpaar an der Spitze der Festspiel-Leitung: Wieland und Wolfgang Wagner. Was damals niemand ahnen konnte, war die Art, wie Wieland als Regisseur die Werke seines Großvaters Richard Wagner entrümpeln würde. Wagner wird zum Repräsentanten eines völlig neuen Regie-Stils, geprägt von suggestiver Lichtregie, einer Zurücknahme alles Pompösen und einer anti-illusionistischen Grundhaltung. Autor: Christoph Vratz © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Berühmt gemacht haben Eric Malpass im Grunde genommen nur zwei Bücher: "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" und "Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft" - beide erfolgreich verfilmt. Es sind Geschichten um den jungen Gaylord, wie fast alle Romane des Autors humoristische Familienerzählungen, die zeigen, dass Glück nur im Augenblick bestehen kann, als ein Moment der Zuversicht inmitten aller Unwägbarkeiten des Lebens. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Abd ar-Rahman III. schlug Jahrzehnte andauernde Aufstände nieder und schuf Frieden in al-Andalus. 929 nahm er den Kalifentitel an und erhob damit den Führungsanspruch auf das islamische Weltreich - in Konkurrenz zum alten Kalifat der Abbasiden in Bagdad. Córdoba zählte mehrere hunderttausend Einwohner und war die zweitgrößte Metropole der islamischen Welt. Autor: Tobias Mayer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der 14. Oktober 1066 ist für Englands Geschichte ein Datum von entscheidender Bedeutung: Herzog Wilhelm aus der Normandie, später William "der Eroberer" genannt, besiegte an diesem Tag in der Schlacht bei Hastings seinen angelsächsischen Widersacher König Harold. Der berühmte Teppich von Bayeux, eine 70 Meter lange Bildergeschichte aus dem späten 11. Jahrhundert, illustriert das Geschehen. Autor: Herwig Katzer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Einen gedruckten "Stern" schaute er nur ungern an, denn daran war nun nichts mehr zu ändern: Henri Nannen war bekennender Perfektionist. Nach einer Buchhändlerlehre studierte er Kunstgeschichte und arbeitete im Zweiten Weltkrieg in der Propagandaabteilung der Luftwaffe. Er rief 1948 die Illustrierte "Stern" ins Leben. Wegen seines eleganten Stils nannten ihn die Mitarbeiter "Sir Henri". Er heuerte politische Redakteure an, engagierte sich früh für eine Anerkennung der Oder/Neiße-Grenze, unterstützte später massiv die sozialliberale Koalition. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In Paris haben sie sich 1883 kennengelernt: Sie die Anfängerin, er der Meister. Sie wird seine Schülerin, seine Geliebte. An vielen der Werke, die Rodins Ruhm ausmachen, ist Camille Claudel beteiligt. 1886 eine tiefe Krise: Camille hält es nicht länger aus, dass Rodin zugleich an seiner langjährigen Gefährtin Rose Beuret festhält. Um die Geliebte zu beschwichtigen, setzt Rodin einen detaillierten Vertrag auf: "Ab heute, 12. Oktober 1886, werde ich als einzige Schülerin Mlle Camille Claudel behalten ... Ab jetzt werde ich mich mit keiner anderen Frau einlassen ..." Er hält den Vertrag nicht ein. Autorin: Monika Buschey © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Trompeter Lester Bowie trat gerne im weißen Laborkittel auf die Bühne. Wie ein Wissenschaftler untersuchte er die Musikgeschichte auf ihre Verwendbarkeit für den Jazz hin. Eine musikalische Materialprüfung, die vor keinem Stil haltmachte. In seiner Gruppe "Brass Fantasy" mischten sich Gospel, Blues, Marsch, Pop und Free Jazz zu einer wilden Melange: Puccini neben Lloyd Webber, Marilyn Manson neben Sade. Es war sein Versuch, den Jazz nicht als Museumsstück der Vergangenheit zu überlassen. Autor: Thomas Mau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das arktische Eis. Fridtjof Nansen sieht es zum ersten Mal als Student während der Fahrt auf einem Robbenfänger und er verliebt sich Hals über Kopf in den Anblick. Auf Skiern durchquert er als Erster das Innere Grönlands von Ost nach West, lässt sich mit dem Schiff "Fram" drei Jahre vom arktischen Eis einschließen und unternimmt den waghalsigen Versuch, zu Fuß den Nordpol zu erreichen. Den Abenteuern als Polarforscher folgt Nansens zweites Leben: Sein Vaterland Norwegen ernennt ihn zum Diplomaten und der Völkerbund zum Hochkommissar. Autorin: Daniela Wakonigg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Ernährung in der Schweiz war schlecht zum Ende des 19. Jahrhunderts. Es war die Zeit der Industrialisierung und auch die Frauen gingen in die Fabriken. Zum Kochen blieb keine Zeit. Das gefiel Wissenschaftlern, Unternehmern und Beamten nicht. Aus Sorge um die Arbeiter gründete eine illustre kleine Runde die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft. Auch der Müller und Kaufmann Julius Maggi war Mitglied. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Arzt Fridolin Schuler, entwickelte er eine Suppe aus gemahlenen Hülsenfrüchten, die nahrhaft, preiswert und zugleich schnell zuzubereiten war. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es auch die neugegründeten Rundfunkanstalten der Länder, die für das Bild des Aufbruchs in ein junges, modernes Deutschland sorgten. Zur Idee der Demokratie gehörte, dass Experimente und Nischenkultur gefördert wurden. Das wichtigste Forum beim Nordwestdeutschen Rundfunk in Köln, aus dem 1956 der WDR hervorging, war die Konzertreihe "Musik der Zeit", die am 8. Oktober 1951 von Igor Strawinsky mit eigenen Werken im Sendesaal des Kölner Funkhauses eröffnet wurde. Autor: Michael Struck-Schloen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Verhandlungen für den Bund der "Heiligen Liga" hatten Monate gedauert. Das gegenseitige Misstrauen zwischen Spanien, Venedig und Rom war groß. Einig war man nur sich darin, dass dem Vordringen der Türken, die schon 1529 vor den Toren Wiens gestanden hatten, Einhalt geboten werden müsse.Der Sieg der Flotte der "Heiligen Liga" über die Osmanen bei Lepanto in einer der größten Seeschlachten der Geschichte war militärisch allerdings folgenlos. Autor: Tobias Mayer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der gebürtige Kölner Bruno wurde zunächst Stiftsherr in seiner Heimatstadt und später Leiter der Domschule im französischen Reims. Dort wäre er gerne Bischof geworden, doch das klappte nicht und so verließ Bruno enttäuscht die Stadt. Mit einigen Gefährten ließ er sich nördlich von Grenoble in einem unwegsamen, gebirgigen Gelände namens Cartusia nieder. Dies war die Geburtsstätte der Kartäuser, des strengsten katholischen Ordens. Die Mönche leben in Einzelzellen und kommen nur zum gemeinschaftlichen Gebet zusammen. Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Flann O'Brien ist ein Meister seines Fachs. Er jongliert so virtuos mit Sprache, dass es manchmal fast unmöglich ist ihn zu übersetzen. Die Texte des Iren sind voller Spitzfindigkeiten, Anspielungen und Chiffrierungen, die Figuren merkwürdig bizarre Wesen. . O'Briens wiederkehrende Themen: das Leben in Irland, die Alkoholsucht, der Tod, Fahrräder und Schafe. Autorin: Andrea Klasen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Gebärmutterhalskrebs hieß die Diagnose. Der Krebs tötete Henrietta Lacks und machte die Afroamerikanerin "unsterblich". Denn ohne ihr Wissen hatten Forscher Krebszellen aus ihrem Tumor entfernt und in der Petrischale kultiviert. Diese Zellen vermehrten sich als erste im Reagenzglas - und zwar rasend schnell. Bald wollten alle HeLa-Zellen für ihre Tests, ob Militär-, Medizin- oder Kosmetiklabors. Zusammen sollen es bis heute Abermillionen Tonnen sein. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Morgens früh um sechs, alle schlafen noch, auf einmal das: hektisch bremsende Lastwägen vor dem Haus, polternde Stiefel auf dem Gartenweg, wildes Hämmern an der Tür. So beginnt für 12.000 DDR-Bürger der 3. Oktober 1961. Am Ende des Tages werden sie sich in der Fremde wiederfinden: in leeren Dachkammern, Scheunen, Kellerlöchern, oft hunderte Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Ihr alter Besitz scheint für immer verloren. Was diese Menschen eint, haben sie nicht selbst verschuldet: Sie haben das Pech, auf einem Stück Land ganz in der Nähe der innerdeutschen Grenze zu wohnen. Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In Glogau, seinem Geburtsort in Schlesien, starb Andreas Gryphius auch. Doch war der Barockdichter lange ein Vertriebener. Wegen seines lutheranischen Glaubens musste er während des Dreißigjährigen Krieges fliehen: erst ins polnische Danzig, später ins holländische Leiden. Zunächst schrieb er auf Lateinisch, dann auf Deutsch. Das machte Andreas Gryphius zum wortgewaltigen Vorbild: mit seiner Lyrik, seinen Märtyrerdramen und Leichenreden. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

1967 fasste das Parlament von Florida einen Beschluss, wie es ihn noch niemals in den USA gegeben hatte: Es gewährte einer privaten Gesellschaft das Recht, eine Fläche von der doppelten Größe Manhattans in ein "Königreich" zu verwandeln. Mit allen Vollmachten und eigener Währung. Die Eröffnung vom "Magic Kingdom" mit dem Cinderellaschloss in seiner Mitte war nur der Anfang. Heute besteht "Walt-Disney-World" - der flächenmäßig größte Freizeitkomplex der Welt - aus vier Themen- und zwei Wasserparks sowie 23 Hotels auf insgesamt 15000 Hektar. Autorin: Antje Passenheim © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Die Prinzessin ist schön und klug, aber sie lässt mich kalt", schrieb der preußische Prinz Wilhelm über seine 14 Jahre jüngere Verlobte Augusta. Wilhelm war eigentlich in eine andere verliebt, in die zauberhafte junge Polin Elisa Radziwill. Weil sie jedoch nicht standesgemäß für einen möglichen Thronfolger war, zwang ihn sein Vater zur Hochzeit mit der Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach. So begann eine Ehe, die beiden nur Unglück bringen sollte. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Am 29. September 1946 nimmt in Marl unter dem Namen "die insel" die erste Nachkriegs-VHS ihren Betrieb wieder auf. Treibende Kraft ist Gründungsdirektor Bert Donnepp, der 1955 das bundesweit erste Haus für die kommunale Erwachsenenbildung eröffnet. Marl wird schnell zum zentralen Ort der Volkshochschul-Bewegung, vor allem im Bereich der Medienbildung durch das Adolf-Grimme-Institut. Autor: Kay Bandermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Die rechtsprechende Gewalt ist den Richtern anvertraut; sie wird durch das Bundesverfassungsgericht, durch die in diesem Grundgesetze vorgesehenen Bundesgerichte und durch die Gerichte der Länder ausgeübt." So steht es im Grundgesetz, Artikel 92. In jener Verfassung also, die die Grundlage eben dieser Einrichtung ist, die zugleich über sie wacht. Das Bundesverfassungsgericht ist nicht nur oberster Hüter der Verfassung, es hat den gleichen Rang wie Bundestag, Bundesregierung, Bundesrat und der Bundespräsident. Autor: Wolfgang Meyer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ludwig XIII war nur die Laterne, Richelieu das Licht", behauptete Victor Hugo. Und Alexandre Dumas hat in seinen Musketieren den König als uninteressierten inkompetenten Schwächling dargestellt. Da können die Historiker schon lange noch so viele Quellenbelege auffahren, die exakt das Gegenteil beweisen: Ludwig XIII hat sein Fett weg. Das ist bedauerlich, denn bei genauerer Betrachtung hat dieser zwischen seinem berühmten Vater Heinrich IV und dem noch berühmteren Sohn Ludwig XIV oft übersehene Monarch äußerst mühsam aber zielstrebig den mächtigen Zentralstaat aufgebaut, in dem sich sein Nachfolger dann sonnen konnte. Autorin: Sabine Mann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

US-Milliardär Edward Bass hat hochfliegende Pläne: Für 200 Millionen Dollar lässt er in der Wüste von Arizona unter Glaskuppeln ein eigenes, völlig abgeschlossenes Ökosystem errichten mit Regenwald, Wüste, Ozean, Landwirtschaft und Wohnräumen. So soll geklärt werden, wie Menschen langfristig in Weltraumkolonien überleben können. Doch das Experiment scheitert spektakulär. Autor: Thomas Pfaff © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Qianlong - bei diesem Namen schlug im November vorigen Jahres das Herz eines britischen Auktionators ein paar Takte schneller. Für sagenhafte 50 Millionen Euro wechselte in London eine chinesische Vase aus der Zeit der Qing-Dynastie den Besitzer. Ein Geschwisterpaar hatte das wertvolle Porzellan beim Aufräumen gefunden. Die Vase war Mitte des 18. Jahrhunderts in einer Manufaktur des Mandschu-Herrschers Qianlong entstanden. China blühte wirtschaftlich und kulturell. Noch nie war das Reich der Mitte so groß gewesen. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Am 24. September 911 stirbt der Karolinger-König Ludwig IV., gerade erst volljährig und noch kinderlos. Große Schlachten, weitreichende Reformen oder gar eine Vergrößerung seines Reiches sind vom Urururenkel Karls des Großen nicht überliefert. Ganz im Gegenteil: Ludwig der IV., der nach dem vorzeitigen Tod seines Vaters Arnulf schon als Sechsjähriger zum König des ostfränkischen Reiches gekrönt wird, ist Zeit seines Lebens die Schachfigur eines trickreichen Regentschaftsrates. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Woher nimmt ein Mensch die Kraft, ein Weltunternehmen aufzubauen? Wie kann aus einer kleinen Werkstatt in Stuttgart ein globaler Konzern mit rund 285.000 Mitarbeiter werden? Und: Wieso nimmt ein Mensch das auf sich? Das Leben des Robert Bosch gibt die Antworten auf die Fragen. Es ist eine Reise durch die Zeit und die politischen Systeme - mit einem Menschen, der ein Überzeugungstäter war und weder sich noch andere geschont hat. Disziplin, Leistungswille und ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit haben Robert Bosch angetrieben. Autor: Sven Preger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es ist 25 Jahre her, dass auf das Garagen-Dach einer amerikanischen Fernsehfamilie zufällig ein Raumschiff krachte. Einziger Überlebender: Eine Kreuzung zwischen Ameisenbär und Teddy, ein behaartes Rüsselschwein mit einer Ziehharmonika-Nase unter eng zusammenstehenden Kiesel-Glubschern. Ein Alf. ALF ist die Abkürzung für "Alien life form" und wurde für die Fernseh-Zuschauer gleichzeitig zum Synonym für alles, was verwerflich aber menschlich ist. Autorin: Stefanie Junker © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Fluch und Segen liegen beim Ammoniak eng beieinander. Nachdem es Carl Bosch und Fritz Haber rechtzeitig vor dem Ersten Weltkrieg gelungen war, Stickstoff aus der Luft zu binden, hatten die deutschen Armeen genug Sprengstoff, um vier Jahre lang Krieg zu führen. Nach der Niederlage sollte der Stickstoff aus der Luft vor allem für die Düngung von Feldern genutzt werden, doch 1921 flog ein riesiges Lager der BASF in Oppau bei Ludwigshafen am Rhein in die Luft. 4000 Tonnen Ammonsulfat-Salpeter explodierten und hinterließen einen riesigen Krater. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wenn überdimensional große Yachten in Cannes vor Anker liegen, langbeinige Schönheiten mit sehr dunklen Brillen auf der Croisette flanieren und weniger Wichtige um die Aufmerksamkeit der Kameras buhlen, dann befindet sich die Stadt an der Côte d?Azur im Filmfestivalfieber. Der damalige französische Bildungs- und Kulturminister Jean Zay war der Initiator des Festivals, es war seine französische Antwort auf die Filmfestspiele in Venedig. Schnell wurde das Filmfest in Cannes zu einem der bedeutendsten Wettbewerbe der Branche. Autorin: Andrea Klasen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es war eine politische Sensation. Saarlouis und Eisenhüttenstadt besiegelten 1986 die erste Städtepartnerschaft im noch geteilten Deutschland. Sie verdankt ihre Gründung auch den beiden mächtigen Saarländern Ministerpräsident Oskar Lafontaine und Erich Honecker. Manche glaubten dabei an eine sentimentale Geste des in Neunkirchen geborenen SED-Generalsekretärs. Aber ganz ohne politisches Kalkül hatten die DDR-Oberen nicht entschieden. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden war wenig daran interessiert, für die Stärkung des Glaubens zu wirken. Sein Ziel war es, die eigene Macht und seinen Besitz zu mehren und dafür ging er über Leichen. Sowohl in Angelegenheiten des Reiches, als auch im Kölner Erzbistum setzte er seine Interessen mit eiserner Faust durch und wenn er nicht den Grundstein zum gotischen Dom in Köln gelegt hätte, wüsste man kaum etwas Positives über ihn zu sagen. Ein gerechtes Urteil? Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Endloser Regen, Unwetter, Überschwemmungen - das Jahr 1816 ist das "Jahr ohne Sommer". Die Menschen des 19. Jahrhunderts konnten sich diese anhaltende Kälte nicht erklären: Viele hielten das schlechte Wetter für eine Strafe Gottes und prophezeiten den bevorstehenden Weltuntergang. Erst 1920 fand ein amerikanischer Klimaforscher die Ursache heraus: Das Jahr ohne Sommer stand in direktem Zusammenhang mit dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Stephanie von Hohenlohe war laut Zeitzeugen sehr eitel, intrigant, hoch intelligent, verliebt in Luxus und Geld und ließ sich ihr Wissen über die Geheimnisse von Politikern und Prominenten immer gut bezahlen. Die erstaunliche Karriere der jungen Wienerin Steffi Richter beginnt im Jahr 1914 mit ihrer Einheirat in die Hocharistokratie. Trotz ihrer jüdischen Herkunft war sie Hitlers "liebe Prinzessin" und arbeitete für ihn als Geheimdiplomatin. Autorin: Martina Meissner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Kaum jemand kennt ihn, aber er war einer der erbarmungslosesten europäischen Despoten des 20. Jahrhunderts: der 1885 geborene deutsch-baltische Baron Robert von Ungern-Sternberg. Der fanatische Antisemit und Antikommunist diente bis zur Oktoberrevolution in der russischen Armee. Als Gegner der Roten ebenso wie der Weißen Armee stellte er eine eigene Streitmacht auf. 1921 ernannte er sich sogar zum Herrscher der Mongolei. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im Jahr 1902 reist ein junger Musikwissenschaftler aus Cambridge nach Münster, um eine alte aus Rom stammende Notensammlung zu sichten. Der Engländer bekommt den Schreck seines Lebens. "Angehäuft in Stapeln wie eine Menge Altpapier lagen dort Jahrhunderte italienischer Musik. Von den Tauben und Mäusen war der Dreck unbeschreiblich". Es ist der Tiefpunkt in der Geschichte der weltberühmten und heute bestens verwahrten Santini-Sammlung, die kurioserweise in Münster landete und vergessen wurde. Autorin: Hildegard Schulte © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Gelockerte Tragflächenverspannungen, abgelassenes Flugbenzin - auch ohne diese "Späße" ihrer männlichen Flugschüler-Kameraden war in der Anfangszeit der Luftfahrt jeder Flug lebensgefährlich und für viele endete das Abenteuer Fliegen tödlich. Trotzdem wollte Melli Beese 1909 nur eines: Pilotin werden. Nachdem sie bei mehreren Flugschulen abgewiesen worden war, fand sie schließlich doch einen Lehrer, der es für möglich hielt, dass eine Frau ein Luftfahrzeug führen könnte. In der testosteron-geschwängerten Atmosphäre der frühen Luftfahrt brauchte Melli Beese ein dickes Fell und einen eisernen Willen, um sich bei den männlichen Flugpionieren durchzusetzen. Autor: Martin Herzog © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Er trank, weil er sterben wollte", so das Fazit seines berühmten Zeitgenossen Heinrich Heine. Christian Dietrich Grabbe - Bürgerschreck aber auch verkanntes Genie aus Detmold - wurde nur 35 Jahre alt. Seine Theaterstücke mit ihren Massenszenen galten als unaufführbar. Doch war Grabbes neue, szenisch offene Form zukunftsweisend für das moderne Drama. Dass er besonders gerne die großen Heerführer der Geschichte - von Hannibal bis Napoleon - in Szene setzte, wurde ihm postum aber zeitweise zum Verhängnis. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Auch zehn Jahre danach sind die Erinnerungen für die Zeugen des Anschlages präsent und schmerzhaft, so wie für Rudy Washington. Als stellvertretender Bürgermeister New Yorks ist er einer der wahren Helden dieser Tragödie. Im Chaos direkt nach dem Anschlag organisiert und koordiniert er die Rettungsmaßnahmen, während sein Chef Rudolph Giuliani im Souterrain neben den beiden Zwillingstürmen eingeschlossen ist. Joe McCarthy dreht zur gleichen als ARD Kameramann vor dem Südturm des World Trade Center, als das Gebäude einstürzt, und die Brüder Naudet aus Frankreich wollten eigentlich nur eine Dokumentation drehen über die Ausbildung zum New Yorker Feuerwehrmann, als sie sich mitten im Chaos wieder finden. Autor: Gerald Baars © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nur noch wenige Punkte trennten Wolfgang Graf Berghe von Trips am Morgen des 10. September 1961 davon, Formel-1-Weltmeister zu werden. Wenige Stunden später war der 32jährige Ferrari-Pilot tot. Bei dem Unfall in Monza starben auch 15 Zuschauer, die vom Motor seines Rennwagens erschlagen wurden. Der Kerpener von Trips war der erfolgreichste deutsche Formel-1-Pilot der Nachkriegsjahre, fuhr für Mercedes, Porsche und Ferrari. Kollegen schätzen "Count Crash" als Fahrer, der zwar immer am Limit fuhr, dabei aber stets fair blieb. Autor: Arndt Brunnert © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Henri de Toulouse-Lautrec verdankt die Pariser Tourismus- und Vergnügungsbranche ihre zugkräftigsten Klischees. Die schwarze Pelerine, der Schlapphut und der rote Schal des Chansonniers Aristide Bruant, der rotblonde Dutt der Can-Can-Tänzerin La Goulue oder die ellbogenlangen schwarzen Handschuhe der Diseuse Yvette Guilbert wurden auf seinen Plakaten von der Wende zum 20. Jahrhundert der Nachwelt überliefert. Der mit nur 36 Jahren verstorbene Vater der Plakatmalerei war eine Art Andy Warhol seiner Zeit, überall zu Hause, wo sich ein Lebemann damals aufhielt: im Zirkus, auf der Rennbahn, im Bordell und im Nachtlokal. Autorin: Sabine Mann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Flammenspeere durchzucken die Nacht, als die Stardust inmitten einer Feuersäule abhebt und die Erde hinter sich lässt. Ihr Ziel ist der Mond. Chefpilot und Expeditionsleiter ist ein Major der US Space Force. Sein Name: Perry Rhodan!". Perry Rhodan, älter als Startreck und Dr. Who. Der Erfolg kam unerwartet. Aus den gedachten vielleicht dreißig Heften wurden fünfzig, dann zweihundert, jetzt hat man die 2600 bereits hinter sich gelassen. Der Heftroman aus deutscher Feder ist die längste Science-Fiction Serie der Welt. Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Margaret Gorman aus Washington, 1.53 groß, war die erste Miss America. Mit dieser Größe hätte sie heute bei kaum einem Schönheitswettbewerb eine Chance, weder in Amerika noch in Deutschland. Alles andere als ein Meilenstein der Emanzipation, manifestierten die ersten Miss-Wahlen bis weit in die 60er Jahre hinein ein deutlich konservatives Rollenbild. Margaret Gorman hat kurz nach ihrer Wahl geheiratet und eine Familie gegründet. Ihr Ziel war, einen Ehemann und Versorger zu finden. Autorin: Anke Rebbert © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

46 Jahre lang regierte Sultan Süleyman das mächtige Reich der Osmanen. Die abendländische Geschichtsschreibung gab ihm den Beinamen "der Prächtige", die Osmanen aber nannten ihn "Kanuni", den Gesetzgeber. Unter diesem Sultan erreichte das Osmanische Reich seine größte Ausdehnung und die Anerkennung als europäische Großmacht. Autorin: Marfa Heimbach © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In einem Reisewagen wurde er geboren, auf der Strecke von Berlin nach Frankfurt an der Oder. Dort, bei ihrer Familie, hatte seine Mutter das Kind eigentlich auf die Welt bringen wollen. Das Reisen blieb ein Leitmotiv in der Biographie des Mannes, der als Sohn einer großbürgerlichen, enorm vermögenden jüdischen Familie in Berlin unter dem Namen Meyer Beer aufwuchs und sich später den Namen Giacomo Meyerbeer gab. Schon als Wunderkind am Klavier erregte er die Aufmerksamkeit der Musikwelt, ging zum Studium nach Paris und nach Italien und von dort zurück in die französische Hauptstadt, die sein eigentliches Wirkungsfeld als Opernkomponist, als Meister der "Grand?Opera", werden sollte. Autorin: Ulrike Gondorf © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ludwig Müller-Uri hat Zeit seines Lebens anderen schöne Augen gemacht. Das war seine Marktnische als Glasbläser im thüringischen Lauscha. Er beginnt mit Puppen- und Stofftier-Augen. Doch als ein Augenarzt ihn anspricht, er könne sich doch einmal an menschlichen Augen versuchen, da ist sein Ehrgeiz gepackt. Da die Konkurrenten in Paris jedoch ihre Geheimnisse um die Herstellung wie ihre Augäpfel hüten, muss er selbst experimentieren. So entwickelt er daheim in Lauscha ganz allein eine Technik, gläserne Augen zu blasen, die täuschend echt wirken. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Dichten war für Ernst Meister eine Form des Denkens, ein Erkunden der "Seinslage", der Erfahrung des Lebens in seiner Vergänglichkeit. "Im Nichts hausen die Fragen", schrieb er schon in seinem ersten Gedichtband 1932. Sein "Erkenntniswille" im ständigen Selbstgespräch machte den Hagener nach der Kriegserfahrung als Soldat und jahrelangem Schweigen zu einem hochkarätigen Außenseiter des westdeutschen Literaturbetriebs. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

China - 1,3 Milliarden Menschen! Ein Land, das unsere Arbeitsplätze raubt, die Umwelt verschmutzt, das Internet zensiert! Klischees, die zeigen: Heute hat Deutschland vor allem Angst, wenn es um China geht. Das 19. Jahrhundert blickte dagegen voller Hoffnung gen Osten: 600 Millionen Menschen - welch gigantischer Absatzmarkt! Welche Chance für Handel, Einfluss, Missionierung! Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Fischer-Verlag war in der Kaiserzeit der bedeutendste deutsche Literaturverlag. S. Fischer - das war die literarische Moderne: Gerhard Hauptmann, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Thomas Mann. Nach einem unrühmlichen Streit mit Peter Suhrkamp, der den Verlag während der Nazizeit für den emigrierten Samuel Fischer verwaltete, zog der S. Fischer Verlag nach Frankfurt am Main. Dort erschien 1952 das erste Fischer-Taschenbuch. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Am 31. August 1941 befestigte Marina Zwetajewa ihren Koffergurt an einem Deckenhaken, wand eine Schlinge und legte sie sich um den Hals. "Habe aufgehört zu schreiben, habe aufgehört zu sein". Kaum vorstellbar, was die russische Dichterin in ihren letzten Jahren durchleben musste: Kälte, Hunger, den Tod ihrer Tochter Irina, die Verhaftung ihres Mannes Sergej und ihrer Tochter Alja, Ausgrenzung, Demütigung, Exil. Einen Tag vor ihrem Tod hatte Stalins Geheimdienst ihr einen Besuch abgestattet. Wollte er sie zur Mitarbeit zwingen? Autorin: Heide Schwochow © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Für jeden Kekskrümel mal eben schnell zum Staubsauger greifen? Das ist Anfang des 20. Jahrhunderts noch undenkbar. Selbst in London, wo gerade von einem gewissen Hubert Cecil Booth der mobile Staubsauger erfunden worden ist. Die ersten Geräte sind so groß und schwer, dass sie von zwei Pferden gezogen und von mehreren Männern bedient werden müssen. Tatsächlich ist es noch ein recht weiter Weg von Booth?s ohrenbetäubender, benzingetriebener "Entstaubungspumpe" bis zum handlichen und erschwinglichen Flüster-Sauger für jedermann. Autor: Christoph Tiegel © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Den Faradayschen Käfig, eine allseitig geschlossene Hülle aus einem elektrischen Leiter, die als elektrische Abschirmung wirkt, kennt jedes Schulkind. Zielstrebig und gleichzeitig offen für unerwartet Neues entdeckt Faraday auch den physikalischen Effekt, dass Magnetismus elektrischen Strom erzeugen kann - das Fundament der modernen Elektrotechnik. Ohne Dynamo, Elektromotor und Transformator läuft seitdem nichts mehr. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Zwei Monate nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion beschloss der Oberste Sowjet, dass die Deutschen das Gebiet an der Wolga, wo sie bis dahin geachtet waren, verlassen mussten. Von einer Stunde zur anderen wurden sie nach Sibirien deportiert und in den folgenden Jahren in der Trud-Armee zur Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt. Autorin: Irene Dänzer-Vanotti © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Teddy Stauffer besaß viele Talente: Er war Musiker, Orchesterchef, Playboy, Hotelier und gelegentlich Schauspieler. Karriere machte der in der Schweiz geborene Musiker in Deutschland. Mit seinen "Original Teddies" erspielte sich Teddy Stauffer Mitte der 30er Jahre den Ruf als Deutschlands "Swing-König". Autor: Thomas Mau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In der Schlacht bei Crecy im Nordwesten Frankreichs trafen zwei ungleiche Gegner aufeinander: das Heer des französischen Königs war mit etwa 5000 Armbrust-Schützen und vor allem 12.000 Rittern zu Pferd den englischen Fußtruppen zahlenmäßig weit überlegen. Doch die Schlacht zu Beginn des Hundertjährigen Krieges markierte das Ende der militärischen Dominanz des feudalen Rittertums. Autor: Herwig Katzer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Warum, um Himmels willen, kommen Sie erst jetzt?" Oft musste Christoph Hufeland todkranken Patienten diese Frage stellen. Wären Sie eher gekommen, hätte er sie retten können. Doch die meisten hatten für einen Arzt kein Geld. Zeit seines Lebens setzte sich Hufeland deshalb für die Armenfürsorge ein und für die Propagierung so einfacher wie wirksamer Mittel zur Erhaltung der Gesundheit: frische Luft, sauberes Wasser, viel Bewegung, eine vernünftige Ernährung. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine selbstbewusste, kluge Frau. Schauspielerin am Königlichen Theater. Kommunistin. Die rote Ruth nennt man sie in Kopenhagen. Ruth Berlau ist 26 Jahre alt, als sie im Sommer 1933 den deutschen Stückeschreiber Bertolt Brecht kennen lernt. Für ihn und seine Familie ist Dänemark die erste Station des Exils, für Ruth Berlau ist die Begegnung der Wendepunkt ihres Lebens. Ein Liebes- und Arbeitsverhältnis beginnt. Sie bricht alle Brücken hinter sich ab, folgt dem Dichter nach Schweden, nach Finnland, nach Amerika. Autorin: Monika Buschey © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine unglaubliche Geschichte: Ein Mädchen verschwindet. Acht Jahre später taucht sie plötzlich in einem Schrebergarten wieder auf. 3690 Tage lang hat ihr Entführer sie in einem kleinen Kellerraum gehalten, fast ohne Kontakt zur Außenwelt. "Ich war stärker", sagte Natascha Kampusch später. Sie überlebt ihre Gefangenschaft, Platzangst, Hunger und Missbrauch und flieht, als ihr Entführer einen Moment lang seine übliche Vorsicht vergisst. Doch normal ist ihr Leben auch danach nicht: Die Medien stürzen sich auf den Fall Kampusch. Ihre Berühmtheit wolle sie nutzen, um sich für verschleppte und missbrauchte junge Frauen zu engagieren, sagt Natascha. Einige Fragen dieser unglaublichen Geschichte werden indes immer unbeantwortet bleiben: Nataschas Entführer beging kurz nach ihrer Flucht Selbstmord. Autorin: Helene Pawlitzki © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Am Morgen danach sah um den Nyos-See im Norden Kameruns auf den ersten Blick alles normal aus: Wiesen und Bäume grün, Hütten unversehrt. Die Menschen sahen aus, als ob sie schliefen. Doch über 1.700 sollten nie mehr aufwachen. Selbst die allgegenwärtigen Fliegen waren tot; Rinder lagen starr auf den Weiden verstreut wie Kinderspielfiguren. Was war geschehen? In der Gegend um den See wurden schon lange Geschichten erzählt von bösen Seen und aufgebrachten Geistern, die Menschen töten. Es war eine Naturkatastrophe, wie sie die Weltöffentlichkeit vorher noch nicht gekannt hatte. Autorin: Anne Preger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war Jesuit, Ökonom, Soziologe, Philosoph und er hat wie kein anderer die katholische Soziallehre im 20. Jahrhundert geprägt. Oswald von Nell-Breuning hat 1931 maßgeblich an der Sozialenzyklika von Papst Pius XI. mitgewirkt, in der Kapitalismus und Klassengesellschaft einer nachhaltigen Kritik unterzogen werden. Als Honorarprofessor an der Universität Frankfurt besaß er in den 50er und 60er Jahren Einfluss über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus. Er stand dem Deutschen Gewerkschaftsbund und auch der SPD nah. Das hat ihm innerhalb der katholischen Kirche viel Kritik eingebracht.Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Zum ersten Mal zur Kamera griff Bernd Becher 1957. Der Grafikstudent wollte den Förderturm der Grube Eisenhardter Tiefbau zeichnen, aber der Abbruch der Anlage ging zu schnell voran. So übernahm der Fotoapparat die Funktion des Zeichenstiftes. Als Bernd Becher dann die gelernte Fotografin Hilla Wobeser kennen lernt und heiratet, entwickeln sich die Bechers zu Archivaren der Industriegeschichte. Die Becher-Schule an der Kunstakademie Düsseldorf bringt besonders viele bekannte Fotografen, wie Thomas Ruff oder Candida Höfer, hervor. Aber auch der Sohn von Bernd und Hilla Becher setzt das Handwerk fort. Autorin: Petra Weber © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Der Flugweg auf und ab war absolut unberechenbar, teils wegen der unregelmäßigen Luftbewegungen, teils aufgrund mangelnder Erfahrung bei der Bedienung der Maschine." So ergeht es Orville Wright bei seinem ersten Flug. Zusammen mit seinem älteren Bruder Wilbur hatte er in der Werkstatt ihres Fahrradladens aus Metallrohren, Holz, Leim und Tuch das erste motorgetriebene Flugzeug zusammengeschraubt und 1903 zum Fliegen gebracht. Es war eher ein Hüpfer: 37 Meter in 12 Sekunden - aber der Anfang war gemacht. Sechs Jahre später führt Orville Wright unter den Augen ihrer Majestät Wilhelm II. nebst Gattin den weiterentwickelten Flyer auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin vor, und stellt vor staunendem Publikum einen Weltrekord nach dem anderen auf. Autor: Martin Herzog © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Kaiserreich, Weimarer Republik, Diktatur, Bundesrepublik Deutschland, Wiedervereinigung und immer war es dabei: Das Bürgerliche Gesetzbuch erwies sich als wandlungsfähig und blieb im Kern doch immer das, was es vor 115 Jahren war: Die gesetzliche Kodifizierung der privaten Rechtsbeziehung. Es überwand die Rechtszersplitterung des deutschen Reichs und formulierte das Zivilrecht. Ende des 19. Jahrhunderts war dies auch Ausdruck eines gestärkten politischen Liberalismus. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Jeden Tag liegen dutzende auf seinem Grab: Kartoffeln. Vor allem ältere Besucher legen sie andächtig nieder. Die Gärtner im Schlosspark Sanssouci sammeln sie abends ein. Doch am nächsten Tag sind neue da. Es ist seltsam, was von einem König bleibt! Im Falle der Kartoffeln ist es die Legende, dass Friedrich den Preußen die Kartoffel gebracht habe, um sie vor der Hungersnot zu bewahren. Der Kriegsherr Friedrich hingegen, der seine Soldaten unbarmherzig in den Tod schickte, der ist heute unpopulär. Aber den Philosophen Friedrich, der, mit Voltaire verbunden, jeden nach seiner Facon glücklich werden lassen wollte, der wird bis heute verehrt. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

16. August 2006: Der Todestag des paraguayanischen Generals und Staatspräsidenten Alfredo Stroessner35 Jahre lang stand "El Rubio - der Blonde" an der Spitze Paraguays. Damit hält er den Rekord die längste Militärdiktatur Südamerikas angeführt zu haben. General Alfredo Stroessner, Sohn eines bayrischen Einwanderers, soll zwar weder Charisma gehabt, noch eine höhere Bildung besessen haben, dafür war er begeisterter Schachspieler, eiskalter Stratege und regierte sieben Amtszeiten im Ausnahmezustand. An die Macht geputscht 1954, in einer Zeit des politischen und wirtschaftlichen Chaos, versprach Stroessner Frieden und Fortschritt räumte jegliche Opposition brutal aus dem Weg. Paraguay leidet bis heute unter dem schweren Erbe der korrupten und grausamen Stroessner-Diktatur.Autorin: Anne Herrberg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Yarmuk ist ein kleiner Fluss, der heute die Grenze zwischen Syrien und Jordanien bildet und in den Jordan mündet. Einige Kilometer nördlich trafen im Jahr 636 die nach Norden expandierenden muslimischen Araber auf die christlichen Truppen des oströmischen Kaisers Herakleios und schlugen sie vernichtend. Es war ein Sieg der Anhänger des erst vier Jahre zuvor verstorbenen Propheten Muhammad von welthistorischem Ausmaß. Die Islamisierung der Nahen Ostens schritt voran. Das Ende der byzantinischen Macht über die arabische Welt war besiegelt. Die Schlacht am Yarmuk markiert damit auch das Ende der Antike in der Region.Autor: Tobias Mayer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Die Menschheit hat bis heute noch nicht erfahren, dass Musik nicht nur schön ist. Musik ist wahr", meinte der Dirigent Sergiu Celibidache. Er polarisiert das Publikum und die Orchester über fünfzig Jahre lang wie kein zweiter seines Fachs. 1936 kommt er als junger Student aus Rumänien in Berlin an; seine wichtigsten Lehrer sind der Komponist Heinz Tiessen und Martin Steinke, der Gründer der buddhistischen Gemeinde in Berlin. Von 1945 bis 52 wird Celibidache der erste Nachkriegdirigent der Berliner Philharmoniker, von 1979 bis zu seinem Tod im Jahr 1996 leitet er die Münchner Philharmoniker. Autor: Walter Liedtke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Bau der Mauer am 13. August 1961 löste einen Schrei der Empörung aus. Doch kam das Abriegeln der Grenze wirklich so überraschend, wie von vielen behauptet? Wer in den Tagen vor dem 13. August aufmerksam Radio hörte oder Zeitung las, der hätte zumindest ahnen können: etwas Einschneidendes steht bevor. Was war denn nun im Ost- und West- Rundfunk zu hören? Was konnte man in den Zeitungen lesen? Welche Musik wurde gehört? Überhaupt: Was trieb die Menschen in Ost- und Westberlin um? Und wie verhielten sich die Politiker? Autorin: Heide Schwochow © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im August 1981 erwachte der amerikanische Computerkonzern aus einem langen, tiefen Schlaf: Während die gesamte Elektronikindustrie ständig neue Konzepte für Kleincomputer entwickelte, wollte sich IBM partout nur um Großrechner kümmern. Doch vor allem der erfolgreiche Apple II zwang IBM zum Handeln. So brachte IBM vor 30 Jahren den ersten PC auf den Markt. Der IBM 5150 hatte eine Tastatur und einen recht monströsen Bildschirm, aber keine Festplatte. Statt dessen war er mit ein oder zwei Diskettenlaufwerken ausgestattet. Nachbauten ließen nicht lange auf sich warten. Eine rasante Entwicklung bis zum Hochleistungs-PC von heute setzte damit ein.Autoren: Anja und Doris Arp © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Wiege des Galopprennens steht in England. Hier ließ sich im Jahr 208 der römische Kaiser Lucius Septimus Serverus nieder. Lucius baute auch die erste Rennbahn in Yorkshire. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Rennsport immer mehr zum königlichen Vergnügen in Großbritannien. Vor allem Königin Anne liebte es Anfang des 18. Jahrhunderts, im gestreckten Galopp rund um Windsor Castle zu reiten. Besonders geeignet war dafür ein Gelände namens East Cote. Dort veranstaltete die Königin am 11. August 1711 das erste öffentliche Rennen. Sieben Pferde gingen an den Start: Hengste, Wallache und Stuten, alle älter als 6 Jahre. Aus East Cote wurde Ascot, ein Name, der heute - 300 Jahre später - für eines der Topp-Ereignisse der britischen Upper-Class steht: mit extravaganten Hüten, Hummer, Kaviar, Erdbeeren und Champagner.Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der launige Engländer war ein Wunderkind der Wissenschaft. James Smithson begeisterte sich für Steine und Esoterik. Auf sein konservatives Vaterland war er hingegen nicht gut zu sprechen. Als unehelicher Sohn eines britischen Adeligen war es dem Blaublut nämlich versagt, den Namen seines Vaters zu tragen. Mit 17 studierte er Geologie und Chemie, mit 22 war er Mitglied der Royal Society - und glühender Anhänger der Revolution. Obwohl er zu Lebzeiten seinen Fuß nie nach Amerika gesetzt hatte, liebte er das freie Land. Nach seinem Tod überließ er den USA seinen Schatz: 105 Säcke mit je tausend englischen Pfund in Gold. Das Erbe war mit einer Auflage verbunden: "Eine Einrichtung für die Vermehrung und Verbreitung von Wissen unter den Menschen zu gründen." Die Smithsonian-Institution in Washington, wurde die weltgrößte Kultur-Schatzkammer. Autorin: Antje Passenheim © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Versuchen Sie`s mal: Tuch vor den Kopf halten - Tuch wegziehen - "Guckuck" schreien: Sie werden Begeisterungsstürme auslösen, versprochen. Zumindest wenn Ihr Gegenüber noch in die Windeln macht. Auch Jacqueline, Lucienne und Laurent wurden so bespaßt. Nur hat ihr Vater, der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget, eine wissenschaftliche Erkenntnis daraus gemacht. Mit diesem Spiel entwickelt das Kind ein Bewusstsein für die so genannte Objektpermanenz: Papa ist nicht weg, wenn er hinter dem Tuch verschwindet, sondern kommt bestimmt gleich wieder. Kinder lernen eigenständig, indem sie die Welt entdecken und ihr Geist dabei logische Strukturen herausbildet: das war Piagets wichtigste Erkenntnis. Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Keiner darf bleiben". Mit dieser Parole reagierte die italienische Regierung im Sommer vor zwanzig Jahren auf die Massenflucht von Albanern über die Adria. Doch es blieben zehntausende. Viele konnten sich in Italien ein neues Leben aufbauen. Nur 80 Kilometer trennt die Hafenstadt Durres in Albanien von Bari in Apulien. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes in Tirana flüchten Männer, Frauen und Kinder vor der katastrophalen Versorgungslage in ihrem Land nach Italien. Als am 8. August 1991 die "Vlora", ein rostiger Kahn mit mehr als 10.000 Flüchtlingen an Bord, ohne Erlaubnis der Hafenpolizei im süditalienischen Bari vor Anker geht, darf niemand an Land gehen. Das völlig überladene Schiff wird zu einem Symbol für die Verzweiflung der Albaner und die Ohnmacht der Italiener. Autorin: Kirstin Hausen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Dieser König und Kaiser war einer der schillerndsten Figuren des Mittelalters. Als Kind wurde er in Kaiserswerth vom Kölner Erzbischof entführt; als junger König musste er zunächst gegen die Sachsen eine Niederlage nach der anderen einstecken, bis es ihm in einer fürchterlichen Schlacht an der Unstrut gelang, seine Gegner zu unterwerfen. Ein herrischer König, der schließlich auf einen genauso selbstbewussten Papst Gregor VII. traf. Nach einer regelrechten Propagandaschlacht wurde Heinrich vom Papst exkommuniziert. Am Ende stand er barfuß vor der Burg Canossa und bat um Wiederaufnahme in die Kirche. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im fernen Sevilla führt eine junge Studentin deutsche Touristen durch die Stadt. Ihr Nebenjob ist mühsam. Aber sie weiß, ihr ist üppiges Trinkgeld sicher. Den Schlusssatz ihrer Führung hat sie oft geübt: "Ich mööch zo Fooß no Kölle jonn". Auch wenn die Touristen aus anderen Städten kommen, den Satz kennen sie und er lässt sie lachen. Es ist die letzte Zeile eines Liedes, das als Kölner Hymne in die Geschichte eingegangen ist. Willi Ostermann hat es geschrieben. Über 150 Lieder hat er verfasst, auf Kölsch und auch auf Hochdeutsch, Anfang des vergangenen Jahrhunderts war der Krätzchensänger ein absoluter Star. Autorin: Irene Geuer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die älteste Tochter der englischen Queen Victoria und ihres deutschen Mannes Albert war eine hochintelligente und gebildete Frau mit politischen Ambitionen. Nachdem sie 1858 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm geheiratet hatte, strebte sie zusammen mit ihrem Mann eine liberale Verfassung, die nationale Einigung Deutschlands und seine enge Verbindung zu England an. Doch während der 30-jährigen Zeit als Kronprinzenpaar konnten sich Victoria und ihr Mann nicht gegen die konservativen Kräfte um Bismarck durchsetzen. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Etliche Opiumhöhlen soll es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hamburg St. Pauli gegeben haben. Betrieben von Chinesen, die die verbotene Droge über Seeleute aus China bezogen. Als die Polizei 1921 dann zwei Opiumhöhlen aushob, eine in einer Wäscherei, eine andere in einem Grünwarengeschäft, bestätigte das die verbreiteten Ressentiments gegen die Menschen aus dem fernen Osten. Sie galten als besonders hinterhältig, kriminell und gefährlich. Dabei lebten zu der Zeit weniger als 150 Chinesen in Hamburg und der Konsum von Opium lag nach dem ersten Weltkrieg weit unter dem von anderen Drogen. Autorin: Heide Soltau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ein alarmierender Brief. Er trägt das Datum 3. August 1806. Isaak von Sinclair, ein Freund von Friedrich Hölderlin, schreibt an dessen Mutter: "Seine Irrungen haben den Pöbel dahier so sehr gegen ihn aufgebracht, dass bei meiner Abwesenheit die ärgsten Misshandlungen seiner Person zu befürchten stünden." Bereits vier Jahre zuvor ist der Dichter "im Zustand des verzweifelten Irrsinns" von einer Reise zurückgekehrt. Der Freund Sinclair hat ihn in seine Obhut genommen. Jetzt ist seine Geduld am Ende. Autorin: Monika Buschey © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In einem Zirkuszelt im saarländischen Merzig wird am 2. August 2001 die Beendigung eines Unrechts gefeiert. Mit der Verkürzung der Gymnasialzeit wird den Schülern hierzulande nun nicht mehr ein Jahr Lebenszeit "gestohlen", wie Roman Herzog einst in seiner berühmten "Ruckrede" moniert hatte. Der ehemalige Bundespräsident gibt an diesem Tag höchstpersönlich den Startschuss für G8, das nach dem Saarland sukzessive überall in Deutschland eingeführt werden wird. Indes, die Freude über die der Schule entrungene Lebenszeit hält sich bei den Begünstigten in Grenzen. Autorin: Cornelia Schäfer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Seine Knie waren schwach, sein Kopf zitterte, seine Reden klangen konfus! - Nein, es fehlte ihm nie an Würde, wenn er saß oder still stand! - Oh doch, sein Stottern, seine Lähmung - alles verschlimmerte sich, wenn er nur aufgeregt war! - Mag sein, aber als er auf dem Thron saß, war alles gut! Die Geschichte hat immer wieder seltsame Gestalten hervorgebracht: Tiberius Claudius Nero, ursprünglich Tiberius Claudius Drusus, war ohne Zweifel eine seltsame Gestalt. Und ein Mann, über den die Geschichtsschreiber nichts als Widersprüche verbreitet haben. Autor: Wolfgang Meyer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war sozusagen Robby Williams und Michael Jackson in einem - er war der musikalische Superstar des 19. Jahrhunderts: Franz Liszt. Virtuose, Schürzenjäger, Komponist, Massen-Erwecker. Er reiste atemlos durch quer Europa, um überall Konzerte zu geben. Auch seine Festanstellung in Weimar ließ ihn nicht wirklich zur Ruhe kommen. Um die zu finden, musste er als 50-jähriger nach Italien aufbrechen und in der Nähe Roms ein fast mönchisches Leben führen. Vorübergehend. Autor: Christoph Vratz © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich bin nicht in einem Rolls-Royce geboren. Ich war vielmehr das, was ich so oft auf der Leinwand gespielt habe: eine Frau aus dem Volke, die das Herz am rechten Fleck hat", sagt Magda Schneider, die den Sprung vom Stenotypistenbüro zum Film geschafft hat. Sie dreht in den 1930er Jahren Komödien und Musikfilme. Hollywood ruft an, doch Magda Schneider lehnt ab: Sie will ihre Heimat Berchtesgaden nicht verlassen und ist zudem verliebt in Wolf Albach-Retty, einen der begehrtesten Männer des Filmbusiness. Aus dieser Ehe geht Romy Schneider hervor. Mutter und Tochter verbindet ein schwieriges Verhältnis. Autorin: Andrea Klasen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Viele der 1,3 Millionen Besucher pro Jahr haben es mit eigenen Augen gesehen: Jeden Abend um kurz vor halb sieben marschieren ordenbehangene Kriegsveteranen auf den Triumphbogen am Ende der Champs-Elysées zu. Von Gendarmen werden sie durch die Blechlawine des riesigen Kreisverkehrs gelotst. Ziel der ergrauten Helden der Nation ist das Grab des unbekannten Soldaten, auf dem sie die Flamme der Erinnerung neu entfachen. In Auftrag gegeben hatte das symbolträchtige Kriegsdenkmal Napoleon Bonaparte. Doch lockte der Arc de Triomphe mit seinen berühmten Reliefs nach der Einweihung nicht nur Politprominenz, Patrioten und Paris-Touristen an. Auch feindliche Mächte kosteten dort ihre Siege aus.Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Günther Quandt baute eine Familiendynastie auf, die bis heute zu den reichsten in Deutschland zählt - und zu den nach außen unauffälligsten. Denn die Quandts scheuen die Öffentlichkeit. Während der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Günter Quandt reihenweise Industriebetriebe zu Schleuderpreisen, darunter den heutigen Batterie-Hersteller Varta. Seine von ihm geschiedene Frau Magda heiratete Hitlers Propagandachef Joseph Goebbels, Quandt investierte massiv in Rüstungsbetriebe und wurde Parteimitglied der NSDAP. Ein Profiteur des Zweiten Weltkriegs, in dessen Imperium auch KZ-Insassen und Zwangsarbeiter für die Rüstungsproduktion eingesetzt wurden. Nach dem Krieg konnte Quandt zeitweise untertauchen und nach einer Internierungszeit mit seinem Firmenimperium weiter machen. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Gertrude Stein war schon zu Lebzeiten eine Legende. 1903, mit 29 Jahren, hatte sie sich in Paris niedergelassen. Ihr Salon in der Rue de Fleuris, den sie erst mit ihrem Bruder Leo, dann mit ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas führte, wurde zur Anlaufstelle für die intellektuelle und künstlerische Avantgarde der Zeit. Die Besucher bewunderten die Gemälde moderner Maler, und die mitreißenden, geistreichen Gespräche, in denen ihre Gastgeberin sie animierte und provozierte. Mit ihrer eigenen Literatur hatte Gertrude Stein es schwerer. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Peter von Zahn war immer mittendrin: Im Zweiten Weltkrieg berichtete er als Offizier in der Propagandakompanie der Wehrmacht von den Geschehnissen an der Front. Nach dem Krieg wurde er Redakteur beim Nordwestdeutschen Rundfunk. Er war der erste deutsche Radiokorrespondent in Amerika nach dem Krieg. Ab 1955 wurde er auch fürs Fernsehen tätig. Sein prägnanter Sprachstil mit einer eigenwilligen Betonung zeichneten ihn aus. Insgesamt verfasste Peter von Zahn rund 3000 Hörfunkbeiträge und 1000 Fernsehfilme. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Auch wenn sein Name heute nur wenigen ein Begriff ist, so war sein Werk "De Imitatione Christi - Von der Nachfolge Christi", ein Weltbestseller und galt lange Zeit als das meistverbreitete Buch nach der Bibel. Das kleine Büchlein, ein Leitfaden zu inniger Frömmigkeit und praktischer Umsetzung religiöser Werte, steht aber nicht nur für einen gigantischen Verkaufserfolg, sondern löste auch eine der erbittertsten Gelehrtendiskussionen über die Urheberschaft aus. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nach seinem Bühnendebüt 1946 erobert Giuseppe di Stefano in kurzer Zeit alle wichtigen Opernhäuser Italiens. Bald wird er als Lieblingspartner von Maria Callas der höchstbezahlte Tenor der Welt. Ein Künstler, der das Leben bis zur Neige kostet. Der die irdischen Freuden über die Kunst stellt und damit letztlich seine Karriere ruiniert. Autorin: Hildburg Heider © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Was für deutsche Mädchen und Jungen "Rotkäppchen" und "Frau Holle", ist russischen Kindern die "Baba Jaga" oder "Das fliegende Schiff". Die russischen Volksmärchen, die Afanassjew zusammentrug, sind Weltliteratur geworden. Tolstoj, Gorki, Tschaikowski, Strawinsky: sie alle bearbeiteten Stoffe aus Afanassjews Kinder- und Hausbuch. Märchenforscher nennen ihn den "russischen Grimm". Autor: Tobias Mayer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine Liebesheirat war es nicht, die Vereinigung der Königreiche England und Schottland. Profitiert haben trotzdem beide Seiten, wie das eben so ist bei arrangierten Ehen. England ging es um die Thronfolge, Schottland ums Geld. Ein schottischer, womöglich katholischer König sollte verhindert werden, dafür übernahmen die Engländer die Schulden der nahezu bankrotten Schotten. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eines muss man ihm lassen: In Bezug auf die Analyse der modernen Kultur und Medien, war er meist einer der Ersten. Herbert Marshall McLuhan, kanadischer Philosoph und einflussreichster Medientheoretiker des Zwanzigsten Jahrhunderts. In ihren Anfängen untersuchte er die Popkultur. Wie der Buchdruck unsere Wahrnehmung veränderte hat er erforscht. Und das Schlagwort vom globalen Dorf prägte McLuhan lange vor dem Personal Computer oder gar der Erfindung des Internets. Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In dem württembergischen Städtchen Hechingen rätseln die Leute, wie sie ihren neuen Mitbürger ansprechen sollen, der sich 1945 hier niederlässt. "Exzellenz" oder "Kaiserliche Hoheit"? Denn Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst Kronprinz von Preußen ist zu dieser Zeit längst Privatmann. Er wird 1882 als erster Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelms II. geboren und gilt bald wegen seiner unkomplizierten Art als beliebtestes Mitglied des Kaiserhauses. Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Vom Gärtnerberuf muss er schon früh geträumt haben: Eduard Lucas, der als Fünfzehnjähriger dem Gymnasium seiner Heimatstadt Erfurt den Rücken kehrte, um in verschiedenen deutschen Botanischen Gärten Blüten und Früchte zu studieren. Aus dem Schüler der Natur wurde bald ein Lehrer und Garteninspektor. 1860 gründete Dr. Lucas in Reutlingen die private "Lehranstalt für Gartenbau, Obstkultur und Pomologie" - eine Kombination von Schule, Gartencenter und Biohof mit Direktverkauf. Außerdem regte er die Bildung eines Pomologen-Vereins in Berlin an. Autor: Jürgen Werth © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich könnte ein gute Frau sein, wenn ich fünftausend Pfund im Jahr hätte" - damals eine beträchtliche Summe. Und seine Heldin spricht aus, was der englische Schriftsteller William Makepeace Thackeray auch dachte: Moral lebt sich besser mit einem Vermögen. Er selbst brachte zwei geerbte durch, bevor er sich ein eigenes erschrieb: mit spöttisch-zynischen Romanen, von denen "Jahrmarkt der Eitelkeit" der bekannteste ist. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Am Kai sitzt ein alter Seemann und spielt Geige. Eine Frau mit Kind wartet sehnsuchtsvoll auf ihren Liebsten. Der Tod steht mit Zylinder feixend daneben. Während vor dem gelb-violetten Himmel ein Dreimaster wie ein Geisterschiff verblasst, zieht ein Dampfschiff am Horizont vorbei. Das Bild "Am Kai" hängt im Hagener Carl-Ernst-Osthaus-Museum. Es stammt von Lyonel Feininger und enthält viele Elemente seines Lebens. Der in New York geborene Sohn eines Geigers und einer Pianistin kommt durch eine Konzertreise seiner Eltern nach Berlin. Seine Werke machen Feininger zu einem der bedeutendsten Künstler der Klassischen Moderne.Autor: Ralph Erdenberger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im Frühjahr 1836 ließen sich englische Geschäftsleute, die in Hamburg arbeiteten, ein Ruderboot aus London liefern, um auf der Alster ihrem sportlichen Vergnügen nachzugehen. In ihrer Heimat wurden zu dieser Zeit bereits regelmäßige Wettfahrten veranstaltet. Beeindruckt vom forschen Tempo ihrer Kollegen, packte daraufhin auch elf junge Hamburger Kaufleute der Ehrgeiz. Sie beschlossen, es den vornehmen Engländern gleichzutun und gründeten vor 175 Jahren den Hamburger Ruder Club (DHRC). Autor: Ralf Gödde © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

19 Jahre lang währte das sogenannte Interregnum, jene Zeitspanne, in der es keinen anerkannten deutschen König gab. Bis die Fürsten sich endlich auf Rudolf von Habsburg einigten und ihm 1273 die Krone antrugen. Offenbar schien ihnen Rudolf auf der einen Seite mächtig genug zu sein, um sich gegen Konkurrenten durchzusetzen, andererseits aber alt und schwach genug, um ihnen selbst nicht in die Quere zu kommen. Rudolf von Habsburg erfüllte ihre Erwartungen jedoch nicht. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Axel Eggebrecht prägte den Hörfunkjournalismus wie nur wenige. Allen voran engagierte er sich für den Nachwuchs und setzte Maßstäbe als Pionier des Radio-Features. 1945 gehörte er zu den Mitbegründern des NWDR und war eine wichtige, mahnende Stimme. Aus Protest gegen den wachsenden parteipolitischen Klüngel verließ er den Sender jedoch 1949 und arbeitete fortan als freier Autor. Kämpferisch, hellwach und bis zuletzt unbequem. Autorin: Heide Soltau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Arnold Schönberg orientierte sich stets an der deutsch-österreichischen Tradition. Der 1874 geborene Wiener Komponist hat sie trotz all seiner Revolutionen beim atonalen und zwölftönigen Umbau der abendländischen Musik nie verleugnet. Den "konservativen Revolutionär" hat ihn ein Biograf denn auch genannt, wobei er auch die nie nachlassende Liebe des aus Europa vertriebenen Juden Schönberg zu seinen heimatlichen Wurzeln meinte. Autor: Michael Struck-Schloen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand." Das hat Erasmus von Rotterdam gesagt, der bedeutendste Humanist des 16. Jahrhunderts. Er sprach aus Erfahrung. Denn er hat hundertfünfzig Bücher geschrieben. Das einzige, das heute noch so spannend zu lesen ist wie damals im Jahr 1509, als es das ganze gebildete Europa begeisterte, trägt den Titel "Lob der Torheit". Autor: Hans Conrad Zander © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine Ministerpräsidentin ist Schirmherrin, eine Sonderbriefmarke wird vorgestellt und eine Ausstellung präsentiert. Die "herzoglich privilegierte Altschützengesellschaft zu Gotha" lädt ein. Anlass ist der 150. Jahrestag des Deutschen Schützenbundes, gegründet am 11. Juli 1861 in Gotha. Die Mitglieder nahmen sich damals einiges vor: "Verbrüderung der deutschen Schützen, die Vervollkommnung der Kunst des Bogenschießens und die Hebung der Wehrfähigkeit des deutschen Volkes." Autor: Thomas Klug © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich lebe fast ausschließlich in meinen Büchern. Mein Geschick will es so, dass ich nur aus mir selbst Bereicherung ziehen kann." Marcel Proust war 35 und ein in den mondänen Kreisen geschätzter Dandy, als er sich nach dem Tod seiner geliebten Mutter von der Welt verabschiedete. Er zog sich in ein mit Kork ausgeschlagenes Zimmer zurück, das er kaum noch verließ. Sein siebenbändiger Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", den er erst kurz vor seinem Tod 1922 beendete, bescherte Proust schon zu Lebzeiten Weltruhm. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war der erste Bourbone auf dem spanischen Thron und er war gleich zweimal König. Es sollen die Frauen am Hof gewesen sein, die seine Politik bestimmten. Im Alter von 17 Jahren war Philipp d?Anjou von seinem Großvater Ludwig XIV. auf den spanischen Thron gesetzt worden, nachdem der Habsburger Karl II. Ende 1700 kinderlos gestorben war. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im Jahr 1969 lernt die westliche Welt schlagartig eine Psychiaterin aus Chicago kennen, die ihren Arztkollegen neue Lehrmeister aufdrängt: In ihrem Buch "Interviews mit Sterbenden" präsentiert die aus Zürich stammende Elisabeth Kübler-Ross "austherapierte" Menschen als Experten für Bedürfnisse, Gedanken und Empfindungen am Lebensende. Kübler-Ross gibt dem Tod, in den Krankenhäusern als Betriebsunfall in abgelegenen Sterbezimmern versteckt, wieder Raum und Zeit, fördert die damals noch junge Hospizbewegung und legt das Fundament für die heutige Palliativmedizin. Autor: Uwe Schulz © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

1822 baute die Stadt Würzburg auf dem ehemaligen Friedhof der Dompfarrei eine Straße. Tief in der Erde fanden die Bauarbeiter einen Grabstein und damit begann die Wiederentdeckung eines der bedeutendsten Bildhauer zwischen Gotik und Renaissance. Tilman Riemenschneider, der bis dahin vergessen war, hatte in Würzburg um 1500 eine Werkstatt, aus der Altäre und Skulpturen für ganz Franken kamen. Autor: Jörg Biesler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Es gibt nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte. Es kommt nicht darauf an, was du spielst, sondern wie du spielst." Das war Louis Armstrongs Überzeugung. Aufgewachsen ist er in ärmlichen Verhältnissen. Als er in einer Silvesternacht mit einem Revolver in die Luft schoss, wurde er verhaftet und kam in ein Erziehungsheim. Das war so etwas wie der Startschuss zu seiner Karriere, denn im Heim bekam er Musikunterricht und blies das Kornett im Orchester der Anstalt. Als er mit 15 Jahren entlassen wurde stand es fest: Er würde Musiker werden. Autor: Detlef Wulke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das Buch wurde mit der Bibel verglichen und mit den Epen Homers. Die einen fragten sich, ob ihr Verfasser überhaupt ein Mensch sei, während andere lästerten, der Autor habe ein Werk geschrieben, dass weder er selbst noch sonst jemand verstehe. Die Rede ist von Isaac Newtons "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" - kurz "Principia". Tatsächlich formulierte Newton in den "Mathematischen Prinzipien der Naturphilosophie" die Grundlage der modernen Physik. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Mit zehn Jahren war nach Ansicht der Nationalsozialisten die Zeit der Kinderspiele vorbei. Die kleinen Jungs wurden in eine Uniform gesteckt und mussten den Eid des Jungvolkes sprechen: "Jungvolkjungen sind hart, schweigsam und treu. Jungvolkjungen sind Kameraden. Der Jungvolkjungen höchstes ist die Ehre". Auf dem 2. Reichsparteitag der Nationalsozialisten 1926 war die Gründung der Hitlerjugend beschlossen worden. Das NS-Regime wollte so treue und gehorsame Bürger und Soldaten "züchten". Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es war ein Verfahren, das damals als Exempel gegen die gesamte Jugendbewegung geführt und verstanden wurde: 1970 wird Rocksänger Jim Morrison, Frontmann der "Doors" von einem Gericht in Florida zu einer Gefängnisstrafe verurteilt - wegen "sexueller Entblößung auf der Bühne". Morrison, berüchtigt für seine exzessiven Bühnenshows und seinen Alkoholkonsum, steigt aus bei den Doors, geht ins Exil nach Paris und stirbt dort wenig später unter ungeklärten Umständen. Bis heute gilt er als einer der besten Rocksänger und Songschreiber aller Zeiten. Autor: Thomas Pfaff © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nach außen gab er sich männlich-robust: der Großwildjäger, der Kriegsreporter, der Hochseefischer, der Abenteurer, der Schriftsteller der klaren, knappen Worte. Er hatte ja auch alles erreicht: Zwei Weltkriege und zwei Flugzeugabstürze überlebt, die größten Fische gefangen, die wunderbarsten Reisen unternommen, die höchsten Auszeichnungen für seine Arbeit erhalten - inklusive Nobelpreis. Aber was half ihm all das? Innerlich war er zerrüttet, zutiefst depressiv. Schon sein Vater hatte sich erschossen. Er folgt seinem Beispiel...Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wer Spezialistentum und Schmalspur-Wissenschaften beklagt, der verweist neidisch auf die altvorderen Universalgelehrten, denen das gesamte Wissen ihrer Zeit zu Gebote stand. Gottfried Wilhelm Leibniz war so einer: der letzte Universalgelehrte der Geschichte, so wird er heute bezeichnet. Philosophie, Mathematik, Physik, Geschichte - kaum ein Feld der Wissenschaft, zu dem er nichts beizutragen hatte. Autor: Martin Herzog © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich horche in mich rein. In mir muss doch was sein. Ich hör nur Gacks und Gicks. In mir da ist wohl nix." Von wegen. Aus Robert Gernhardt strömen die wunderbarsten Wortspiele, genialsten Kalauer, skurrilsten Zeichnungen - dazu unzählige Gedichte, Drehbücher, Sketche, Romane und Theaterstücke. Als Mitbegründer der "Neuen Frankfurter Schule" revolutioniert er mit den Kollegen von "Pardon" und "Titanic" den deutschen Humor. Autor: Thomas Pfaff © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Bernard Herrmann wuchs in New York auf und studierte Komposition an der Juilliard School of Music. Mit 22 Jahren arbeitete er als Dirigent und Komponist für die CBS. Seine erste Filmmusik schrieb Herrmann für "Citizen Kane" von Orson Welles. Besonders lange und fruchtbar hat er mit Alfred Hitchcock zusammen gearbeitet. Filme wie "Vertigo", "Der unsichtbare Dritte" und "Psycho" wurden nicht zuletzt dank Herrmanns Musik zu Meisterwerken. Autor: Detlef Wulke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Wohlstand für alle" lautete die Devise von Ludwig Erhardt in den 50er Jahren. Wirtschaftswunder Deutschland: Die Wirtschaft boomt, die Löhne steigen, während die Arbeitszeiten sinken. Es ist die Zeit der Sozialen Marktwirtschaft als dritter Weg zwischen Kapitalismus pur und kommunistischer Planwirtschaft. Alfred Müller-Armack gilt als ihr Vater. Autorinnen: Anja und Doris Arp © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Mord, Banküberfälle, Kindesentführung - das alles gab es auch in der DDR. Aber weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, kamen sie in den Medien eher als Randnotiz vor. Nur im "Polizeiruf 110" standen solche Verbrechen im Zentrum des Interesses und das zur allerbesten Sendezeit. Die Fernsehmacher nutzten die kurze kulturpolitische Tauwetterperiode nach Honeckers Machtübernahme und entwickelten eine Krimireihe, die ihre Vorbilder in den französischen Maigret-Verfilmungen und dem westdeutschem "Tatort" fand. Autorin: Heide Schwochow © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Eine pianistische Begabung" - "Ein Künstler von Weltrang" - "Eine der stärksten Begabungen". Mit diesen Sätzen versuchten Musikkritiker das zu beschreiben, was der Pianist Karlrobert Kreiten ihren Ohren bot. Er spielte "mit bezaubernder Gelöstheit". Aber er spielte auch mit seinem Leben. Autorin: Irene Geuer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Sie hat nicht Rollen gesungen", schreibt Ingeborg Bachmann über die Sängerin Maria Callas, "sondern auf der Rasierklinge gelebt." Gleiches ließe sich von der Dichterin sagen. Ingeborg Bachmann hat nicht einfach geschrieben, sondern in der Gefahrenzone gelebt: "Mit meiner verbrannten Hand schreibe ich über die Natur des Feuers." Sie hat sich intensiv mit allem, was aus der Nazizeit noch immer gegenwärtig war, auseinander gesetzt und mit der heiklen Balance zwischen Mann und Frau, mit der Liebe. Autorin: Monika Buschey © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Für Kleidung braucht man Stoff und der wird mit Garn gewebt - mit viel Garn. Die maschinellen Webstühle ließen den Bedarf an Garnen sprunghaft hochschnellen. Und weil die Heimarbeit der Spinnerinnen und Spinner viel zu wenig Garn lieferte, trat in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der akute Garn-Notstand ein. Abhilfe suchten die deutschen Textilunternehmer in England. Dort gab es bereits Spinnmaschinen und deren Know-how holte man sich mit Industriespionage. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Politik hat Tradition in der Familie Papandreou: Schon der Großvater des heutigen griechischen Ministerpräsidenten, Georgios Andrea Papandreou, hatte dieses Amt inne, genau so wie der Vater des aktuellen Regierungschefs: Andreas Papandreou. Heute vor 15 Jahren starb der berühmte Gründer der PASOK-Partei. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Berliner, berüchtigt für ihre Kodderschnauze, haben von Anfang an über diese Hochzeit gespottet: "Hoppe Hoppe Gründgens, die kriegen keine Kindgens; und kriegt die Hoppe Kindgens, dann sind sie nicht von Gründgens." Als Gustaf Gründgens, Intendant des Preußischen Staatstheaters, im Juni 1936 die junge Schauspielerin Marianne Hoppe heiratet, sehen das viele als eine Alibi-Ehe an: Gründgens Homosexualität ist ein offenes Geheimnis, von führenden Nazis wie Goebbels wird er deswegen immer wieder angegriffen. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie sieht älter aus, als sie ist: Erst vor 125 Jahren wurde der Grundstein für die Tower Bridge, eines der beliebtesten Wahrzeichen Londons, gelegt. Das mittelalterliche Aussehen erhielt die Brücke mit den markanten Türmen, um im Stadtkern nicht zu sehr hervorzustechen. Etwa 400.000 zahlende Besucher im Jahr genießen die Aussicht von der Fußgängerbrücke. Viele mehr schauen vom Ufer zu, wenn sich die unteren beiden Brückenteile heben, um große Schiffe durchzulassen. Doch daran, einen Besuchermagneten zu schaffen, dachten die Baumeister gar nicht. Autorin: Helene Pawlitzki © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Will man wissen, was Leidenschaft ist, wird man in einer Bundestagsdebatte selten klüger. Aktendeckel auf den Tischen, hölzernes Bürokratendeutsch am Rednerpult, auf den halbleeren Rängen Gähnen hinter vorgehaltener Hand. Am 20. Juni 1991 ist alles anders: Da wird gestritten bis tief in die Nacht, zwölf Stunden lang. Und zwar, glaubt man den aufgebrachtesten der insgesamt 105 Redner, um nichts weniger als um das künftige Schicksal des frisch wiedervereinigten Deutschland. Sollen Parlament und Regierung die Koffer packen und von Bonn nach Berlin umziehen? Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Zuschauer trauten ihren Augen nicht, als sie am 19. Juni 1811 auf der Berliner Hasenheide einige Männer in grauen Drillichanzügen herumturnen sahen. Im Freien und vor jedermanns Augen! Das hatte es bis dahin noch nicht gegeben. "Turnvater Jahn", wie er war bald genannt wurde, ging es aber nicht nur um Klettergerüst und Schwebebalken er hatte einen großen Erziehungsplan: "Jeder Bursche muss sich deutsch ausbilden für Volk und Vaterland, leiblich und geistig." Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war der Schriftsteller der Union der Sowjetrepubliken: Weltberühmt, hochtalentiert und in Russland schon fast ein Nationalheiliger. Nachdem er insgesamt 16 Jahre seines Lebens im Exil zugebracht hatte, kehrte Maxim Gorki 1928 auf Bitten Stalins nach Moskau zurück. Er sollte beim Aufbau der Sowjetunion helfen, die Massen begeistern. Selbst von der Aufbruchstimmung hingerissen, enthielt er sich jeglicher Kritik an den gesellschaftlichen Umständen und an Stalins Terrorregime. Vielmehr schmiedete er einen "Pakt mit dem Teufel", was Gorki aber zu spät bemerkte. Autor: Hermann Krause © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nach seinem letzten Vorstoß gegen die Osmanen 1691 wird der Nationalheld von einem Ochsengespann nach Hause gekarrt. Fettleibig, tyrannisch und von Geldsorgen geplagt, da ist Johann III. Sobieski, König von Polen, am Ende seiner Tage. Der Ruhm als Türkenbezwinger ist fast verblasst. Der Plan, eine eigene Dynastie zu errichten, scheitert nicht zuletzt an seiner intriganten Gattin Maria Kazimiera. Doch sein Platz in der Geschichte ist sicher: als "Retter der Christenheit" durch den Sieg gegen die türkische Übermacht in der Entsatzschlacht von Wien im September 1683. Autorin: Edda Dammmüller © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Zu Lebzeiten von Johannes Tauler wütete zweimal die Pest. Europa wurde von Erdbeben erschüttert. Papst und Kaiser waren bitterlich verfeindet und überall wurden Scheiterhaufen für vermeintliche Ketzer und Hexen errichtet. Im 14. Jahrhundert herrschte düstere Weltuntergangsstimmung. Vor diesem Hintergrund lebte der Dominikanermönch Johannes Tauler - und predigte vom Glück, von der Befreiung von der Tyrannei des eigenen Ichs, vom Loslassen. Autorin: Claudia Belemann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Als Kaiser Otto II. im Jahr 983 überraschend starb, war sein Sohn Otto III. zwar schon zu seinem Nachfolger bestimmt und gekrönt, zählte aber erst drei Jahre. Was sollte geschehen? Schon drohte ein blutiges Ringen um die Herrschaft im Reich. Da griff Kaiserin Theophanu, die Witwe Ottos II., beherzt nach der Macht. Zäh und geschickt setzte die geborene Byzantinerin sich gegen alle Widersacher durch, festigte die Herrschaft des Kaisertums an den Grenzen und sichert ihrem Sohn den Kaiserthron. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt", sagt Jorge Luis Borges, einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Der Argentinier lebt in einer ganz eigenen Welt; zwischen Tagträumen und Schlaflosigkeit entstehen viele seiner Texte. Borges ist ein Meister der Vermischung von Fiktion und Wirklichkeit und entwirft eine Welt des Phantastischen. Kaum einer ist so belesen wie Borges, spielt so virtuos mit seinem Intellekt und überrascht in seinen Erzählungen mit unglaublichen Pointen. Autorin: Andrea Klasen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ein junger Mann bestieg Mitte des 19. Jahrhunderts als 18jähriger, nur unzureichend vorbereitet, den Bayernthron. Ein hoch gebildeter, schwärmerisch veranlagter Mensch, der den überschuldeten Komponisten Richard Wagner an den königlichen Hof holte. Ludwig war überdies ein großer Fan der mystischen Sagen- und Märchenwelt, er schwärmte für ein schwülstiges Orientbild und begriff sich selbst als absolutistischen Herrscher in der Tradition Ludwig XIV. Als die Kosten für Ludwigs Schlösserbauten explodieren, wird der König entmündigt. Kurz darauf stirbt er im Starnberger See. Bis heute ist ungeklärt, ob es Mord war oder Selbstmord. Autor: Christian Vogg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In jener Zeit, als Kaiser Franz Joseph über Österreich herrschte und Sigmund Freud über Europas Seele, gab es mitten in Wien einen, der vor nichts und niemand Respekt hatte: Karl Kraus. In der Zeitschrift "Die Fackel", die Kraus ganz allein mit eigenen Satiren füllte, musste Freud höchstselbst lesen: "Psychoanalyse ist die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält." Die jüdische Kaufmannsfamilie, aus der Karl Kraus als neuntes Kind hervorgegangen war, erfuhr über sich: "Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit."Autor: Hans Conrad Zander © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

1.900 Kilometer Gesamtstrecke! Ein Rundkurs über Deutschland. Zurückzulegen bei jedem Wetter. Der erste Motorflug der Gebrüder Wright ist gerade einmal acht Jahre her. Nun hat der "Verein Deutscher Flugtechniker" diesen Wettbewerb ausgeschrieben. Die 1.900 Kilometer sollen in mehreren Etappen überwunden werden. Dennoch ist es eine harte Prüfung damals. Die Begeisterung der Bevölkerung ist überwältigend, als die Sperrholz- und Stoffkisten am 11. Juni 1911 in Johannisthal bei Berlin zum Start rollen. Autor: Wolfgang Meyer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wissenschaftlicher Ketzer und Katholik: André-Marie Ampère vereinte in sich Glauben und Wissenschaft. Er glaubte an die Einheit aller naturwissenschaftlichen Phänomene - wie die "romantischen" deutschen Physiker. Die französische Forschermehrheit hielt das für Unsinn. Da "elektrisiert" 1820 eine Entdeckung ganz Europa: elektrischer Strom lenkt eine Magnetnadel ab. Offensichtlich gehören Elektrizität und Magnetismus zusammen. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Einen furchtbaren Irrtum nannte er den Vietnamkrieg in seinen Memoiren. Dabei hatte er selbst diesen Krieg einst geplant und geführt. Dann aber war er vom Falken zur Taube geworden: Robert McNamara, amerikanischer Verteidigungsminister unter Kennedy und Johnson. Er setzte sich für die weltweite atomare Abrüstung ein, später zählte er zu den schärfsten Kritikern des Kriegs im Irak. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Am Anfang stand die Kraftbrühe. Auf französisch: "Bouillon restaurant". Ein findiger Pariser bot Mitte des 18. Jahrhunderts so seinen stärkenden Rindfleisch-Extrakt an. Der Begriff machte sich rasch selbstständig.1786 wurde offiziell verfügt, "Traiteure und Restaurateure" dürften in ihren Räumen zahlende Gäste verköstigen. Und zwar mit auf einer Karte angegebenen Gerichten und an Einzeltischen: beides war neu und bezeichnet seitdem weltweit ein "Restaurant". Autorin: Sabine Mann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er ist Hans und Jean, er ist bildender und dichtender Künstler. Geboren 1886 im damals zum Deutschen Reich gehörenden Straßburg als Sohn eines Zigarrenfabrikanten, wird Arp einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg Franzose. Als Mitbegründer der Dada-Bewegung rebelliert er gegen gesellschaftliche und ästhetische Normen. Hans Arp sucht im Unbewussten die Inspiration für seine Kunst. Nach der Natur zeichnen und malen, will er nicht. Er setzt sich intensiv mit fast allen avantgardistischen Strömungen seiner Epoche auseinander. Heute gilt er als Hauptvertreter einer organisch-abstrakten Formensprache. Autorin: Anke Rebbert © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Louis Chevrolet, geboren in der Schweiz, wanderte mit Anfang 20 nach Nordamerika aus, um dort schnelle Autos zu konstruieren und zu fahren. Er traf dabei auf den größten Autovermarkter seiner Epoche: mit William Durant gründete Chevrolet 1911 eine Firma, die der Namensgeber schon drei Jahre später nach Meinungsverschiedenheiten wieder verließ. Nach diesem Schema sammelt Durant einen Kreis von selbstständigen, jungen Automobilmarken, aus denen er den General-Motors-Konzern formt. Während Buick und Cadillac Edelkarossen für Hollywood-Stars und die Oberschicht waren, wurde der Chevy zum "Auto des kleinen Mannes". Autor: Kay Bandermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Königin Sofia von Spanien, Queen-Gatte Prinz Philipp, Schriftsteller Klaus Mann und Schauspieler Walter Sittler verbindet ihre Prominenz. Und ihre Schulausbildung: Sie alle besuchten das renommierte Internat Schloss Salem am Bodensee. Gründer der Eliteschule war der deutsche Reformlehrer Kurt Hahn. Noch heute gilt er als Begründer der sogenannten Erlebnispädagogik. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Sportschau ist legendär, ein TV-Mythos, die Mutter aller Sportsendungen im deutschen Fernsehen. Vor 50 Jahren war die Premiere. "Mister Sportschau" Ernst Huberty moderierte die Sendung, damals noch an einem Sonntag und ganz ohne Fußball. Erst mit Gründung der Fußball-Bundesliga 1963 und dem neuen Sendetermin am Samstag wurde die Sportschau Kult. Heute präsentiert sich die gute alte Sportschau im modernen Gewand und mit neuester Technik, aber weiter sachlich und informativ. Autor: Ulli Schäfer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine Art Erbschaftssteuer gab es schon bei den alten Ägyptern, im Römischen Reich, dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. 1906 wurde sie in Deutschland als Reichssteuer vereinheitlicht. Ihre Erträge flossen in die Aufrüstung und sie dienten dazu, Etatlöcher zu stopfen. Doch tatsächlich bringt die deutsche Erbschaftssteuer seit ihrer Einführung wenig ein: Sie machte nie mehr als zwei Prozent des Steueraufkommens aus. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Bis 1980 standen ihre Werke im kommunistischen China auf dem Index. Angeblich waren sie zu poetisch und zu feministisch. Heute hat Xiao Hong in der Literaturgeschichte Chinas einen festen Platz. Sie gilt als eine der Wegbereiterinnen der modernen chinesischen Literatur. Als eine der ersten beschrieb sie in ihrem Roman "Der Ort des Lebens und des Sterbens" das Leben der Menschen in den japanisch besetzten Gebieten im Nordosten Chinas. Ihre "Geschichten vom Hulan-Fluss" machten sie später auch im Westen bekannt. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Bechstein ist das für Pianisten, was Stradivari und Amati für die Geiger." Wenn der scharfzüngige Pianist Hans von Bülow einmal lobte, dann hatte das Gewicht. Die Flügel der jungen Klavierfirma Bechstein brachten Bülow ins Schwärmen, so wie viele Pianisten nach ihm, darunter Franz Liszt, Ferruccio Busoni, Arthur Schnabel oder Wilhelm Kempff. Der Gründervater Carl Bechstein gehörte zu den handwerklich und musikalisch sensiblen Genies der Zunft, hatte aber auch visionären Geschäftssinn. Autor: Michael Struck-Schloen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie ist ein Mythos. Zahlreiche Legenden ranken sich um die Transsibirische Eisenbahn, die längste durchgehende Bahnstrecke der Welt. Knapp 9300 km Schienen verbinden Moskau mit Wladiwostok und führen von Russland durch die Mongolei bis an den Pazifischen Ozean. Berühmte und weniger berühmte Zeitgenossen sind schon mit ihr gereist: Abenteurer, Vagabunden, Künstler. Autorin: Hanna Immich © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er glänzte in Smoking-Rollen. Keiner gab den elegant-blasierten Helden besser als der Hamburger Kaufmannssohn Boy Gobert. Er wirkte in zahlreichen Filmkomödien mit, stand als Schauspieler in Hamburg, Frankfurt am Main, München, Berlin und Wien auf der Bühne und führte auch Regie. 1969 übernahm er die Intendanz des Hamburger Thalia-Theaters. Gobert zählte nicht zu den Progressiven damals, statt auf Ideen und Agitation setzte er auf herausragende Schauspieler. Autorin: Heide Soltau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das Kopftuch gilt hierzulande gemeinhin als ein Symbol für die Unterdrückung der Frau im Islam. Innerhalb islamischer Gesellschaften kann das Kopftuch aber auch für genau das Gegenteil stehen: für die Möglichkeit der Frauen sich in einem traditionellen Kontext frei in der Öffentlichkeit und auch der Arbeitswelt zu bewegen. Als Schah Reza 1936 das Kopftuch in Iran verbot, erreichte er das Gegenteil des Gewollten. Autor: Tobias Mayer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Die vergessenen Gefangen". Unter dieser Überschrift veröffentlichte der Londoner Rechtsanwalt Peter Benenson am 28. Mai 1961 einen Artikel in der britischen Zeitung "The Observer". Als Auslöser nannte er selbst die Inhaftierung zweier portugiesische Studenten, die nichts anderes getan hatten, als in einem Lokal deutlich hörbar auf die Freiheit anzustoßen. Nur zwei von hunderten von Menschen, die weltweit wegen ihrer politischen Einstellung inhaftiert, gefoltert und ermordet wurden. Der Anwalt rief die Leserinnen und Leser seines Artikels dazu auf, sich in Briefen an die Regierungen für diese Menschen einzusetzen. Das war die Geburtsstunde von Amnesty International. Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er gilt bis heute als "Mr. Jerusalem": Teddy Kollek, 1911 im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn geboren, Sozialist, Zionist, Kibbuznik. Beruf: Politiker. In vielen Funktionen diente er seiner Heimat Israel, in die die Familie 1935 vor den Nazis geflohen war. Geradezu legendär aber wurde er als Oberbürgermeister der Heiligen Stadt. Nahezu 30 Jahre langte prägte er Jerusalem. Autor: Günther B. Ginzel © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Normalerweise liegen Hauptbahnhöfe mitten in der Stadt. Auch in Berlin ist das so, nur sieht "mitten in der Stadt" dort aus wie ein Gewerbegebiet am Stadtrand. Wo früher die Mauer stand und nach 1989 eine riesige Brachfläche vor sich hingähnte, wächst seit 1995 ein Kristallpalast der Mobilität in den Himmel. Alles sagenhaft schön, meint der Architekt, und alles sagenhaft teuer, meint der Bund der Steuerzahler. Aber wie es in Berlin so ist, gibt es schon vor der Eröffnung am 26. Mai 2006 ordentlich Streit. Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Erich Ludendorff war der wichtigste deutsche militärische Kopf im Ersten Weltkrieg, und 1923, nach der deutschen Niederlage, putschte er zusammen mit Adolf Hitler gegen die Republik. Ludendorff war allerdings kein Charismatiker. Mit seiner Frau Mathilde setzte er eine eigene rassistische Religion in die Welt, den "Bund für Deutsche Gotterkenntnis". Verbreitet werden sollte diese radikal antichristliche und antisemitische Weltanschauung durch die Ludendorff-Bewegung. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Seit 220 Jahren singen sie jetzt schon: Die Sing-Akademie zu Berlin ist die älteste gemischte Chorvereinigung der Welt, maßgeblich geprägt vom Komponisten und Goethefreund Carl-Friedrich Zelter. Zunächst nicht als Konzertensemble, sondern lediglich zu Studienzwecken gegründet, brachte sie etwas bahnbrechend Neues in das europäische Musikleben: aristokratische wie bürgerliche Musikliebhaber fanden sich in diesem Chor zusammen, und Männer und Frauen musizierten gemeinsam. Autorin: Ulrike Gondorf © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wer Medizin brauchte, musste bis ins frühe Mittelalter noch zum Krämer, Barbier oder Gewürzhändler gehen. Oder darauf vertrauen, dass sein Arzt ihm das richtige Pülverchen mischte. Denn erst Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden der Beruf des Apothekers und mit ihm auch die ersten Apotheken. Ob die Löwen-Apotheke in Trier nun die älteste Apotheke Deutschlands ist, darüber streitet man sich. Aber sie ist die früheste, deren Existenz schriftlich belegt ist. Vom 23.5.1241 stammt eine Schenkungsurkunde, mit der die Apotheke in den Besitz eines Klosters gelangte. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ohne Wasser kein Leben. Dass die Menschen Anspruch auf sauberes Trinkwasser haben, gehört zur Lebensqualität einer modernen Zivilisation. In Deutschland sollte die neue Trinkwasserverordnung des Jahres 1986 angesichts strengerer Umweltauflagen die Qualität des Wassers sichern und verbessern. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sauerstoff ist das häufigste Element auf der Erde. Ohne ihn wären wir nicht lebensfähig. Denn unsere Atemluft besteht in der Regel zu gut einem Fünftel aus diesem Stoff. Sinkt die Konzentration unter sieben Prozent, werden wir bewusstlos. Der deutsch-schwedische Apotheker Carl Wilhelm Scheele war wohl der erste Mensch, der das farblose Gas im Jahr 1771 bewusst entdeckt hat: "Feuerluft" nannte er es. Autor: Ralph Erdenberger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Ein Mann kommt nach Deutschland. Er war lange weg der Mann. Sehr lange. Vielleicht zu lange. Und er kommt ganz anders wieder als er wegging." So beginnt Wolfgang Borcherts Drama "Draußen vor der Tür", das zum größten Erfolg der Nachkriegsjahre avancierte. Auch Borchert war lange weg, und als er zurück kam, erkannte ihn seine eigene Mutter kaum wieder: Der Krieg hatte aus dem übermütigen Swing-Heini und Bürgerschreck einen alten Mann gemacht. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Für die Herrscher der europäischen Neuzeit galt der Fortbestand ihrer Dynastie erst als sicher, wenn ihnen ihre Ehefrauen männliche Erben schenkten. Der englische König, Heinrich VIII. verlangte deshalb die Scheidung von Katharina von Aragon, nachdem sie ein Mädchen zur Welt gebracht und er sich in Anne Boleyn verliebt hatte, eine charmante junge Hofdame. Gegen das Verbot des Papstes nahm Heinrich VIII. sie 1533 zur Frau, was schließlich zur Trennung der anglikanischen von der römischen Kirche führte. Autor: Herwig Katzer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Die tolle Gräfin" hat man sie genannt. Denn die Dame war eine höchst umstrittene und skandalumwitterte Person. Als Fanny Gräfin zu Reventlow wurde sie in Husum geboren, aber erst als sie 1895 nach München zog, fand sie zu ihrer eigentlichen Rolle als eine Art Ikone der Münchner Bohème. Sie wollte vor allem eins: malen und frei sein, in ihren vielen Liebesbeziehungen, in ihrem Lebensstil. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Erik Satie hatte dem Publikum zu viel zugemutet. Die Uraufführung seines Balletts "Parade" am Théâtre du Châtelet 1917 in Paris geriet zum Skandal. Geräusche wie die Schüsse eines Revolvers, das Rauschen eines Dynamos und das Rattern einer Schreibmaschine trieben die Zuhörer aus ihren Sitzen. Der am 17. Mai 1866 geborene Erik Satie war begeistert von der Alltagskultur. Jenseits der expressiven Zwölftonmusik und der Klangschwelgerei der Impressionisten interessierte er sich für das Cabaret, den Zirkus, Kino, Revue und Jazz. Autor: Thomas Mau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In den wirren Nachkriegsjahren mit britischer Zensur und Papiermangel erschien das Düsseldorfer "Handelsblatt" in einer Auflage von 10.000 Exemplaren einmal pro Woche. Heute sind es über 130.000 börsentäglich. Doch die Krise hat auch die wichtigste Wirtschaftszeitung Deutschlands gebeutelt. Nichts Neues für die Macher des "Handelsblatts". Nach dem Siegeszug im Wirtschaftswunderland gab es immer wieder Herausforderungen. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ein Mann, den man für Stiller hält, behauptet, er sei nicht Stiller. Er nennt sich Mr. White und erzählt seine atemberaubende Vita. Die von Stiller erfährt der Mann von denen, die ihn für Stiller halten. "Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben", schreibt Max Frisch in seinem Roman "Stiller". "Weiß ich denn selbst, wer ich bin?" Autorin: Heide Schwochow © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Moral und Politik: dass beides zusammen geht, bewies Carl Schurz. Der Rheinländer schwang während der Revolution von 1848 die schwarz-rot-goldene Fahne. Vor den preußischen Truppen musste er ins Ausland fliehen. Carl Schurz ging in die USA und machte dort schnell Karriere als ein Mann von Grundsätzen, der gleichzeitig eine realistische Politik betrieb. Er kämpfte als Brigadegeneral im Bürgerkrieg und als Reformer gegen eine korrupte öffentliche Verwaltung. Als Innenminister kümmerte er sich um den Schutz der Wälder und bemühte sich um eine bessere Behandlung der Indianer. Bis heute wird Schurz in den USA als "guter Deutscher" verehrt. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Acht prominente Kandidaten, eine Jury, Schnellzeichner Oskar und Moderator Hans Rosenthal: Das war "Dalli Dalli", eine der beliebtesten ZDF-Fernsehshows der 1970er Jahre. Einmal im Monat unterhielt sie die Zuschauer 90 Minuten lang. Bis 1986 sendete das ZDF 153 Ausgaben von "Dalli Dalli". Dann erkrankte Hans Rosenthal an Krebs. Nach seinem Tod 1987 wurde die Sendung eingestellt. Doch auch heute noch sind viele Fernsehzuschauer der Meinung: "Das war Spitze!" Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Deutschland, das Land der Dichter und Denker? Das kann Bruno O. Braun, Präsident des VDI, nicht so stehen lassen: "Deutschland ist auch das Land der Ingenieure und Denker, denn ohne ihre Erfindungen wäre unser Wohlstand nicht der, den wir heute haben." Als sie loslegten Mitte des 19. Jahrhundert, war Deutschland technisch ein Entwicklungsland, während englische Ingenieure Großbritannien längst zur ersten Industrienation umgebaut hatten. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Eines Abends kam zunächst ein auffällig großer schwarzer Spitz, der eine dünne eiserne Kette nachschleppte, unsere Haustreppe hinauf, und dann folgte ein langer Jüngling, der etwas mangelhaft gewaschen aussah." So gelangt der 16jährige Max Reger 1889 in den Haushalt des Musikschriftstellers und Lexikonverfassers Hugo Riemann nach Sondershausen, bei dem er sechs Jahre bleibt. Der hochbegabte Reger versteht es, sich mit verletzendem und beißendem Humor Feinde zu schaffen, aber er findet auch Musiker, die für ihn durchs Feuer gehen: Wie den Organisten Karl Straube, der seine großen Orgelwerke zur Uraufführung bringt. Reger ist wohl der eigenwilligste Kopf unter den deutschen Komponisten der Jahrhundertwende. Autor: Walter Liedtke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Schweizer Karl Barth ist und war für Theologen das, was ein Goethe für Literaturwissenschaftler ist: Niemand kommt an ihm vorbei und jeder quält sich mit ihm herum. Barths Theologie gilt bis heute als das umfangreichste wissenschaftliche Gesamtwerk des 20. Jahrhunderts. Aber dieser Mann war nicht nur Wissenschaftler, er hat auch an der Spitze des kirchlichen Widerstands gegen die Nazidiktatur gestanden. Autor: Wolfgang Meyer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Knapp war immer irgendetwas im Lande DDR, in den Anfangsjahren war es zum Beispiel die Energie. Die Lösung sollte die Wissenschaft erbringen. Zunächst wurde in Dresden-Rossendorf ein Forschungsreaktor errichtet. Die Obrigkeit glaubte an Großes: Drei Jahre nach Inbetriebnahme wurde der Grundstein für das Atomkraftwerk bei Rheinsberg gelegt - die Atomkraft sollte den drohenden Energieengpass der DDR verhindern. Autor: Thomas Klug © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Erfolgsgeschichte der beliebten braunen Brause beginnt am 8. Mai 1886 in Atlanta. Der Apotheker John Pemberton mischt ein Getränk zusammen, das erfrischend und anregend sein soll. In einem Drugstore namens "Jacob's Pharmacy" verkauft Pemberton den neuartigen Sirup mit Sodawasser gemischt zunächst als Medizin gegen Kopfschmerzen und Müdigkeit. Da die Mixtur Cocablätter und Extrakt aus Kola-Nüssen enthält, verpasst er ihm den Namen Coca-Cola. Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Gary Cooper war ein Star ohne Allüren. Als er für die Titelrolle in "Sergeant York" einen Oscar erhielt und seine schauspielerischen Leistungen gerühmt wurden, erklärte er: "Ich mache nichts weiter. Ich lerne den Text und passe auf, dass ich nicht an den Möbeln anstoße." Frank James Cooper war auf der Farm seines Vaters in Montana, mit den Pferden aufgewachsen. Beim Goldwyn- Studio arbeitete er als Cowboy- Statist. Er brauchte einige Jahre bevor er anständige Rollen bekam. Aber egal wie diese Rollen dann aussahen: ob Cowboy oder Marshall, Verführer oder Biedermann: Cooper war immer der aufrechte, nie sonderlich redselige Held. Autorin: Stefanie Junker © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Aufgewachsen in Kalkutta, als Sohn einer wohlhabenden, einflussreichen Familie, war Rabindranath Tagore nicht nur der bedeutendste Dichter, sondern auch der produktivste Künstler des modernen Indien. Er betätigte sich als Erzähler und Essayist, Dramatiker, Schauspieler, Regisseur, Komponist und Sänger. In der von ihm gegründeten Schule wurde nach den Grundsätzen ganzheitlicher Pädagogik unterrichtet. Auch Indira Ghandi war dort Schülerin. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Zufall wollte es so: Andrew Carnegie heiratet die Sängerin Louise Whitfield, die ihm auf der Hochzeitreise einen jungen Dirigenten vorstellt. Und der träumt von einer eigenen schönen Konzerthalle für die New Yorker Symphony Society. Bezirzt von seiner jungen Frau, beseelt von den Flitterwochen und gesegnet mit einem unglaublichen Vermögen, erwirbt der Industriellenerbe und Stahlbaron gleich nach der Rückkehr von der Reise ein großes Grundstück an der 7th Ave. in Manhattan und baut dort die legendäre Carnegie Hall. Peter Tschaikowski dirigiert am 5.Mai 1891 das Eröffnungskonzert. Seitdem spielen alle Orchester, Dirigenten und Solisten von Weltruf in der Carnegie Hall. Autor: Gerald Baars © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wie kommt man zu dem Spitznamen "königlicher Kaufmann"? Indem man "dem Neger ... Lebensbedürfnisse" beibringt. Zum Beispiel nach Branntwein. Für Adolph Woermann war Schnaps bei der wirtschaftlichen Eroberung Kameruns in den 1880er Jahren Zahl- und Schmiermittel. So konnten die "Eingeborenen" leichter in die Schuldenfalle gelockt und die Preise für Palmöl und Kautschuk gedrückt werden. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war ein echter Hamburger Jung. Geboren und aufgewachsen in der Hansestadt, verbrachte er dort auch sein Leben. Nur zum Studium verließ er die Stadt. Nach seiner Promotion in Rostock kehrte Richard Ohnsorg 1900 nach Hamburg zurück und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Bibliothekar. Seine Liebe aber galt immer dem Theater. 1902 gründete er die Dramatische Gesellschaft, einen Verein von Laiendarstellern, der sich später in Niederdeutsche Bühne umbenannte. "Wi speelt op Platt", hieß die Losung. 1936 bekamen er und seine Truppe ein eigenes Haus im Zentrum Hamburgs. Autorin: Heide Soltau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Für eine kleine Revolution in Sachen Akkuratesse im Büro sorgte einst ein stehender Ordner mit "stabilem Einband, Hebelmechanik, Exzenterverschluss und Raumsparschlitzen", fachgerecht montiert in der "Werkstätte zur Herstellung von Metallteilen und Ordnungsmitteln" im Stuttgart Stadtteil Feuerbach. Diese Firma gründete mit nur 25 Jahren der gelernte Drechsler und Mechaniker Johann Ludwig, kurz "Louis" Leitz. Ein Mann, für den Ordnung mehr war als das halbe Leben und dessen Name bis heute auf Millionen von Aktenordnerrücken um die Welt getragen wird. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eine Zeit der Aufbrüche. Denn am Anfang war es bitterkalt. Ob die Türen für das Publikum im Frühling noch geöffnet sein würden, war den Hamburger Theatern im Winter 1946/47 nicht klar. Also machten sich zwei Lastkraftwagen auf den Weg ins Ruhrgebiet - um mit Kohlen beladen an die Elbe zurückzufahren. Und das mehrmals. Bis die britische Militärpolizei eingriff. Aber die Theater konnten spielen. Ohne Wärmestrom keine Kultur. Aus Dankbarkeit fuhren im Sommer Schauspieler, Sänger und Musiker aus Hamburg an die Ruhr. "Kunst für Kohle". So die griffige und rührige Parole. Autor: Jürgen Werth © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Stell Dir vor, es ist Fernsehen und keiner guckt hin! Das kann sich dann nur um ARTE handeln, den deutsch-französischen Kulturkanal. Sein Auftrag ist breit: ARTE soll das Verständnis und die Annäherung der Völker in Europa fördern, so steht es im Gründungsvertrag. Doch offensichtlich hören und sehen die Völker lieber andere Fernsehsignale. Mit einem Prozent Marktanteil in Deutschland und drei bis vier Prozent in Frankreich gilt der Sender als Spartenkanal der Bildungselite: Hübsch präsentiert, mit Anspruch und Tiefgang. Autorin: Katrin Brand © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ein General in Uniform sitzt bei der Eröffnung 1986 in der ersten Reihe, John Mitchell, der amerikanische Stadtkommandant. Es herrscht kalter Krieg, und viele halten die Entscheidung, ausgerechnet im geteilten Berlin das erste deutsche Herzzentrum zu gründen, für einen großen Fehler. Müssen nicht die meisten Patienten aus dem Westen erst eingeflogen werden? Doch dann fällt die Mauer. Heute ist das DHZB Kooperationspartner der Charité, ehemals Ost-Berlin, und eine weltweit renommierte Hochleistungsklinik für die Behandlung von Herz-, Thorax- und Gefäßerkrankungen. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Solch eine Expansion an Macht sucht in der Weltgeschichte ihresgleichen: Der Islam schaffte es binnen 70 Jahren, ein Weltreich zu schaffen. Während im Osten muslimische Armeen Richtung Indien marschierten, setzten Einheiten aus Arabern und Berbern in Nordafrika über die Meerenge bei Gibraltar und brachten das Reich der Westgoten zu Fall. Eine Zwangsbekehrung von Christen und Juden gab es im muslimischen Spanien allerdings nicht. Die islamische Expansion war primär eine machtpolitische und nicht eine religiöse. In Spanien entstand in den kommenden Jahrhunderten eine mittelalterliche Blüte an Kunst und Kultur. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im Zeitalter von Internet und Handy sind seine kurzen und langen Töne fast vergessen. Doch Samuel Finley Breese Morse war der Vater der elektrischen Kommunikation. Der gelernte Buchhändler und Kunstmaler baute 1837 aus einer Staffelei, einem Pendel seiner Wanduhr und einem Stift den ersten brauchbaren Schreibtelegraphen. Eine Kombination aus Punkten und Strichen wurden zu einem internationalen Alphabet, dem Morse seinen Namen gab. Damit überholten Nachrichten nicht nur den reitenden Boten, sondern auch das schnellste Verkehrsmittel seiner Zeit: die Eisenbahn. Autor: Ralph Erdenberger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Nikolai Gorbatschenko begann seinen Dienst als Techniker für Strahlenmessung am 26. April 1986 um 00.00 Uhr. Um halb zwei spürte er ein Beben. Die Messgeräte versagten. Ihre Skalen konnten die radioaktive Strahlung nicht mehr angeben. Gorbatschenko versuchte einen Mann zu retten, der unmittelbar neben dem geborstenen Dach des vierten Reaktorblocks gestanden hatte. Der Mann starb morgens um halb sieben. Noch heute hat Nikolai Gorbatschenko Wunden von dessen verstrahltem Körper. Er konnte nie wieder arbeiten. Vor Tschernobyl und nach Tschernobyl: Das Leben tausender Menschen in der Ukraine und Weißrussland teilt sich in diese beiden Epochen. Autorin: Irene Dänzer-Vanotti © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Penthesilea, Königin der Amazonen, liebt Achilles, den Held der Griechen, in rasender Leidenschaft. Zwischen Brutalität und Zärtlichkeit weiß sie nicht mehr zu unterscheiden: "Küsse, Bisse - das reimt sich". Als es zwischen Achilles und Penthesilea zum Kampf kommt, stürzt sie sich mit der Meute ihrer Hunde auf den Wehrlosen. Sie zerfleischt ihn und gibt sich dann selbst den Tod. Die Zeitgenossen wandten sich mit Grausen von Kleist und seinem Werk ab. Autorin: Monika Buschey © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In den "Jahreszeiten" erleben wir Menschen, die freudig nach fahler Winterstarre ihr Feld bestellen, die in sommerlicher Gluthitze schwitzen, die im Herbst reiche Ernte einfahren und ausgelassen die Jagdsaison feiern. Ein Oratorium? Zumindest sind diese "Jahreszeiten" kein religiös geprägtes Werk. Was im ersten Moment wie ein idyllisches Tableau in vier Akten anmutet, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen und Hinhören als ein kühner Vorgriff auf die Romantik. Autor: Christoph Vratz © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ein Kultobjekt, eine Legende, jahrzehntelang Symbol des italienischen Lebensstils - das ist der schnittige Motorroller mit den femininen Linien und den verchromten Außenspiegeln. "Sieht ja aus wie eine Wespe!" Mit diesem erstaunten Ausruf des italienischen Fabrikanten Enrico Piaggio begann seine Erfolgsgeschichte. Er wollte ein preiswertes Fortbewegungsmittel für den Massenmarkt bauen und die Vespa war dafür wie geschaffen. Autorin: Kirstin Hausen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ihre Gestalt funkelt durch die Jahrhunderte: eine strahlende Schönheit, ewig jung, die Göttin der französischen Renaissance. Sie wird allerdings auch als eiskalt, habgierig und machtbesessen beschrieben. Diane de Poitiers hat das typische Image-Problem aller Mätressen. Dabei war sie vor allem eine hochintelligente, entschlossene Frau, die ihre Position als Favoritin des Königs Heinrichs II. klug zu nutzen verstand. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie liebte Mäusebutter. Auf Zwieback. In Sandkuchen. Oder in Limonade. Als die Polizei die Bremerin Gesche Gottfried im März 1828 verhaftet, hatte sie angeblich eine Kruke mit dem Rattengift aus Arsen und Schmalz noch im Arm. "Mir war gar nicht schlimm bei dem Vergiften zumute," gestand sie später. Die Giftmischerin tötete mit Arsen jeden, der ihr im Weg war. Zwischen 1813 und 1828 insgesamt 15 Mal: darunter ihre Eltern, ihre Kinder, ihre Ehemänner. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Sprache der Welt" nannte L. Fritz Gruber die Fotografie. 1951 gründete er zusammen mit Bruno Uhl die "Weltmesse des Bildes", die "Photokina" in Köln. Nur sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lockte die Domstadt wieder ein internationales Publikum, Fotografen, Film- und Kamerahersteller nach Deutschland. Bis heute ist die Photokina die bedeutendste Fachmesse der Welt für Fotografie und Technik rund um die Kamera. Autorin: Marfa Heimbach © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im Frühjahr 1935 befand sich der österreichische Komponist Alban Berg in einem beklagenswerten Zustand. Gesundheitlich ging es ihm schlecht, durch die Machtübernahme der Nazis war ihm der wichtige deutsche Markt für seine sperrige Zwölftonmusik weggebrochen. Als ihn zu allem Überfluss noch die Nachricht vom Tod der 18-jährigen Manon Gropius, einer Tochter von Walter Gropius und Alma Mahler, erreichte, komponierte er ein Requiem für das zauberhafte Mädchen. Der Untertitel "Dem Andenken eines Engels" schmückt ein zweisätziges Violinkonzert - das letzte vollendete Werk des Meisters. Autor: Michael Struck-Schloen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Bis weit in die 90er Jahre fristeten die digitalen Medien in den meisten Schulen ein eher stiefmütterliches Dasein. Im neu geschaffenen Fach Informatik konnten die Schüler mitunter ihren Lehrern mehr beibringen als umgekehrt. Und auch die technische Ausstattung in den Unterrichtsräumen ließ noch stark zu wünschen übrig. Um Abhilfe zu schaffen, gründeten das Bundesbildungsministerium und die Deutsche Telekom heute vor 15 Jahren den Verein "Schulen ans Netz". Autor: Ralf Gödde © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Als Martin Luther sich Anfang April des Jahres 1521 auf den Weg nach Worms macht, um sich vor Kaiser, Kurfürsten, Prälaten und Vertretern der Stände für seine Theologie zu verantworten, begibt er sich in Lebensgefahr. Es sind Zeiten, in denen radikale Kirchenkritiker als Ketzer auf dem Scheiterhaufen enden. "Und wenn soviel Teufel in Worms wären, als Ziegeln auf den Dächern, ich wollte doch wohl hineinkommen", sagt der Reformator. Autor: Uwe Schulz © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. So gibt es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch legale Räuber zur See und solche, die als Verbrecher gelten. Die legalen Kriminellen werden von einer kriegführenden Nation mit einem Kaperbrief ausgestattet. Damit unternehmen sie ganz offiziell Raubzüge, um sich am erbeuteten Gut feindlicher Schiffe zu bereichern. Die anderen haben keinen Schein, machen im Prinzip nichts anderes, werden jedoch - zu Recht - als Piraten beschimpft. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es heißt ja, man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, aber wie ist es mit einem Apfel und dem Mond? Der große Physiker Isaac Newton meinte ja, und zwar kam ihm dieser Geistesblitz just in dem Augenblick, als ihm ein Apfel vom Baum auf den Kopf fiel. Mit einem Schlag erkannte Newton, dass beide, irdischer Apfel und himmlischer Mond, derselben Kraft, der Schwerkraft, gehorchen. Obwohl eigentlich zu schön, um nicht wahr zu sein, ist Newtons Apfelgeschichte eine Legende und wohl von ihm selbst in die Welt gesetzt, ein Jahr vor seinem Tod. Autor: Wolfgang Burgmer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Mani stammte aus Seleukia-Ktesiphon im Irak, südlich von Bagdad. Die Familie gehörte zu einer christlichen Täufersekte. Im Alter von 12 Jahren hatte Mani die ersten Offenbarungsvisionen, als ihm ein zwillingsgleiches Wesen erschien, sein anderes Selbst, das ihn fortan ständig begleitete. Auf Basis der so empfangenen Offenbarungen gründete Mani eine eigenständige Kirche. Autor: Tobias Mayer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Samuel Beckett ist einer der einflussreichsten Schriftsteller der Moderne. So sehr Literaturliebhaber auch seine Romane "Murphy" oder "Molloy" schätzen, für ein breiteres Publikum ist sein Name verbunden mit den rätselhaften, minimalistischen Theaterstücken, so wie das fast sprichwörtlich gewordene "Warten auf Godot" oder "Endspiel" und "Glückliche Tage". Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Seit auf dem Wiener Kongress von 1814/15 Europas Grenzen neu geordnet sind, gieren die Wiener nach immer neuen Sinnenkitzeln. Sie amüsieren sich in Cafés, Ballsälen und Gastwirtschaften und genießen im Tanz körperliche Freiheit, wenn sie über das Parkett schweben, kreisen und stampfen. In diesem Milieu entwickelt sich der musikalische Autodidakt Joseph Lanner zum Geigenvirtuosen und zum Meister des Wiener Walzers. Autorin: Hildburg Heider © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Zuletzt lebte der Mitbegründer der deutschen Soziologie vom Verkauf seiner Bibliothek. Erst hatte die Inflation das Ersparte in Luft aufgelöst. Dann entzogen die Nazis Ferdinand Tönnies wegen seiner offenen Kritik die Lehrerlaubnis als Professor der Universität Kiel. Bekannt gemacht hatte ihn seine vergleichende Analyse der durch Vertrautheit und Tradition gewachsenen "Gemeinschaften" und der durch Zweckdenken bestimmten "Gesellschaften". Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Mit Namen will man vor allem beeindrucken: die Konkurrenz und sich selbst! Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, der deutsche Physiker Wolfgang Ketterle und der Wirtschaftswissenschaftler John Nash. Sie alle haben zwei Dinge gemeinsam: einen Nobelpreis und eine Hochschule, die mit ihnen Werbung macht. Denn sie alle waren einmal am Massachusetts Institute of Technology. Dabei kümmert sich das MIT schon lange nicht mehr nur um Technik. Gegründet wurde der amerikanische Think Tank an der Ostküste in der Mitte des 19. Jahrhunderts, um den Herausforderungen der neuen, mittlerweile industrialisierten Welt zu begegnen. Autor: Sven Preger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"In Dumpfheit, Irrtum, Sünde immer tiefer" geht es hinab mit dem Sohn aus vermeintlich gutem Hause. Folgen wir ihm auf den Spuren seines "Untiers", pflücken "Blumen des Bösen" und "versinken mit Seele und mit Leib" in diesem vor schwarzer Galle triefenden Werk. Die sechste Strafkammer von Paris war überzeugt von der "verderblichen Wirkung der Bilder, die er den Leser sehen lässt", weshalb einige seiner Gedichte wegen "Verhöhnung der öffentlichen Moral und der guten Sitten" laut richterlichem Beschluss vernichtet werden mussten. Baudelaire selbst vernichtete sich selbst durch Alkohol und einen Cocktail anderer Drogen. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Seinen Wahlkampf finanzierte er selbst, lief von Haus zu Haus und stellte sich persönlich vor. Mit großem Erfolg. Am 8. April 1986 stimmten 72 Prozent der Einwohner von Carmel-by-the-Sea für den Vertreter der Republikanischen Partei: Clint Eastwood. "Dirty Harry" wurde zum Bürgermeister der kalifornischen Kleinstadt. Für zwei Jahre. Dann hatte er genug von der Politik. Zu viele Diskussionen, zu viele Interessensgruppen. "Ich bin auch nicht gut darin, immer nett zu sein. Ich will, dass die Dinge so laufen, wie ich es sage", bekannte er. Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wem gehört VW? Die NS-Organisation "Deutsche Arbeitsfront" hatte das Werk in Wolfsburg gebaut, aus dem in der NS-Zeit aber vor allem Kriegsgerät und keine Käfer rollten. Dann starteten die Briten als Besatzungsmacht die Erfolgsgeschichte des Käfers und übergaben den Autobauer der jungen Bundesrepublik und dem Land Niedersachsen. Wirtschaftsminister Ludwig Erhardt wollte die Deutschen zu einem Volk von Aktionären machen und die Privatisierung von VW schien dafür geeignet. Am 7. April 1961 wurde die VW-Aktie als zweite Volksaktie an der Börse eingeführt. Autor: Arndt Brunnert © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Seine Eltern wollten, dass er einen kaufmännischen Beruf ergreift. Das gefiel ihm nicht. Arnold Marquis wollte lieber Maler werden, oder Bühnenbildner. Aus ihm wurde: der "König der Synchronsprecher". Weit über 900 Filmfiguren lieh Arnold Marquis seine Stimme. Darunter: Miraculix, Napoleon, Wild Bill Hickcock und Dr. Mabuse. Er war der Synchronsprecher von John Wayne, Robert Mitchum, Lino Ventura, Bud Spencer, Lee Marvin und vielen anderen. Autor: Detlef Wulke © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Vorwurf wog schwer in Zeiten überdrehter Kommunistenangst: Spionage für die Sowjetunion! Das Junge Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg war angeklagt, während des Zweiten Weltkrieges geheime Unterlagen über den Bau der Atombombe verraten zu haben. Der Prozess machte weltweit Schlagzeilen und das Urteil spaltete die amerikanische Nation: Am 5. April 1951 verurteilte der vorsitzende Richter die Rosenbergs zum Tode. Autor: Martin Herzog © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Zeit zwischen 882 und 1046 gilt als schaurigste Epoche in der Geschichte des Papsttums. Unübertroffen an Gräuel und Absurdität ist die Geschichte von Papst Formosus, der im Jahr 897 - neun Monate nach seiner Bestattung - wieder ausgegraben, in päpstliche Gewänder gehüllt und in der so genannten "Leichensynode" angeklagt und verurteilt wurde. Doch damit nicht genug. Zweimal hat man Überreste von Papst Formosus erneut exhumiert, bevor er seine letzte Ruhe finden konnte. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Batovky" hieß das Modell, mit dem der Schuhfabrikant Tomas Bata einst überall auf der Welt die Füße einkleidete. Bata wurde im tschechoslowakischen Zlín als Kind eines armen Schusters geboren. Mit 15 ging er nach Wien in die Lehre. 1894 gründete der junge Schuster zusammen mit seinen Geschwistern die Schuhfabrik Bata. Er entwickelte einen neuen Schuh, bei dem ein Teil des teuren Leders durch billiges Leinen ersetzt wurde. Anfang der 1930er Jahre produzierten die Bata-Werke bereits 100.000 Paar Schuhe täglich. Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Die Welt" wurde von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs in Hamburg gegründet. Das in der britischen Besatzungszone erscheinende Blatt sollte Fakten von Kommentaren trennen und in den Leitartikeln gegensätzliche Standpunkte darstellen. Die Briten nutzten die Zeitung allerdings auch als PR-Organ. Die Tageszeitung wurde zum Preis von 20 Pfennig verkauft. Die Menschen waren hungrig nach Informationen, schnell stieg die Auflage bis auf eine Million Exemplare. Autor: Wolfram Stahl © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Lange vor dem Venezianer Marco Polo ist es der bayrische Kaufmann Jakob Hinterbrucker, der im Jahre 1008 als erster Europäer in den sagenumwobenen fernen Osten aufbricht und nach fast zwei Jahren tatsächlich China erreicht. Dort erlebt gerade die Ting-Dynastie mit Kaiser Feng Tchau Ting einen phänomenalen Aufstieg - dank einer einzigartigen Mischung aus Diktatur und Marktwirtschaft. Hinterbrucker ist davon genauso fasziniert wie verängstigt. Autor: Thomas Pfaff © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Seit der Berlin-Blockade mussten Briefe innerhalb der Bundesrepublik zusätzlich zum Porto mit einer besonderen Steuermarke frankiert werden. Die zwei Pfennig dieser Marke kamen West-Berlin zugute. Mit dem Notopfer sollte der Stadt und der Bevölkerung geholfen werden, die unter der sowjetische Blockade zwischen Juni 1948 und Mai 1949 schwer gelitten hatten. Die Einnahmen aus der Steuermarke flossen als solidarische Hilfe in den West-Berliner Haushalt. Autor: Wolfram Stahl © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Bewundert, umstritten und unbequem - Erwin Piscator, geboren 1893, zählt zu den wichtigsten Theaterkünstlern des 20. Jahrhunderts. Kein anderer provozierte den Zeitgeschmack des Publikums so wie er. Piscator war ein Rebell. Er aktualisierte das klassische Theater, adaptierte Romane für die Bühne, arbeitete mit Filmprojektionen und Musik und ließ die Zuschauer auch hinter die Kulissen schauen. Er wollte keine Illusionen erzeugen, sondern politisches Theater machen. Autorin: Heide Soltau © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie war eine der Witwen des deutschen Widerstands - und sie war mehr als das: Freya von Moltke war aktive Mitkämpferin. Von ihrem Mann Helmuth James Graf von Moltke, Begründer des "Kreisauer Kreises", war sie in alle Aktivitäten gegen die Nazis eingeweiht. Sie hatten dieselben Ideale und sie liebten sich. Bis zu seiner Hinrichtung im Januar 1945 war sie die stärkste Kraft an seiner Seite. Vergeblich kämpfte sie für seine Freilassung. Autorin: Antje Passenheim © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Anfang der sechziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts stellte sich in den Buchhandlungen eine neue Taschenbuch-Reihe vor: Die "edition suhrkamp". Nebeneinander im Regal erinnerten die schmalen Bände farblich an den Regenbogen. Peter Suhrkamp war nach dem Ersten Weltkrieg Lehrer, Dramaturg, Regisseur und Autor. Gegen Ende der Nazizeit wurde er von der Gestapo verhaftet und fast ein Jahr im Konzentrationslager festgehalten. Seinen Ruhm errang er nach 1950 als Begründer eines der wichtigsten europäischen Literatur-Verlage. Autor: Jürgen Werth © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der bekannteste Satz des Architekten Ludwig Mies van der Rohe ist so kurz wie rätselhaft: Weniger ist mehr! In einer Zeit, in der Rathäuser, Schwimmbäder und Privathäuser sich in der Dekoration noch immer auf die Renaissance bezogen, setzte er mit kühler Geometrie und einer Reduzierung auf die Materialien Stahl, Glas und Beton auf schlichte Bauweisen, wie sie in der Industriearchitektur üblich waren. Er glaubte, darin eine objektive Architektur gefunden zu haben, die überall auf der Welt und zu allen Zeiten Geltung besitze. Autor: Jörg Biesler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Es war im Jahr 1817, als sich der schlesische Fuhrmann Johann Schroth bei einem Unfall mit einem Kutschpferd sein Knie verletzte. Ein Mönch riet ihm, sein steifes Knie mit feuchten Umschlägen zu behandeln. Bald verspürte er eine deutliche Besserung. Außerdem beobachtete er, dass sich in der Natur kranke Tiere zurückziehen und so lange fasten bis sie gesund sind. Johann Schroth fastete und wurde gesund. Diese Erfahrungen wurden zur Grundlage seines Naturheilverfahrens. Autorin: Martina Meißner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Poesie und Bergbau: Der Dichter Novalis hat mit seiner "blauen Blume" auf ewig das Bild der deutschen Romantik geprägt. Doch Friedrich von Hardenberg - so sein eigentlicher Name - hatte noch ein anderes Leben, das ihm genauso wichtig gewesen sein muss: Der studierte Bergbauingenieur arbeitete als Assessor beim Salinendirektorium in Weißenfels und erforschte die Bodenschätze seiner Heimat. Seine Reise ins Innere - der Erde und der Seele - endete früh. Er starb mit nur 28 Jahren. Autorin: Katrin Brand © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Während des Spiels umschlich er wie ein hungriger Tiger seine Beute; unbewusst zuckten die Muskeln unter seiner Haut, die Gier sprach aus seinen Augen. Von dieser Leidenschaft besessen, schuf er einige der brillantesten aller Partien, die wir kennen" - so urteilte ein Zeitgenosse über Alexander Aljechin, Schachweltmeister von 1927 bis 1935 und 1937 bis 1946. Andere nannten ihn den "Wagner des Schachspiels", "menschlich gesehen aber ein Monster." Autor: Thomas Pfaff © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die besten Werbeflächen eines Ritters waren sein Schild und sein Helm. Immer gut zu sehen, besonders im Kampf. Um zu zeigen, wer sie waren, trugen die Edelleute des Spätmittelalters immer farbenprächtigere Wappen auf ihren Schildern und Helmen. Diese Wappenkunde wurde immer komplizierter, bis der Nürnberger Maler Johann Siebmacher auf die Idee kam, ein Wappenbuch zu drucken. Ein Who-is-Who der edlen deutschen Oberschicht. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Dass die weltweit erste Frau im Cockpit eines Kampfflugzeugs aus der patriarchalisch geprägten Türkei stammt, ist in erster Linie dem türkischen Staatsgründer und Übervater Mustafa Kemal Atatürk zu verdanken. Er adoptierte 1925 die ehrgeizige 12-jährige und ermöglichte Sabiha Gökcen zunächst die Ausbildung in der türkischen Zivilflugschule. 1936 wurde sie dann Militärpilotin und flog später erste Einsätze gegen kurdische Stellungen. Bis 1955 leitete sie die Ausbildung türkischer Kampfpiloten. Autor: Herwig Katzer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Immer schon waren Menschen unterwegs: Ganz früher zu Fuß oder - wer es sich leisten konnte - getragen per Sänfte. Dann übernahmen Pferde und Esel den Transport: Sie zogen Wagen und sogar Busse. Die Eisenbahn machte Dampf auf der Schiene, motorisierte Busse und Taxis beförderten uns auf Straßen. Nicht zu vergessen: Schiffe und Flugzeuge. Im Laufe der Geschichte wurden die technischen Möglichkeiten zur Beförderung von Personen immer besser, die wirtschaftlichen Interessen immer größer und die Verkehrswege immer voller. Gesetzliche Regelungen mussten her. Eine davon ist das Personenbeförderungsgesetz. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Als sie im Sommer 2000 in Betrieb ging, war sie die größte Ölplattform der Welt: die Bohrinsel P 36 der brasilianischen Erdölgesellschaft Petrobras. Rund 120 Kilometer vor der brasilianischen Küste wurden dort täglich über zwölf Millionen Liter Öl sowie mehr als eine Million Kubikmeter Erdgas gefördert. Am 15. März 2001 ereigneten sich dann zwei folgenschwere Explosionen. Autor: Ralf Gödde © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Die Idee, einen "Internationalen Frauentag" einzuführen, geht auf die Arbeiterinnenbewegung um 1900 zurück. Ausschlaggebend war die Erkenntnis, dass Frauen in den Fabriken noch schlimmer ausgebeutet wurden, als Männer. 1910 forderte die deutsche Frauenrechtlerin und Sozialistin Clara Zetkin auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen einen "Internationalen Frauentag", an dem für das Frauenwahlrecht und die Gleichberechtigung demonstriert werden sollte. Erstmals begangen wurde der Tag am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wo bitte geht?s zum Arbeiter- und Bauernparadies? Vier Jahre nach der russischen Februarrevolution sind die Revolutionsführer die Antwort immer noch schuldig. Dafür ist die Wirtschaft ruiniert, das Volk halb verhungert, nur die bolschewistische Partei schlingt unausgesetzt in sich hinein. In Petrograd, protestieren erst die Bauern und Arbeiter. Dann schließt sich ausgerechnet die Elitetruppe der Revolution an: 16.000 Matrosen der Kriegsschiffe auf der Insel Kronstadt vor Petrograd. Sie fordern freie Wahlen, mehr Macht für die lokalen Sowjets, Freiheit für die politischen Gefangenen. Lenin lässt den "Aufstand" der Matrosen blutig niederschlagen. Autorin: Edda Dammmüller © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Es ist ersichtlich dass die Chinesen ohne den Gebrauch von Opium nicht leben können. Wenn wir ihren nötigen Bedarf nicht decken, werden es andere tun." Auf eine solche Nachricht der East India Company hat das britische Empire gewartet. Das Königreich sichert sich den Anbau von Schlafmohn in Indien und exportiert das daraus gewonnene Opium in großem Stil nach China. In kurzer Zeit sieht sich der chinesische Kaiser einem suchtzerfressenem, ausgemergelten und kraftlosen Volk gegenüber. Autorin: Susanne Rabsahl © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Katholisch, weltoffen, sozial: Franz Hitze war Gelehrter und Politiker, Mitglied des deutschen Reichstages und der erste Professor für christliche Sozialwissenschaft an der Universität Münster. Er gab der katholischen Soziallehre entscheidende Impulse, war Wegbereiter der Caritas und der Bismarckschen Sozialversicherung. Er arbeitete mit an der Weimarer Verfassung. Als er 70jährig starb, galt er bereits als einer der einflussreichsten deutschen Sozialpolitiker. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen", das ist, mit Verlaub: ein ziemlich sinnfreier Satz. Es sei denn, man heißt Prof. Higgins und hat es darauf abgesehen, dem Blumenmädchen Eliza hochdeutsch beizubringen. Klingt nicht gerade wie ein packendes Sujet für ein Musical? Am Broadway avanciert "My Fair Lady" zu den am längsten gespielten Stücken, und auch die deutsche Übersetzung feiert Erfolge. Heute gilt es als das perfekte Musical. Autorin: Kerstin Hilt © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Viva Verdi!" Was zunächst nach einer Huldigung an den beliebten Komponisten klingt, ist in Wahrheit ein verkappter Aufruf zur Revolution. Denn "Verdi" steht für "Vittorio Emanuele Re d`Italia" (Viktor Emanuel König von Italien). Mit "Viva Verdi" konnten sich die Sympathisanten der italienischen Einigungsbewegung, des Risorgimento, untereinander identifizieren. Die Losung stand in der Mitte des 18. Jahrhunderts auf den Mauern in ganz Ober- und Mittelitalien. Autorin: Kirstin Hausen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Könnte der traurig blickende Mann auf dem Gemälde sprechen, er könnte eines der großen Rätsel der Kunstgeschichte auflösen. Er müsste nur verraten, wer ihn einst geschaffen hat. Jahrhunderte lang glaubte die Kunstwelt, Rembrandt habe den Pinsel geführt. Seit 1986 aber wird diese Annahme widerlegt. Wissenschaftler des Rembrandt Research Projects sprachen dem niederländischen Barockkünstler das Bild ab, ohne jedoch den wirklichen Schöpfer nennen zu können. Autorin: Andrea Klasen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In einem Akt der Barbarei zerstörten die Taliban die aus der Felswand gehauenen Zeugnisse uralter buddhistischer Kultur in Afghanistan. Wie kaum je in der Geschichte zuvor geschehen, hatten die Taliban das islamische Bilderverbot dahingehend ausgelegt, jedwede figürliche Darstellungen in ihrer Lebenswelt vernichten zu müssen. Eine Schockwelle ging um den Globus, auch die islamischen Gelehrten in aller Welt verurteilten die Taten der extrem-sunnitischen Taliban scharf. Autor: Tobias Mayer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Den einen gilt er als bester Musiker der Welt, den anderen als elendiger Verräter, edenfalls in Buenos Aires. Im Ausland steht der Name Astor Piazzolla längst auf einer Ebene mit den größten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Als derjenige, der den Tango vom schmuddeligen Ruf, Bordell- und Kaffeehausmusik zu sein, befreite, ihn in Konzertsäle und Opernhäuser brachte, ihn revolutionierte. Und genau das gilt manchen in der Heimatstadt des Tango, Buenos Aires, als Hochverrat. Autorin: Anne Herrberg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Was er wissen musste, das hatte dem kleinen Ludwig die graue Eminenz, Kardinal Mazarin beigebracht: alle Tricks und Finten der Politik. Als der Mentor stirbt, da beginnt Ludwig XIV. den Staat umzukrempeln: Er gedenkt ab jetzt allein zu regieren, will keinen leitenden Minister mehr einsetzen, entlässt einen Großteil des Staatsrats, darunter auch die eigene Mutter. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Pflanzen und Insekten, Skelette und Schädel von Aborigines schickte sie von Australien nach Hamburg - zu Untersuchungszwecken. Mann und Tochter hat sie zurückgelassen um zu forschen. Als Haustiere hielt sie sich zwei Adler, die sie selbst gezähmt hatte. Amalie Dietrich war eine außergewöhnliche Frau und eine bedeutende Naturforscherin des 19. Jahrhunderts. Autorin: Claudia Belemann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im süditalienischen Örtchen Venosa wächst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einer wohlhabenden Fürstenfamilie der musikalisch hochbegabte Prinz Carlo Gesualdo heran. Er erhält Instrumentalunterricht und schreibt mit 19 seine erste Komposition. Wenige Jahre nach der Hochzeit mit Maria d?Avalos begeht er 1690 einen Mord an seiner Frau und deren Liebhaber und flieht aus Angst vor Rache für mehrere Jahre auf sein Schloss. Allein in den letzten fünfzehn Jahren wurden Gesualdo drei Opern gewidmet, und Regisseur Werner Herzog verfilmte sein tragisch-dramatisches Leben. Autorin: Hildburg Heider © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Wer hätte das gedacht? In Köln, der Hochburg des Karnevals, müsste man eigentlich von Fastnacht sprechen. Denn der Begriff "Fastelovend" oder Fastnachtsabend stammt aus dem Mittelalter und bezeichnet den Abend vor Aschermittwoch, vor dem Beginn der großen Fastenzeit. Da das 40-tägige Fasten bis Ostern bevorstand, machte man aus der Not eine Tugend und verbrauchte alle Vorräte in einem großen Feier- und Festgelage. Der heutige Karnevalsdienstag war also traditionell der wichtigste Tag im mittelalterlichen Karneval und hat christliche Wurzeln. Autorin: Hanna Immich © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Keiner war länger Chef der US-Notenbank Federal Reserve System - 19 Jahre lang. Keiner bekam von Bewunderern und Kritikern mehr Spitznamen verliehen: "Dirigent der Weltwirtschaft", "Maestro" oder "Sphinx". Nach fast 19 Jahren und vier Präsidenten ging der Mann mit der großen Brille 2006 in den Ruhestand. Rechtzeitig bevor im Herbst 2008 die auch von "Magier" Greenspan nicht verhinderte Immobilienblase platzte und die größte Rezession seit 80 Jahren auslöste. Autor: Kay Bandermann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er hat das größte Deckengemälde der Welt geschaffen: Um 1750 malte der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo das Treppenhaus der Würzburger Residenz aus. Monumental wie die Ausmaße des Werks ist auch sein Programm: In üppigen Frauengestalten verkörpert bringen die Kontinente Amerika, Asien und Afrika ihre Huldigungen Europa dar, über deren Reich der Sonnengott Apoll im lichtblauen Himmel seine Rosse anhält. Staatskunst von solch symbolischer politischer Aussagekraft war eine Spezialität des Malers. Autorin: Ulrike Gondorf © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Was für ein Glück, dass der König Schulden hatte! Denn er beglich sie, indem er William Penn, dem Spross einer der reichsten englischen Familien, ein riesiges Gebiet in Nordamerika vermachte. Dort wagte Penn, ein überzeugter Quäker, sein "heiliges Experiment": die Ansiedlung europäischer Siedler, darunter vieler deutscher, denen er volle Religionsfreiheit garantierte. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Rechtsanwalt Hans Calmeyer aus Osnabrück wurde ab dem 3. März 1941 Herr über Leben und Tod. Denn er entschied in seiner Dienststelle beim "Reichskommissariat für die besetzten niederländischen Gebiete", ob die antragstellenden so genannten "Volljuden" auf "Halbjuden" oder sogar "Vierteljuden" heruntergestuft wurden und so der Deportation in die Vernichtungslager entgingen. Calmeyer rettete mit seinen Bescheinigungen Tausende niederländische Juden vor dem Tod. Autor: Heiner Wember © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sein Grab ist das bunteste auf dem grauen Montparnasse-Friedhof, genau wie die Mauer seines Hauses im vornehmen Intellektuellenviertel Saint-Germain-des Près. Hier wie dort Graffitis, Zeichnungen, Liebeserklärungen, Fotos, Zeitungsausschnitte, Objekte aller Art, die mit seinen Liedtexten zu tun haben. Serge Gainsbourg, dessen Musik zwischen 1960 und 1990 sämtliche Chanson-Moden anführte oder mitbestimmte, bleibt auch 20 Jahre nach seinem Tod eine unvergessene antikonformistische Kultfigur. Autorin: Sabine Mann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Juni 1924 in Wetzlar. Ernst Leitz II. hat die maßgebenden Herren seiner Optischen Werkstätten zusammengerufen. Mehr als vier Stunden beraten sie über den Bau einer neuen, kleinen Kamera, die es so noch nicht gibt. Die Mehrheit der Fachleute ist dagegen, doch dann sagt der Firmeninhaber: "Ich entscheide hiermit, es wird riskiert." Es ist die Geburtsstunde der Leica, der ersten Kompaktkamera, die die Fotografie revolutioniert. Autorin: Veronika Bock © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Er war König von Geburt an. Aber seine Regentschaft stand unter keinem glücklichen Stern. Nicht nur seine Ehe soll schwierig gewesen sein. Unter Alfons dem Dreizehnten verliert Spanien fast alle seine Kolonien. Eine Staatskrise jagt die nächste. Und als der Monarch von 1923 an offen die Diktatur Primo de Riveras unterstützt, ist für viele damit das Ende der Monarchie in Sicht. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Man nehme einen Hund, Hundefutter und eine Klingel - und erkläre damit, wie Lebewesen lernen. Der russische Mediziner Iwan Pawlow hat mit dieser Versuchsanordnung bewiesen, dass Verhalten auf Reflexen beruhen kann. Wie kam Pawlow zu seiner Erkenntnis und wie hat sie Wissenschaft und Alltag beeinflusst? Autor: Ralph Erdenberger © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Brosamen vom Letzten Abendmahl, die Zehe des Dulders Lazarus, Manna aus der Wüste, der Brennende Dornbusch, Stroh von der Krippe Jesu: nicht weniger als 18.870 heilige Reliquien hat Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen gesammelt. Leider ist seine immense Sammlung inzwischen in alle Winde zerstreut. Der Niedergang Wittenbergs aber ist der Aufstieg Kölns zur Reliquien-Metropole der Christenheit. Wie konnte sie das werden, wo doch schon Kaiser Theodosius im Jahr 386 den Reliquienhandel so streng verboten hat wie heute der Heilige Vater in Rom? Autor: Hans Conrad Zander © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Eigentlich hatte die Königin einen Narren an ihm gefressen. Als Robert Devereux, 2. Earl of Essex, an ihrem Hof erschien, war Elisabeth I. gleich ganz hingerissen von dem jungen Mann: Er war nicht nur gebildet, feinsinnig und charmant, sondern sah darüber hinaus auch noch unverschämt gut aus. Devereux avancierte schnell zum Favoriten der alternden Queen. Doch der junge Hitzkopf hielt sich nicht an die Spielregeln der Hofes. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Am Abend des 24. Februars 1711 wurde das Publikum des Queen?s Theatre am Londoner Haymarket auf eine Zeit- und Weltreise mitgenommen, wie sie so nur die Oper schafft. Georg Friedrich Händel versetzte italienisch singende Menschen in den nahen Osten des Jahres 1099, in einer Handlung, die auf Torquato Tassos 1575 vollendetes Kreuzzugsepos "Gerusalemme liberata" zurückging. Im aufstrebenden British Empire sah man solche Geschichten gern, denn natürlich siegen die christlichen Eroberer Jerusalems über die Heiden. Autor: Holger Noltze © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Der Architekt und Designer Mart Stam liebte die zweckmäßigen Konstruktionen für den Alltag. Seine bekannteste Erfindung war der Freischwinger. Ein Stuhl ohne Hinterbeine, dessen Sitzfläche federnd nachgibt. Doch Mart Stams Interesse am Bauen und Kreieren reichte weiter. In den 1930er Jahren verschlug es ihn in die damalige UdSSR, wo er gemeinsam mit Kollegen den Bau dreier Städte plante. Autorin: Andrea Klasen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Als Ferdinand Marcos in einer schwül-warmen Februarnacht mit einem amerikanischen Hubschrauber Richtung Hawaii geflogen wird, lässt er viel hinter sich: mehr als 20 Jahre Regierungszeit, die 3.000 Paar Schuhe seiner Frau Imelda und ein zu Tode erschöpftes Land. Die Philippinen stehen Anfang 1986 am Rande eines Bürgerkriegs. In nur vier Tagen wird die Herrschaft des Marcos-Clans beendet: durch einen friedlichen Umsturz, der als "Revolution der Rosenkränze" in die Geschichtsbücher eingeht. Autorin: Ulrike Römer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Operation Gericht" nannten die Deutschen ihren Großangriff auf die französische Festung Verdun. Zehn Monate dauerte diese erste Materialschlacht der Weltgeschichte, die - ohne nennenswerte Landgewinne - mehr als 300.000 Soldaten das Leben kostete . Heute ist die "Hölle von Verdun" ein Touristenmagnet. Busse fahren zu den Forts und Schützengräben. Mahnmale, Museen und das legendäre Beinhaus erinnern an die befohlene Barbarei des Krieges. Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Percy Grainger, der in Australien geborene Sohn eines trunksüchtigen Engländers und einer dominanten Mutter, entwickelte im Laufe seines langen Lebens so manche Schrullen. Er liebte es, sich in seinen verspiegelten Räumen auszupeitschen, heiratete in der Hollywood Bowl vor 20.000 Zuschauern und hing - wenn auch nicht sonderlich ideologisch - der blauäugigen germanischen Rasse an. Als Komponist wurde er berühmt für seine Arrangements von Volksmusik mit ausgefallener Harmonik. Grainger war ein kurioser Außenseiter der Musikgeschichte - aber einer mit Format. Autor: Michael Struck-Schloen © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

August Bebels Stimme war im Februar 1861 überhaupt nicht ausgebildet. Aber das änderte sich schnell. Der Gewerbliche Bildungsverein in Leipzig hatte eine Gesangsabteilung, dort brummte er den ersten Bass. Und er lernte dort noch mehr: Das Reden und das Argumentieren. Der Gewerbliche Bildungsverein war der erste seiner Art und er bot Arbeitern die Möglichkeit, ihre karge Schulbildung zu erweiterten, sich im technischen Bereich weiterzubilden und sich mit sittlichen Werten und Hygiene zu beschäftigen. Autorin: Irene Geuer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Boss of the Plains" wurde er von seinen Trägern ehrfurchtsvoll genannt, denn für die Cowboys in der Prärie war er noch wichtiger als ihr Pferd - und fast genauso teuer: Die legendäre Kopfbedeckung galt über Jahrzehnte als Prototyp aller Cowboy-Hüte . Das erste Exemplar verkaufte John Stetson noch für 5 Dollar. Autor: Martin Herzog © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Er war der Guru, der allen Gurus ein Gräuel sein musste," schrieb der Spiegel nach dem Tod des 90-jährigen Jiddu Krishnamurti. Der kleine, schmächtige Philosoph aus Indien hatte jede Form von Gefolgschaft abgelehnt und hinterließ bei denjenigen, die seinen öffentlichen Reden trotzdem begeistert lauschten, oft mehr Fragen als Antworten. Autorin: Andrea Kath © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Unverheiratete französische Frauen werden "Mademoiselle" genannt, junge Engländerinnen ohne Ehemann heißen "Miss". "Señioritas" in Spanien stören sich ebenso wenig an dieser Anrede wie "Fröken" in Schweden - nur die deutschen "Fräuleins" wollten nicht mehr. Feministinnen argumentierten: Das Diminutiv, also die Verkleinerungsform, mache nicht nur klein, sondern die Frau zugleich zum Neutrum. Wie auch das "Männlein". Während letzteres hierzulande in der Regel jedoch nur noch im Walde steht, so stand das Fräulein lange Jahre auch in der amtlichen Anrede. Autor: Marko Rösseler © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Jeder hat schon einmal von ihnen gehört. Jeder braucht sie. Jeder hat sie. Spätestens nach der allerersten Mahlzeit sind sie zu finden, wo ihr Platz ist: im Darm. Sie tragen den wissenschaftlichen Nahmen Escherichia coli, abgekürzt E. coli, und sie tragen diesen Namen, weil der Kinderarzt Theodor Escherich diese Darmbakterien einst entdeckt und erforscht hat. Theodor Escherich starb am 15. Februar 1911 - nicht an einer Infektion, sondern nach einem Schlaganfall. Autor: Wolfgang Meyer © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

In den 50er Jahren verstand man unter Auslandsadoption, dass deutsche Kinder ohne Eltern vermittelt wurden - vorzugsweise in die USA. Die verschiedenen Gesetze zur Adoptionsvermittlung spiegeln die jeweilige Einstellung der Gesellschaft zu Kindern. Einst ging es ums Erbe, dann um die Fürsorge, zwischendurch um Rassengrundsätze und seit Ende der 80er Jahre um das Kindeswohl. Autorinnen: Anja und Doris Arp © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Einer gesamten Teenager-Generation gingen damals die Rotztücher aus", schrieb der "Stern". Die BBC änderte ihr Programm, und Seelsorger in ganz Europa kümmerten sich um die Fans. Sie alle ahnten nicht, dass fast zehn Jahre später die Geschichte des wohl erfolgreichsten Männergesangsvereins der Welt weitergehen würde, um jetzt sogar in die Wiedervereinigung der "Fab Five" zu münden. Autor: Uwe Schulz © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das Etikett "Reichswasserleiche" wurde sie nicht mehr los, nachdem sie zweimal einen melodramatischen Filmtod im Wasser sterben musste. Behindert hat das die steile Karriere der in Stockholm geborenen Schauspielerin nicht. Nachdem Regisseur Veit Harlan sie entdeckt und ihr 1937 die Hauptrolle in seinem Film "Jugend" gegeben hatte, wurde sie schnell berühmt und avancierte zum großen Kinostar in Zeiten des Nationalsozialismus. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Sie gehört zu den bekanntesten Geschichten der Bibel: die Untat der schönen Salome, die durch ihren Tanz Herodes, den römischen Statthalter in Jerusalem, so becirct, dass er ihr jeden Wunsch erfüllen will. Und da fordert sie von ihm den Kopf von Johannes dem Täufer. Dieses Drama hat viele Künstler fasziniert - auch den britischen Schriftsteller Oscar Wilde. Er schrieb darüber ein Theaterstück, auf Französisch, betörend in seiner sprachlichen Melodik. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Von der politischen Polizei Preußens zur erst reichsweit, dann auch international agierenden Terrortruppe - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Zentralisierung der Gestapo war das Gesetz vom 10.2.1936: vermeintliche Regimegegner konnten nun ohne Gerichtsbeschluss verhaftet und in Konzentrationslager gebracht werden, Folterungen und Morde durch die Gestapo blieben ungeahndet. Dabei war die geheime Staatspolizei alles andere als geheim. Autorin: Almut Finck © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

"Er war ein Vertrauter der Hölle", schrieb Thomas Mann über den russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski. 60.000 Trauergäste nahmen 1881 in St. Petersburg am Begräbnis des Mannes teil, der schon zu Lebzeiten als einer der Großen der Weltliteratur gefeiert wurde. In 35 Romanen leuchtete Dostojewski die finstersten Winkel der menschlichen Seele aus, auch die seiner eigenen. Denn als Kind litt er selbst unter Epilepsie, als junger Mann wurde er von Zar Nikolaus I. zum Tode verurteilt, dann aber zur Zwangsarbeit in Sibirien begnadigt. Schließlich erfasste ihn die Spielsucht. Autorin: Marfa Heimbach © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Geboren wurde sie als Elisabeth Gräfin von der Schulenburg in ein altes preußisches Adelsgeschlecht zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben spiegelt die Zerrissenheit eines Jahrhunderts. Während ihre Familie die Nazis aktiv unterstützt, flieht sie in die Kunst und heiratet einen jüdischen Unternehmer. Die Männer ihrer Familie sterben entweder an der Ostfront oder werden als Widerständler von den Nazis hingerichtet. Die "neue Zeit" nach Kriegsende empfindet sie als Befreiung, Zeit für einen Neubeginn: Sie wird katholisch und geht ins Kloster. Die Gräfin in der schwarzen Kutte wird zu einer bundesdeutschen Institution, als Künstlerin und als Unterstützerin der Bergleute an der Ruhr. Autor: Günther B. Ginzel © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Johann Wolfgang von Goethe nannte ihn "einen sehr respektablen und idealen Künstler". Geboren 1726 in Danzig war Daniel Chodowiecki zwar Untertan des preußischen Königs, fühlte sich aber wegen seiner adligen polnischen Vorfahren als Pole. Er illustrierte mit seinen Zeichnungen, Radierungen und Kupferstichen die Ausgaben von Lessing, Goethe und Schiller, aber auch wissenschaftliche Werke. Sein Erfolg war enorm und heute sind fast 2300 Radierungen von ihm bekannt. Autorin: Maren Gottschalk © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Das gediegene Garmisch-Partenkirchen ist bis heute der erste und einzige deutsche Austragungsort für olympische Winterspiele. Und wie die Sommerspiele von Berlin nutzten die nationalsozialistischen Machthaber die Wettbewerbe für ihre Propagandazwecke. 28 teilnehmende Nationen - das bedeutete einen neuen Rekord. Sie erfuhren allerdings nichts von den Morden im nahen Konzentrationslager Dachau. Autor: Jörg Beuthner © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Ihre Briefe wurden schon von den Zeitgenossen bewundert: Man reichte sie herum und kopierte sie, denn kaum einer verstand so lebendig und geistreich zu schreiben wie Madame de Sévigné. Bereits mit 25 Jahren hatte sie ihren Mann verloren, der im Duell um seine Geliebte Lolo getötet worden war. Madame nahm das nicht sonderlich schwer: "Das Wort 'Witwe' hat das Wort 'Freiheit' im Gefolge", konstatierte sie und wehrte entschlossen alle weiteren Heiratskandidaten ab. Autorin: Christiane Kopka © WDR 2011 [Zur Audiodatei]

Im Alter von vier Jahren begann Friedrich Glausers Leiden an der Welt. Der Tod seiner österreichischen Mutter lieferte ihn dem erziehungswütigen Schweizer Vater aus. Mit 21 die Höchststrafe: Entmündigung "wegen liederlichem Lebenswandel". Doch auch die verordnete Fremdenlegion half nicht. Zahllose Aufenthalte in der Psychiatrie folgten: vor allem wegen seiner Morphiumsucht. Doch die hinderte Friedrich Glauser nicht am Schreiben. So schuf er mit seinem berühmten Wachtmeister Studer einen Berner "Maigret". Autor: Christoph Vormweg © WDR 2011 [Zur Audiodatei]





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