Lebenszeichen

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Lebenszeichen im WDR 3-Radio zum Mitnehmen

Im Mittelpunkt von "WDR 3 Lebenszeichen" steht das Subjekt "Mensch": Sein Zusammenleben mit anderen in Familie, Partnerschaft oder im Berufsleben; sein Widerstand gegen Ideologien und Verhältnisse, die ihn zum Objekt degradieren wollen; sein Umgang mit Glück und Wohlstand, aber auch mit Krankheit und Trauer; seine Suche nach dem "aufrechten Gang". Ausgehend von den gelebten Erfahrungen unterschiedlicher Zeitgenossen will "WDR 3 Lebenszeichen" Orientierung vermitteln - vor christlichem, aber auch vor nicht-christlichem Hintergrund. Die Sendungen fragen nach den ethischen Grenzen bei gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Problemen; sie versuchen damit, Maßstäbe aufzuzeigen. Über die bloße Information hinaus wollen sie Analyse, Nachdenklichkeit und Ermutigung vermitteln.

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Von Karin Lamsfuß/"In dem Job muss man sich einen dicken Panzer zulegen" - das sagen häufig Ärzte, Polizisten oder Rettungskräfte. Gemeint ist eine abschottende Mauer gegenüber unliebsamen Gefühlen wie Angst, Schmerz, Ohnmacht und Verzweiflung. Erst wer mit dieser Mauer rumläuft, gilt als professionell. Doch der Preis für diese "Unberührbarkeit"ist hoch: Abstumpfung: manchmal nicht nur gegenüber dem Unangenehmen, sondern auch gegenüber den schönen Gefühlen. Diese Menschen werden dann von anderen als "Holzklötze" wahrgenommen - auch dort, wo sie nichts zu befürchten hätten. Doch kann man tagtäglich belastende Situationen durchstehen und trotzdem berührbar bleiben? Wäre eine Welt mit weinenden Chirurgen und verzweifelten ängstlichen Polizisten denkbar? Manche leben diesen Widerspruch, und es geht ihnen gut damit./Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Ulrich Land/Die Mongolei ist dieses leere, dieses unglaublich leere Land. Dort sieht man den Himmel tatsächlich an die Erde stoßen. Am Rand der Buckelpiste, die die Hauptstadt Ulan-Bator in nordwestlicher Richtung verlässt, sitzt ein klobiger Betonbuddha und lächelt dem Baum neben sich zu, der zur Geisterverehrung mit Hunderten von Gebetstüchern überzogen ist. In der Mongolei leben, glauben und lehren Buddhisten und Anhänger des Animismus in friedlicher Koexistenz. Eine bemerkenswerte religiöse Toleranz, die bis ins 13. Jahrhundert zu Dschingghis Khan zurückreicht./Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Kirsten Serup-Bilfeldt/Mit einem Lutherbild wirbt die evangelische Kirche für die große Feier des Reformationsjubiläums 2017 schon jetzt überall. Doch bei aller Vorfreude muss auch das Lutherbild der Theologie überprüft werden. Eine schwierige Seite des Reformators ist der Judenhass in seinen späten Schriften; vor allen in seiner 1543 entstandenen Schrift "Von den Juden und ihren Lügen". Manche meinen, es führe gerade Linie von hier zum modernen Antisemitismus und dem Holocaust. Neue Studien zu Luther differenzieren: Sie sehen die Veränderung in Luthers Denken, die Zeitumstände und den Unterschied zwischen religiösen Antijudaismus im spätmittelalterlichen Weltbild und ethnischen Antisemitismus in der Moderne./Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Frank Schüre/"Wir beide sind in einem Alter, wo wir nicht mehr darüber nachdenken, was wir später mal machen wollen - für uns ist später", meint Bruce Willis in The Kid. Es ist das Alter, in dem das Eigentliche endgültig ansteht. Ein Zustand, der ernst macht mit dem Leben. Frauen sollen es schon mit 40 so erleben. Aber Männer begreifen es erst mit dem nahenden Fünfzigsten: ab jetzt zählt die Lebensuhr rückwärts. Mann ist alt. Zuerst versucht man es noch mit aller Kraft und Vernunft. In faktenstarken Studien erklärt sich die 50plus-Generation zum neuen Zentrum des Lebenswerten: reife Kunden als prächtige Zielgruppe; Entscheider und Wohlhabende verschieben die eigentliche Schmerzgrenze erst mal auf 75. Doch wem die 50 ins Haus steht, der spürt es in allen Knochen und Sinnen: ab jetzt ist später. Es geht nun um einen guten Umgang mit der größten Herausforderung des Lebens - dem Sterben./Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Matthias Morgenroth/Der Hafen, das Wasser, die Schiffe, die Weltverbundenheit, Menschen aus vielen Kulturen - Hamburg ist eine säkulare, umtriebige Weltstadt, in der öffentliches religiöses Leben längst nicht mehr selbstverständlich ist. Das ändert sich vom 1. bis zum 5. Mai, wenn zum vierten Mal der Evangelische Kirchentag in der Hansestadt zu Gast ist, mit 100 000 Dauerteilnehmern und sicherlich vielen tausend Tagesgästen, die durch Straßen und Messehallen strömen. Das Motto für die rund 2000 Veranstaltungen des Hamburger Kirchentags lautet "Soviel du brauchst". Es stammt aus dem 2. Buch Mose. Damit klingt schon an, worum es den Veranstaltern in diesem Jahr besonders geht: um ein nachhaltiges, gerechtes Wirtschaften weltweit und um einen Schulterschluss mit anderen Religionen./ Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Udo Feist/Seit Dezember 2001 sind deutsche Soldaten in Afghanistan. Was sie da erleben, ist Krieg. Trotzdem war das Wort lange nicht salonfähig. Von einer Tendenz zum Nicht-Wissen-Wollen sprach Bundespräsident Joachim Gauck. Und davon, dass es schwer zu ertragen sei, dass es wieder deutsche Gefallene gebe. Doch die Soldaten sind in unserm Auftrag dort: Kein Einsatz ohne Mandat des Parlaments. Männer und Frauen, die belastet zurückkommen und, wenn sie erzählen, was sie da erlebt haben, häufig hören: "Selber schuld!"Abwehrreaktionen, die sie allein lassen mit ihren Erlebnissen. "Sonst kommt der Krieg zu nahe, das möchten die Menschen nicht", sagt der Arzt und Psychoanalytiker Paul Janssen. Das Lebenszeichen erzählt davon, was Soldaten erleben und davon, was das mit ihnen, aber auch mit uns macht./Redaktion Christina Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Doris Weber/Leiden und Sterben gehören nicht in das Leben von Kindern. Doch manchmal hat das Schicksal einen anderen Plan. Dann nimmt ihnen der Tod die Mutter oder den Vater, die Schwester oder den Bruder. Kinder trauern anders. Erwachsene sind oft erstaunt darüber, wenn Kinder schweigen, wenn sie lachen und toben - wenn sie nicht weinen und so tun, als wäre nichts passiert. Sie verstehen nicht, dass die kindliche Seele sich schützt, damit sie nicht vom Schmerz überwältigt wird. "Papa ist jetzt ein Baum, Bäume werden ganz alt", "Mama wohnt jetzt auf einem Stern", sagt ein Kind. Und abends erzählt es dem Verstorbenen, was es tagsüber an schönen und schweren Dingen erlebt hat. Kinder nehmen rettende Gefühle und Bilder mit in ihre innere Welt, um die seelischen und körperlichen Schmerzen zu ertragen. Trotzdem sind Erwachsene wichtig, die ihnen in ihrer Trauer beistehen./Redaktion Theo Dierkes/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Marietta Morawska-Büngeler/Üble Nachrede bis zum Rufmord, politisches Asyl, Hindernisse im Beruf, private Anfeindungen - viele Menschen erleben Situationen, in denen es plötzlich nicht mehr weiter geht. Die das Leben verändern, in eine andere Richtung bewegen. Bei einigen dieser Hindernisse auf dem Lebensweg stolpern einige durch das Tun anderer Menschen, Ämter oder Institutionen. Es ist als rolle ihnen jemand Steine vor die Füße, beabsichtigt oder nicht. Manche hadern nur, andere rappeln sich auf und suchen einen neuen Weg - und sind vielleicht im Nachhinein dankbar für den Anstoß, das Leben neu zu sortieren. Es gelingt ihnen andere Talente zu aktivieren, sie nehmen hin, dass materielle Einbußen verkraftet werden müssen und der Aufbau einer neuen Existenz große Anstrengung erfordert./ Redaktion Ingrid König/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Ute Naumann/Zwei Brüder, als Kinder unzertrennlich, sind sich im erwachsenen Leben spinnefeind, können sich nicht vorstellen, je wieder Kontakt aufzunehmen. Für Wolfgang Schäuble steht seit der Spendenaffäre fest, dass er nie wieder ein Wort mit Helmut Kohl wechseln wird. Aus Liebe wird Hass, weil er ein Ventil für Kränkungen und Enttäuschungen bietet. Auch enge Freunde, wie z.B. Friedrich Nietzsche und Richard Wagner, können zu unversöhnlichen Feinden werden. Aber wann ist es Feindschaft mit dem Drang, dem anderen persönlich zu schaden? Wann "nur" Gegnerschaft? Oder "nur" Feindseligkeit - ohne das Bedürfnis nach tätiger Rache?/ Redaktion Ingrid König/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Burkhard Reinartz/Narzissten drehen sich um sich selbst und interessieren sich wenig für Andere. Sie lieben es, im Mittelpunkt zu stehen und lassen sich gerne bewundern. Doch hinter der Fassade von Perfektion und Selbstsicherheit steckt oft ein quälender Minderwertigkeitskomplex. Narzissten halten sich für nicht liebenswert und versuchen diese Wunde durch Erfolg und Anerkennung wett zu machen. Psychologen und Kulturphilosophen sehen den Trend zu einer Gesellschaft von Narzissten./ Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Christiane Schütze/Schon als Jugendlicher wollte Joseph Kobina Otoo Priester für die Ärmsten werden wollte. Seitdem verfolgt der Katholik aus Ghana konsequent dieses Ziel. Für sein Theologiestudium in Ghana erhielt der zielstrebige Afrikaner in den siebziger Jahren ein Stipendium aus Deutschland. Daraus erwuchsen später seine Kontakte nach Deutschland. Inzwischen hat der Priester, der von seinen Freunden und Gönnern als bescheidener und zurückhaltender Mensch geschätzt wird, mit deutscher Unterstützung in den ärmsten Regionen Ghanas humanitäre Aufbauarbeit geleistet: In nur zwanzig Jahren hat er rund 250 Brunnen installiert, neun Schulen und zwei Kliniken aufgebaut. Seine Kirche dagegen ist ein armseliges Gebäude. Zum Gottesdienst schlägt der Mesner einen Eisenstab an eine Autofelge./ Redaktion Christina Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Susanne Krahe/Wie konnte das Blatt sich so wenden? Vor ein paar Tagen war Jesus noch wie ein König in Jerusalem eingezogen, jetzt hatte man ihn gefangen genommen. Statt ihn zu bejubeln, verspotteten die Bürger diesen "Messias". Aus der Begeisterung seiner Anhänger war die Angst geworden, selbst im Gefängnis oder gar am Kreuz zu enden. Zwei dieser Anhänger kommen zu Wort; zwei, die zu Zeugen verschiedener Stationen der Passion Jesu geworden sind. Kurz vor seiner Hinrichtung zweifeln sie an ihm und an den Hoffnungen, die er in ihnen geweckt hat. /Redaktion Christina Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Irene Dänzer-Vanotti/In Berlin ist ein Mann, der an seiner Kleidung als Jude zu erkennen war, auf der Straße zusammengeschlagen worden. Immer mehr Musliminnen bekennen sich mit ihrer Kleidung zu ihrem Glauben. Christen sind da verhaltener. Sie tragen allenfalls ein Kreuz um den Hals. An ihrer Kleidung sind nur diejenigen zu erkennen, die ihre Religion zum Beruf oder zu ihrer Lebensweise gemacht haben: Priester, Nonnen oder Mönche. Die Sendung geht der Frage nach, warum Menschen mit ihrer Kleidung religiöse Überzeugungen zeigen und wie sie sich dabei fühlen und was die Gesellschaft zu ihrem Schutz unternehmen muss./Redaktion Christina Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Rolf Cantzen/Sexuell missbraucht worden zu sein - das bedeutet für die Opfer Depressionen, Suizidversuche, Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken und teure Psychotherapie. Opfer sexueller Gewalt eines Geistlichen zu sein, das bedeutet darüber hinaus auch, spirituell und religiös orientierungslos zu werden. Die Zöglinge in katholischen Internaten kamen aus sehr religiösen Familien und hatten vielfach selbst den Wunsch, Priester zu werden. Ihre Missbraucher hatten sich als von Gott Berufene bezeichnet. Doch sie prügelten, demütigten und zerstörten das Selbstbewusstsein ihrer Opfer, erwarteten gleichzeitig, dass diese ihren Missbrauch als Form der Zuwendung und Liebe empfinden sollten. Die Auseinandersetzung mit dem Missbrauch ist für die Opfer zugleich eine Auseinandersetzung mit der Institution, in dem dieser Missbrauch stattfand, und mit der Weltanschauung, auf die sich diese Institution stützt./Redaktion Ingrid König/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

... wie auch wir vergeben unseren Schuldigern/Vom Umgang mit Schuld und Schulden/Von Detlef Kutz/Schulden sind eine Verpflichtung , die den Schuldner an den Gläubiger bindet. Aber Kredite können das Verhältnis der Menschen vergiften, vor allem wenn dem Schuldner die Geldsorgen über den Kopf wachsen. Im Altertum erlösten regelmäßige Schuldenerlasse die verarmten Menschen von der Schuldknechtschaft. Seit alters her haben sich Religionen mit dem Thema der Schulden befasst, einem uralten und brandaktuellen Problem: Die Zahl die überschuldeten Privatpersonen hat in Deutschland trotz der "brummenden" Wirtschaft zugenommen. Die Schere von Armen und Reichen geht immer weiter auseinander. Ist ein Schuldenerlass, ein Jubeljahr nötig, um das Auseinandertreiben der Gesellschaft zu stoppen?/Redaktion Christina-Maria Purkert © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Mechthild Müser/"Nimm deine Organe nicht mit in den Himmel, sie werden auf der Erde gebraucht", das ist der Slogan eines kirchlichen Transplantationsbeauftragten. Als Akt der Nächstenliebe sehen manche die Spende, das könne ihrem Tod einen Sinn geben. 12 000 Patienten stehen auf der Liste. Doch selbst wenn alle Deutschen einen spendebereit wären, würde es nicht ausreichen, denn es gibt nicht genug Hirntote. Bislang ist der Hirntod in Deutschland aber das einzige Kriterium für die Organentnahme. In anderen europäischen Ländern gilt schon das Herztod-Kriterium oder ein Arzt leistet aktive Sterbehilfe, bevor er Organe entnimmt. Ganz klar: Die Organentnahme ist ein Eingriff in den Sterbeprozess. Die Angehörigen können ihren Hirntoten dabei nicht begleiten. Das sollte den Spendern wenigstens gesagt werden./Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Christoph Fleischmann/Ein eigenes Zimmer und 500 Pfund im Jahr: das bräuchten Frauen, damit sie sich kreativ und geistig unabhängig entwickeln könnten. So postulierte es die Schriftstellerin Virginia Woolf in den 1920er Jahren. Wir sind es gewohnt Eigentum mit Freiheit und Unabhängigkeit in Verbindung zu bringen. Deshalb wird das Recht auf Eigentum auch von Anfang an zu den Menschenrechten gezählt. Was aber wird mit diesem Menschenrecht geschützt: das Recht auf das zum Leben Notwendige oder das Recht auf grenzenlose Bereicherung? Was ist eigentlich das Eigene, das man zum guten Leben braucht? Die Mitglieder der Kommune Niederkaufungen haben viele Sachen gemeinsam und besitzen nur wenig privat. Auch in der Gemeingüter-Bewegung wird gefordert, Güter gemeinsam zu nutzen statt sie allein zu besitzen. Könnte das nicht für viele ein Freiheitsgewinn sein?/Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Gisela Keuerleber/"Forever young" heißt das Angebot einer Kölner Evangelischen Innenstadtgemeinde. So lädt sie ältere Menschen ein zu tanzen, gemeinsam zu kochen oder sich auszutauschen. Bewusst ist nicht die Rede von Senioren - denn die modernen Alten fühlen sich nicht alt und wollen auch so nicht angesprochen werden. Als sie jung waren haben sie Beatles und Rolling Stones gehört, als Erwachsene sich in den Kirchen für Eine-Welt-Aktionen stark gemacht. Jetzt, als Generation 60 plus suchen sie etwas anderes als Kaffeekränzchen und Bastelnachmittage im Gemeindehaus. Heute gehe es darum, die Ressourcen der Älteren sehen und Netzwerke miteinander zu knüpfen./Redaktion Barbara Justine Zechmeister © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Caroline Michel/Mein Haus, mein Pferd, mein Auto... Besitz macht glücklich. Das denken zumindest diejenigen, die keinen haben. Studien zeigen aber, dass die Freude an neu erworbenen Gütern schon nach wenigen Tagen nachlässt. Zeitgleich steigt die Angst, den wertvollen Besitz wieder zu verlieren. Kann es also befreien, Haus und Hof zu verkaufen, um fortan irgendwo in der Fremde ein neues Leben ohne bindenden Besitz und ohne festen Wohnsitz zu beginnen? Weil nur da, wo Platz geschaffen wird, Neues entstehen kann. ist "Entrümpeln" wirklich der Königsweg in ein sorgloseres, glückliches Leben? Was ist mit Erinnerungen und Verantwortung, die sich so nicht einfach abschütteln lassen?/Redaktion Barbara Justine Zechmeister/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Ingrid Strobl/"Sie wollen mithalten? Erfolg haben? Begehrt werden? Dann müssen Sie etwas tun: besser, kompetenter, fitter, schlanker, attraktiver werden!", so lautet die Botschaft auf allen Kanälen. Unzählige Ratgeber-Autoren, Coaches, Personal-Trainer und Co behaupten, sie wüssten, wie das geht. Und niemand sagt mehr: "Du darfst so bleiben, wie du bist. Und dich dabei in Ordnung fühlen. Nobody is perfect." Psychologen haben nun das gute alte buddhistische Selbst-Mitgefühl entdeckt. Und erforschen, wie es hilft, dem Selbstoptimierungsdruck zu widerstehen./ Redaktion Ingrid König/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Michael Hollenbach/"Jetzt muss du ganz tapfer sein!" Der achtjährige Jann liegt auf dem Behandlungstisch des Arztes Mustafa Yoldas. Der muslimische Junge wird beschnitten. Damit die Abtrennung der Vorhaut nicht wehtut, wird sein Penis lokal betäubt. Der Junge jammert und beißt die Zähne aufeinander und denkt an die Geschenke später. Über solche Beschneidungen an muslimischen und jüdischen Jungen debattiert Deutschland seit Juli 2012. Ein notwendiger religiöser Ritus oder eine Körperverletzung der eigenen Kinder? Elterliches Erziehungsrecht und die Religionsfreiheit gegen eine gesellschaftliche Verantwortung für die Unversehrtheit des Kindes? Zugleich sehen manche in der "Beschneidungsdebatte" einen überwunden geglaubten Antisemitismus an die Oberfläche kommen./ Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Kirsten Serup-Bilfeldt/Trauernde sind Reisende zwischen Diesseits und Jenseits, Grenzgänger zwischen Himmel und Erde. Und die Fähigkeit zu trauern ist eine menschliche Grundkonstante. Doch die Art, wie getrauert wird, unterliegt kulturellen Einflüssen: Jede Kultur hat ihre ganz eigenen Bräuche und Rituale, um Abschied von Verstorbenen zu nehmen und den Trauernden Halt und Trost zu geben. Und jede Trauerkultur unterliegt dem Zeitgeist. Kann man dort, wo viele unterschiedliche Trauerrituale existieren dennoch von einer neuen Trauerkultur sprechen?/ Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Doris Weber/Gibt es überhaupt noch ein Leben nach der Arbeit, in dem sich der Mensch ausruhen, entspannen und sinnvollen Beschäftigungen hingeben darf? Freizeit ist selten freie Zeit: Mobiltelefon und E-Mail reichen überall hin. Sie lassen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwinden. Wenn der Mensch seine Lebensaufgabe in der Arbeit gefunden hat, ist auch Arbeit Leben. Und in der Freizeit wird das Leben mit seinen vielfältigen Anforderungen in Partnerschaft, Familie, Sport und Bezugskreisen zur Arbeit. Nicht nur die Arbeit, auch die Freizeit kostet Zeit. Immer mehr Menschen sehnen sich danach, endlich mehr Zeit für sich zu haben, für ein sinnvolles Leben in der Freizeit. Viele wollen die Arbeit neu sehen und die Freizeit entrümpeln./ Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Mensch Dom!/Ansichten und Einsichten zum Kölner Dom/Er ist ein "Felsengebirge im Kopf", Weltkulturerbe, die weltweit einzige Kathedrale mit angeblichen Gebeinen der Heiligen Drei Könige, vielleicht das teuerste Gebäude der Welt, sicher aber die meistbesuchte Kirche in Deutschland. Werbung für den Dom will selbst der Dompropst nicht machen, denn es kommen bereits genug Menschen. Unzählige Menschen leben mit dem Dom, arbeiten am Dom und beten im Dom. Viele davon ohne dass sie katholisch sind - wie jene Kölnerin, die längst aus der Kirche ausgetreten ist, sich den Dom als Ort der Besinnung und Spiritualität aber nicht nehmen lässt. Alle sprechen von einer dauerhaften, starken Verbindung zu dem Gebäude. Eine Kollage von Stimmen, Erzählungen und Klängen./Redaktion: Theodor Dierkes © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

Von Maria Riederer/Ruth hat Glück gehabt. Sie war 10 Jahre alt, als ihre Eltern ihr erzählten, dass sie das Ergebnis einer anonymen Samenspende ist. Und doch bleiben die meisten Fragen nach ihrem Erzeuger unbeantwortet, denn auch die Eltern wissen nicht, wer er war. "Es ist sicher gut, dass es mich gibt", sagt sie. Svenja war schon 23, als sie während ihres Medizinstudiums selbst herausfand, dass ihr Vater gar nicht ihr Vater sein kann. Sie musste kämpfen, um ihre Eltern zum Sprechen zu bringen. Dass die Babys aus Reproduktionskliniken zu Erwachsenen werden, war lange kein Thema - Hauptsache, die Ärzte erfüllten den verzweifelten Kinderwunsch. "Ich wollte helfen - wie mit einer Blutspende", sagt Jürgen Hacke, dem erst heute, nach 30 Jahren, die Problematik der Anonymität in den Sinn kommt./Redaktion Theo Dierkes/ © WDR 2013 [Zur Audiodatei]

RESET/Die Sehnsucht nach dem Neuanfang/Von Frank Schüre/Maschinen haben einen Knopf für den Neustart. Und der Mensch? Braucht es einfach nur mehr Druck auf seine Lebens-Knöpfe, damit ein Neuanfang ausgelöst wird? Für verfahrene Situationen und Verfassungen kann manchmal so eine Funktion nötig sein: das Leben mit einem Knopfdruck auf Neustart bringen - RESET... Frage ist: wie lassen sich überreizte Nerven beruhigen und auf steigende Belastung einstimmen? Nerven lieben es zu "fließen". Der Mensch will ganz mit sich im Reinen sein. Wie gerät der Mensch in so ein nervenschonendes Fließen? Indem er inne hält und sich zuwendet: sich selbst! "Reines Fließen" der eigenen Nerven? Ja, das geht!/Redaktion Christina-Maria Purkert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Der Edle fordert sich selbst.../Das Comeback des Konfuzius/Von Mechthild Müser/Sein Tod liegt fast 2500 Jahre zurück, im kommunistischen Regime des Mao Tse Tung war seine Lehre verboten, doch jetzt kommt der große Philosoph Konfuzius zu neuen Ehren. China schmückt sich mit seinem Namen. Etwa 350 Konfuzius-Institute gibt es weltweit, einige auch an deutschen Universitäten. Der chinesische Weise strebte eine gute und gerechte Gesellschaft an, und wenn er sie auch nicht erreichen konnte, so empfahl er doch allen, bei sich selbst anzufangen und sich moralisch zu vervollkommnen. Respekt, Mitgefühl, Liebe und Güte in zwischenmenschlichen Beziehungen hielt er für unverzichtbar. Sein Weg dahin hieß Lernen, Disziplin, Geduld und Ausdauer. Könnte der Konfuzianismus eine Grundlage für ein gemeinsames Ethos der Menschheit sein?/Redaktion: Barbara Justine Zechmeister/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Rolf Cantzen/"Tut mir leid", "T'schuldigung", "Verzeihung" - viele Redewendungen, mit denen sich der Mensch - oft unbewusst - von den kleinen Regelverstößen und Ungeschicklichkeiten des Alltags distanziert, klingen eher läppisch. Und die Formulierung "sich entschuldigen" verrät, dass das oft so ernst auch nicht gemeint ist: Man ent-schuldigt sich selbst. Korrekt müsste es heißen: "Ich bitte um Entschuldigung", also um eine Aufhebung der Schuld, die man auf sich geladen hat. Eine aufrichtige Bitte um Entschuldung kann gewährt werden oder eben nicht. Es gibt Schuld, Betrug, Vertrauensbrüche und Kränkungen, die trotz Reue nicht verziehen werden können. Doch eine Instanz soll es geben, die alles verzeiht: Der christliche Gott. /Redaktion Ingrid König/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Günter Frorath/Am 25. Dezember 1624 wurde der spätere Angelus Silesius auf den Namen Johannes Scheffler getauft. Sein Name steht seit Jahrhunderten über manchem Liedertext in den katholischen und evangelischen Gesangbüchern. Die bekanntesten darunter sind "Ich will dich lieben, meine Stärke"; "Mir nach, spricht Christus uns Held"; "Auf, Christenmensch, auf auf zum Streit"; "Morgenstern der finstern Nacht". Nahezu atemberaubend spannend wird Scheffler in seinem "Cherubinischen Wandersmann", einem Buch mit Sinnsprüchen, die die Thematik und Rhetorik der deutschen Mystik aufnehmen: Dabei orientierte er sich besonders an Jacob Böhme, der 1624 starb, Johannes Tauler, und vor allem Meister Eckhart. Für Angelus Silesius ist es vor allem die mystische Begegnung der Seele mit Gott, die Erlösung bringt. Die Paradoxien Eckharts, dessen Sprache und Gedanken werden von Silesius prägnant zugespitzt etwa im Zweizeiler: "Ich bin so groß wie Gott, er ist als ich so klein; Er kann nicht über mich, ich unter ihm nicht sein." /Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Lisa Laurenz/Den Tag als Wunder begrüßen, lästige Gedanken beim Duschen mit abwaschen, das Funkeln im Regentropfen wahrnehmen, die Zeit dehnen, den reich gedeckten Frühstückstisch bestaunen. So kann ein verzauberter Alltag beginnen. In vielen Kulturen gibt es Geschichten, die vom Heiligen des Alltags erzählen, vom Verwischen der Grenzen zwischen Spirituellem und scheinbar Profanem. Der Begriff `heilig` wird in unserer Kultur oft überhöht, er ist für viele überlagert von Hierarchie und kirchlichem Regelwerk. Doch es gibt auch hier Menschen, die ihren Alltag so leben, dass darin ein Zauber wohnt. Ihre Hilfsmittel: die Augen etwas länger als gewohnt auf dem Üblichen ruhen lassen, sich im eigenen Körper beheimaten, alltägliche Dinge ehren, Gedanken spielerisch verändern. Im täglichen Einerlei das Wunderbare und vielleicht sogar Gott zu entdecken, gleicht einer Entdeckungsreise. /Redaktion Theo Dierkes/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von: Ute Naumann / Und oben im Himmel... / Sehnsucht nach einem verlorenen Ort /Der Himmel hat als Ort der Seligen längst ausgedient. Die Astrophysik hat das Universum besetzt und den Himmel entzaubert. In früheren Zeiten verbanden die Menschen das Schöne, Wahre, Gute mit dem Himmel, dort leuchtet das ewige Licht Gottes, es ist die Welt der philosophischen Ideen. Himmlische Heerscharen? Kinder können sie sich noch vorstellen. Sie betrachten die Sterne unbefangen. Die Erwachsenen suchen nach Raumsonden, die ihre Bahn ziehen, kennen die Theorie vom Urknall vor 13 Milliarden Jahren, wissen von der Aussichtslosigkeit der Suche nach intelligentem Leben im All. Der Kirchenvater Augustinus sah vor 1600 Jahren die Entwicklungen unserer Zeit voraus. Er schrieb: Was tat Gott, bevor er Himmel und Erde schuf? Er machte die Hölle für diejenigen, die solche Fragen stellen. / Redaktion: Ingrid König © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Irene Dänzer-Vanotti/"Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern": kaum ein Gottesdienst im Advent in evangelischen und katholischen Kirchen, in dem dieses melancholische Lied nicht gesungen wird. Geschrieben hat es Jochen Klepper, der vielen als der bedeutendste evangelische Liederdichter des 20. Jahrhunderts gilt. Er hat nicht nur seine Lieder hinterlassen. Klepper ist ein erfolgreicher Romanschriftsteller in den 30er Jahren. Während der gesamten NS-Zeit führte er ein Tagebuch, in dem er das Leben in Berlin schildert und seinen Glauben dokumentiert, der angesichts der Gefahren zu einem Ringen mit Gott wird. Klepper ist mit einer Jüdin verheiratet, die aus erster Ehe zwei Töchter hat. Als alle Versuche, die Familie vor der Verfolgung zu retten, gescheitert sind, nimmt sich Klepper mit seiner Frau und einer Tochter am 11. Dezember 1942, vor 70 Jahren, das Leben./ Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Susanne KraheEine Zeitreise entführt in die Welt einer der ältesten biblischen Geschichten: Gen 18. Stammvater Abraham wird von seiner Frau Sara beobachtet, wie er vor dem Zelt hockt und wartet. Worauf eigentlich? Als kinderloses Ehepaar in der nomadischen Gesellschaft haben die Beiden nur noch trübe Zukunftsaussichten. Abraham nimmt es hin, seine Frau aber meint, ab und zu könne dem Gottesplan nur durch weibliche Beherztheit auf die Sprünge geholfen werden. Während die kritische, selbstbewusste Patriarchin verschiedene Stationen ihres Ehelebens rekapituliert, kommen drei Fremde zu Abraham. Die seltsamen Männer kündigen an, dass das alte Paar doch noch ein Kind bekommen werde. Zum Lachen! meint Sara. /Redaktion Christina-Maria Purkert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Matthias Morgenroth/Er ist Übersetzer, Medienmann, Jugendpfarrer. Filmemacher, Nahost-Reisender, Kirchentags-Prediger. Ein Theologe der Bergpredigt, des Friedens, der Bewahrung der Schöpfung. Er hat in seinem Leben unglaubliche Erfahrungen gesammelt - als Waisenkind in der Schwäbischen Alb, als Flieger im Zweiten Weltkrieg, als öffentlich denkender Theologe in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und: Er schreibt noch. Auch mit 90 Jahren. Nahezu 200 Bücher bisher. Jörg Zink hat den Protestantismus in Deutschland mit geprägt. Er wollte eine Theologie für "Fußgänger" machen - Pfade aufzeigen, die wir heute als moderne Menschen im religiösen Dschungel auch wirklich guten Gewissens gehen können. Seit Jahrzehnten regt er Menschen mit Leidenschaft, Poesie, Kraft und Mut an, ihre eigenen Wege mit Gott und Jesus zu suchen./Redaktion Barbara Justine Zechmeister/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Gisela Keuerleber/Ein Kind wird bald sterben. Das Kinderhospiz, wo es seine letzte Zeit verbringt, gestaltet seine letzten Tage und Stunden wie immer: Es wird in seinem Bett in die Malgruppe gerollt, wo es mit dem Pinsel sanft über das Papier streicht. Hier flüstert niemand oder geht auf Zehenspitzen, im Gegenteil: Man hört Lachen und aus manchen Zimmern laute Musik, einen Film. Ganz allmählich setzt sich eine andere Haltung in Krebsstationen und Palliativhäusern durch: Die letzte Zeit soll nicht nur eine Zeit des Abschieds sein, sondern so viel Leben und Alltag wie möglich. Im Büro von Monika Führer, einer Kinder-Palliativmedizinerin der ersten Stunde, hängt ein Zettel mit dem Satz: "Wer den Tod fürchtet, hat das Leben verloren." Es ist für sie die Essenz aus ihrer Arbeit. Sie hat von sterbenden Kindern gelernt zu leben: Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, in der Gegenwart zu leben, dankbar für das Leben zu sein./ Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Marietta Morawska-Büngeler/Angetrunken am Steuer, ungeschützt mit vollem Namen im Internet, mit vollem Risiko auf Rekordjagd, eine Mutprobe unter Jugendlichen - wer so handelt unterschätzt die Gefahr, ist unerfahren, will imponieren. Leichtsinn klingt harmlos, kann aber in eine Katastrophe münden. Flüchtlinge entern ein überladenes Boot, ein erfahrener Bergsteiger stürzt ab, obwohl er alle Sicherungsmaßnahmen befolgt hat, ein unerfahrener Wanderer verirrt sich, weil er Weg- und Wetterbedingungen falsch eingeschätzt hat - was ist Leichtsinn? "Tolle Leistung" oder "mehr Glück als Verstand" - selbst wenn ein riskantes Unternehmen gut ausgeht, hängt das Urteil von der jeweiligen Situation und Perspektive ab. Wie groß darf, wie groß soll sie sein, die Prise Unbekümmertheit, die das Leben leichter macht?/Redaktion Ingrid König/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Ingrid Strobl/Aus der Zelle rauskommen, für die Kinder beten, sich mit der Tat auseinandersetzen, wieder hoffen lernen...Die Gründe, warum Häftlinge in den Gottesdienst gehen, sind vielfältig. So, wie die Schwerpunkte, die Gefängnis-Seelsorger in ihrer Arbeit setzen. Seelsorge im Gefängnis, das ist Psychologie, Sozialarbeit und Gottesdienst in einem. Besuche in drei Haftanstalten zeigen: Auch Straftäter sehnen sich nach spirituellem Beistand und suchen im Glauben Zuflucht./ Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Karl-Ludolf Hübener/Scharf gewürztes Meerschweinchen und gefüllte Chili-Schoten werden auf dem Grabstein serviert. Lieblingsspeise des Verstorbenen. Mit Bier wird angestoßen. Nebenan schmettert eine Musikkapelle das Lieblingslied des Toten. Es wird ausgelassen getanzt. Allerheiligen im Viertel "Nueva Esperanza", "Neue Hoffnung", vor den Toren der peruanischen Millionenmetropole Lima. Für einen Tag, so der Glaube, kehren die Verstorbenen aus dem Totenreich zurück. Sie gesellen sich zu ihren Angehörigen, die zu Abertausenden in die hügelige baumlose Gräberlandschaft strömen. Zu einer farbenfrohen, fröhlichen Fiesta. Wenn Scherentänzer mit den alten Berggöttern Kontakt aufnehmen, mischen sich indianische Traditionen mit christlichen Glaubensvorstellungen./ Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Christoph Fleischmann/Als protestantische Eigenschaften gelten: Disziplin und Arbeitsfleiß, Bescheidenheit und Aufopferung oder auch das ständige Reden und Diskutieren über Gott und die Welt. Welche Haltungen, Mentalitäten und verinnerlichten Wertvorstellungen sind für Menschen aus einem protestantischen Milieu typisch? Gibt es verbindende Merkmale protestantischer Mentalität und wie verhalten die sich zur offiziellen Glaubensbotschaft der Evangelischen? Eine Selbstbefragung./ Redaktion Christina-Maria Fleischmann/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Gottfried Stein/Die Abholzung tropischer Regenwälder wie im brasilianischen Amazonasgebiet war eines der Themen beim Weltklimagipfel im Juni 2012. Nicht mit am Verhandlungstisch saßen die vielen katholischen Geistlichen, die dort täglich für den Erhalt der Natur und der Lebensräume der einheimischen Bevölkerung kämpfen: Erwin Kräutler, der Bischof von Altamira. Er stemmt sich unter Lebensgefahr gemeinsam mit der indigenen Urbevölkerung gegen den Bau eines gewaltigen Wasserkraftwerkes am Rio Xingu. Auch Dom Adriano Ciocca spielt eine zentrale Rolle im Umweltschutz. Der Bischof von Floresta kämpft im Konflikt um den Bau der "Transposicao", einem gigantischen Stauprojekt. Und Pfarrer Luiz Ceppis betreut heute in der schwer zugänglichen Urwaldregion des Amazonas verstreut lebende Basisgemeinden. Für sie und viele Ordensleute gehört neben Seelsorge, Gottesdienst und Mission der Widerstand gegen ökologisch umstrittene Großprojekte, gegen illegale Abholzung und skrupellose Landnahme zum Alltag./Übernahme vom Bayerischen Rundfunk/Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Burkhard Reinartz/Teresa von Avilas Schriften zählen heute zur Weltliteratur. Sie ist die Schutzheilige Spaniens und Patronin der Schriftsteller des Landes. Papst Paul VI. ernannte sie 1970 als erste Frau zur Kirchenlehrerin. 500 Jahr zuvor hatte der päpstliche Nuntius sie eine "vagabundierende Landstreicherin" genannt, deren Bücher verbrannt wurden. Die Mystikerin, deren Gedenktag der 15 Oktober ist, kannte zeitlebens Zweifel und die Zerrissenheit der menschlichen Seele. Leben war für sie "ein ständiges Fallen und Wiederaufstehen". Teresa von Avila misstraute Menschen, die vorschnell von Erleuchtung und mystischen Erfahrungen sprachen. Das Göttliche war für sie eng mit dem Alltag verbunden: "Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen zugegen". Bete und tanze, versenke dich in Gott und lerne, zu verstehen, könnte als Leitlinie über ihrem Leben stehen./Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Sandra Stalinski/"Macht die Fenster der Kirche weit auf, damit frische Luft hineinweht!" Das war nach einer unbestätigten Anekdote der Weckruf für die katholische Welt durch Papst Johannes XXIII. dem II.. Während seine Kurie sich eher von der Welt abschotten wollte, forderte der Papst den Aufbruch in eine neue Epoche und mit dem Ruf zum "Aggionamento" die Öffnung zur Welt. Eine Sensation - für die meisten. Für so manches Kurienmitglied aber auch ein Schrecken. Schon damals wirkten starke Kräfte gegen die konziliare Erneuerung. Trotzdem führte das Konzil zu tiefgreifenden Veränderungen in der Katholischen Kirche. Veränderungen, die in der Zwischenzeit - so scheint es - mehr und mehr zurückgedrängt werden. Wie viel Aufbruch ist heute - 50 Jahre nach Einberufung des Konzils - noch übrig?/Redaktion Theodor Dierkes/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Der werfe den ersten Stein / Über die Nachsicht / Von Marietta Morawska-Büngeler / Bei einem Kind, einem guten Freund, dem Partner, einem Menschen, den man schätzt, da ist man geneigt, schon mal ein Auge zuzudrücken, ihnen einen Fehler nicht nachzutragen, eine Laune nicht übel zu nehmen. Ohne Nachsicht, ohne "ein verzeihendes Verstehen" wäre ein partnerschaftliches Miteinander nicht möglich, nicht in der Familie und auch nicht im Beruf. Je näher Menschen uns stehen, desto eher können wir verzeihen. Einem fremden Menschen gegenüber Nachsicht zu üben, von dem man weiß, dass er einen schweren Fehler oder gar ein Verbrechen begangen hat, zwingt uns zum Nachdenken über unsere Bereitschaft, auch die eigene Fehlbarkeit anzuerkennen. / Redaktion Ingrid König © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Karin Lamsfuß/Scheitern - welch hässliches Wort. Ein wertvoller Lebensplan ist zerbrochen. Doch in einer Welt, in der alle so tun, als könne jeder alles schaffen, bleibt kein Platz für "Verlierer". Wo jede Biografie eine Erfolgsstory zu sein hat, ernten "die Gescheiterten" im besten Fall Mitleid - und im schlechtesten - Verachtung. Dabei gehört Scheitern zu einem mutigen Leben. Scheitern kann nur, wer zuvor wirklich etwas gewagt, wer sein sicheres Territorium verlassen hat. Scheitern kann ein Wegweiser sein, ein wichtiges Korrektiv. In der Auseinandersetzung mit Irrtum, in der Entwicklung einer Fehlerkultur kann Wandel entstehen, eine nächste Chance reifen - so dass Erlebnisse des Scheiterns am Ende nicht nur zu innerer Größe führen./Redaktion: Barbara Justine Zechmeister © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Gott spüren/Kirchen besinnen sich auf ihre spirituellen Traditionen/Von Heinz-Jörg Graf/Viele Menschen haben den großen christlichen Kirchen den Rücken gekehrt, weil sie bei der Art und Weise, wie dort Gottes Wort verkündet wird die spirituelle Ansprache vermissen. Manche suchen sie im Buddhismus und anderen Spielarten östlicher Weisheit, üben sich zum Beispiel in der Zen-Meditation. Doch seit geraumer Zeit besinnt man sich auch in der evangelischen und katholischen Kirche wieder mehr auf spirituelle Traditionen und darauf, dass die Nähe zu Gott nicht nur durch das Wort erlebt wird./Redaktion Barbara Justine Zechmeister © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Wenn der Kopf müde wirdKriegstraumatisierte Menschen erkranken eher an DemenzVon Sabine BodeBis zu zehn Prozent der Menschen, die ihre Kindheit im Krieg verbrachten, leiden im Alter an einer "postraumatischen Belastungsstörung" - sie sind psychisch krank. Und: Sie haben auch ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Das sagen Fachleute und verweisen auf die Risikofaktoren: Depressionen, hohe Stressanfälligkeit, das Meiden von neuen Erfahrungen und mangelnde Fürsorge für sich selbst. Diese Beeinträchtigungen sind bei Kriegskindern gehäuft anzutreffen. Der Alternsforscher Hartmut Radebold spricht von "umfangreichen indirekten Folgen für die Entwicklung einer Demenz". Er fordert mehr Aufmerksamkeit für psychische Veränderungen im Alter.Redaktion Theodor Dierkes © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Von Gisela Keuerleber/Ob im Sport oder im Musikbusiness - mit großer Geste verabschieden sich die Stars von ihrem Publikum - um sich nach Jahren mit ebenso viel Getöse zurückzumelden. Für Lieschen und Otto Müller ist allerdings ein Comeback nicht so einfach. Sind sie Jahre aus dem Berufsleben raus, gelingt ein Wiedereinstieg oft nur mit Mühe. Für manche Berufsrückkehrer sind Weiterbildungsangebote hilfreich. Dort können sie ihre Ressourcen abrufen, altes Können aufpolieren, Neues dazu lernen. Und sie lernen mit Zweifeln und Ängsten umzugehen. Am Ende eines solchen Kurses strahlt das Selbstbewusstsein der Teilnehmer wahrscheinlich nicht so hell wie bei dem Boxer Henry Maske, der mit nach 10 Jahren Pause mit über 40 Jahren einen Comeback-Kampf gewann. Aber. Auch ältere Berufsrückkehrer gewinnen Selbstvertrauen und das Gefühl, dass sich Mut und Risikobereitschaft gelohnt haben./Redaktion Christina-Maria Purkert/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Bis dass der Tod Euch scheidet/und dann ein neues Glück?/Von Ute Naumann/Sich noch einmal verlieben? Mit einem anderen Menschen als dem verstorbenen Partner zusammenleben? Die meisten Verwitweten können sich das erst einmal nicht vorstellen. Frauen zögern länger als Männer, wenn sie sich überhaupt in eine neue Partnerschaft wagen. Die Einsamkeit ist schwer auszuhalten, aber da sind die Kinder, die Eltern und Schwiegereltern, die Freunde... wie reagieren die, wenn sich eine neue Beziehung anbahnt? Ist es nicht Verrat an den Verstorbenen, wenn sie quasi ersetzt werden? Wie viel Platz dürfen sie in dem "neuen Leben" noch einnehmen? Wie sollen beide Partner damit umgehen, dass die Zeit vorher nicht vergessen werden kann? Ein Zusammenwachsen erfordert viel Geduld, Zuneigung und Verständnis füreinander. /Redaktion Ingrid König / © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Aufgabe - /Der Mann und die Krise /Von Frank Schüre /Es fehlt ihm an Kontakt: zur Frau - wenn er eine hat, zu den Kindern, wenn da welche sind, zu Freunden, wenn... es fehlt ihm an Kontakt zu sich selbst. Ist er etwas, dann am liebsten tüchtig. Kann er etwas, dann am besten funktionieren. Aber so geht es nicht gut und wohl auch nicht weiter mit dem Mann von heute. Und darum geht es: um das Nicht-gut-gehen und das Nicht-weiter-wissen. Indem der Mann sich eingesteht, wie sehr ihm Beziehungen fehlen, wird seine Krise zur Chance. Indem der Mann spürt, dass er ratlos und einsam und traurig ist, wird es wieder lebendig in ihm. Und dann? Wird klar: das ist nicht nur eine Männerkrise, es ist eine Krise des allgemeinen hyperaktiven Auf-und-davon-Lebens. Der Mann spielt darin seine besondere Rolle. Damit bietet sich ihm auch seine Chance zu verstehen wie es gut und weiter gehen kann. /Redaktion Christina-Maria Purkert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Drei Sekunden Gegenwart /Leben im Augenblick /Von Burkhard Reinartz /In nur einem Augenblick kann sich das Leben eines Menschen ändern. Ein Augenblick, das sind drei Sekunden im strengen Sinn und drei bis vier Minuten in der Alltagswahrnehmung. Der Augenblick ist die extremste Form von Gegenwart. Darin entscheidet sich, ob alles anders wird oder alles bleibt wie es ist. Zum Beispiel der Moment, in dem ein Mann und eine Frau sich zum ersten Mal begegnen oder sich für immer trennen. Das Heitere und das Grausame, das Leichte und das Schwere können in einem Zipfelchen Zeit zusammen fallen. Mystiker aller Religionen berichten, dass in einem bewusst erlebten Augenblick Flüchtigkeit und Ewigkeit zusammenfallen. Doch ist es nicht immer leicht, in der Gegenwart zu leben. Menschen sind oft gedanklich in der Vergangenheit und der Zukunft und deshalb zu geschäftig, um den Augenblick wahr zu nehmen. So kann man die Verabredung mit der Gegenwart glatt verpassen. /Redaktion Theodor Dierkes © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

"Der echte Protestant wehrt sich gegen die eigene Kirche wie gegen jede andere"/Dem Schriftsteller Hermann Hesse zum 50. Todestag/Von Mechthild Müser/Seine Eltern, fromme Protestanten, schickten ihren Sohn ins evangelische Klosterseminar Maulbronn. Der aber fühlte sich nicht zum Pfarrer berufen, obwohl sein Leben stark von der Erfahrung beeinflusst blieb, dass Menschen ihr Leben als Lehen von Gott ansehen und es nicht in egoistischem Trieb, sondern als Dienst und Opfer vor Gott zu leben suchen. Nach einer Ausbildung im Buchhandel, eigenen schriftstellerischen Versuchen und einer ersten Ehe reiste Hesse - fasziniert vom Buddhismus - nach Asien. Die Realität der Religionsausübung dort hielt seinen Vorstellungen von Erleuchtung und reiner Lehre jedoch nicht stand. Der spätere Nobelpreisträger schrieb schließlich mit "Siddharta" seine eigene Botschaft: "Alle Lehren und alle Lehrer zu verlassen und allein mein Ziel zu erreichen oder zu sterben./Redaktion Barbara Justine Zechmeister/ © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Lebensretter: Ein Zettel mit drei Kronen /Zum 100. Geburtstag Raoul Wallenbergs /Von Kirsten Serup-Bilfeldt /Als am 19. März 1944 die deutsche Wehrmacht Ungarn besetzt, ist auch das Schicksal der ungarischen Juden besiegelt: im April werden die ersten von ihnen nach Auschwitz deportiert. Doch dann, im Sommer 1944 betritt der Retter, der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg die Bühne des Geschehens. Mit Hilfe von "Schutzpässen" gelingt es ihm, rund 120 000 für die Deportation vorgesehene Menschen vor der Ermordung zu bewahren. Die oft nur behelfsmäßig ausgestellten Papiere mit den drei Kronen des schwedischen Staatswappens retten Leben. Für die Bedrohten organisiert Wallenberg Schutzhäuser, Feldküchen, Hospitäler./Als "Gerechter unter den Völkern", die -als Lichter in der Finsternis leuchten", ging er in die Geschichte ein. Umso unverständlicher erscheint die Tatsache, dass sein Schicksal als Gefangener Stalins bis heute ungeklärt ist. / Redaktion Christina-Maria Purkert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Dämpfer für Hitzköpfe und Unterkühlte/Ein Lob der Lauheit /Von Christian Modehn /Wer den Normen religiöser Autoritäten nicht entspricht, wird von ihnen gern "lau" genannt: Wahre Bekenner sollten glühen, zur Hingabe, möglichst zum Martyrium, bereit sein. Der Autor des neutestamentlichen Buches "Apokalypse" will die "Lauen" gar "ausspeien", also vernichten. Heute reagieren die Menschen darauf eher gelassen: Sie gehen ihren "lauen Weg" der Mitte. Und der ist alles andere als mittelmäßig oder von Gleichgültigkeit geprägt. "Laue Menschen" möchten nur nicht spirituell verglühen, wollen ein religiöses "burn out" vermeiden. Ein desinteressiertes, "erkaltetes Herz" kommt für sie aber auch nicht in Frage. Ihnen gelten Toleranz, Respekt und Nachsicht als oberste Tugenden. Das Freund - Feind - Denken weisen sie zurück und das radikale "Entweder / Oder" lösen sie auf - zugunsten eines friedvollen "Ja / Aber". Redaktion Theodor Dierkes © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

"Wenn Du nicht machst, was ich will, passiert was!" /"Du sollst nicht....erpressen!" /Von Caroline Michel /Kriminelle Erpresser verlangen Geld, weil sie ein Pfand in der Hand haben: Ein Geheimnis, das besser nicht bekannt werden sollte, eine Geisel, Zugang zum Lager oder zum Firmenserver. Aber Erpressung findet häufig auch "im Kleinen" statt: Der Chef droht mit der Kündigung, der Ex-Partner mit dem Entzug des Sorgerechts, der Vater mit Hausarrest, die kranke Mutter mit dem längst überfälligen Nervenzusammenbruch. Sprüche wie "Nach allem, was ich für dich getan habe!"oder "Wenn du mich liebtest, würdest du es tu!…" verweisen auf moralische Verpflichtung, bedienen aber das Gefühl von Macht und Kontrolle. Wer so redet, will den anderen manipulieren - selbst aus einer hilflosen Position heraus. /Redaktion Ingrid König © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Globale Familienbande /Ein afrikanisches Adoptivkind in Deutschland /Von Christiane Schütze /Rund tausend Kinder aus fernen Ländern werden schätzungsweise jährlich in Deutschland adoptiert. Laut aktuellen Studien entwickeln sie sich genauso gut wie Kinder aus dem Inland. Auch Erica, eine Adoptivtochter aus Ghana, schien bestens integriert. Für ihr Herkunftsland und die afrikanischen Eltern, die einst in Deutschland studiert hatten, interessierte sie sich nur mäßig. Umgekehrt kam aber auch selten Post aus Afrika. Als dennoch endlich ein erstes Treffen der leiblichen Geschwister geplant ist, stirbt Erica unerwartet. Ihre Geschwister können nur noch zur Beerdigung kommen. Von ihnen erfährt die deutsche Familie, dass sie wenig über die afrikanische Verwandtschaft wusste und nicht einmal alles über Ericas Interesse an ihrer Herkunft. Ein Prozess der Selbstvorwürfe, Auseinandersetzung und der Verständigung zwischen der deutschen und der ghanaischen Familie beginnt, umso intensiver als auch noch Ericas leiblicher Vater in Ghana stirbt. Er hatte, sagen Ericas ghanaische Geschwister, den Tod seiner Tochter nicht verkraftet. /Redaktion Christina-Maria Purkert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Hallo und tschüss /Über den menschlichen Umgang beim Grüßen /Von Doris Weber /Wir sagen: Guten Tag, Hallo, Adieu, schön, dich zu sehen- Oft hat der Inhalt der Grußformeln nichts mehr mit dem zu tun, was der Grüßende meint. Dennoch: Ein Gruß ist nicht nur ein Gruß, er ist eine minimale Geste mit großer Wirkung. Gradmesser zwischenmenschlicher Beziehung. In allerkürzester Zeit macht der Grüßende sein Verhältnis zum anderen klar: freundlich, feindselig, herablassend, unterwürfig, kühl, interessiert, gleichgültig. Gegrüßet seist du Maria, sagte der Engel, und der Judaskuss wird zum Symbol des Verräters. Ist der Mensch in der Hallo-Zeit oberflächlicher als der aus der Grüß-Gott-Zeit? Es scheint als verliere der Gruß in Massengesellschaften zunehmend seine Wirkung. /Redaktion Theodor Dierkes © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Glaubens-Schule /Die neue Lust an religiöser Alphabetisierung /Von Andreas Malessa /Immer mehr Menschen wissen immer weniger über Gott, Jesus, Bibel und Kirche. Aus ihrem Berufsleben heraus schätzen sie aber den Nutzen von Fortbildungsseminaren. Der junge Verkehrspilot Axel Villinger findet es deshalb ganz normal, dass die vangelische Kirchengemeinde in der Nähe des Stuttgarter Flughafens schon zum fünften Mal einen "Glaubenskurs" anbietet. Ob das als "Bildungsoffensive", "missionarischer Trick" oder eine Art "Credo-tainment" der Kirche verstanden wird, ist ihm egal. Er hat nette Leute kennen gelernt und - "glauben geübt". Ohne Pfarrer übrigens, angeleitet von geschulten Laien. Aber an wen richten sich die Glaubenskurse? An wirklich "Glaubensferne" oder ersetzt man nur im Volkshochschulstil für die eigenen Getreuen, was der Gottesdienst nicht mehr vermittelt? /Eine Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk. Redaktion im WDR: Barbare Justine Zechmeister © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Mit den Füßen./Pilgern als Reise zu sich selbst /Von Stefanie Pütz /Buße tun, Dank abstatten, um Heilung bitten - das sind traditionelle Pilgermotive. Heute machen sich viele Menschen auf den Pilgerweg, um fernab vom Alltagsstress über ihr Leben nachzudenken und nach Sinn zu suchen. Kann das gelingen? Auf dem Jakobsweg sind mittlerweile Hunderttausende Pilger jährlich unterwegs. Ist da noch innere Einkehr oder Besinnung möglich? Viele Pilger bejahen dies. Ebenso erstaunlich ist: Egal welchen religiösen Hintergrund sie haben, die Pilger denken über Gott und die Kirche nach. "Man kann Gott beim Pilgern nicht umgehen", lautet ihre Erfahrung. /In Kooperation mit dem NDR.Redaktion: Barbara Justine Zechmeister © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Gib mir den Kick! /Wie viel Event braucht der Glaube? /Von Natalie Akbari /"Früher waren Religion und Kirche für Heilsversprechen und Paradiesvorstellungen zuständig. Heute und in Zukunft sorgt eine mächtige Freizeitindustrie für Glücksversprechungen, Traumwelten und künstliche Paradiese." Diese These stellte bereits 1995 der Freizeitforscher Horst Opaschowski auf. Heute, fast 20 Jahre später, ist sie immer noch gültig. Freizeitparks und Events aller Art boomen, die großen Kirchen dagegen kämpfen mit Mitgliederschwund und wachsender Bedeutungslosigkeit. Dabei suchen viele Menschen immer noch spirituelle Erfahrungen. Nur suchen sie diese heute nicht mehr in der Kirche, sondern auf der Achterbahn, beim Marathon oder beim Bungee-Springen. Extreme Erfahrungen wie diese können ein tiefes Glücksgefühl erzeugen, Experten sprechen auch vom "Flow". Nicht jeder, der diesen Flow sucht, denkt dabei unbedingt an Religion - ist dieser aber näher, als er vielleicht meint. Denn auch der Religion ist diese Form spirituellen Erlebens nicht fremd - schon die Propheten des Alten Testaments suchten spirituelle Erlebnisse in Extremen, etwa in der Wüste.Die Frage ist: Was bedeutet das für Religion heute? Brauchen z. B. die Kirchen mehr Events, um wieder attraktiv zu werden? Oder biedern sie sich damit einem Zeitgeist an, der ihnen das ohnehin nicht abnimmt? Wie Spiritualität heute funktioniert, abseits der durch Institutionen vorgegebenen Muster, das ist Thema dieser Sendung. /Redaktion: Barbara Justine Zechmeister © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Mischen: Possible. /Wie Menschen aus unterschiedlichen Glaubensquellen schöpfen /Von Irene Dänzer-Vanotti /Von Kräften aus höherer Sphäre bei seinem sozialen Engagement geleitet. Aus mehreren Religionen schöpfen: Das scheint manchmal ein Ausflug in einen geistlichen Supermarkt zu sein. Doch es bedeutet für viele Menschen einen intensiven Glaubensweg. /Redaktion: Barbara Justine Zechmeister © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Offen für einen neuen Geist /Tropische Nachtgedanken über Religion /Von Hans-Volkmar Findeisen /Nachts gehen einem viele Dinge durch den Kopf. Es kommen einem die besten Gedanken. Diese Feststellung gilt doppelt, wenn man nicht im eigenen Bett, sondern in einem Baumhaus neben dem Skelett des Großvaters schläft. Das ist Tradition bei den Ifugao, einem Bergvolk auf der philippinischen Insel Luzon, das noch vor einer Generation als Kopfjäger von sich reden machte. Mittlerweile wurden die Ifugao missioniert. Ganz ungeniert verknüpfen sie den alten Glauben der Ahnen mit dem neuen christlichen. Und sie geben Anlass darüber nachzudenken, wie unterschiedlich Menschen mit ein und derselben Religion umgehen. /Redaktion Christina Maria Purkert © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Was das Leben soll? Was danach ist? Was Gott bedeuten könnte? Alles wichtige Fragen, über die man mal nachdenken sollte, wenn man mal Zeit hätte ... Aber so einfach ist das nicht. Die Diagnose lautet schon lang: Unser Leben wird flexibler, schneller, medienbestimmter, lauter, vielseitiger, stressiger - und damit "bewusstloser". Tage rauschen vorbei - die Auszeiten, die Zeiten für die Suche nach Sinn, sind keinesfalls mehr selbstverständlich. Aber das Gehirn braucht Auszeiten, denn der Geschwindigkeitsrausch der Gegenwart führt uns zu einer automatisierten Lebensweise. Die Sendung sucht nach den Zeitoasen und Zeitstrategien, die ein Leben im schnellen Getriebe ermöglichen. Eine Sendung in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk;Autor/in: Matthias Morgenroth;Redaktion im WDR: Barbara Justine Zechmeister; © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Die Kirche im Dorf lassen?Personal- und Finanznöte verändern das Gemeindeleben auf dem Land Von Gisela Keuerleber © WDR 2012 [Zur Audiodatei]

Wohin, heiliger Geist? /Moderne Bewusstseinsforschung /Von Geseke von Lüpke /Die Bibel erzählt, dass vor knapp 2000 Jahren ein "gewaltiger Wind" unter die zwölf Apostel fuhr und alle mit dem "Heiligen Geist" erfüllte. Möglicherweise eine Art kollektive "Erleuchtung", vielleicht ein "außergewöhnlicher Bewusstseinszustand"? Auch fast zwei Jahrtausende später wissen wir noch wenig über "Bewusstsein", oder "Geist". Wir wissen, dass da etwas ist, können es aber nicht greifen. Während die moderne Wissenschaft bemüht ist, die Seele argumentativ abzuschaffen und Bewusstsein zu einer Nebenerscheinung der Gehirnchemie zu erklären, machen sich weltweit "Bewusstseinsforscher" auf, dem Geist auf die Spur zu kommen. Was sie entdecken, ist erstaunlich und wirft neue Fragen auf. /Redaktion Barbara Justine Zechmeister © WDR 2012 [Zur Audiodatei]